16:04 -- Tages-Anzeiger Online
Ski-Drama am Titlis
Bei einem Skiunfall im Gebiet Engelberg/Titlis ist gestern Nachmittag ein sechsjähriges Mädchen getötet worden. Eine Siebenjährige erlitt leichte Verletzungen. Die Mädchen waren mit einem Skiclub abseits der Piste unterwegs.
Die beiden Mädchen waren mit dem Skiclub Engelberg unterwegs, wie die Kantonspolizei Nidwalden mitteilte. Der Leiter fuhr mit einer Gruppe von sechs Schülern vom Titlis-Stand in Richtung Station Rindertitlis.
Vereister Hang
Unmittelbar unter der Bergstation verliess er zusammen mit den Schülern die markierte Piste und fuhr ausserhalb des linken Randes auf der stark vereisten Unterlage talwärts. Um rund 14.30 Uhr stürzte eines der Mädchen und rutschte den Hang hinunter. Der Gruppenleiter versuchte ihr nachzufahren, konnte das Mädchen aber nicht mehr einholen. Bevor er anhielt, verlor ein anderes Mädchen ebenfalls die Kontrolle über ihre Skis und fiel hin. Sie rutschte in rasantem Tempo am Leiter vorbei. Beide Mädchen stürzten danach über einen Couloir mehrere hundert Meter ab. Dabei wurden sie teilweise über kleine Felsbänder geschleudert. Das sechsjährige Mädchen wurde dabei getötet. Die Siebenjährige erlitt Schnitt- und Schürfwunden.
Obwohl der Gruppenleiter sofort bei der Verunfallten eingetroffen war und gemeinsam mit einem Pistenrettungspatrouilleur sowie einem ärztlich ausgebildeten Betreuer die ersten lebensnotwendigen Massnahmen ergriff, blieben alle Wiederbelebungsversuche der Sechsjährigen ergebnislos.
Weitere Gruppenmitglieder rutschten ab
Nachdem dem Sturz der beiden Mädchen kamen weitere Gruppenmitglieder zu Fall. Ein Mädchen rutschte rund 200 Meter den Hang hinunter. Dank grossem Glück kam es aber in einer kleinen Mulde an einem Felsvorsprung zum Stillstand. Ein weiteres gestürztes Mädchen konnte von einem Betreuer, der in der Zwischenzeit die restlichen Kinder der Gruppe eingeholt hatte, «aufgefangen» werden, wie die Polizei schreibt. Der zuständige Gruppenleiter stand unter einem schweren Schock und konnte zunächst nicht zum Fall befragt werden.
Im Einsatz standen die Pistenrettung, die Rettungsflugwacht mit zwei Helikoptern, die Kantonspolizeien Ob- und Nidwalden und das Verhöramt des Kantons Nidwalden. Zur Betreuung der involvierten Kinder, der Betreuer und der Angehörigen wurde das Care-Team Zentralschweiz aufgeboten. Dieses wird die Kinder, welche in Engelberg zur Schule oder in den Kindergarten gehen, und teilweise Zeugen der Unfälle waren, weiter psychologisch betreuen und unterstützen.