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Klaus Zurschmitten, Verfasser der neusten Studie über die Bergbahnen im Wallis:
„Nur die Hälfte der Bergbahnen wird übrig bleiben“
Die Bergbahnen sind fürs Wallis eine Schlüsselbranche. Dank den Kunden der Walliser Bergbahnen fliessen pro Jahr an die zwei Milliarden Franken in die Walliser Volkswirtschaft. Allerdings: 15 der insgesamt 51 Bergbahngesellschaften erzielen im Wallis 80 Prozent des Umsatzes. Viele mittlere und vor allem Kleinstunternehmungen kämpfen heute ums wirtschaftliche Überleben. Zu diesem Schluss kommt auch die von Klaus Zurschmitten im Auftrag des Kantons erstellte Studie. Die RZ hat nachgefragt.
Von German Escher
Sie haben eine Studie über Walliser Bergbahnen verfasst. Wie geht’s der Branche?
Den grösseren Bergbahnen geht es mehrheitlich gut, den kleinen mit einigen Ausnahmen schlecht. Die Umsätze stagnieren seit zehn Jahren, während der Investitionsbedarf immer grösser wird. Die Gesamtverschuldung konnte in den letzten zehn Jahren leicht abgebaut werden, sie ist im schweizerischen Vergleich aber immer noch hoch.
Vor allem im Sommer stimmt die Wirtschaftlichkeit nicht: Werden bald einmal im Sommer viele Bahnen still stehen?
Die Bergbahnen sind hier in einer heiklen Konfliktsituation. Auf der einen Seite stehen sie unter dem Druck, die Kosten zu senken, auf der anderen Seite sollten sie dem Sommergast ein optimales Angebot anbieten. Tatsache ist, dass die Sommersaison mit wenigen Ausnahmen defizitär ist. Die Bergbahnen fordern deshalb unisono, dass sich alle Leistungsträger daran beteiligen.
Sehen sich die Bergbahnen nicht häufig als Transport- und zu wenig als Tourismusunternehmungen, die auch stärker auf Marketing und Events setzen sollten?
Das ist richtig. Bergbahnen sind keine Transport-, sondern Freizeitunternehmen. Sie „verkaufen“ ihren Kunden Sport- und Freizeitvergnügen, Erholung und das „Erlebnis Berg“. Marketing, Kommunikation, Unterhaltung, Events etc. gehören schon heute zu den Kernaufgaben der Bergbahnen.
Entscheidend bleiben die harten Faktoren wie Infrastrukturen. Wie hoch ist der Investitionsbedarf der nächsten Jahre?
Die Walliser Bergbahnen haben einen grossen Nachholbedarf bei den Investitionen. Ich schätze den Investitionsbedarf für die nächsten fünf bis zehn Jahre auf rund 130 Millonen pro Jahr. Ohne diese Investitionen kann der Rückstand zu unseren Konkurrenten im Ausland nicht genügend abgebaut werden.
Und wie soll das happige Investitionspaket finanziert werden?
In der Modellrechnung gehe ich davon aus, dass 60 Prozent aus eigenen Mitteln (Cashflow und neues Aktienkapital), 15 Prozent durch die öffentliche Hand (zinslose Darlehen) und 25 Prozent durch Bankdarlehen/Leasing finanziert werden.
Zum einen will man die Bahnen entpolitisieren. Zum andern sollen Bund und Kanton laut Studie künftig pro Jahr je zehn Millionen zinslose Darlehen in die Branche pumpen. Ist das kein Widerspruch?
Nein. Im Ausland, vor allem in Österreich und Südtirol, erhalten die Bergbahnen viel mehr Geld von der öffentlichen Hand. Kanton und Bund sollen lediglich die Restfinanzierung sicherstellen. Ohne diese könnten viele Projekte nicht realisiert werden. Darum kann man das Postulat nach „Entpolitisierung“ der Verwaltungsräte genau so gut umsetzen.
Sie plädieren für Fusionen: Werden die Grossen immer grösser und die Kleinen immer ärmer?
Dies trifft in den meisten Fällen zu. Die „Kleinen“ können in der Regel mit ihren bescheidenen Umsätzen die steigenden Betriebs- und Unterhaltskosten nicht decken. Darum stehen auch keine Mittel für dringend notwendige Investitionen (z.B. Beschneiung) zur Verfügung. 80 Prozent der Bergbahnen im Wallis mit weniger als 1 Mio. Umsatz haben eine ungenügende Wirtschaftlichkeit.
Kleine Bahnen wie der Hungerberg können ohne jährliche Unterstützungsgelder nicht überleben. Ist eine solche Strukturerhaltung sinnvoll?
Viele Gemeinden können sich die jährlichen Defizitbeiträge nicht mehr leisten. Bund und Kanton werden in Zukunft nur Unternehmen unterstützen, die langfristig eine echte Überlebenschance haben. Neben einer genügenden Wirtschaftlichkeit gehören dazu auch gute Standortvoraussetzungen betreffend Schneesicherheit, Skigebiet, touristische Infrastruktur u.a.
Wie sieht die Walliser Bergbahnlandschaft in zehn Jahren aus?
Ich gehe davon aus, dass langfristig von den 51 Bergbahnen im Wallis nur noch knapp die Hälfte übrig bleiben wird. Der Abbau erfolgt sowohl durch Fusionen wie auch durch Betriebsschliessungen. Zu den grossen „Vier“ Zermatt, Saas-Fee, Verbier und Crans-Montana werden noch zwei bis drei weitere Grossunternehmen dazu kommen, die durch Fusionen entstehen werden. Viele kleine und mittelgrosse Bergbahnen werden ebenfalls gezwungen sein, sich zu grösseren und leistungsfähigeren Unternehmen zusammen zu schliessen.
Vielleicht fusionieren ja irgendwann auch mal Grimentz und Zinal!An der Rieder-, Bettmer- und Fiescheralp erachte ich eine Fusion sowieso schon mal angebracht.
Sonst wirds wohl kaum mehr irgendwo mehr ne grössere Fusion geben.
Oliver Frank schrieb:Studien zeigen, dass nur 15% der Fusionen später die anfänglichen Erwartungen erfüllt haben.
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