• Willkommen im neuen Alpinforum!

    Das Alpinforum ist erfolgreich auf die neue Forensoftware XenForo umgezogen. Benutzerkonten und Foreninhalte wurden übernommen, sodass ihr euch wie gewohnt anmelden könnt.

    Schaut euch gerne um und probiert die neuen Funktionen aus. Solltet ihr Fehler oder Unstimmigkeiten entdecken, meldet sie bitte im entsprechenden Thema.

    Alle Informationen zur Migration und zum neuen Forum findet ihr hier:

    Zur ausführlichen Ankündigung

    Viel Spaß im neuen Alpinforum!

    Euer Alpinforum-Team

Skipisten schädigen Pflanzen der Alpen

lanschi

Mount Everest (8850m)
Registriert
04. Feb. 2004
Beiträge
9.730
Reaktionspunkte
305
science.ORF.at

Pistenraupen und Kunstschnee verhelfen Skitouristen zu einem angenehmen Urlaub. Laut einer Schweizer Studie bedrohen sie aber die ökologische Vielfalt der Alpen: Auf präparierten Skipisten gibt es elf Prozent weniger Pflanzenarten als abseits der Bahnen.

Dies berichtet ein Team um die Umweltwissenschaftlerin Sonja Wipf vom Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos im "Journal of Applied Ecology".

Für die Studie haben sie die Pflanzenvielfalt in zwölf Schweizer Skigebieten untersucht.

Die Studie "Effects of ski piste preparation on alpine vegetation" ist im "Journal of Applied Ecology" (Bd. 42, S. 306; 18. April 2005) erschienen.
http://www.blackwell-synergy.com/links/doi/10.1111/j.1365-2664.2005.01011.x/full/

Rückgang von Frühblühern, Bodenchemie ändert sich


Besonders betroffen von dem Eingriff seien holzartige Pflanzen und Frühblüher. Der Boden werde bei der Begradigung der Pisten mit Raupen und Baggern stark beschädigt. Zwar versuche man mit neuem Saatgut die Flächen zu retten.

Doch viele Hänge, die vor 30 Jahren mit Maschinen planiert wurden, hätten sich trotzdem bis heute nicht erholt. Kunstschnee führe zu einem Rückgang früh blühender Pflanzen und verändere die chemische Zusammensetzung des Bodens.

Viermal mehr Mineralien und Nährstoffe


Die Schneedecke auf Kunstschneepisten war laut den Forschern im Schnitt um 70 Zentimeter dicker und enthielt doppelt so viel Wasser wie diejenige auf Naturschneepisten.

Im Schmelzwasser des Kunstschnees seien zudem viermal mehr Mineralien und Nährstoffe als im natürlichen Schmelzwasser gewesen. Als Folge davon nahmen auf Kunstschneepisten die Nährstoff- und Wasserversorgung zu.



Immer höhere Abfahrten

Angesichts des Klimawandels würden in vielen Skiregionen immer höhere Abfahrten eingerichtet. Dabei komme es auch verstärkt zum Einsatz von Kunstschnee.

In ökologisch hochwertigen Gebieten sollte auf eine Bearbeitung der Pisten völlig verzichtet werden, schreiben die Forscher.

Details der Studie

- Der Boden unter Naturschneepisten erreichte Tiefsttemperaturen von unter minus zehn Grad Celsius, jener unter Kunstschneepisten von ca. null Grad - was bestimmte Pflanzen bevorzugt (Windheidearten).

- Auf Kunstschneepisten blieb der Schnee zwei bis drei Wochen länger liegen als daneben. Der Beginn des Pflanzenwachstums war dadurch verzögert.

- Sowohl auf Natur- als auch auf Kunstschneepisten war die Diversität an Arten und Produktivität im Vergleich zu ungestörten Kontrollflächen verringert.

- In Tests zu Auswirkungen von Schneezusätzen auf alpine Pflanzen stellten die Forscher schwache Veränderungen im Wachstum (bei Verwendung von Kristallisationskeimen), zum Teil aber auch eine erhebliche Düngewirkung (durch Schneehärter) fest.
 
