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Studium und Universitäten

Dachstein schrieb:
Seilbahnjunkie schrieb:

363,36 Euro

Ich frag mich übrigens, wie du auf 500 Euro kommst. Nicht jedes Bundesland hat in D Studiengebühren.

MFG Dachstein

aber wenn studiengebühren verlangt werden, sind es in den meisten fällen 500€.

@piano
ist natürlich fraglich ob ne abiturientenquote von 14% wünschenswert ist. vorallem vor dem hintergrund dass in europa in immer mehr bereichen ein studium erwünscht wird.
 
@piano
ist natürlich fraglich ob ne abiturientenquote von 14% wünschenswert ist.

Man darf nicht vergessen dass in der Schweiz der Weg über eine Berufslehre sehr populär ist. Und nein, eine Berufslehre führt nicht in eine Sackgasse. Selbst nach einer Berufslehre könnte man die Matura noch nachholen.
Und eine höhere Quote hätte im Endeffekt zur Folge dass das Niveau der Gymnasien sinken müsste und es somit zu einer Abwertung der Matur kommt. Was in den letzten Jahren übrigens schon geschehen ist.

An der ETH besteht de Facto in jedem Studiengang ein numerus clausus nach dem ersten Jahr, wo in den meisten Studiengängen "ausgesiebt" wird und etwa 40% durchfliegen.
Aber dieser versteckte NC wird von der Schulleitung vehement dementiert. Da wird es einfach damit begründet dass ein gewisser Anteil der Studenten zu faul ist oder schon grundsätzlich nicht für dieses Studium geeignet ist. Somit muss die Notenskala gar nicht angepasst werden, da sich die Studenten quasi selbst ins Out manöverieren.
Wer's glaubt, wird selig :roll: Aber leider kann man es nicht beweisen...
Abgesehen davon sind 40% direkt wenig !
 
Pilatus schrieb:
...Die Matura soll den freien Zugang zu den Universitäten garantieren, die Selektion soll am Gymnasium statt finden und nicht bei einer "Tagesform"-Prüfung. Beim Abi in DE scheint das nicht der Fall zu sein...

Das ist in Deutschland nicht der Fall, weil es kein bundesweites Zentralabitur gibt. In Rheinland-Pfalz, wo ich Abi gemacht habe, gibt es das zum Beispiel gar nicht. Das führ zu einer krassen (!) "Wettbewerbsverzerrung" sogar innerhalb einer Schule. Da bekommt man schon mal zugetragen, dass die Themen der Abiprüfungen im Voraus nahezu angekündigt wurden.

Und da fängt das ganze schon an. Manche bekommen ihr Abi, abhängig vom Lehrer, regelrecht hinterhergeschmissen. Damit ist ein guter 1,x-Schnitt und somit das Medizinstudium in D problemlos möglich. Andere haben die altbekannte A****karte gezogen. Und mir soll hier keiner Zählen, dass so genannte "Mitarbeitsnoten" nach Leistung vergeben werden. Aber dass die Bildungspolitiker hierzulande nicht die fähigsten sind, haben sie ja schon mehrfach unter Beweis gestellt.

Die Flucht auf ausländische Unis kann ich somit sehr, sehr gut verstehen. Dass manch einer dort nicht gerade glücklich darüber ist, ist auch klar.


P.S.:
Hier in Dresden gibt es auf Maschinenbau keinen NC. Deutschland hat ja schließlich auch einen großen Bedarf an Nachwuchsingenieuren. Studiengebühren gibt es auch keine. Außerdem ist es eine sehr schöne, von Studenten maßgeblich geprägte Stadt. Was passiert also? Es gibt viel zu viele Spaßstudenten, die sich einfach mal einschreiben. Fahrrad reparieren macht ja eigentlich auch Spaß und so. Folglich wird (massiv) gesiebt, uns wurden so einige Steine in den Weg gelegt, die nicht hätten sein müssen. Aber das ist einfach das fairste Kriterium: das Leistungsprinzip. Und das sollte in allen Studiengängen zählen.
 
