„Preisdumping ist der falsche Weg”
Hohe Angebotsqualität soll den Sommer-Tourismus nachhaltig stärken – sind Dumpingpreise kontraproduktiv?
Eine vom Management Center Innsbruck (MCI Tourismus) veröffentliche Zukunftsstudie über den Tiroler Sommertourismus sorgt für Aufregung. Darin wird vor allem an der Angebots- und Imagepolitik Kritik geübt. VP-Tourismussprecher Hannes Staggl entgegnet, man solle den Sommertourismus nicht schlecht reden und warnt vor voreiligen Schlüssen. Die einmalige Natur verkörpert das touristische Potenzial der Region. Laut MCI-Studie wird dieses Potenzial jedoch nicht entsprechend genutzt.
Die einmalige Natur verkörpert das touristische Potenzial der Region. Laut MCI-Studie wird dieses Potenzial jedoch nicht entsprechend genutzt.
Eine jüngst veröffentlichte Studie des MCI Tourismus zum Thema „Zukunft des Alpinen Tourismus 2020 – Potenziale und Chancen für Tirol” bescheinigt dem regionalen Sommertourismus zwar sehr gute Voraussetzungen, allerdings würden diese nicht ausreichend genutzt. So bestünde vor allem an den Erfolgsfaktoren „Angebot” und „Image” dringender Handlungsbedarf, da diese in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen würden. Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer bekräftigt diese Ergebnisse und meint: „Es gibt klare Anzeichen für Nächtigungsrückgänge in diesem Sommer und damit eine Fortsetzung der negativen Sommer-Entwicklung bei den Nächtigungen seit 15 Jahren”.
KEINE KATERSTIMMUNG. Anderer Meinung ist der Imster Wirtschaftsbund-LA und VP- Tourismussprecher Hannes Staggl. „Im Sommer verzeichnen wir immerhin 17 Millionen Nächtigungen, im Winter sind es 25 Millionen. Das ist auch im Sommer ein Top-Wert für Tirol, auf den wir stolz sein können. Das letzte, was wir jetzt brauchen können, ist eine Katerstimmung bei den Sommertouristikern. Diese ist alles andere, als angebracht”, erklärt Staggl. Trotzdem sei es auch seiner Meinung nach wichtig, die Kräfte der Tourismuswerbung zu bündeln. Der Winter sei mit seinem klar kommunizierbaren Wintersportangebot viel leichter zu verkaufen, für den Sommertourismus sei dies schwieriger. Die aktuelle Tourismusstudie schätzt Staggl dabei als einen wichtigen Meilenstein bei der Weiterentwicklung des Sommerangebotes ein.
ZUKUNFTSCHANCEN. Ebenfalls keinen Grund zur Beunruhigung sieht Reinhold Werth, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Tiroler Oberland und Kaunertal. „Vor allem im Hotelbereich wird in der Region sehr gute Arbeit geleistet. Dadurch, und aufgrund der ausgezeichneten Bedingungen am Kaunertaler Gletscher, verzeichneten wir im Juni dieses Jahres einen klaren Zuwachs an Nächtigungen von rund 16 Prozent”, erklärt Werth. Chancen für die Zukunft sieht er vor allem durch eine weitere Steigerung der Programmqualität. So soll vor allem das „Natur-, Wander- und Bergerlebnis” – wo bereits beste natürliche Voraussetzungen vorhanden sind – betont werden. Zwar hätten auch preisaggressive Strategien ihre marktwirtschaftliche Berechtigung, jedoch „nützt irgendwann auch ein günstiger Preis nichts mehr, wenn die Qualität nicht stimmt”, meint Werth.
MIEMING. Ähnlich sieht dies auch Hubert Trenkwalder, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mieminger Plateau und Fernpass Seen und glaubt, dass langfristig gesehen nur beste Qualität zu einem guten Preis zum Erfolg führen kann. „Preisdumping führt zwar kurzfristig zu einer hohen Auslastung, langfristig gesehen ist dies aber keine zukunftsträchtige Strategie”, erklärt Trenkwalder. Für den Sommertourismus sieht er jedenfalls ein enormes Wachstumspotential. „Der Gast muss die Natur erleben können”, erläutert Trenkwalder. Gerne verweist er auch auf die guten Nächtigungszahlen im Juni und begründet diese vor allem durch die ausgezeichneten Wetterverhältnisse in der zweiten Junihälfte, sowie durch den „gesunden Gästemix”.
TIROL WEST. Ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr konnte auch beim TVB Westtirol verzeichnet werden. Mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent bei den Nächtigungen zeigte man sich hier zufrieden. „Mit Dumpingpreisen sehen wir uns in der Region wenig konfrontiert”, erklärt Ingrid Wohlfahrter, Geschäftsführerin des TVB Tirol West, stellt die Betriebwirtschaftlichkeit einer Niedrigstpreispolitik jedoch in Frage. Weniger positiv zeigt sich die Situation in der Region Imst-Gurgltal, welche nach dem letztjährigen Nächtigungsminus auch heuer mit einem zahlenmäßigen Rückgang in den Sommer gestartet ist. „Hier muss aber berücksichtigt werden, dass heuer zwei Vier-Stern-Häuser, die immer sehr gut gebucht waren, wegen einer Betriebsschließung wegfallen”, erklärt Alexandra Flür, Geschäftsführerin des TVB Imst-Gurgltal die Situation.
IMST. Im Juni war zwar ein leichtes Nächtigungsplus von 1,7 Prozent zu verzeichnen, allerdings erkennt Flür auch in der Marktpositionierung Tirols im Sommertourismus ein Problem: „Im Winter gibt es ein klares Thema: Schifahren. Im Sommer fehlt es an einem solchen. Viele Gäste haben ein sehr verschwommenes Bild, was ihnen unser Land im Sommer bieten kann.” In Imst setzt man daher auf eine Positionierung als Outdoor-Mekka. „Wir haben unser Outdoor- Programm in den letzten Jahren sehr gut ausgebaut und werden dies auch weiterhin tun”, erklärt Flür. Von Preisdumping hält auch sie nichts: „Dumpingpreise sind absolut das Schlechteste, was man tun kann und schaden dem gesamten Tiroler Tourismus. Wer einmal damit anfängt, wird sehr lange brauchen, um aus der Billig-Schublade wieder herauszukommen.”