Massenweise Skidiebstahl
Katzenjammer nach dem Einkehrschwung
Organisierte Brettldiebe machen in Österreich und der Schweiz die Skigebiete unsicher. Manchmal hat aber auch der Skibesitzer selbst die Finger mit im Spiel.
Besonders gefährlich wird es beim Après-Ski. „Dort werden die Skier in Massen einfach vor der Wirtschaft abgestellt und stehen dem interessierten Dieb quasi zur freien Verfügung“, wundert sich Werner Hauser, Bezirkspolizeikommandant von Landeck im österreichischen Tirol.
„Wir sind seit Jahren darum bemüht, gegen eine Flut von Massenanzeigen wegen Skidiebstahl vorzugehen“, sagt der Mann, dessen Behörde für das Paznauntal mit dem besonders bei jungen Leuten berühmt-berüchtigten Wintersportort Ischgl zuständig ist. „Gottlob ist die Zahl in den letzten Jahren leicht zurück gegangen, 2006 hatten wir aber noch immer etwa 1400 Anzeigen von Ski- und Snowboarddiebstählen“, sagt Hauser.
Besonders in Österreich und der Schweiz seien organisierte Banden am Werk, die vor allem an Abstellplätze vor Liftstationen und Gasthäusern oder Almhütten zuschlagen, berichtet der erfahrene Beamte. Doch auch auf Parkplätzen werde den Tätern der Diebstahl durch ungesicherte Autodachträger oft leicht gemacht.
In den auch bei deutschen Touristen beliebten Wintersportgebieten von Tirol und Vorarlberg hält man sich beim Thema Skiklau merklich zurück. Die Verantwortlichen bei Tourismusverbänden und Bergbahnen verweisen auf die Zuständigkeit der Behörden.
Dort schätzt man das Problem etwas dringlicher ein. So wurden nach Angaben des Landespolizeikommandos Vorarlberg 2006 allein im westlichsten Bundesland Österreichs über 5700 Paar Ski und mehr als 800 Snowboards gestohlen. „Die tauchen dann in der Tschechischen Republik, der Slowakei oder auch im ehemaligen Jugoslawien wieder auf, auf jeden Fall eher gen Osten“, sagt Polizeisprecher Rainer Fitz.
Zwar warnt die Polizei mit groß angelegten Informationskampagnen vor dem Skiklau, oftmals helfen aber nur noch massive Fahrzeugkontrollen, um wenigstens den Abtransport der gestohlenen Brettl zu verhindern.
Bayerische Skigebiete weniger betroffen
Im Gegensatz zu Österreich sind die bayerischen Ski-Metropolen noch nicht ins Visier der organisierten Ski-Diebe geraten. „Wir haben in unseren beiden Skigebieten etwa 10 bis 20 Anzeigen wegen Diebstahl von Wintersportgeräten pro Jahr“, sagt Eva-Maria Greimel von der Bayerischen Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen. Après-Ski, wie man ihn aus Österreich kenne, finde in der Form in Deutschland ohnehin nicht statt. „Wir sind auch familienorientierter und haben einen hohen Anteil an Tagesgästen, die vielleicht besser auf ihre Ski achten“, vermutet Greimel.
Auch bei der Fellhornbahn in Oberstdorf will man Skiklau nicht verneinen, es komme aber „äußerst selten vor“, sagt der Technische Leiter der Bahn, Christian Hauber.
Diese Einschätzung bestätigt auch die Polizei. Nicht nur wegen des Schneemangels seien in diesem Jahr noch gar keine Fälle bekannt geworden, heißt es beim Polizeipräsidium Oberbayern. Die Situation in den bayerischen Alpen oder dem Allgäu könne man generell nicht mit dem Skiklau in Österreich und der Schweiz vergleichen. Man führe nicht einmal eine eigene Statistik über Eigentumsdelikte bei Wintersportgeräten.
Fälle von Versicherungsbetrug
Oft verschwindet das geliebte Snowboard aber auch aus ganz anderen Gründen. „Leider müssen wir feststellen, dass es sich häufig um fingierte Anzeigen handelt und hier teilweise massiv in Richtung Versicherungsbetrug gearbeitet wird“, sagt Polizeikommandant Hauser. „Es scheint Mode zu sein, sich den Urlaub auf diese Weise nachträglich zu finanzieren.“
Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kennt man das Problem. „Gerade in den Bereichen, wo Versicherungsbetrug fast schon als Kavaliersdelikt gilt, ist dem nur sehr schwer nachzukommen“, sagt Katrin Rüter de Escobar, die beim GDV zuständig für Schadensversicherungen ist. Zwar seien Wintersportgeräte von der normalen Reisegepäckversicherung abgedeckt, ähnlich wie bei Fahrrädern gelten für den Besitzer aber spezielle Sorgfaltspflichten bei der Sicherung seiner Ski.
Gerade beim Skiurlaub zu Fasching sollte man daher verstärkt auf seine Schneebrettl achten. Vom Versicherungsschwindel mit angeblich gestohlenen Ski rät man bei der Polizei in Österreich dringend ab. Fitz warnt: „Wir haben Methoden, dem nachzugehen, die werden aber nicht verraten“.
(sueddeutsche.de/ddp)