Achso, noch was nicht ganz unwichtiges:

Es gibt ja hier in Deutschland eine ganze Heerschar an Anwälten, die darauf spezialisiert ist, Abiturienten in beliebte (Medizin-)studiengänge einzuklagen, und das klappt wohl sehr oft. Sollte man also keinen Ausweg mehr sehen, besteht noch diese kostspielige Chance auf ein Studium hierzulande.

Und jetzt der Haken: Eingeklagte Studenten haben in ihrer "Akte" einen Vermerk. Dementsprechend sehen die mündlichen Prüfungen aus. Sollten diese Studenten also nicht außerordentlich gut sein, sind sie ganz schnell wieder draußen. Mal abgesehen davon, dass sie ihre komplette Studienzeit über gebrandmarkt sind.
 
TPD schrieb:
Aber leider kann man es nicht beweisen...

Ganz einfacher Beweis: In der Studieneingangsphase werden 100 Studienplätze angeboten, danach kommt die große Klausurrunde. Im nächsten Abschnitt (meist ab Semester 3) gibt es dann nur mehr 60 Praktikumsplätze / Übungsplätze. Die, die durchkommen, bekommen die Plätze.

MFG Dachstein
 
Seht Ihr - genau drum habeich in der Oberstufe das Gymnasium geschmissen, die Arschkarte freiwillig in die Hand genommen, eine minderwertige Lehre gemacht und nicht studiert, um Euch den Streit um meinen Studienplatz zu ermöglichen!
Ich bezahle sogar gerne Steuern, und das nicht zu wenig, daß Ihr ein unbeschwertes Leben führen könnt, zu Theoretikern herangezüchtet werdet, und mir dann später in der Praxis das Leben schwermacht!

Das gibt meinem verpfuschten Leben als Baraberer, der im Sozialen Sumpf um´s Überleben kämpft, erst wieder Sinn... :twisted:

Frage: Ich habe während meiner Schulzeit an drei IQ-Tests teilgenommen, mit 12 Jahren, mit 15 Jahren und mit ca 18 Jahren. Die Ergebnisse lagen so zwischen 128 und 141 - ist das eigentlich gut?

Wenn ja, dann war meine Entscheidung, nicht zu studieren doch gut, oder? :roll: :lol:
 
Yeti01 schrieb:
Frage: Ich habe während meiner Schulzeit an drei IQ-Tests teilgenommen, mit 12 Jahren, mit 15 Jahren und mit ca 18 Jahren. Die Ergebnisse lagen so zwischen 128 und 141 - ist das eigentlich gut?

Wenn ja, dann war meine Entscheidung, nicht zu studieren doch gut, oder? :roll: :lol:
Darf ich dich künftig Prof. Dr. Dr. Zweistein nennen? ;D
Übrigens - kein Piefke versteht was ein Baraberer ist :D Kenn ich von meinem steirischen Onkel.
 
An der ETH besteht de Facto in jedem Studiengang ein numerus clausus nach dem ersten Jahr, wo in den meisten Studiengängen "ausgesiebt" wird und etwa 40% durchfliegen.

Ja, aber dass trifft dann alle Studenten. Da die Ausländer m.W. schon "vorgesiebt" sind, besteht natürlich die Gefaht, dass diese am Ende einen Grossteil der Studenten ausmachen. Und 40% ist schon eher das Maximum wie ich gehört habe? Und mal ehrlich, auch an der ETH gibt es Studiengänge und Studiengänge ;)

Da wird es einfach damit begründet dass ein gewisser Anteil der Studenten zu faul ist oder schon grundsätzlich nicht für dieses Studium geeignet ist.

Naja, dann wäre an dieser Schule grob was falsch. Ein Kollege von mir (an der Kantonsschule in der Top 3 der Klasse würde ich sagen) ist letzten Sommer mit einer 3.99 (!) in Elektrotechnik durchgerasselt.

Das ist in Deutschland nicht der Fall, weil es kein bundesweites Zentralabitur gibt.

Die Maturaprüfungen werden an den staatlichen Schulen auch alle individuell erstellt, werden aber von einer unabhänigen Expertenkommission überprüft. Nur die Privatschulen müssen m.W. eine "Zentralmatur" durchführen, um Betrug zu verhindern (der ja bei einem privaten Anbieter durchaus lukrativ sein könnte).

