jojo2 schrieb:
Bedingt durch meine Modellanlage habe ich mir überlegt, wie lange wohl ein Seil bei echten Seilbahnen hält.
Klar wird es im wesentlichen von der Anzahl Betriebsstunden, der Länge der Anlage und der Geschwindigkeit mit der diese hauptsächlich betrieben wird abhängen.
Aber was kann man so ungefähr über die Lebensdauer sagen? Wie sieht es z.B. bei den kurzen Anlagen wie in Winterberg aus? Die laufen oft auf vollgas und sind kurz. Was kann man da erwarten?
Ich denke eine gute Größe wäre die Anzahl der Umläufe die ein Seil macht?
Dort habe ich mir bei meiner Modellanlage ausgerechnet, dass es gute 234.782 Umläufe waren die das Seil ausgehalten hat bis im Bereich des Spleißknotens zu viele Drahtbrüche waren.
Auf der Interalpin habe ich längere Gespräche mit Fatzer gehabt.
Gewöhnliche 6-litzige Zugseile ohne Kunststoffeinlage haben eine Lebensdauer von ca. 600000 Biegewechseln. Mit Lebensdauer ist stets die Ablegereife gemeint. Die Faustregel besagt, dass die Ablegereife etwa nach 30 % der Biegewechsel erreicht ist, wenn nach 100 % der Biegewechsel das Zugseil reißen würde.
Dabei verläuft der Verschleiß des Zugseils keinesfalls linear. Die Funktion sieht eher aus wie eine Parabel. Nach 200000 Biegewechseln ist das Zugseil fast noch neuwertig. Es gibt vereinzelte Drahtbrüche, die aber nicht alle an derselben Stelle des Zugseils sind. Durch den Gegenschlag ist es so, dass dadurch, dass diese einzelnen Drahtbrüche nicht alle im selben Querschnitt liegen, zunächst die Bruchkraft des Zugseils nicht beeinträchtigt wird.
Nach etwa 400000 Biegewechseln nehmen die Drahtbrüche zu, aber sie bleiben noch vereinzelt, sodass alles noch im grünen Bereich ist und die Bruchkraft noch nicht fällt.
Nach etwa 600000 Biegewechseln wird das Zugseil abgelegt und durch ein Neues ersetzt.
Würde man das Zugseil nicht austauschen, dann würde die Bahn etwa ab 1,5 Millionen Biegewecheln immer unruhiger fahren und die einzelnen Drahtbrüche immer mehr zunehmen. Von der Wahrscheinlichkeit her treten dann auch immer mehr Drahtbrüche im selben Querschnitt des Zugseils auf; danach nimmt die Bruchkraft rasant immer mehr ab, bis nach etwa 2 Millionen Biegewechseln das Zugseil reißen würde.
Mit der Lebensdauer ist immer die Zahl der Biegewechel bis zur Ablegereife gemeint.
Fatzer hat auf seiner Seite die Zugseile in aufsteigender Reihenfolge nach der Lebenserwartung für die Zahl der Biegewechsel sortiert.
Also Stabilo -> Compacta -> Oktura -> Performa
Würde ein Kunde ein 8-litziges Zugseil mit Kunststoffeinlage verlangen, also Oktura+Performa, dann wäre dies etwa 2,5 Mal so teuer wie ein Standardseil Stabilo.
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Ein Standardseil Stabilo hat etwa eine Lebensdauer bis zur Ablegereife von ca. 600000 Biegewechseln.
Ein Zugseil Oktura+Performa käme nach den theoretischen Berechnungen auf etwa 2,5 Millionen Biegewechsel.
Allerdings muss man dazu sagen, dass es zwischen den einzelnen Anlagen erhebliche Streuungen gibt, obwohl die übrigen Vorschriften wie mindestens 80-Facher Durchmesser der Antriebsscheibe im Vergleich zum Zugseildurchmesser und mindestens 80-Facher Durchmesser der Gegenscheibe im Vergleich zum Zugseildurchmesser alle eingehalten werden.
Beispielsweise hat die 375-Standseilbahn Kabatas - Taksim in Istanbul ein Standardzugseil, das aber bisher mehrere Millionen Biegewechsel im Einsatz ist. Trotzdem ist nach 13 Jahren Einsatzzeit die Ablegereife noch nicht erreicht (Stand Frühjahr 2019 bei Gesprächen auf der Interalpin). Aber: Eine Lebensdauer von mehreren Millionen Biegewechseln bei einem Standardseil Stabilo kann eben a priori nicht garantiert werden!