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Tres Valles einmal anders - oder die Road nach Farellones (Chile)

Diesen September wurde ich von einer argentinischen Universität eingeladen ein Seminar zu halten.

Zum Auskurieren des Jetlags war natürlich ein wenig Skifahren durchaus zielführend, und dazu bot sich ein Zwischenstopp in Santiago de Chile an. Dort kann man nicht nur ohne nervigen Flughafenwechsel wie in Buenos Aires in die argentinische Provinz umsteigen, sondern es gibt auch gleich mehre Skigebiet unweit der Stadt.

07.09.2023 - Ankunft und erste Schritte auf Schnee

Gegen halb 9 sass ich am Flughafen von Santiago endlich im Mietwagen und war auf dem nach Valle Nevado. Das Skigebiet ist eines von denen die oberhalb der Ortschaft Farellones liegen und kollektiv Tres Valles genannt werden. Die Skigebiete sind alle miteinander verbunden, aber im Gegensatz zu den französischen Namensvettern agiert man hier aber isoliert und bietet keine gemeinsamen Skipässe an. Früher gab es gemeinsamen Skipässe wohl (wenn auch recht teuer und nicht bei jeder Verkaufsstelle), aber das wurde genauso wie die gemeinsame Saisonkarte vor ein paar Jahren eingestellt wie mir später ein Einheimischer erzählte.

Nach Valle Nevado wollte ich für den Einstiegstag weil ich dort mit meinem Ikon Pass 7 Tagen fahren kann, und ich nicht unbedingt gleich am Tag der Ankunft gross herumprobieren wollte. Durch Santiago ging die Fahrt über dir recht neue Stadtautobahn recht schnell, dann ist man aber nach wenigen Kilometern auf der Ruta G-21 nach Farellones, die sich in 39 Serpentinen den Berg ca. 1500 Höhenmeter herauf windet.

Am Anfang steht gleich ein Checkpoint der Carabineros, wo geprüft wird ob man bei Schneekettenpflicht auch Schneeketten dabei hat. Diese werden auch von freundlich winkenden Menschen an der Straße davor verliehen. Nachdem das wetter sonnig und recht warm war, dachte ich überhaupt nicht daran dass das heute nötig wäre, was die uniformierten Herren aber anders sahen. Da mein eh immer bescheidenes Spanisch in den letzten Jahren auch noch gut eingerostet war fuhr ich erst mal auf die Seite um mich mittels Übersetzungsprogramm der Diskussion zu stellen. Nach einem wenig hin und her war klar dass die Schneekettenpflicht nur für die Talfahrt gilt, und da ich am Nachmittag und damit vor den angesagten Schneefällen wieder herab wollte keine brauchte.

Also geht es weiter. Irgendwo oben ist die Straße dann voll mit Schneematsch und die meisten Auto halten an und ziehen Ketten auf. Uiiiii 8O 8O . Das Fahren geht aber gut, und ich schaffe es locker auf die kleine Hochebene nach Farellones, und nehme den Abzweig Richtung Valle Nevado. Dort geht es wieder in Serpentinen hinauf, aber jetzt gibt es bald eine festgefahrene Schneefahrbahn, dazu noch ein wenig staubig-trockenen Neuschnee. Langsam wir die Traktion etwas "tricky". Irgendwann geht es dann
wirklich auch nicht mit Schwung weiter. Super Start in den Tag :? :cry:

Nach kurzer Bedenkpause kehre ich um, und fahre zum Parkplatz des kleinen Skigebietes von Farellones, das laut allen Unterlagen mehr oder weniger Teil des größen Skigebietes "El Colorado" ist.

Der Skipass kostet 26.500 Pesos (gut 26 Euro) und ich bin um halb zwölf endlich im Lift, einem alten DSB von Doppelmayr der in Zeitlupe fährt, auch weil er viele Fußgänger befördert.

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Aus dem Lift sieht man unten dass es hier von Anfängern und nicht-Ski Touristen nur so wimmelt:

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Auf der anderen Seite liegen viele Teile für einen weiteren Sessellift, sogar mit Rundrohrstützen. Die Rinnen darüber wären bei 1-2 Meter Schnee auch durchaus reizvoll.

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Wie sich herausstellt ist Verbindung nach El Colorado ist nicht geöffnet und es läuft nur dieser eine Lift. Die Piste ist scheißflach, und auch ein bisschen im neben der Piste im Pulverschnee zu fahren bring nicht viel. Eigentlich gäbe es noch einen gedoppelten Schlepper der obersten und am wenigsten flachen Teil der Piste erschliesst, aber der steht still.

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Stattdessen wird ein Schneemann gebaut:

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Ebenso steht der Lift, der die Verbindung nach El Colorade darstellt. Aber dort ist immerhin die Piste präperiert,
und es sind ein paar Spuren vorhanden, deshalb beschliesse ich nach einigen Fahrten im Sessellift einfach die Ski zu schultern und neben der Lifttrasse aufzusteigen. Felle wären jetzt praktische gewesen.

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Nach dem Scheitelpunkt mit T-Stütze sieht man den ersten Lift von El Colorado, wieder ein gedoppelter Schlepper, und zumindest die Seite die in Betrieb war ist mit Diesel betrieben. Das Drehkreuz will mich mit meinem Armband nicht hereinlassen, aber es ist einfach zu umgehen.

