Zu Tyrolens Einwand: Dass in der Vergangenheit zB. im Ötztal "ungestört" Schund und Luder getrieben wurde, ist vielleicht dadurch zu erkären dass das damals (1972) einfach möglich war. Wenn man sich vorstellt, dass dort eine Strasse bis auf 2800 Meter hinaufgezogen wurde, die jetzt an guten Tagen den Transfer einer ganzen Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern in ihren individuellen stinkenden Blechvehikeln ins Hochgebirge bis vor die Gletscherzunge ermöglicht, kann man sich nur hinterm Ohr kratzen ob der damaligen Selbsterrlichkeit der Mächtigen..
(((( Eine Gornergratbahn Sölden-Rettenbachferner-Tiefenbachferner statt der Mautstrasse wäre übrigens cool gewesen. Nebst dem Erhalt und der Zugänglichmachung einer Bergwelt mit wahrhaftigem Anmut hätte Sölden zudem Gäste gewonnen, die sich Zeit nehmen, einen Tag im Ort übernachten (=Geld da lassen)...statt dem vollautobasierten blödmachenden Tagestourismus mit all seinen Konsequenzen wie es jetzt haben.. ))))
Das unverschämte am jetzigen Verhalten von Herrn Schulz und des Landesrats Switak ist m.M.n. eigentlich nichmal so die Tatsache, daß dieser Freundschaftsdeal gemacht wurde (Kaltmiete 800 Euro/Monat für eine Penthousewohnung in allerbester Innenstadtlage mit etwa 125qm, ortsüblich wären für diese Immobilie etwa 1800 Euro. Das ergibt etwa 12.000 Euro pro Jahr mehr in der Tasche, in 5 Jahren 60.000 Euro...unter guten Freunden...).
Traurig für die tiroler politische Kultur ist für mich, daß die beiden Akteue (Schulz und der Landesrat) ihr Vergehen nicht im geringsten zugeben, keine Reue zeigen, sondern stattdessen in Gegenangriff gehen, und jene attakieren die die Sache aufgedeckt und publik gemacht haben.
Das unglückliche hierbei ist, daß regionale Tiroler Medien sich generell hüten, Akteure der politischen und wirtschaftlichen Macht zu kritisieren. Vielmehr boten sie Schulz und dem Landesrat noch ausreichend mediale Präsenz, welche die beiden durchaus gekonnt zu ihren Gunsten zu Nutzen wussten. Wenig wunder, handelt es sich um Profis der Kommunikation. Die Aufdecker werden bisweilen als die Schlechten dargestellt. In einem funktionierenden Rechtssystem hätte man den Landesrat vorläufig vom Dienst suspendiert und ein Untersuchungsverfahren eingeleitet...
Investigativen Journalismus in den Leitmedien, der gerade dann bitter nötig wäre, wenn eine politische Macht ununterbrochen über Jahrzehnte regiert gibt es in Tirol nicht.
Stellt euch das mal analog in Bayern vor: Bayernkurier als führende maßgebliche Tageszeitung, die Süddeutsche allenfalls als kleine Studentenzeitung mit Veranstaltungstips...das in etwa ist die Situation in Tirol...
Ein guter Freund und Redakteur bei der Tiroler Tageszeitung schildert mir die Sache so, daß es sehr wohl junge engagierte Journalisten gibt, die investigativen Journalismus betreien würden. Die Jungs kommen viel rum, sie wissen durchaus viel von dem was hinter den Kulissen der Macht vor sich geht, und -surprise- gerade weil sie dieses Wissen besitzen sind die im Kopf keineswegs Linientreu!
Aber in ihrer Arbeit müssen Tiroler Redakteure dennoch nahezu voll und ganz den Machtverhältnissen ergeben sein:
Zum einen weil sie derart mit Workload zugemüllt werden, dass aufdeckender (d.h. zeitraubender) Journalismus verunmöglicht wird, denn jede Behauptung muss Wasserdicht belegbar und abgesichert sein, Wissen alleine reicht hier nicht aus.
In der Redaktion muss stattdessen alles husch und schnell gehen, Artikel müssen runtergespult werden in einer gleichgültig machenden Geschwindigkeit, mit der anderswo Bierkisten vom Laster geladen werden...
Zudem kann es sich ein simpler Redakteur nicht erlauben, eine grosse Figur aus Politik oder Wirtschaft zu kritisieren: Tut er dies dennoch, läutet am gleichen Tag das Telefon beim Chefredaktuer und ein poltender Landeshauptmann (="Tiroler Ministerpräsident") lädt seine Wut ab und droht zwischen den Zeilen mit Konsequenzen einer Art, die der Zeitung durchaus substantiell weh tun...
Manche Redakteure bei der TT haben eine durchaus fundierte gute Ausbildung, man schimpft leicht oft mal über dieses "Käseblatt", aber mit ein bisschen Hintergrundwissen liest sich die TT dann doch etwas anders...
Nunja, politische Realität halt... hat ja auch was gutes wenn Touristen zu hunderttausenden auf unsere Gletscher fahren ... die zahlen mein Gehalt, und ich kann damit nach Gallizien zum Wellenreiten...die dort haben eine fantastisch schöne und kaum verblödete Landschaft...aber auch viel Arbeitslosigeit und kein Geld...