Ich fand die Argumentation mit "Freizeitbeschäftigung=Luxus=unnötig" schon immer unsinnig. Zum einen sind die trotzdem Wirtschaftsfaktor, zum Anderen würde ich stark davon ausgehen, dass zumindest in der Generation unter 50 der Mehrheit die Freizeit wichtiger ist als die Arbeit. Nur Arbeiten gehen um davon gerade so Leben zu können, aber sich keine Freizeitbeschäftigungen leisten zu können würden sinnvollerweise eher wenige Leute.
Die Vergleiche mit Skipasspreisen in Nordamerika sind auf mehreren Ebenen kaum nützlich: Erstens zahlt dort fast niemand die Tageskartenpreise (weil die fast alle Saisonkarten wie Epic Pass oder Ikon Pass haben, welche sogar günstiger sind als TSC/SSSC...), zweitens fahren die eine ganz andere Strategie (und die allermeisten Skigebiete sind auch so weit von Ballungsräumen weg, dass es so gut wie gar keine Tagesgäste gibt), und drittens haben die sowieso ein politisch-wirtschaftliches System, bei dem wir in Europa froh sein können, es nicht zu haben (purer Kapitalismus, also keine Soziale Marktwirtschaft, weswegen sie solche Mondpreise für Uralt-Lifte aufrufen, lange Wartezeiten sind in Nordamerika völliger Usus, was in den Alpen nur bei einigen wenigen Liften zu absoluten Spitzenzeiten vorkommt).
Dazu kommt, dass dort zum einen wenig Wettbewerb herrscht, weil wenige große Kapitalgesellschaften Dutzende Skigebiete besitzen und meist auch vertikal integriert sind (also auch Hotels, Gastro etc. betreiben), was sie ausnutzen um Kundschaft und Beschäftigte auszubeuten (typischerweise können Firmen in den USA ihre Angestellten per sofort entlassen ohne jeglichen Grund).
Auch eine Verantwortung für andere lokale Gewerbetreibende fühlen diese Unternehmen nicht (vielmehr ist das Konkurrenz, die man aus dem Geschäft drängen muss), sondern wollen ihren Gewinn immer weiter in die Höhe treiben.
Demgegenüber werden in den Alpen sicher 95% der Gastro und Hotels von örtlichen Gewerbetreibenden betrieben, und diese sind eben auf bezahlbare Skipässe angewiesen, da das in der Breite nur dann dem Gesamtwohlstand vor Ort nützt wenn man gerade nicht auf eine "Luxusstrategie zu Mondpreisen" setzt, denn selbst wenn da dann das Fünfsternehotel und die Liftgesellschaft hohe Gewinnmargen haben, gehen die normalen Unterkunfts- und Restaurantbetreiber reihenweise pleite (weil "normalpreisige" Unterkünfte und Restaurants eben keiner mehr nutzt wenn der Skipass zu teuer ist), sogar Sportartikelhersteller und örtliche Lebensmittelmärkte würden unter eine Luxusstrategie leiden, denn auch Luxusnutzer können nicht unbegrenzt viel von deren Artikeln nutzen.
Insgesamt ist die Situation in Nordamerika sicherlich nichts was erstrebenswert ist, genauso wenig wie immer weiter über der Inflationsrate steigende Skipasspreise, weil es für uns als gesamte Gesellschaft definitiv besser ist, wenn möglichst viele Menschen am Wohlstand teilhaben können, also auch Normalverdiener und kleine örtliche Gewerbetreibende.
Insofern zeigt eigentlich Nordamerika genau wie es nicht laufen sollte und jeder der nicht von purem Egoismus und größter Selbstsucht getrieben ist, der sollte es befürworten, wenn möglichst viele Leute Skifahren gehen können.