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Aus dem Lift kann man jetzt das Skigebiet ganz gut einsehen.

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Mitteleinstieg.

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Der "Ort" besteht vor allem aus Hochhäusern mit Apartments.

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Man kann auch nach La Parva schauen, das Skigebiet und der Ort liegen direkt nebenan.

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In El Colorado wollte ich dann schauen ob ich mein Ticket upgraden kann, ging aber nicht. Halbtags oder Stundenkarte sowieso nicht. Nur die Tageskarte für 63.000 Pesos (ca 67 EUR) plus noch mal 6.000 Pesos für die RFID-Karte. Für die 2 Stunden die mir noch bleiben lohnt sich das nicht. Dann lieber am flachen Pioneros-Schlepper noch ein paar Runden unter Umgehung des Drehkreuzes fahren und den Abstauberpowder im recht flachen Hang genießen. Da ich eh nicht auf Winterwetter vorbereitet war nur meine leichten Telemark-Allmountain Ski eingepackt hatte war auch das ein wenig sportlich.

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Irgendwann dann über die durchaus spannende und recht steile Verbindungspiste wieder runter nach Farellones.

Der Sessellift nimmt übrigens mittels einem riesigen Gestänge an jedem zweiten Sessel Skibobs mit. Hier aus irgendeinem Grund auch mal talwärts.

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08.09.2023 - Valle Nevado

Nachdem Gestern kein wirklich vollwertiger Skitag war, sollte heute alles besser werden. Um kurz nach sieben ging es wieder in meinem Hotel im Osten von Santiago los, denn ich wollte mir einen halbwegs seriös wirkenden Schneekettenverleiher suchen. Bei diesem hier bin ich dann gelandet:

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Hier wurden die Ketten nur ausgewählt und ausprobiert, aufgezogen werden sie von "Helfern" die an der Schneefallgrenze warten. Ursprünglich wollte der Herr 90.000 Pesos (knapp 100 EUR) für 3 Tage haben, was doch arg teuer war. Ich hab es dann auf 50.00 Pesos heruntergehandelt, aber wahrscheinlich hat er sich immer noch gefreut einen Gringo abgezockt zu haben. Das Geld gibt es bei der Ausleihe bar auf die Hand, und als Pfand soll man ein Ausweisdokument abgeben. Zum Glück habe ich immer einen abgelaufenen Personalausweis dabei.

Auf der Straße nach Valle Nevdo war dann gleich mal einer der vielen Kleinbusse die Reisegruppen befördern von der Straße abgekommen und musst von seinem Kollegen aus dem Schnee gezogen werden, was eine Weile dauerte, während sich hinter uns stauten:
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Aber das was noch harmlos zum Stau ein paar Serpentinen weiter, da ging dann über eine Stunde gar nichts weiter. Vor mir die Kleinbusse:

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Hinter mir ein Auto und ein deutlich größerer Bus:

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Etwas unter uns räumt dann ein ziemlich großer Radlader zwischen den Autos ein wenig die Straße:

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Die Straßenführung kann man auch ganz gut erkennen:

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Nicht erkennen konnte man selbst mittels kleinen Spaziergängen den Grund des Staus. Als es dann irgendwann mal ein bisschen weiter ging kam mit ein Pickup-Truck mit teilen einer ÖSV-Trainingsgruppe entgegen, die meinte eigentlich sei eh nichts, die Leute sind nur zu blöd um auf der engen Straße auszuweichen.

Damit war ich wieder mal erst gegen halb 12 auf Ski..

Einstieg für Tagesgäste ist die 2013 erbaut Gondel an einem neuen Parkplatz etwas unterhalb des Ortes, das kann auf dem Pistenplan ganz gut sehen.

Die Pisten sind wie in Europa Blau/Rot/Schwarz markiert, die gestrichelten Linien beschreiben Ziehwege.

Die Technik der Seilbahn sieht nach guter alter Doppelmayr-Technik aus den 80ern aus, und die Architektur erinnert mich stark an die japanischen Lizenzbauten davon:

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Danach geht es gleich mit dem Andes-Express weiter, einer 4KSB von Poma aus 2001 die wohl im Gegensatz zu den meisten Anlagen nicht aus Second-Hand Beständen stammt.

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Wenn man von der Bergstation ein klein wenig aufsteigt kann man in den recht steilen Hang den man auf dem vorigen Photo links oben gesehen einsteigen, und der ist nicht nur schön pulvrig sondern auch noch halbwegs unverspurt, wie ich später herausfand ist das Skigebiet morgens früh bis auf die Trainingsteams fast leer.
An dem Zaun in der Mitte des Bildes entlang kann man auch noch weiter queren und viele weiter schöne Hänge mitnehmen. Jenseits des Zaunes ist dann schon das Nachbargebiet El Colorado.