Man darf nicht vergessen dass in der Schweiz der Weg über eine Berufslehre sehr populär ist. Und nein, eine Berufslehre führt nicht in eine Sackgasse. Selbst nach einer Berufslehre könnte man die Matura noch nachholen.

Klar kann man die Matur nachholen. Aber das halte ich gar nicht unbedingt für den entscheidenden Punkt in unserem Bildungssystem. Die sogenannte "Berufsmatur" die man begleitend zur Berufslehre abschliessen kann, finde ich die beste Erfindung, die unser Bildungssystem zu bieten hat. So kommt man praktisch ohne Verzögerung ebenfalls zu einer quasi-akademischen Ausbildung an einer Fachhochschule, hat aber eine Menge Praxisbezug. Dadurch wird das System durchlässig und man hat nur die Mengen an reinen Theoretiker, die es wirklich braucht. Zudem lassen sich grössere Studentenzahlen nur durch einen Niveauverlust erreichen, dass die Bevölkerung nämlich nur aus potenziellen Genies besteht will ja wohl keiner behaupten.
Der Ruf von linken Politikern nach einer höheren Maturandenquote ("Europa hat das so, die Pisastudie hat gezeigt... blablabla") finde ich eh total daneben. Wir haben eine der gesündesten und erfolgreichsten Volkswirtschaften weltweit, und dies bestimmt nicht weil wir das falsche Bildungssystem hätten! Kleine Maturandenquoten und Berufslehren mit Ausbaumöglichkeiten halte ich für DAS Erfolgsrezept unseres Landes!

@ Yeti01: Hat aber auch niemand behauptet, dass alle die keinen Uniabschluss haben, nichts in der Birne hätten ;)
 
Ganz einfacher Beweis: In der Studieneingangsphase werden 100 Studienplätze angeboten, danach kommt die große Klausurrunde. Im nächsten Abschnitt (meist ab Semester 3) gibt es dann nur mehr 60 Praktikumsplätze / Übungsplätze. Die, die durchkommen, bekommen die Plätze.
Natürlich läuft es in der Praxis so ab.
Aber kein Professor wird dir bestätigen dass es so läuft.
Sondern da wird schlicht und einfach behauptet dass die Notenskala schon vor dem Beginn der Prüfung festgelegt wird und nicht mehr nachträglich abgeändert wird. Nun ist es einfach ein dummer Zufall dass an der Prüfung so viele Studenten durchfallen. Angeblich hätten sie nichts dagegen wenn Alle die Prüfung bestehen würden. Da sie aber durch die Erfahrung und Statistik der vergangenen Jahre wissen dass ein gewisser Anteil durchfällt, macht es eben keinen Sinn, wenn im dritten Semester auch noch gleich viele Studienplätze angeboten werden, wie im ersten Jahr.

Solange man als Aussenstehenden nicht beweisen kann dass die Notenskala nicht nachträglich angepasst wird, gibt es eben offiziell keinen NC und es schreiben sich somit einfach zu viele Nieten für diesen Studiengang ein...

Naja, dann wäre an dieser Schule grob was falsch. Ein Kollege von mir (an der Kantonsschule in der Top 3 der Klasse würde ich sagen) ist letzten Sommer mit einer 3.99 (!) in Elektrotechnik durchgerasselt.

Die ETH bildet lieber die Top 1 aus China aus. ;)
Und als Steuerzahler muss man sich effektiv mal die Frage stellen ob es einen Sinn macht, wenn eine Hochschule hauptsächlich eine ausländische Elite ausbildet und die Einheimischen werden kläglich auf der Strecke gelassen.
Und die Zukunft wird da sehr düster aussehen. Vor allem wenn man denkt dass gewisse Kreise in der obligatorischen Schulzeit ein integratives Schulmodell fordern. Sprich alle Kinder (normale, gestig behinderte, Asylbewerber, die kein Wort Deutsch verstehen etc.) sollen in der selben Klasse ausgebildet werden. Da ist es ja wohl vorprogrammiert dass die normalen Kinder auf der Strecke bleiben... Und an der Universität wird das Niveau garantiert nicht sinken.
 
