Nun zum eigentlichen Bericht: erst mal die Frage warum gerade Sierra Nevada? Es war schon seit Jahren unser Wunsch dieses doch etwas exotische Skigebiet einmal kennenzulernen, leider ist es nicht so einfach dorthin zu kommen. Vor 5 oder 6 Jahren hatte schon eimal ein slowenischer Reiseveranstalter Sierra Nevada in seinem Programm (Flug Ljubljana - Granada) und wir hatten bereits gebucht, leider wurde damals kurz vor der Abreise das ganze abgesagt, weil sich der Reiseveranstalter und die Fluglinie nicht einigen konnten

. Danach habe ich Sierra fast schon abgeschrieben, aber die tollen Berichte von Kaldini hier im Forum weckten bei mir erneut Interesse an diesem Gebiet. Da uns das Skigebiet aber doch etwas zu klein für eine ganze Woche schien und wir auch etwas von der Costa del Sol sehen wolten, suchten wir nach einem Hotel am Meer, aber möglichst nahe an Granada bzw. Sierra Nevada. Theoretisch wäre Salobreña der günstigste Ausgangspunkt, da wir aber keine Pauschalreise dorthin gefunden haben entschieden wir und für das etwa 10 km westlich gelegene Almuñecar. Schon zu Beginn waren 4 Tage fest geplant: 1 Tag Granada mit Alhambra, 1 Tag entlang der Costa del Sol nach Gibraltar und 2 Tage skifahren. Der Rest sollte spontan vor Ort entschieden werden.
Anreise (zum Urlaubsziel): mit dem Auto nach Wien, Flug Wien – Mallorca (Fly Niki) und weiter Mallorca – Malaga (Air Berlin), wo uns schon der Mietwagen erwartete, ein Fiat Punto 1.2. Von dort etwa 70 km auf der Autobahn bis zum Hotel.
Am Sa ging es nach Granada, am So nach Gibraltar, am Mo war es endlich soweit: Sierra Nevada! Anfahrtszeit von Almuñecar: 1 Stunde 20 Minuten, wobei ich den schwachen Wagen wirklich bis ans Ende seiner Leistung angestrengt habe. Dort parkten wir in der riesigen Tiefgarage, suchten einen Skiverleih (Schuhe hatten wir mit, ich steige für kein Geld in der Welt in die Schuhe, in welche schon ein paar Hundert vor mir hinengeschwitzt haben), kauften einen 2 – Tages Skipass und begaben uns auf die Pisten.
Am Di das selbe, mit einer Ausnahme: weil wir ja keinen Skiverleih suchten mussten, parkten wir oberhalb der Skistation am grossen Parkplatz an der Talstation Virgen de las Nieves. 5 Minuten mehr Anfahrtszeit, aber wesentlich kürzerer Weg zum Lift, und vor allem kostet der Parkplatz 2.5 Euro, die Garage 11 Euro!!!
Nach einem Tag Pause (Ziel Alpujarras) fuhren wir am Do noch einmal nach oben. Diesmal mieteten wir die Ski schon im Tal, kurz nach Granada nahe einer Tankstelle, und fuhren abermals zum Parkplatz Virgen de las Nieves.
Der Folgende Bericht ist eine Zusammenfassung von alen 3 Tagen, wobei die Fotos am Montag und Dienstag entstanden, am Donnerstag blieb die Kamera im Hotel.
Wetter: Sonne pur an allen 3 Tagen