Das gibt ja mal wieder schönes Futter für einige Interessensgemeinschaften :twisted: !
 
ahhhh diese schei** Berichte laufen gerade durch sämtlich Medien, habs in vielen Zeitungen gelesen. Selbst wenn das alles stimmt.... wie gross sind die Alpen und wieviel werden davon fürs Skifahren genutzt?? Der Anteil ist lächerlich gering. Wenn auf einer grünen Wiese ein Basketballplatz angelegt wird, schreit doch auch keiner "Basketball schädigt die Natur"
 
Wieviel Prozent der Fläche der Alpen, bzw. der Schweiz sind nochmal pistenfläche? 0,...?%, wieviel Prozent davon sind beschneit? 0,00...?%
 
einen basketballplatz kann man mit einer skipiste nicht vergleichen. oder gibts irgendwo in einem hang auf 2000m oder 3000m einen basketballplatz?

in den alpen gibts 933km² pistenfläche, davon sind 238km² beschneit. (stand 2004) vergleich: nord und osttirol sind zusammen 12,648km² groß.

pisten und seilbahnbau im hochgebirge ist fast immer mit massiven eingriffen in die natur verbunden. es kommt ganz darauf an, wie gut die liftunternehmen diese wunden in der natur "verheilen" lassen.
 
gibt bestimmt irgendwo auf der Welt Basketballplätze in der Höhenlage, natürlich nicht in Europa.

Das ist auch nicht der Punkt, mir geht es darum, dass skifahren wiedermal als naturschädlich bezeichnet wird. Sicherlich ist eine präperierte Piste nicht der Hit für die Natur, aber man sollte mal die Relationen betrachten.

Und wie gesagt, wenn von heute auf morgen, die grüne Wiese vor meinem Haus verschwindet und dort eine Sportanlage mit irgendwas
errichtet wird, dann ist da wohl auch ein Nachteil für die Natur zu sehen, sogar noch ein grösserer, weil die Wiese komplett verschwindet und nicht "nur" belastet wird.
 
ach ja den Basketballplatz in einem Hang, den gibt es natürlich nicht!
 
x x
 
wenn der platz vor deinem haus gebaut wird, dann verschwindet deine wiese ganz genau.
du kannst mir aber beim besten willen nicht erklären, dass beim pistenbau die alpenflora erhalten bleibt. wie werden pisten gebaut? händisch wo jeder arbeiter aufpasst, dass der enzian und was weiß gott was dort alles wächst, nicht zerstört wird? sicher nicht!
 
berg schrieb:
wenn der platz vor deinem haus gebaut wird, dann verschwindet deine wiese ganz genau.
du kannst mir aber beim besten willen nicht erklären, dass beim pistenbau die alpenflora erhalten bleibt. wie werden pisten gebaut? händisch wo jeder arbeiter aufpasst, dass der enzian und was weiß gott was dort alles wächst, nicht zerstört wird? sicher nicht!

hääh Basketballplatz mit Blümchen drauf???
 
Mal eine kleine Rechnung:

Auf Skipisten gibt es also 10% weniger Pflanzenarten.

Auf der Fläche wo das Bürogebäude steht gibt es höchstserwarscheinlich
100% weniger Pflanzenarten.

Somit ist also der Wintersport 9 x weniger umwetschädlich als in einem Büro zu sitzen und Mist zu schreiben.

Gute Rechnung, gell.
Ist doch eh alles nur Interpretationssache.
 
toller vergleich! äpfel, birnen, melonen, alles ist das gleiche ganz genau.
 
Der Bericht enthält doch eigentlich nichts, was wir doch nicht schon einmal gehört hätten, oder??? :wink:
 
Finde den Bericht jetzt nicht so negativ. Immerhin nur 11% weniger. So wie manche Abfahrten im Sommer aussehen wundert es einen, dass überhaupt noch etwas wächst.
Beim Pistenbau wurde IMHO größtenteils aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, Tatsache ist aber auch, dass es in den hochalpinen Lagen mehrere Jahrzehnte dauert, bis sich die Vegetation erholt hat, deshalb die besonders hohe Sensibilität dieser Areale.
 
Noch ein Punkt,

natürlich sind Skipisten, wie alle (Bau-)massnahmen in den bergen ein Eingriff in ein bestehendes (Öko-) System.


Im Sommer wird es teilweise oder bei baumassnahmen durchaus brutal aussehen. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind ERosionsschäden durch schneller abfliesendes Wasser.

Ohne die üblichen Arbeitsplatzargumente in sonst Strukturschwachen gebieten auszulutschen:

Auch Siedlungsbau, Strassenbau... in alpentälern sind massive Eingriffe, durch aufwendigere Kustbauten und einer kürzeren Vegetationsperiode (schön gesagt oder?) dauert es länger bis diese Wunden verheilt sind als ein Bau im Flachland.

Was gerne vergessen wird:

die Almwirtschaft - musterbeispiel "sanfter" landwirtschaft war nur durch massive Rodungen von Bergwald möglich. Bei Aufgabe des Almbetriebes holt sich die Natur die gerodeten Flächen schnell zurück - eine 2,3 Jahre nicht mehr bewirtschaftete Alm sind mit Büschen, hohen gras, Jungbäumen trostlos aus.
Durch Subventionen werden mittlerweile mehr Kühe im Sommer auf Almen gehalten, was ebenso zu höheren belastungen führt. Gras kann nicht schnell genug nachwachsen, Erosionschäden. Die Miclhwirtschaft auf Almen geht aus Kostengründen (arbeit) zurück -es werden mehr Jungtiere auf den Almen gehalten.