Pilatus schrieb:
@ Yeti01: Hat aber auch niemand behauptet, dass alle die keinen Uniabschluss haben, nichts in der Birne hätten ;)

Ich behaupte sogar das Gegenteil: nicht jeder, der einen Uniabschluss hat, hat auch was in der Birne. Das Problem ist halt, dass Papier geduldig ist und in Wirklichkeit fast jeder Arbeitgeber auf das Zeugnis schaut, und meistens fallen halt durchwegs passable Qualitäten dadurch unter den Tisch...
Einzig froh bin ich, dass an meinem Institut kein derartiger NC herrscht, für so einen Blödsinn sind wir einfach viel zu klein.

MFG Dachstein
 
Also ich hab mich anfangs auch darüber aufgeregt, dass bei mir im Studiengang der Hörsaal voll war und die Hälfte davon das Studium gar nicht so ernst genommen haben. Anders gesagt, am Anfang saß ich mit 200 Leuten im Hörsaal, in den letzten Semestern gab es Fächer, da waren wir zu zweit bis fünft!!! Am Schluss kommt dabei schon eine Fachkraft raus, die auf ein bestimmtes Themenfeld spezialisiert ist.
Im Nachhinein finde ich das System so ok und kann das Argument einer Studiengebühr nur, um Lernunwillige rauszudrängen, nicht gutheissen. Dann hat man halt eben anfangs überfüllte Hörsäle und nach 2-3 Semestern wechseln viele oder hören auf, weil sie dreimal durch ne Prüfung gefallen sind. Wenn gleich zu Beginn der Lerndruck da ist, hat man halt die problematischen Erstsemester und konzentriert sich beim fachlichen auf die Leute, die dageblieben sind.

Fand das eigentlich alles ok in meinem naturwissenschaftlichen Studium, erst Grundlagen, wer nicht genug Chemie kann, raus, also möglichst wenig Ressourcen in die Erstis gesteckt. Aber später nach dem Bachelor die teuren Praktika, wo man selber Gott spielen und die DNA von Bakterien neu mischen darf (heraus kommt ein Irrer :mrgreen: ) halt nur für die paar Nasen, die übrig sind.

Mal ne Frage. Kann ein deutscher Student in Österreich sowas wie Bafög bekommen (monetäre Beihilfe für Studenten vom deutschen Staat)??? Weil wenn der österreichische Staat auch noch den Lebensunterhalt von deutschen Studenten zahlen muss, kann ich die Aufregung verstehen.
Übrigens wer sagt, dass der deutsche Student, der eine Fachkraft geworden ist, nicht gern in Österreich bleiben möchte??? Ist ja seine neue Heimat geworden, mit der er sich dann vielleicht auch identifiziert und Fachkräfte kann ja jedes Land gebrauchen (siehe Abwanderung meiner Kommilitonen in die Schweiz, ich auch beinahe). Ich denke Österreich hat also auch seinen Vorteil. Unternehmen siedeln sich ja auch gern an Wissenschaftsstandorten an.
 
Und die Zukunft wird da sehr düster aussehen. Vor allem wenn man denkt dass gewisse Kreise in der obligatorischen Schulzeit ein integratives Schulmodell fordern. Sprich alle Kinder (normale, gestig behinderte, Asylbewerber, die kein Wort Deutsch verstehen etc.) sollen in der selben Klasse ausgebildet werden.

Noch so ein Unsinn aus der Ecke des Gutmenschentums, das leider total an der Biologie des Menschen vorbei ziehlt. Ich versteh manchmal die Motivation von gewissen Leuten schon nicht. Erstens hilft man den "Zurückgebliebenen" sicher nicht in dem man sie mit "Normalen" zusammenführt, denn da werden sie einfach zu Aussenseitern. Zweitens sinkt das Niveau in den Keller, was wiederum dazu führt, dass früher oder später gar nicht mehr das Geld erwirtschaftet werden kann, mit welchem wiederum solche Gutmensch-Kuschelfantasien finanziert werden. :lol:

Die ETH bildet lieber die Top 1 aus China aus. ;)