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Nach einem halben Dutzend Abfahrten wollte ich dann auch noch mehr vom Skigebiet sehen, wobei oberhalb vom Andes Express nur der Ballicas Poma-KSL geöffnet war. Dort gab es ganz netten Pistenpowder mit gut 10 cm Pulverschnee auf der darunter hart präperierten Piste, was auch ganz nett war:

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Vom Ballicas kann man dann noch zur DSB Embalse wechseln, sogar mit einer netten Wartezeit-Anzeige wie es sie bei uns früher auch oft gab:

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Der Lift selbst wirkt mit seinen Fachwerkstützen auf mich wie aus schweizer Beständen. Außer einem Ziehweg erschliesst er keine Pisten mehr, nur noch freies Skigelände. Das ist ganz nett zu fahren, aber da der Lift lahm ist und im Wind steht macht es heute nicht wirklich viel Spaß.
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Das Dach der Bergstation sieht aus wie eine Scheune aus amerikanischen Comicfilmen:

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Von dort hat man auch noch mal einen guten Blick auf den Andes-Express und die von ihm erschlossen Hänge:

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Oder man fährt außen herum zum Ort, oder soll ich lieber Skistation sagen?

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Obwohl der Tag recht spät begann bin ich nicht mal bis zum letzten Lift um 17:00 gefahren, nach knapp 5 Stunden Powdern war ich auch so komplett fertig. Die Fahrt ins Tal verlief wieder komplett reibungslos, das Demontieren der Schneeketten erfolgte gegen eine Spende von 5000 Pesos direkt an der Ausfahrt des Parkplatzes.
 
09.09.2023 - Valle Nevado

Der Tag begann wieder früh mit dem Vorsatz mal zur Liftöffnung am Berg zu sein. Aber nachdem mein Vorderreifen kurz nach dem Verlassen ganz komische Geräusche von sich gab musste ich ihn erst mal begutachten und leider feststellen dass ich einen Patschen hatte. Einen echten Reservereifen hat der Kleinwagen nicht, sondern nur einen Notreifen. Also die Pannenhotline des Vermieters angerufen, die dann auch erstaunlich schnell einen Abschleppwagen schickte. Der hat aber nicht etwas das Auto abgeschleppt, sondern einfach nur den Notreifen eingebaut :lol: Super, also mit der Mietwagenfirma sprechen und einen Austausch bei einem nahen Standort organisiert, noch während der mechanico am Arbeiten war. Der was dann noch so nett mir ob des Skisackes im Auto zu raten mich mit dem Notreifen von den Bergen fernzuhalten :lol: :lol:

Wer es noch nicht erraten hat, ich war wieder erst kurz vor halb 12 am Berg. Dort war heute vor der Gondel eine riesige Schlange bis rauf auf die Terasse:

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Deshalb bin ich ein wenig die Piste aufgestiegen um über den 3SB Prado einzusteigen. Der Weg direkt vom Parkplatz über die Schneerutsche wäre wohl schneller gewesen :)


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Prado ist eine Poma-Anlage mit Portalstütze beim Einstieg:

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Danach ging es weiter zum Poma KSL Candonga, wo leider auch eine ewige Schlange war:

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Von dort weiter zum Andes Express. Beim Einstieg in die Lazo-Piste bläst der Wind extrem, aber wenigsten lässt es sich hier hinten recht gut fahren, die Sicht ist passabel, und es hat ein bisschen Triebschnee auf der exzellent präperierten Piste.

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Der KSL Valle de Inca läuft leider anfangs auch noch nicht, später wird er dann geöffnet mit Warnung von Liftlern und Skipatrollern dass nur eine Piste offen ist und sie sehr gefährlich sei. Die Piste hatte ordentlich Triebschnee abbekommen, aber war ansonsten perfekt zu fahren. Da mir der KSL aber beim Einstieg fast die Weichteile aus dem Schritt gerissen hatte verzichtete ich auf eine Wiederholung.

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Aber die Sicht ist immerhin viel besser auf der Vorderseite des Andes Express, wo es nicht mehr weit ist bis zum Whiteout.

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Auch die Piste am Ballicas-KSL macht viel Spaß und ist eine meiner Hauptbeschäftigungen. Nachdem aber irgendwann die Embalse-DSB wegen Wind geschlossen wird sind hier immer mehr Skifahrer unterwegs die mit dem Poma-Stangenschlepper überhaupt nicht klar kommen. Diesen Herren vor mir wollte ich eigentlich abbilden wie er sich mit den Händen am Teller festhält. Aber nach dem er schon fast 2/3 des Liftes geschafft hatte legte er stattdessen diesen Stunt ein:

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Nachdem der Wind immer mehr und eisiger wird beende ich den Skitag um halb vier.
 
Danke für die Berichte. Nur das Ankunftsdatum am 70.09.2023 glaube ich Dir nicht... ;)

P.S: Die DSB aus dem Bericht vom 08.09. ist m.E. von Von Roll, eine andere Bahn dieser Baureihe steht z.B. in Evolène.
 
Vielen Dank für den Bericht (der erste aus diesem Gebiet?) und die Bilder.
Es war immer mein Traum, dort mal im Sommer Ski zu fahren. Aber wie das so ist mit Träumen, bei manchen ist es besser wenn man sie nicht in die banale Realität umsetzt, dann bleibt der Traum atrraktiver.
Wenn ich mir das so anschaue, wäre es wohl etwas ernüchternd dafür eine weite Reise anzutreten.
Wenn man aus anderen Gründen (wie du) eh vor Ort ist, klar, kann mal mal mitnehmen aber ausser der Exotik hörts sich das alles in allem recht ernüchternd an.
Ich will deinen Bericht nicht nicht schlecht reden und freue mich das ich ihn gelesen und darauf zurückgreifen kann. Auch hätte ich dir bessere Bedingungen (und kompetentere Fahrer im Stau) gewünscht.

