Ein Artikel aus der Tiroler Tageszeitung:
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Großflächige Umgrabungsarbeiten haben Wanderer, Naturschützer und zuletzt auch die Behörde alarmiert. Foto: Fischer
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Die Wunde bleibt offen, für eine Begrünung ist es zu spät.
Foto: Fischer
Strafverfahren für Bergbahnen
Pistenarbeiten bei den Steinacher Bergbahnen haben Umweltschützer und Behörden auf den Plan gerufen: Ein Strafverfahren folgt.
Lärmende Bagger und aufgerissene Erde: Die weithin hör- und sichbaren Auswirkungen der Arbeiten an der Piste oberhalb von Steinach haben nicht nur Wanderer alarmiert. Dutzende besorgte Anrufer meldeten sich beim Alpenverein, bei der Umweltanwaltschaft und bei der Behörde. Auch Gerhard Liebl, Chef der Umweltabteilung des Landes, berichtet über massive Beschwerden.
Dass ein Strafverfahren eingeleitet wurde, dafür war schließlich ein Sachverständiger verantwortlich: "Er hat gemeldet, dass die Arbeiten nicht bescheidgemäß ausgeführt wurden", sagt Wolfgang Nairz, Leiter des Umweltreferates der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck. Bei der Pistenerweiterung wurden Auflagen nicht eingehalten. Die Behörde begann mit Ermittlungen.
"Die neue Fläche wurde nicht sofort ausreichend begrünt", beanstandet Nairz fehlende Rekultivierungsmaßnahmen. "Anstatt die abgeschobene Grasnarbe nach den Planierungsmaßnahmen wieder aufzutragen, damit das Wurzelwerk schnell anwachsen kann, wurde sie gefühllos runtergeschoben." Insgesamt drei Sachverständige - ein Geologe, ein Botaniker und ein Mitarbeiter der Wildbach- und Lawinenverbauung - machten sich zum Lokalaugenschein auf, eine rasche Sanierung ist allerdings unmöglich. Nairz: "Es war schon zu spät für eine Begrünung. Darum hätte man sich in diesen Höhenlagen spätestens im Frühsommer kümmern müssen."
Durch die unterlassene Rekultivierung sei außerdem zusätzliches Gefahrenpotential geschaffen worden - durch Erosion. Bei einer raschen Schneeschmelze im Frühling werden rutschende Hänge nicht ausgeschlossen. Das Siedlungsgebiet sei nicht gefährdet, ein Risiko für die Skihütte wird allerdings nicht ausgeschlossen. Sogar von möglichen Evakuierungen ist die Rede.
Unternehmer Erich Raffl - er will die Bergbahn mit Ende dieses Jahres übernehmen - rechtfertigt sich: "Humusieren bis Ende Juni ist sich nicht ausgegangen. Und wenn ich das später gemacht hätte, wäre der Schaden noch größer gewesen." Das habe er mit den Sachverständigen geklärt.
Er ärgert sich über das Einschreiten der Behörde: "Wenn man sich bemüht, in der Region was zu tun, wird man bestraft!" Weder Umwelt noch Menschen seien gefährdet.
Landesumweltanwalt Sigbert Riccabona sieht die Sache anders: "Auch ein Musterbeispiel von einem Unternehmer, der tüchtig ist und sein privates Geld investiert, muss sich an Auflagen halten."