Ich habe ja mal am Alumini Career Advisory Program an der ETH teilgenommen. Schon da waren ca. 50% Ausländer. Da ist es naheliegend, dass man dann innert kürze mehrheitlich Ausländer in den Studiengängen hat. Mir wäre das ja egal, wenn das eine private Uni wäre, aber da ein Grossteil (die Hälfte?) des Bildungsbudgets des Bundes an die ETH fliesst finde ich das schon ein bisschen daneben. Naja, liegt wohl auch z.T. an grössenwahnsinnigen, nach Internationalität strebenden Professoren ;)

Solange man als Aussenstehenden nicht beweisen kann dass die Notenskala nicht nachträglich angepasst wird, gibt es eben offiziell keinen NC und es schreiben sich somit einfach zu viele Nieten für diesen Studiengang ein...

Also soviel ich gehört habe ist ein Prüfungfach (Allgebra?) offiziell mit einer variablen Notenskala ausgestattet? Aber wäre das überhaupt erlaubt?

Ist ja seine neue Heimat geworden, mit der er sich dann vielleicht auch identifiziert und Fachkräfte kann ja jedes Land gebrauchen (siehe Abwanderung meiner Kommilitonen in die Schweiz, ich auch beinahe).

Ok, das täte mich jetzt schon mal interessieren: Deutschland ist ja DIE Wirtschaftsmacht in der EU, es kann doch nicht sein dass die Bedingungen in der kleinen Schweiz so massiv besser sind? Denn schliesslich muss man dazu auch noch auswandern - und da müssen sich die Bedinungen ja schon wesentlich unterscheiden und nicht nur minimal!
 
Pilatus schrieb:
Ist ja seine neue Heimat geworden, mit der er sich dann vielleicht auch identifiziert und Fachkräfte kann ja jedes Land gebrauchen (siehe Abwanderung meiner Kommilitonen in die Schweiz, ich auch beinahe).

Ok, das täte mich jetzt schon mal interessieren: Deutschland ist ja DIE Wirtschaftsmacht in der EU, es kann doch nicht sein dass die Bedingungen in der kleinen Schweiz so massiv besser sind? Denn schliesslich muss man dazu auch noch auswandern - und da müssen sich die Bedinungen ja schon wesentlich unterscheiden und nicht nur minimal!

Ob die Bedingungen in der Schweiz nun wirklich so viel besser sind oder nicht vermag ich nicht mit harten Fakten belegen zu können. Letztendlich stellt sich eine Situation von außen immer anders dar, als sie dann miterlebt wirklich ist. Einen Hang zur Idealisierung auf der einen Seite und zur Dramatisierung auf der anderen Seite lässt sich auch nicht ganz von der Hand weisen.
Die Schweiz hat in Deutschland bezüglich vieler Faktoren einen sehr guten Ruf. Typische hierfür sind:
- Arbeitsumfeld und -Mentalität
- Lebensqualität - und Standard
- Umgebung und Freizeitqualität
- Steuern
- Gehalt und Kaufkraft
- Sprache

Wenn man sich neben den vielen Saisonarbeitern anschaut auf wen die Schweiz einen Reiz ausübt, dann fällt auf, dass dies vorallem gut qualifizierte Menschen sind aus nicht-rückständigen/absteigenden Branchen sind.
In Deutschland keimt inzwischen in gewissen Kreisen ein Gefühl auf, dass Arbeit, Leistung und Engagement nicht mehr derart geschätzt wird, wie es sein sollte. Deutschland gerät, zumindest von vielen Menschen subjektiv empfunden, in eine gesellschaftliche wie soziale Schieflage, in der zuviele Transferleistungen auf Grund von Klientelpolitik und anderem betrieben wird. Eine Menge fähiger und leistungswilliger Leute fühlt sich nicht adäquat behandelt und respektiert.
Derartigen Menschen fällt es dann auch relativ leicht, sich Gedanken über Alternativen zu machen.