Aber irgendwie hat sich das Verlangen, dor mal hinzufahren etwas gedämpft.

btw: wie kommt man zu einem abgelaufenen Personalausweis? hier in DE muss man den abgeben wenn man einen neuen holt...
 
valdebagnes schrieb:
kann mal mal mitnehmen aber ausser der Exotik hörts sich das alles in allem recht ernüchternd an.

Ich neige nicht so zu den Superlativen. Mir hat es abgesehen vom eher mäßigen Wetter eigentlich sehr gut gefallen. Die ersten Tage etwas Pulver, ansonsten sehr gute Pisten. Aber wer jetzt riesige Skigebiet und modernste Lifte erwartet ist hier natürlich komplett fehl am Platze. Aber wer schön Skifahren will und etwas Abenteuerlustig ist wird in Chile glaube ich nicht enttäuscht. Nur fürs Skifahren anzureisen würde ich definitiv auch nicht, aber ich neige generell eh nicht zu reinen Spaßreisen.

valdebagnes schrieb:
btw: wie kommt man zu einem abgelaufenen Personalausweis? hier in DE muss man den abgeben wenn man einen neuen holt...

Mich hat niemand nach dem alten gefragt als ich einen neuen beantragt habe. Keine Ahnung ob das so sein sollte oder ein Fehler war. Beim Pass kenne ich es hingegen dass der mit abschneiden einer Ecke entwertet wird wenn man ihn behalten will.
 
10.09.2023 - Spontan nach La Parva

Wieder früh aufstehen, denn heute kann ich nur bis Mittags fahren, am späten Nachmittag geht es weiter nach Argentinien. Die Anfahrt ist bis zur Verzweigung bei Farellones langweilig, die Schneeketten wurden wie gestern schon nicht benötigt. Kurz nach der Abzweigung nach Valle Nevado dann aber wieder Stau. Als ich vorgehe um zu schauen was los ist, sehe ich wie an Radladern die letzten Reste einer kleinen Mure beseitigt, also schnell wieder zurück zum Auto. Die Straße war hier übrigens auch die letzten Tage schon immer sehr dreckig, der Hang scheint also öfter mal zu rutschen.

Aus dem Auto sah die Stelle dann so aus:

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Einig Serpentinen weiter dann wieder Stau kurz nachdem wir die Schneefallgrenze erreicht hatten, der sehr chaotisch wirkte - Autos versuchen einander zu überholen und bleiben stecken, andere ziehen mitten im Gewusel die Schneeketten auf, etc. Ich beschließe nach kurzer Überlegung dass ich heute definitiv keine Lust auf diese Straße ab und fahre wieder zurück und stattdessen nach La Parva. Das liegt etwas niedriger, und die Straße wirkte am ersten Tag deutlich besser geräumt, und genau so war es auch heute. Davor hatte ich noch fast einen Herzinfarkt weil mir in einer unübersichtlichen Kurve ein mit hoher Geschwindigkeit überholender Geländewagen entgegen kam, dem ich nur mit Vollbremsung ausweichen konnte.

Die nette Ticketverkäuferin in der Boleteria weist mich darauf hin dass wegen des Windes morgens nur die zwei untersten Lifte laufen, aber wenn man Glück hat später noch mehr öffnet. Das Ticket kostet in der Nebensaison 46.000 Pesos (ca 49 EUR), aber es gibt 15% Rabatt wenn man mit einer Visa-Karte zahlt. Eine neue RFID-Karte braucht es auch, die wieder 6000 Pesos kostet.

Mein Einstieg ist ein Poma-Tellerlift (ausnahmsweise mal nicht kuppelbar) namens Parva Chica, hier unten Links mit der Nummer 10 auf dem Pistenplan zu sehen.

Direkt neben dem Lift ist die einzig dazugehörende Piste zu sehen, auf der zur Hälfte Stangen gesteckt sind. Die Piste ist zwar nur mittellang und nicht besonders schnell, aber wirklich exzellent präperiert und leer. Das lädt definitiv zum rasen ein, und ich bin erst mal zu frieden.

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Überall entlang der Piste stehen Häuser, La Parva gilt als beliebter Ort für Ferienhäuser der Upper Class aus Santiago. Oberhalb der Häuser könnte man zum einzigen anderen aktuell geöffneten Lift (Nummer 11, Manzanito) abfahren, aber von dort käme man nur mittels Fußweg oder Fahrt mit einem Shuttle durch den Ort wieder zurück, deshalb bleibe ich vorerst bei Parva Chica.

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An der Talstation gibt es übrigens einen Stand mit kostenloser Sonnencreme. Dank Wolken und eisigen Wind brauche ich die aber hier auch auf ca 2700 - 3600 Metern Seehöhe nicht.

