Alpinforum.com deckt auf: Wundersame Pistenvermehrung am Stubaier Gletscher
Aus Marketing-Gründen vermehrt die Wintersport Tirol AG die Pistenkilometer am Stubaier Gletscher. Blaue Pisten-Kilometer wurden zur Saison 2003/04 verdoppelt, rote und schwarze gar verdreifacht. Skirouten blieben gleich.
Ski- und Seilbahnfreaks entgeht nichts. Auch nicht der neueste Marketing-Trick im hart umkämpften Markt um Skigäste. Daß man Liftlängen von Umlenkscheibe zu Umlenkscheibe und nicht von Ein- zu Ausstieg mißt, betrifft ja nur mehr die stetig sinkende Zahl an Schleppliften. Daß man Pistenkilometer gerne aufrundet, breite Pisten doppelt zählt oder Pisten mit Abzweigungen mehrfach zählt, ist bereits ein alter Hut. Aber die Pistenkilometer von einem Jahr zum anderen einfach pauschal zu vervielfältigen, gipfelt das Maß an Verträglichem.
Dazu die Mitglieder vom Alpinforum: "Der Stubaier Gletscher ist einer der schönsten und modernsten Gletscherskigebiete. Wir können nicht verstehen, daß die solche Lügen nötig haben. Mit so einer Vorgehensweise werden jegliche Vergleichsmöglichkeit mit anderen Skigebieten zerstört, selbst innerhalb des Skigebiets hinkt es: So ist eine rote Piste, die direkt am Schlepplift Gaißkar entlang geht, mit 4,5km plötzlich länger als die blaue Piste, die auf der anderen Seite einen großen Bogen macht und lediglich 3km lang sein soll. Der Schlepplift selbst, wohlgemerkt, hat laut Plan nur eine Länge von lediglich 988m. Die Längenangaben der Skirouten hat man übrigens nicht geändert, wobei man analog dazu diese wohl vervierfachen hätte können...."
Etwas anders sehen dies naturgemäß die Stubaier Gletscherbahnen: " Die geänderten Längenangaben sind auf aktuelle Vermessungen
des Gletscherskigebiets zurückzuführen. Die Länge der Pisten wurde
bisher in der direkten Luftlinie angegeben. Die 110 Abfahrtskilometer
inkl. Skirouten entsprechen der Strecke, die ein Wintersportler
tatsächlich zurücklegt. "
Aussagen, die sich jedoch leicht wiederlegen lassen. Erstens waren auch die vorherigen Pistenkilometer nicht einfach Luftlinie, sonst müßten Abfahrten, die 100% direkt am Lift entlang gehen, ja gleich lang sein wie der Lift, was bisher auch nicht der Fall war. Zweitens wurde nicht neu vermessen, sondern - wie man anhand des Fotos der Pistenpläne von 2002 und 2003 sehen kann, wirklich einfach jeweils verdoppelt (blaue Pisten) und verdreifacht (rote und schwarze Pisten)
Noch genauer geht Alpinforum-Mitglied "Starli" aus Innsbruck der Sache nach. Als Jahreskartenbesitzer und fanatischer Skifahrer hat er ein paar Pisten mit seinem GPS-Gerät nachgemessen: "Wenn ich normal fahre, komm ich nicht mal auf die Werte vom alten Prospekt. Wenn ich mich bemühe, größere Bögen zu fahren, so erhalte ich hier und da die alten Angaben, die bei einem normal-sportlichen Durchschnittsfahrer also der tatsächlich gefahrenen Strecke (und nicht Luftlinie) entsprechen. Vergangenes Wochenende hab' ich 'mal versucht, wirklich extrem unnatürlich zu fahren, die ganze Pistenbreite ausnützen und viele, viele Bögen gemacht, schlimmer als ein Extrem-Carver und fast so wie ein Anfänger-Skikurs. Dabei hab ich nicht mal die Verdoppelung auf der blauen Piste erreicht. Eine rote Piste hab ich auch nachgemessen, mit großen Bögen auf halber Pistenbreite, aber statt 6km hab ich auf meinem GPS-Gerät nicht mal 2km gemessen. Soll ich die Piste vielleicht wie ein Langläufer fahren? Oder sind am Stubaier Gletscher nur mehr Anfänger unterwegs?"
Für alles gibt es in der EU Richtlinien und Standards. Auch das Tiroler Pistengütesiegel hat gewisse Richtlinien. Aber beim Vermessen der Pistenkilometer haben die Betreiber anscheinend freie Wahl. Der Konsument hat freilich das Nachsehen und so bleibt nur zu hoffen, daß sich auch die Stubaier Gletscherbahnen wieder besinnen. Und keiner über die langen Nasen stolpert...
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Das ganze Topic im Alpinforum nachzulesen unter:
http://www.ski-world.net/forum/viewtopic.php?t=2725
Fotos anbei:
- Vergleich Kilometerangaben Pistenplan 2002/03 und 2003/04
- GPS-Trailmap Schlepplift Eisjoch und Schlepplift Daunferner
Text und Fotos von Marko Schuster, zur weiteren Verwendung freigegeben.
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