Dazu kommt ein Umstand, den zu verstehen die Schweiz vielleicht zu klein und zu anders ist.
Zu anders:
Den Deutschen wurde seit 1945 in jedem Schulzweig von Anfang bis Ende eingehämmert, dass sie ein böses Volk sind und das jeder Anflug von Nationalismus inkl. Nationalstolz gefährlich ist. Wohl kaum ein anderes Land in Mitteleuropa hat ein derartig niederes kollektives Nationalbewusstsein im Sinne des Stolzes, der emotionalen Affinität zu seinem Heimatland (nicht Heimat) wie Deutschland.
Dem gesellt sich der zweite Umstand hinzu:
Deutschland ist ein sehr großes Land. Nein, nicht territorial, sondern seitens der Bevölkerung und der Anzahl an Regionen mit ausgeprägten "Micro-Volkscharakteren". In Deutschland gibt es seeehr viele Dialekte, die Teils von Mitbürgern aus anderen Regionen schon nicht mehr verstanden werden. Es gibt Ausprägungen in regionalen und lokalen Eigenarten und Eigenschaften, die nicht größer sind als zwischen manchen Nationen.
Bei allem Gegacker und Gepicke, steht der Oberbayer zum Beispiel dem Tiroler sehr viel näher als einem Friesen. Würthemberger fühlen sich allein auf Grund der Sprache in Teilen der Schweiz sehr wohl - ist ja auch nur ein allemannischer Dialekt, es handelt sich auch um deutsche Sprache. Ob ein Kölner mit seinem Dialekt und seiner Mentalität nun nach Hamburg, München, Wien oder Zürich zieht, es macht eigentlich keinen Unterschied: Alle vier Sprachen sind deutsche und dennoch fremde, und selbiges gillt für die Mentalität inkl. ihrer Ausprägung im alltäglichen Leben und den Gepflogenheiten der Region.

Überspitzt kann man auch sagen (mit einem Zwinkern im Auge), dass für einen Hamburger sowohl die Österreicher, die Schweizer und die Bayern soweit entfernt liegen, dass sie eh schon alle Bergvölker sind, die nicht zu fassen und zu verstehen (wortwörtlich wie übertragen) sind. Was macht also nun der Schritt über die Grenze noch für einen Unterschied. Du bist Berliner, Badenser, Franke oder was auch immer, aber kaum ein "Deutscher".

Das ganze ist jetzt etwas überzogen gezeichnet, aber ich hoffe es ist zu verstehen, dass diese beiden Aspekte in Verbindung mit den weiter oben genannten, vermeintlich objektiven Gründen, es einem Deutschen relativ leicht machen in die Schweiz und teils auch nach Österreich auszuwandern. Soooo hoch sind die Hürden nicht.
 
@CruisingT:
Volle Zustimmung mit einer Anmerkung besonders hinsichtlich des in weiten Teilen Ds fast schon als politisch unkorrekt angesehenen Nationalstolzes. Sowas wird in D der Regel als negativ dargestellt.
In der Hinsicht haben zB "die Bayern" mE noch einen kleinen Vorteil, da dort mitunter ein gewisser "Bayernstolz" anzutreffen ist, der sicher gut für die Regionen ist. Die Menschen zeigen dann insgesamt tendenziell mehr Einsatzbereitschaft für ihr Land bzw. ihren Freistaat, wandern vielleicht nicht ganz so schnell aus, neigen zum Erwerb von Produkten aus der Region etc.. Ich halte das für positiv. Von der Tendenz her, wohlgemerkt.
In gesamt D ist es schon bemerkenswert, wie sehr der Gedanke des "ins Ausland gehens" zur Normalität besonders auch in Akademikerkreisen gehört.

Die Anmerkung zu Deinen Ausführungen:
Die Schweiz (deren Gesiundheitssystem und weite Teile der Wirtschaft ohne ausländische Arbeitskräfte quasi zusammenbräche) ist meines Wissens föderaler strukturiert als D. Und auch die kulturellen Unterschiede scheinen mir noch etwas größer zu sein.
Ein Besuch in Montreux hinerlässt einen völlig anderen kulturellen und mentalen Eindruck als einer in St. Gallen beispielsweise.
Diese Unterschiede empfinde ich persönlich noch größer als Hamburg-München oder Rügen-Garmisch.