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Kurz nach 10 bewegt sich dann KSL namens Las Vegas (Nummer 8), und nachdem Anfangs nur Personal mitfuhr, war er dann auch bald fürs allgemeine Publikum, von dem nicht viel vorhanden war, geöffnet, wie ich an einer Gruppe Freeridern mit voller Montur sah. Ich hoffe mal für sie dass ihr Guide irgendwo einen geheimen Powder-Stash hatte, den der Schnee neben den Pisten war unglaublich hart vom Wind gepresst und eher eklig zu fahren. Übrigens ganz im Gegensatz zu den Pisten, die heute überall Top wahren, man musste nur auf die
Übergänge zum Triebschnee achten, der dann aber fast schon Pistenpowderqualitäten hatte.

In der Liftspur waren auf jeden Fall noch die Mitarbeiter mit dem Abrutschen der Liftspur beschäftigt, was aber gefühlt die Spur nicht gerade verbesserte.

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Inzwischen hatte sich auch die 4SB Alpha in Bewegung gesetzt, das aber sehr langsam. Bei dem aktuellen Wind bliebt ich lieber beim KSL, bzw auch immer gerne bei der Kombination aus Las Vegas + Parva Chica für eine längere Piste. Der obere rote Abschnitt Neben der DSB Flores gefiel mir ebenfalls sehr gut. Welche der 3 auf dem Plan eingezeichneten Varianten das war ist mir aber unklar.

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Irgendwann wollten die Beine dann doch mal etwas pausieren, deshalb fuhr ich Richtung Talstation der 4SB Alpha, bzw noch an ihr vorbei zum Einstieg des KSL Manzanito. Der hatte übrigens den sanftesten Start den ich je bei einem Poma-KSL erlebt habe. Vom Lift aus sieht man wieder die Siedlung.

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Die Fahrt mit dem 4SB Alpha dauerte dann wirklich ewig, weshalb ich sie auch nicht wiederholt habe. Immerhin hatte ich einen anderen Skifahrer auf dem Sessel, der im sich Rahmen einer netten Unterhaltung als Argentinier der mehrere Jahre in Heidelberg gelebt hatte herausstellte.

Oben fuhren dann inzwischen auch die KSL Piuquenes (5) und Franciscano (7). Beim Einstieg vom Piuquenes warnt dieses Schild davor dass Kinder bei dem Lift durch die Luft fliegen können. Das Kind im Bild ist übrigens nicht durch die Luft geflogen, sondern nur samt Skilehrer kurz nach dem Einstieg aus dem Lift.

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Franciscano hat an der Bergstation eine schweben Umlenkscheibe, hinter dem Sessellift sieht man nach Valle Nevado.

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Die Piste oben ist auch wieder Super, und die Abfahrten von ganz oben bis ganz unten mit knapp 1000 Höhenmetern am Stück gefallen mir sehr, weshalb sie gleich ein paar mal wiederholt werden.

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Gegen 12 sperren die Lifte dann von oben nach unten wegen Wind langsam wieder zu, aber ich muss mich eh langsam auf den Weg machen. Eigentlich wäre ich noch ganz gerne mit den etwas abseits gelegenen Sesselliften Las Aguilas, Tortolas und Fabres gefahren, aber daran war bei dem Wetter nicht wirklich zu denken. Mit etwas bessere Planung wäre sich das wohl am ersten Tag sogar mit Powder ausgegangen. Hättiwäri...
 
Man könnte ja viele positive Kommentare und Fragen zu deinen Berichten abgeben hch, aber ich merke als Banker nur eines an; der Umrechnungskurs erinnert mich irgendwie an alte Italien-Zeiten🙈🤣😉
 
Wobei der in Chile aber wenigstens seit meinem letzten Besuch in 2009 recht stabil ist. In Argentinien hat mich die Veränderung seit meinem letzten Besuch hingegen richtig geschockt. Dort hat es aktuell eine Inflationsrate von 119% Inflation, im Vergleich schaut es da bei uns recht harmlos aus.
 
hch schrieb:
Wobei der in Chile aber wenigstens seit meinem letzten Besuch in 2009 recht stabil ist. In Argentinien hat mich die Veränderung seit meinem letzten Besuch hingegen richtig geschockt. Dort hat es aktuell eine Inflationsrate von 119% Inflation, im Vergleich schaut es da bei uns recht harmlos aus.

Türkische Verhältnisse; traurig, aber ja dort leider nicht unbedingt was Neues 🤔

Aber wie auch immer; interessante Berichte. Vielen Dank dafür 👍
 
Zu der Herkunft der weitere Bahnen:

DSB Farellones ist ex Kreuzjoch, Schruns
6EUB Valle Nevado ist ex Stubnerkogelbahn II, Bad Gastein
3SB Fabres ist ex Les Portelles aus Ordino (Andorra)

Die auf dem 3. Foto liegende Teile sind die DSB Aineck, St. Margarethen und 4SB Larmach, Königsleiten.
 
18.09.2023 - El Colorado

Ursprünglich wäre nach den vorigen vier Tagen Schluss mit Skifahren gewesen. Aber nachdem mein Flug verschoben wurde ergab sich dann doch noch eine Umplanung mit extra 1 1/2 Skitagen. Wie ich im Laufe der Planung gemerkt habe ist der 18.09. zudem der chilenische Unabhängigkeitstag und damit der größte Feiertag des Landes.