Sanfter "Skitourismus" - Tourengeher:

für Skigenietbetreiber ist der erste Schnee fast der wichtigste, er muss sauber verdichtet werden, um die darunterliegende grasnarbe vor den Skifahrern zu schützen. Skifahren bei grad mal 10, 20 cm (wenn Lifte noch geschlossen sind) beschädigt diese, führt zu einen höheren Aufwand der Präperierung und SChäden werden dem Massenskibetrieb zurechnet.

Diese führte zu der letzjährigen Diskussion Tourengeher auf Pisten (besonders ausserhalb vom Skibetrieb)

Wénn mich nicht alles täuscht, wurden in einen kleinen bay. Skigebiet versehentlich Beschneiungsleitungen beschädigt - da freut sich der Leiftbetreiber.

grüsse

uli
 
Regt ihr euch eigentlich darüber auf, dass eine Studie gemacht wurde, oder passt euch nur das (wenig überraschende) Ergebnis nicht?
 
Beim Pistenbau wurde IMHO größtenteils aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, Tatsache ist aber auch, dass es in den hochalpinen Lagen mehrere Jahrzehnte dauert, bis sich die Vegetation erholt hat, deshalb die besonders hohe Sensibilität dieser Areale.

Ich würde sagen, das genaue Gegentteil ist der Fall. Wenn man Schigelände heute mit Schigelände 1965 vergleicht, dann ist bis auf ganz wenige Ausnahmen der Unterschied des Ausmaßes der Geländeeingriffe so groß wie zwischen einem Radweg und einer Autobahn.

Was sich verändert hat (und das meintest Du ja vermutlich auch), ist die Begrünung. Da wird sicher heute mehr getan als früher. Aber da seh ich eh nicht das große Problem. Das mag ein wenig in Sachen Erosion helfen (auch wenn Du am Ende ja doch kanalisieren musst), aber in der Hauptsache ist das m.E. PR: schönes Sommerbild mit Tiroler Golfrasen auf der Piste fürs Gewissen der Urlauber. Das Problem sehe ich nicht in der Frage "grün" oder "braun" (nein, das ist nicht politisch gemeint! ;) ), sondern in der Deformation der Landschaft. Vor allem in deren Irreversibilität. Meines Erachtens wird dadurch sommers wei winters das komplette Landschaftbild stark negativ beeinflusst. Das ist zwar ökologisch irrelevant und nur nach menschlichem Ästhetik Empfinden von Bedeutung, aber durch den Grand Canyon würd ja auch keiner einen Highway durchbauen, ums auf die Spitze zu treiben.

Dazu kommt, dass - wenn mans mit dem Begrünen übertreibt wir in Österreich gern gemacht - dass man grüner Bänder in der ansonsten homogen beige-braunen Landschaft hat. Ob das das Ziel sein kann, sei ebenfalls dahingestellt.

Interessant wäre auch die Frage, ob die auf den Pisten angesiedelten Pflanzen, so sie nicht eh in der Landschaft natürlich vorkommen, möglicherweise heimische Pflanzen verdrängen oder inwiefern solche Pflanzen möglicherweise die Nahrungskette beeinflussen.

Andererseits wären solche Effekte vermutlich schon ausführlicher dokumentiert, wenn sie in relevantem Ausmaß auftreten würden.

FAZIT: An den 11 % kann ich mich nicht stören, an dem veränderten Boden solange nicht, wie nicht klargestellt wird, inwiefern sich darauf weitere Folgen ergeben.

Die großen Probleme des Pistenbaus sehe ich woanders.

Demgegenüber halte ich nicht für sachgerecht Hochlandschaften der Alpen mit irgendeiner Wiese im Flachland zu vergleichen. Die Unterschiede in Einmaligkeit und Empfindlichkeit der Landschaft sind gravierend.
 
Was mich nervt, ist dass immer mit unterschiedlichem Maß gemessen wird: Pisten sind nur "gut" wenn keine Auwirkung auf den natürlichen Zustand der Vegetation nachweisbar ist. Auf der anderen Seite wird es aber oft als Katastrophe angesehen wenn die Almlandwirtschaft zurückgeht. Stichwort Überdüngung, Erosion durch Trittschädend des übergewichtigen Viehs. Auch die Umweltverbände sollten endlich mal einsehen, daß die Alpen in großen Teilen keine Natur- sondern eine Kulturlandschaft sind. Und damit verbunden sind halt auch Nutzungen des Geländes, was eine Veränderung bewirkt. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte halt darauf geachtet werden, daß man das ganze "mit Kopf" macht.
 
Zurück
Oben