Insgesamt führen die mindestens in der Baubranche besseren Gehälter und offensichtlich besseren Bedingungen für Klinikärzte im Ausland, deren Öffnung (aus Fachkräftemangel) und die deutsche "Auswanderungsmentalität" offensichtlich dazu, dass die angrenzenden Gebiete (CH und wohl auch Ö) von Deutschen quasi überfrequentiert sind. Da kann es schon mal passieren, dass man (zB ich als Durchreisender) an der nordschweizer Tanke forsch als Zitat: "scheiß Dütscher" angepflaumt wird.
 
CruisingT schrieb:
Überspitzt kann man auch sagen (mit einem Zwinkern im Auge), dass für einen Hamburger sowohl die Österreicher, die Schweizer und die Bayern soweit entfernt liegen, dass sie eh schon alle Bergvölker sind, die nicht zu fassen und zu verstehen (wortwörtlich wie übertragen) sind. Was macht also nun der Schritt über die Grenze noch für einen Unterschied. Du bist Berliner, Badenser, Franke oder was auch immer, aber kaum ein "Deutscher".

Alles südlich der Elbe ist Bayern :D
 
CruisingT schrieb:
Ob die Bedingungen in der Schweiz nun wirklich so viel besser sind oder nicht vermag ich nicht mit harten Fakten belegen zu können.
Bitteschön!

Recht interessantes Interview. Vorallem folgende Aussage hatte sich bei mir ins Gedächtnis gebrannt, wodurch ich überhaupt wieder auf den Artikel gekommen bin:

SPIEGEL ONLINE: Wenn es doch zu einer Fortsetzung des Exzellenzwettbewerbs kommt, reichen dann 1,9 Milliarden Euro wie beim letzten Mal?

Chen: Die ETH Zürich allein hatte 2008 Jahresausgaben von 1,264 Milliarden Franken, umgerechnet 0,83 Milliarden Euro. Davon stammen 80 Prozent direkt vom Bund. Das sagt eigentlich alles.

Und dann zum Thema Ausländer an der ETH:

SPIEGEL ONLINE: Wie könnte Deutschland noch besser werden?

Chen: Es sollte mehr Power für Neues geben. Und es gibt zu wenige Ausländer in der Wissenschaft. Nicht, dass Ausländer automatisch besser sind, aber eine offene Konkurrenz tut gut. Bei uns sind 17 Prozent der Bachelorstudenten Ausländer, rund 30 Prozent der Masterstudenten und 60 Prozent der Doktoranden und Professoren. Ein Ausländer wie ich in der Hochschulleitung ist in Deutschland extrem ungewöhnlich. An der ETH sind wir alle von den Studierenden bis zu den Professoren der Konkurrenz von Anfang an ausgesetzt. Es ist gut für uns, sich mit den Besten aus aller Welt zu messen.
 
Zweitens sinkt das Niveau in den Keller, was wiederum dazu führt, dass früher oder später gar nicht mehr das Geld erwirtschaftet werden kann, mit welchem wiederum solche Gutmensch-Kuschelfantasien finanziert werden. :lol:
Tja, die Milch kommt halt aus der Fabrik und das Geld vom Bankomaten...

Mir wäre das ja egal, wenn das eine private Uni wäre, aber da ein Grossteil (die Hälfte?) des Bildungsbudgets des Bundes an die ETH fliesst finde ich das schon ein bisschen daneben.
Ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kommt die Forschungsarbeit auch unserer Wirtschaft zu gute.
Und wenn es pro 100'000 Einwohner ein kleiner Einstein gibt, ist es wohl logisch dass die kleine Schweiz die Genies aus dem Ausland holen muss um die Hörsäle zu füllen. Jedoch gewisse Studiengänge werden nur an der ETH und in Lausanne angeboten. Und da ist es natürlich sehr problematisch wenn diese Schulen auf staatliche Kosten nur eine Elite ausbilden wollen. Da müsste bei den Studiengänge schon ein A und B Niveau angeboten werden. Beim A Niveau dürften sie dann wirklich eine Elite ausbilden, jedoch das B Niveau müsste dann für die Allgemenheit ausgerichtet sein.
Und ich bin überzeugt für viele Jobs würde das B Niveau längstens ausreichen.