Nachdem ich also am späten Abend des 17.09. wider in Santiago gelandet bin checke ich wieder in mein Stadthotel ein. Vor dem Hotel stehen 4 riesige Doppeldeckerbusse aus Brasilien, und vor mir an Rezeption diskutiert ein brasilianisches Paar ewig mit dem Mitarbeiter. In der Wartezeit entsteht ein Gespräch mit dem Herren hinter mir in der Reihe. Der ist auch Brasilianer, hat aber mehrere Jahre in Aachen gearbeitete und freut sich darüber mal wieder sein Deutsch anwenden zu können.

Die Nacht wird eher kurz, denn wegen des Feiertages möchte ich extra früh los um nicht zu viel im Stau zu stehen. Das Frühstück gibt es im Hotel wegen des Feiertages auch erst ab 07:00, und auf die Minute genau wird es von der riesigen brasilianischen Busreisegruppe gestürmt. Ich schaffe es gerade noch mir einen Kaffee und ein paar Medialunas (das sind kleine Croissants mit ganz dünner süßer Glasur) zu schnappen bis die Schlange zum Buffet bis zur Rezeption reicht. Immerhin schaffe ich deshalb noch früher als geplant zu starten. Start auf der leeren Stadtautobahn mit Palmen im Mittelstreifen und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

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Ich bin dann auch schon um 08:30 auf dem Parkplatz in El Colorado. Nachdem ich die Karte gekauft (63.000 Pesos + 6.000 für die Karte) und mich hergerichtet habe sehe ich dass einer der El Colorado Chica Schlepper schon läuft und auch schon benutzt wird. Heute also mal ein echter Frühstart, und vom nicht ganz unberechtigten Vorurteil von der südamerikanischen ist heute mal so gar nichts zu spüren.

Das Skigebiet ist abgesehen davon dass man dreidimensional denken muss eigentlich recht übersichtlich, aber des Pistenplan schafft es durch die Aufteilung in drei Karten die nicht wirklich dazu passen wie das Skigebiet organisiert ist für extreme Verwirrung zu sorgen. Ich verlinke einfach mal auf die Übersicht bei skimap.org. Die Einteilung der Pisten ist ebenso recht komisch. Zusätzlich zum Europäischen Blau/Rot/Scharz gibt es noch Grün, dass die allereinfachsten Pisten beschreibt. Quasi best of both Worlds Nordamerika/Europe. Zudem gibt es die Pisten in präperiert (durchgezogenen Linien) und "Natur" (gestrichelt) - und zwar für alle Farben von Grün bis Schwarz! Wem das noch nicht verwirren genug ist, der findet auf den Auszeichnungen im Skigebiet verweise auf verschiedenen Zonen, die auf dem Pistenplan aber nicht auftauchen:

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Also ab zum Anfänger Lift. Der ist Samt Dopplung vom Konrad aus Wolfurt, ganz im Gegensatz zu den beiden Nachbargebieten die primär auf Poma setzen.

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von dort dann weiter zum SL "de la Libre". Der hat auch Technik vom Doppelten Mayr, mit seinen Rundstützen und nicht mittigen Stützenkopf wurde er aber wohl ursprünglich mal einer Nordamerikanischen Dependance aufgestellt. Dieser Lift ist dann auch der einzige, der von der Frontseite den höchsten Punkt des Skigebietes erreicht, und damit als Zubringer zur anderen Seite dient.

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Dort fahre ich dann auch hin, was aber ein Fehler war, da die Lifte dort es ab 09:30 laufen (was sie dann auch auf die Minute genau taten!) wie mir die Liftlerin mitteilt. Bleibt also ein Photo vom SL Cono Eta, wieder mal ein Kurzbügler von Dopplmayr.

Mit der nicht wirklich existenten vereisten Liftspur und der doch halbwegs Steilen Trasse übrigens die anstrengendste Liftfahrt seit Kindertagen. Danach wäre ich eigentlich reif für den Physio gewesen.

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Also auf zur 3SB El Leon. Die wird den Geräuschen nach mit Diesel betrieben, und wirkt wieder wie von Doppelmayr Nordamerika.

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Nachdem die Frontseite doch eher etwas langweilig wird, geht es noch mal auf die Rückseite. Inzwischen habe ich auch einen Ziehweg für den Rückweg auf dem Pistenplan gefunden um mir den SL Cono Este zu sparen.

Dort geht es zum laut Pistenplan nagelneuen SL Los Pioneros, der für einen SL zwar recht modern wirkt, aber sicher auch Gebrauchtware ist. Die Bergstation ist direkt neben der vom Andes Express in Valle Nevado, aber durch einen hohen Holzzaun von dieser getrennt.

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Und dann weiter nach Valle Nevado, denn El Colorado fand ich bisher etwas enttäuschend, und eine Skigebietsverbindung wollte ich eh unbedingt mal ausprobieren. Die Verbindung der Skigebiete ist das sich zwei Pisten sehr nah kommen, und dazwischen diese Schild steht:

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Und auf Pisten kommt man von dort nicht zur Kassa. Ich nutze also mein Wissen von den Vorbesuchen um durchs Gelände zu queren, und mir bei der EUB-Talstation mit dem Ikon-Pass eine Zweitageskarte einzutauschen. Danach versuche ich Lifte abzuklappern, die das letzte mal geschlossen waren.

