Die Salzburger Nachrichten berichten:
Skitourismus droht das Aus
12. September 2006
Klimaexperten sehen schwarz für die Zukunft des Skitourismus in Salzburg. Die Schneefälle in den Skiorten dürften sich halbieren.
anton kaindlneukirchen (SN). Experten sehen für die Zukunft des Skitourismus in Salzburg schwarz. Das ist der Tenor bei einem Treffen internationaler Klimaforscher zum Thema Klimawandel und Naturgefahren, das derzeit in Neukirchen stattfindet.
"Für die Alpenregion zeigen die Szenarien eine Zunahme der durchschnittlichen Temperatur zwischen drei und 4,5 Grad bis zum Jahr 2100", sagte Daniela Jacob vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. In Gebieten um 1000 Meter Seehöhe - dort liegen die meisten Salzburger Skiorte - werde sich die Menge der Schneefälle möglicherweise halbieren.
Zwar investieren die Bergbahnen immer mehr Geld in die künstliche Beschneiung, aber dieser sind technische Grenzen gesetzt, weil sie eine Temperatur von unter minus fünf Grad erfordert. Zudem sind Kunstschneepisten bei den Gästen unbeliebt. "Bei Umfragen haben 80 bis 90 Prozent der Skifahrer angegeben, dass sie Kunstschnee ablehnen", sagte Ulrike Pröbstl, die sich an der Wiener Universität für Bodenkultur mit dem Thema Landschaft und Erholung auseinander setzt.
"Es gibt Stimmen im Tourismus, die glauben, es gebe keine Probleme, so lange das Angebot stimme", sagte Pröbstl. "Aber 80 Prozent entscheiden sich wegen der Landschaft für ein Urlaubsziel. Nieselregen und ein Schneeband in braunen Wiesen sind nicht das, was sie wollen. Dann werden gutes Essen und ein Wellnessangebot nicht mehr reichen." Als einzige Lösung sieht sie das Zurück zum Sommertourismus.
Franz Maier, Geschäftsführer des Umweltdachverbands, der die Tagung in Neukirchen veranstaltet, hält es angesichts dieser Prognosen für sinnlos noch in Skigebiete unter 1500 Metern Seehöhe zu investieren. "Im Tourismus muss sich unheimlich viel tun", sagte Sepp Friedhuber, Alpinreferent der Naturfreunde. "Es gibt keine Rettung mehr für das Klima. Wer Versprechungen macht, ist fahrlässig. Wir müssen uns vorbereiten."
Friedhuber berichtete, dass es auch im Sommer Probleme gebe. Viele Wanderwege und Hütten seien wegen des Anstiegs der Permafrostgrenze durch Felsstürze gefährdet. Vereine wie die Naturfreunde, die für den Erhalt vieler Wege und Hütten sorgten, seien finanziell ausgeblutet. "Für uns wird es auch immer schwieriger Freiwillige für die Arbeiten zu finden", so der Alpinreferent.
Kritik an Ausbau auf dem Gletscher Einen Ausbau der Gletscherskigebiete wie am Weißsee bei Uttendorf lehnen die Experten ab. Dort wird derzeit in 2300 Metern Höhe mit Baggern ein Kanal gegraben. Neue Pisten sind geplant. "Bei einer Exkursion zum Weißsee zeigten sich die Teilnehmer über die Baumaßnahmen erschüttert", sagte Franz Maier vom Umweltdachverband. "Dieses Gebiet wird wegen der Lage nie zu einem Familienskigebiet und es ist wirtschaftlich kein Heilmittel."
Auch die Salzburger Grünen hatten die Baumaßnahmen bereits heftig kritisiert. Ulrike Pröbstl meinte, dass die Erschließung angesichts des Gletscherschwunds nur kurzfristig Wirkung zeige.
© SN.
... diesen Artikel habe ich in verschiedenen Formen in den vergangenen 5 Jahren mindestens schon 10 x gelesen ... langsam aber sicher habe ich aufgehört mich darüber aufzuregen.