Also soviel ich gehört habe ist ein Prüfungfach (Allgebra?) offiziell mit einer variablen Notenskala ausgestattet? Aber wäre das überhaupt erlaubt?
Zumindest ehrlich dass es schon von Anfang an kommuniziert wird. Aber selbst wenn es verboten wäre, was sollen die Studenten dagegen tun ?
Abgesehen davon eine variable Notenskala muss ja nicht immer schlecht sein. An meiner Uni würde wohl niemand mehr im Hörsaal sitzen. ;)

An der ETH sind wir alle von den Studierenden bis zu den Professoren der Konkurrenz von Anfang an ausgesetzt. Es ist gut für uns, sich mit den Besten aus aller Welt zu messen.
Aber schön. Was macht man dann mit den mittelmässigen Studenten ?
Kann es ja nicht sein dass die eine Karriere beim Sozialamt vorprogrammiert haben. Da genügt es schon wenn Grundschulabbrecher durchgefüttert werden müssen.
 
3303 schrieb:
Die Anmerkung zu Deinen Ausführungen:
Die Schweiz (deren Gesiundheitssystem und weite Teile der Wirtschaft ohne ausländische Arbeitskräfte quasi zusammenbräche) ist meines Wissens föderaler strukturiert als D. Und auch die kulturellen Unterschiede scheinen mir noch etwas größer zu sein.
Ein Besuch in Montreux hinerlässt einen völlig anderen kulturellen und mentalen Eindruck als einer in St. Gallen beispielsweise.
Diese Unterschiede empfinde ich persönlich noch größer als Hamburg-München oder Rügen-Garmisch.

Ich habe meine Ausführungen eigentlich auch auf den deutschsprachigen Teil der Schweiz abgestellt. Die meisten mir bekannten Auswanderer sind nämlich nur in diesen gezogen. Staatswesen und Nationalbildung außen vor gelassen, sind hier dann nämlich schon die selben sozio-kulturellen historischen Wurzeln zu finden, die es einfach machen sich anderweitig anzusiedeln.

Insgesamt führen die mindestens in der Baubranche besseren Gehälter und offensichtlich besseren Bedingungen für Klinikärzte im Ausland, deren Öffnung (aus Fachkräftemangel) und die deutsche "Auswanderungsmentalität" offensichtlich dazu, dass die angrenzenden Gebiete (CH und wohl auch Ö) von Deutschen quasi überfrequentiert sind. Da kann es schon mal passieren, dass man (zB ich als Durchreisender) an der nordschweizer Tanke forsch als Zitat: "scheiß Dütscher" angepflaumt wird.

Ich denke, hier sind zwei Gruppen zu differnzieren:
- Zum einen Grenzgänger, die das hohe Lohngefüge in den schweizer Randkantonen tendenziell drücken und
- wirkliche Auswanderer, die dann komplett in der Lebenssituation vor Ort mit allen Vor- und Nachteilen aufgehen.

Dass erstere Gruppe Unmut auslöst empfinde ich durchaus als nachfühlbar, ohne es weiter bewerten oder diskutieren zu wollen.

Es wird wohl nicht nur am Bau und im Gesundheitswesen besser bezahlt bei besseren Arbeitsbedingungen. Auch im innerschweizer Fremdenverkehr scheinen die Verhältnisse durchaus ansprechend zu sein. Dies kann ich allerdings nur aus Gesprächen schließen und nicht mit eigenen Erfahrungen belegen.

Ansonsten scheint teils auch eine latente "Angst", ein latentes "Bedrohungsempfinden" gegenüber der "großen deutschsprachigen Nation" vorhanden zu sein, was die von dir geschilderte Reaktion auslöst. Hier unterscheidet sich die Schweiz wohl kaum von Österreich. Dabei erscheinen mir diese Ressentiments eher abstraktur Natur: In beiden Ländern habe ich es schon häufiger erlebt, dass es zum einen "die Deutschen" und zum anderen "Du" oder "Ihr" seid, sprich, sobald man dort normal und angepasst lebt oder die Leute lang- und gut genug kennt, passt es einwandfrei. Witzigerweise erlebe ich sowas sogar in gemischten Beziehungen noch. :wink:
 
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