Zuerst geht es zum SL Ankla. Mit den dreieckigen Gitterrohrstützen wirkt er nach eidgenössischer Herkunft, aber zusätzlich gibt es auch noch genau eine T-Stütze mit SSG-Schild:

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Daneben wollte ich auch noch den KSL Tres Puntas mitnehmen, aber nachdem der ursprünglich noch in Bewegung war, waren nun drei Mann an der Talstation werkeln.

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Also nach ein paar Abfahrten doch wieder retour nach El Colorado. Vom Ziehweg zur Vorderseite sieht von vor prägnanter Kulissen den etwas abseits liegenden SL Yaretas, der leider nicht in Betrieb ist.

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Dann am ebenfalls nicht fahrenden 3SB Condor vorbei, dessen Einfahrstüzen fast ein wenig nach Riblet aussehen:

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weiter zum SL Cornisa. Der ist schön Steil, und die Pisten sind die bisher besten die ich in El Colorado hatte.

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Von dort gibt es auch einen schönen Blick zu den obersten Serpentinen der Straße nach Valle Nevado.

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Nachdem ich heute ziemlich viel auf Ski war war dann gegen halb 16:30 Schluss, die letzten Lifte wäre bis 17:00 gelaufen. Nachdem ich diese mal keine geschäftlichen Treffen in der Stadt hatte, habe ich mir eine Lodge mit Halbpension in Farellones gegönnt. Die bot auch einen Außenhottub an:

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den habe ich dann natürlich auch genutzt, auch wenn das Anheizen mittels Holz noch etwas dauerte. Das Abendessen war auf 19:00 angesetzt, was mich ob der für Südamerika doch unchristlich frühen Zeit sehr gewundert hat. Um 19:00 haben sich dann auch brav die Gäste (außer mir alles Brasilianer) im Speisezimmer versammelt, aber es ist erstmal nicht viel passiert. Draußen wurde erst mal der Grill beladen, für die Gäste gab es Bier, Sekt und Wein auf Haus:

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Mit Getränken und Vorspeisen (Hotdog mit Wurst vom Grill, Empanadas) wird erst mal der Sonnenuntergang genossen:

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Währenddessen treffen immer mehr Chilenen ein, did Besitzer der Lodge hat nämlich ihre Freunde aus Santiago eingeladen um den Tag zu feiern. Das erklärt auch die selbst für die Region nicht gerade kleine Menge an Fleisch auf dem Grill. Ab viertel nach 8 essen dann die Touristen, für die Einheimischen ist das natürlich noch zu früh:

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Nachdem ich mich mit den Einheimischen angefreundet hatte, durfte ich dann auch mit zur Feier in die Privatwohnung der Besitzer. Als ich irgendwann mit meinem Latein, äh Spanisch, am Ende war stellte ich auch heraus dass die meisten der Chilenen eh sehr gut Englisch, und eine Dame sogar sehr gut Deutsch (einem sächsischen Vater, einer tiroler Großmutter und der deutschen Schule in Santiago zum dank) sprachen.

Irgendwann hiess es dann: zieh deine warme Jacke und und es ging noch weiter in die Turnhalle, wo ein großes Volksfest stattfand.

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19.09.2023 - Valle Nevado

Kurz nach 8 wache ich auf und höre schon die anderen Gäste der Lodge im Frühstücksraum über mir. Frühstück war ja eigentlich für 8 angesagt, und ich wollte pünktlich um 9 auf den Ski stehen, den der Skitag würde heute aufgrund der Abreise bis maximal 12:30 dauern. Ich war nicht der fitteste, was aber nach dem langen Skitag gestern, dem durchprobieren des vollen Spektrums des lokalen Alkoholangebotes, und den nächtlichen "Lateinamerikanischen Tänzen" und knapp 5 Stunden Schlaf nicht sonderlich verwunderlich war. Nach schnellen herrichten und packen bin ich um 8:30 bei Frühstück, wo der Tisch schön gedeckt ist, aber noch niemand bei Tisch. Da ich dank 5 Gängen Fleisch am Abend nicht sonderlich hungrig ist bitte ich nur um einen schnellen schwarzen Kaffee und ab geht die Post.

Der Haushund ist noch müde nach der langen Nacht:

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Bei der Gondel ist überhaupt nichts los, und zu meiner Verwunderung läuft der 4SB Mirado, den ich bisher noch nicht in Bewegung gesehen hatte. Der Lift wirkt vergleichsweise modern und hat sogar ein funktinoierendes Förderband, was auf diesem Kontinent absolut unüblich ist:

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Leider ist der Lift trotz des Förderbandes auch für lokale Verhältnisse unglaublich langsam. Dann bleibt halt mehr Zeit fürs Panorama. Unter mir steht eine Speedstrecke mit Audi-Logos und "German Ski Team" Beschriftung, hin und wieder saust ein Zebrea über die doch recht flach wirkende Strecke. Auch rote "Ski Austria" Jacken sieht man am Pistenrand. (können die alle eigentlich kein Deutsch mehr sprechen?).

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Es sind überhaupt eigentlich überall Kurse gesteckt, hier z.B. beim KSL Escondida.