. Temperaturen leicht steigend: am Mo den ganzen Tag unter Null (Schneekanonen ganztags in Betrieb), auf 3300 m sogar –9 und recht starker Wind. Am Di Vormittags ebenfalls unter Null, am Nachmittag in Pradollano schon leichte Plusgrade. Am Do in der Früh um Null, am Nachmittag in Pradollano schon +8. Auf 3300 m aber noch immer leichte Minusgrade.
Schnee: offiziell 50 – 150. Den letzten Wert finde ich leicht übertrieben. Auf jeden Fall waren alle beschneiten Pisten in Topzustand, die Naturschneepisten sehr unterschiedlich: von solchen mit sehr guter Schnelage bis einigen recht steinigen Abschnitten. Meistens waren die kritischen Stellen aber gut gekennzeichnet. Aufgefallen auch der sehr markante Unterschied zwischen sonnigen und schattigen Hängen: während auf der Nordseite bis etwa 1500 m Schnee lag, waren die sonnigen (Südlich - und westlich gelegene Hänge) bis etwa 2300 m schnefrei.
In Betrieb (an allen 3 Tagen): alle Lifte ausser DSB Parador 2 und 3SB Montebajo, keine von denen erschliest aber eigene Pisten.
Offen: 80 von den 84 Pistenkilometern, geschlossen waren einige der vielen Pisten im Gebiet Laguna (das Pistenlabyrinth rechs oben im Pistenplan) und der untere Teil der Piste Aguila (zweite rote von links).
Gefahren: alle Lifte (sogar die beiden Schlepper) ausser den beiden lahmen 4SB am Boreguilles, mehr oder weniger alle offenen Pisten. Einige der Varianten und Abzweigungen haben wir aber trotzdem verfehlt.
Gefallen: fast alles – Wetter, grossteils moderne Lifte, meistens gute Präparation, tolles hochalpines Skigebiet wo fast alle Pisten den ganzen Tag in der Sonne liegen. Sehr viel Pistenauswahl. Wenig Leute auf den meisten Pisten (klar, wenn eine Bahn- auch wenn es sich um eine hochleistungs 6KSB handelt - 5 oder 7 Pisten erschleist, können sie nicht allzu voll werden). Lange Betriebszeiten, tlw. bis 16:45.
Nicht gefallen: unverschämt teure Garage in Pradollano, Zustand der Leihskier: ’Mittelklasse’ bedeutet für Spanier offenbar runde Kanten? OK, auf den meisten Pisten brauchte man auch keine scharfen Kanten, auf den Hauptisten wären aber am Nachmittag etwas schärfere Kanten doch von Vorteil …
Fazit: sehr gelungener Urlaub! Wir werden sowas mittelfristig noch wiederholen, nur bringen wir dann unsere eigenen Ski mit, egal wie dumm wir am Flugplatz angeglotzt werden! Ich hoffe das in dieser Zeit:
- die Autobahn vom Meer bis Granada fertig ist (momentan gibts noch etwa 15 km Lücke, aber der fehlende Abschnitt der Autobahn ist bereits voll in Bau)
- Sierra Nevada ihre Beschneiungsanlage weiter ausbaut, am besten verdoppelt
Von der angeblich geplanten Mega – bahn von Granada ins Skigebiet halte ich hingegen nach wie vor wenig.
Pistenplan:
Falls jemand den Pistenplan noch grösser will:
http://www.cetursa.es/resources/i/mapas/plano2005-06.jpg
Das Liftsystem finde ich recht gelungen. Obwohl es 'nur' 6 moderne KSB's gibt, kan man mit ihnen, wenn man geschickt plant, fast alle Pisten befahren und die wirklich sehr lahmen fixen Lifte und unbequeme Gondeln den Spaniern überlassen

. Vor allem die 6KSB Stadium und die 4KSB's Laguna und Monachil sind wirklich sehr 'ergiebige' Bahnen, jede dieser 3 erschliesst mindestens 7 Pistenvarianten.
Schon bei der Anfahrt kommt Vorfreude auf:
Vom Knotenpunkt Pradollano gibt es 4 Lifte ins Skigebiet. Obwohl nicht alle hochmodern, ergibt das in der Summe doch eine gewaltige Förderleistung. Trotz bissiger Kälte entschied ich mich für die 3SB Genil, von einer Sesselbahn kann man wesentlich besser fotografieren als durch zerkratzte scheiben einer Gondel. Rechts der 3SB befindet such die alte 4EUB Boreguilles, die eigentlich schon im Jahr 2005 durch eine moderne Bahn ersetzt werden sollte. Um vom Ende der Talabfahrt zu dieser Gondel zu gelangen, muss man unangenehm viele Treppen laufen - hoffentlich wird es beim Ersatzbau besser durchdacht!
Noch etwas weiter rechts liegt die neuere 12EUB mit Stehkabinen Al-Andalus, auch hier muss man Treppen steigen, wenn auch deutlich weniger als bei der 4EUB. Zu sehen auch die Talstation der 4KSB Jara, die bei weitem bequemste der 4 Anlagen von Pradollano hinauf.
Feuer frei auf der Piste Sabina (am Pistenplan: erste rote Talabfahrt links):
Nochmals die drei fast paralellen Zubringerbahnen, rechts der Talabfahrt die beiden schwarzen Pisten Neveros und Tubo del Enebro (SL und RTL bei der WM):
Der Sonne entgegen mit der 6KSB Stadium. Mit dieser Bahn (505 m HU) kann man ruhig einen halben Tag lang hinauffahren, ohne zweimal die selbe Piste hinunterzufahren. Obwohl die Anlage recht voll war (manchmal musste man auch 1 oder 2 Minuten an der Talstation abwarten), verteilen sich die Menschenmassen sehr gut auf den vieleln Pisten, siehe den 'Andrang' auf die rote Piste Morillas links im Bild

:
Blick von der Bergstation der 6KSB Staduim zur 4KSB Veleta. Mit der 6KSB kann man auch alle Pisten an der kürzeren 4KSB fahren, umgekehrt natürlich nicht.
2 x Talabfahrt El Rio: typische blaue Pistenautobahn, aber nicht schlecht zum Carven: