Olli_1973 schrieb:
Hallo,
habe da mal ein paar Fragen zu Ischgl und Samnaun......... Hat schon mal jemand gehört, dass die Strasse nach Samnaun gesperrt war, und oder das Skigebiet wegen Sturm geschlossen wurde??? Frage nur weil ich das die letzten beiden Jahre in Sölden im Zeitraum Weihnachten / Sylvester mehrfach erlebt habe. Wäre für Infos sehr dankbar.
Im Winter kann es sicher vorkommen dass die Straße nach Samnaun gesperrt ist. Das gilt aber für jede andere Straße in etwas höher gelegenen Tälern (grob gesagt: über 1000 Meter auch). Ebenso kann es im Winter jederzeit vorkommen, dass ein Skigebiet wegen Wettereinflüssen ganz oder teilweise gesperrt werden muss und für ein Skigebiet, dass sich zu einem großen Teil in Hochgebirgsregionen befindet, gilt dar erst Recht.
*Provoziermodus an*
Wer absolute Wettersicherheit haben will, sollte zum Skifahren besser in eine Skihalle gehen.
*Provoziermodus aus*
*Sachlicher Modus an*:
Die Frage "Welches Skigebiet ist zu empfehlen, wenn Wettersicherheit das wichtigste Kriterium ist ?" ist nicht einfach zu beantworten und gerade deshalb eigentlich eine hochinteressante Fragestellung. Ich versuche mal, sie zu erörtern, indem ich die Skigebiete in unterschiedliche Kategorien einteile und ihre Vor- und Nachteile im Bezug auf ihre Wettersicherheit
Typ 1: "Nordalpenskigebiete"
(typische Vertreter: Skiwelt, Saalbach/Hinterglemm, Hochkönig")
Diese Skigebiete befinden sich ganz oder größtenteils unter 2000 Meter und erreichen damit keine Hochgebirgsregionen. Das Klima ist wegen der Nähe zum Alpenrand eher feucht.
Vorteile:
+ Es gibt kaum Probleme bei den Zufahrtswegen
+ einigermaßen gute Sichtbedingungen auch bei schlechtem Wetter (Waldabfahrten)
+ wenig windanfällig
Nachteile:
- Schönwettertage sind seltener als bei Typ 2
- Bei Hochnebel befindet man sich oft unterhalb der Nebelgrenze
- Höhere Niederschlagswahrscheinlichkeit, wobei der Niederschlag bei milden Wetterlagen oft auch noch als Regen ausfallen kann (zumindest in tieferen Lagen). Und Skifahren im Regen finde ich weitaus unangenehmer als Skifahren bei Schneefall
Typ 2: "Inneralpine Skigebiete"
typische Vertreter (Sölden, Obergurgl/Hochgurgl, Ischgl, SFL, sämtliche Tiroler Gletscherskigebiete)
Die Pisten dieser Skigebiete befinden sich größtenteils oder sogar komplett oberhalb der Baumgrenze in den Hochgebirgsregionen. Das Klima ist deutlich trockener als in den Nordalpen (inneralpine Trockenlage)
Vorteile:
+ Schönwettertage sind häufiger als bei Typ 1
+ Bei Hochnebel befindet man sich häufig oberhalb der Nebelgrenze
+ Regen im Skigebiet ist zumindest im Hochwinter fast ausgeschlossen und starke Niederschläge sind insgesamt seltener
Nachteile
- Pisten oberhalb der Baumgrenze wesentlich anfälliger für schlechte Sicht
- windanfällig, insbesondere bei Föhn
- Zufahrstraßen bei vergleichsweise hoch gelegenen Talstationen können wegen großer Neuschnee oder auch Lawinengefahr gesperrt sein.
Typ 3: Sonderkategorie
Skigebiete, die in keiner der beiden anderen Kategorien so richtig hineinpassen.
Arlberg:
Am Arlberg hat man ein Nordalpenklima und gleichzeitig ein Skigebiet, das zum großen Teil in Hochgebirgsregionen liegt. Damit addieren sich die Nachteile von Typ 1 und Typ 2. Der Arlberg ist deshalb keine besonders kluge Skigebietswahl, wenn Wettersicherheit das entscheidende Kriterium ist (und ist genau deshalb das vielleicht beste Freeride-Gebiet in Österreich)
Zillerltaler Skigebiete zwischen Fügen und Mayrhofen:
Für mich ist das eine Übergangsregion. Die Skigebiete erreichen schon Hochgebirgsregionen, haben aber auch noch einen höheren Anteil von Pisten im Waldbereich. Auch das Klima dort ist weder typisch Nordalpenklima noch typisch inneralpin. Da das Zillertal nördlich von Mayrhofen ziemlich niedrig liegt, sind die Zufahrtswege ähnlich unproblematisch wie bei den Nordalpengebieten, allerdings gibt es deshalb teilweise keine massentaugliche Talabfahrten (Zell, Mayrhofen).
Kitzbühel:
Der Nordteil (Kitzbühel, Kirchberg) passt zu Typ 1, der Südteil (Pass Thurn, Zweitausender) aber eher zu Typ 2
Obertauern:
Obertauern befindet sich zwar direkt am Alpenhauptkamm. Östlich der Hohen Tauern ist der Hauptkamm allerdings nicht mehr wesentlich höher oder sogar teilweise niedriger als die nördlich oder südlich Gebirgsgruppen. Deshalb ist die Unterscheidung zwischen inneralpiner Bereich und Nordalpenbereich nicht mehr so sinnvoll. Ich würde sagen: Für Obertauern gilt ähnliches wie für den Arlberg in abgeschwächter Form
Schladming (4 Berge):
Die 4 Berge Skischaukel erstreckt sich zwischen 600 Metern und 2000 Metern Seehöhe und besteht deshalb fast ausschließlich aus Waldabfahrten. In dieser Hinsicht ist es sehr ähnich wie die Gebiete von Typ 1. Die Lage ist mit den typischen Vertretern von Typ 1 allerdings nicht mehr zu vergleichen: Schladming befindet sich zwischen dem Dachsteinmassiv und dem Niederen Tauern und damit in der Nähe des Alpenhauptkamms, der allerdings so weit im Osten nicht mehr allzu hoch ist. Schladming hat deshalb alle Vorteile von Typ 1, die Nachteile von Typ 1 hat man in Schladming nur in abgeschwächter Form. Allerdings kommt noch ein Kriterium dazu: Schladming hat hauptsächlich Nordhänge und deshalb liegt das Skigebiet Ende Dezember/Anfang Januar zum größten Teil im Schatten.
Einiges spricht dafür, im Hochwinter sich eher Richtung Typ 1 und im Frühjahr eher Richtung Typ 2 zu orientieren. Allerdings denken viele Skifahrer ähnlich: Wenn "keine überfüllten Pisten" auch ein wichtiges Kriterium ist, kann deshalb auch das genaue Gegenteil sinnvoll sein: Also an Weihnachten/Sylvester auf einem Gletscher fahren und im April ein Skigebiet wie z.B. Hochkönig wählen, in dem man wegen seiner überwiegend nördlich ausgerichteten Pisten trotz der nicht allzu hohen Lage im April noch gute Pistenverhältnisse vorfinden kann. Übrigens endet die Skisaison 2014 am Hochkönig wegen des späten Ostertermins erst im letzten Aprildrittel, nämlich am 21. April.
(Ganz zum Schluss ist es mir noch gelungen, elegant einen Bezug zum eigentlichen Thredthema zu finden.

)