Mich zieht es hingegen zur KSB Andes Express, die Diablade-Piste die direkt am Lift verläuft hat zwar auch zwei Slalom-Kurse gesteckt, aber daneben lässt es sich unglaublich gut und Schnell auf der perfekten Piste fahren, weshalb ich dort viele Wiederholungen hinlege. Hin und wieder kommt es am ende des Kurses zu brenzligen Situationen weil irgendwelche Trainer sich einfach auf das schmale Pistenstück stellen ohne nach oben zu schauen. Die sind wahrscheinlich nicht gewöhnt dass hier jemand fährt, denn bis ca 10:30 ist ausser den Stangenfahrern fast niemand im Skigebiet.

Aber ich will ja noch mal zum KSL Tres Puntas, den ich bisher noch nicht erwischt hatte.

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An der Talstation gibt es ein nettes Schild, dass mich sehr an Skigebiete in Nordamerika erinnert:

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Neben der Liftspur ist es brutal verblasen. Mal 2 Meter Schnee, mal gar keiner.

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Oben war dann leider die Einfahrt in die schwarzen Pisten gesperrt, so dass mir nur die Blaue blieb. Die ist zwar heute auch perfekt präperiert, startet und endet aber als Ziehweg und ist dazwischen auch nur wenig breiter und steiler, also ziemlich uninteressant. Aber immerhin war ich einmal am höchsten Punkt des Skigebietes.

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In der nächste Geländekammer sieht man sogar Gletschereis.

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Dann lieber zurück zum Andes Express und noch mal ordentlich auspowern.

Um 12:30 ging es dann los Richtung Flughafen. Aber ich kam nicht weit, ein paar Serpentinen unterhalb von Farellones stoppen zwei Carabineras den Verkehr. Oh shit. Ich wusste dass an Wochenenden und Feiertagen der Verkehr auf der Strasse bis 13:00 nur bergwärts geführt wird, und ab 15:00 nur talwärts, aber Feiertag war doch gestern? Wie sich herausstellt ist der Tag nach dem Unabhängigkeitstag der Tag der Heeresverehrung ("Dia de las Glorias del Ejercito"), in Praxis wohl der Tag des kollektiven ausnüchterns.

Damit war mein Zeitplan futsch. Den Flug dürfte ich gerade so erreichen wenn nicht noch etwas schief geht, aber an Luxus wie das Auto vollgetankt zurückzugeben oder am Flughafen zu duschen ist mit einer Weiterfahrt ab 14:30 nicht mehr zu rechnen. Ich mache es mir im Auto bequem und lese, aber nachdem ich mehrere Autos vorbeifahren sehe gehe ich noch mal zu den uniformierten Damen und frage nach warum sie dass dürften. Die Antwort ist kurz und knapp: "certificado medico", also ärztliches Attest, und der Blick suggeriert mir dass ich gar nicht erst mit weinerlichen Geschichten vom verpassten Langstreckenflug anfangen sollte. Ich steige wieder ins Auto und klappe das Laptop auf. Wenig später gehen die beiden Damen an den "Abgrund", schauen herunter und kommen danach winkend auf mich zu: "Go, go!". Also Zündung an, unabsichtlicher Kavalierstart und mit ordentlich Tempo die Serpentinen herunter da die Strasse sich so den Hang hinaufschmiegt dass man entgegenkommende Autos ganz gut sieht. Bis zum Flughafen war ich fast wieder im originalen Zeitplan.
 
Danke die den Bericht, und auch für das achsoherrlichundeutsche Gogo am Ende
 
@hch: Viel Dank für den interessanten Begricht aus Chile. 😀 Besonders interessant findet ich wie alte Anlagen in Südamerika ein zweites Leben bekommen.
 
Skifreak_1 schrieb:
@hch: Viel Dank für den interessanten Begricht aus Chile. 😀 Besonders interessant findet ich wie alte Anlagen in Südamerika ein zweites Leben bekommen.
Ist ein bisschen so, als würde man in die europäische Liftvergangenheit reisen :D
 
Schöner Bericht, allerdings unter "restliches Europa" nicht ganz korrekt eingeordnet. Chile ist ja doch schon ein paar Jahr unabhängig. :D
Vor gut 20 Jahren war ich auch mal in Chile und dabei zwei oder drei Tage in El Colorado. Allerdings hatten wir die ganze Zeit Kaiserwetter und entsprechend war mein Fazit damals rundum positiv. Was die Liftgeschwindigkeit angeht, war man damals auch in den Alpen noch deutlich langsameres gewöhnt. Die Größe fand ich für jeweils einzelne Tage ausreichend. Mit Einheimischen sind wir allerdings nicht im eigenen PKW hochgefahren, sondern auch in einem der gezeigten Minibusse. Glaube die Kurverei und die Gefahr von Schneeketten waren ihnen zu umständlich. An Stau kann ich mich nicht erinnern, glaube wir waren immer recht früh am Berg.
 
Vielen Dank für den ausführlichen, guten und Interessanten Bericht aus Chile.
Ich war aus geschäftlichen Gründen, heuer im Mai/Juni mal für 2 Wochen in Santiago. Also leider bisschen zu früh zum Skifahren. Hätte ich sonst gerne mal ausprobiert, sofern die Zeit dafür da gewesen wäre…

Wie war denn die Ski Qualität vor Ort?
So wie man es bei uns aus den Alpen kennt oder eher so alte Mittelgebirge Verleih Service?
 
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