Umbruch bei der Jennerbahn
Schönau a. Königssee: (21. März 2005) Wer kauft die Jennerbahn? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung am Freitagvormittag der Berchtesgadener Bergbahn AG im Marktrestaurant am Jenner. Gleich zu Beginn bekräftigte der Vorsitzende des Aufsichtsrates und Vertreter der Lechwerke AG, Ulrich Kühnl, die Absicht der Lechwerke, die Anteile an der Berchtesgadener Bergbahn AG zu verkaufen. Einig sind sich Vorstand, Aufsichtsrat und die Lokalpolitiker, dass die Anteile möglichst ein regionaler Investor kaufen soll. Vorstandsmitglied Peter Schöttl konnte den Aktionären im Anschluss eine eher flaue Bilanz für das Geschäftsjahr 2003/2004 (vom 1. November 2003 bis 31. Oktober 2004) präsentieren. So lagen die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres leicht unter denen der Vorjahre. Wiederum gab es keine Dividende. Nach dieser durchwachsenen Bilanz konnte der BBAG-Direktor Wolfgang Bosch den Anteilseignern mit sehr positiven Zahlen Hoffnung auf das kommende Ergebnis machen: »Nach den katastrophenartigen Schneefällen am 2. Februar hatten wir in der Folge fantastische Pistenverhältnisse.«
Der Vorsitzende des Aufsichtsrates und Vertreter der Lechwerke Ulrich Kühnl redete zu Beginn der Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG nicht lange um den heißen Brei herum: »Bergbahnen gehören nicht zum Kerngeschäft der Lechwerke AG und deswegen möchten wir unsere Anteile an der Jennerbahn abgeben.« Vorbild für die Veräußerung soll der Verkauf der Anteile an der Nebelhorn- und der Fellhornbahn sein. Wie berichtet hatten die Lechwerke AG die Fellhornbahn und Teile der Nebelhornbahn an die Kleinwalsertal Bergbahn AG aus dem benachbarten Österreich verkauft. Der Vorteil dieses Geschäfts war, dass die Eigner der Kleinwalsertalbahnen, die Allgäuer Überland GmbH und die Raiffeisenbank Kleinwalsertal, aus der Region kommen. »Im regionalen Geschäft sind Bergbahnen profitabel zu betreiben, da sie den lokalen Tourismus stärken«, bekräftigte Kühnl.
In Verhandlungen konnten sich die Lechwerke und die Gemeinde Schönau am Königssee darauf einigen, ein Gutachten zu finanzieren, das ausleuchten soll, welche Entwicklungsmöglichkeiten die Jennerbahn besitzt und wer als Investor in Frage kommt. »Auch ein Neubau der Jennerbahn soll dabei geprüft werden.« Wie bei den Bergbahnen in Oberstdorf suchen die Lechwerke einen regionalen Investor. Vorstandsmitglied Peter Schöttl präsentierte anschließend die finanziellen Eckdaten des vergangenen Jahres. So hat die Jennerbahn insgesamt 193 108 Gäste befördert. Die Fahrgastzahlen sanken damit um rund 2,9 Prozent. Damit konnte sich auch die Jennerbahn dem allgemeinen Tourismustrend im inneren Landkreis nicht entziehen, nachdem die Gästezahlen zwar leicht anstiegen, die Übernachtungen aber zurückgingen. Winter- und Sommergeschäft verliefen dabei recht unterschiedlich: während der gute Winter 2003/2004 zunächst steigenden Kartenverkauf brachte, verregnete der feuchte Sommer anschließend das Geschäft in der warmen Jahreszeit. Damit stieg der Anteil des Wintergeschäfts von 18 auf 25 Prozent. Die steigenden Umsatzerlöse resultierten aus der Übernahme der Gastronomiebetriebe. Dies dokumentiert auch die Mitarbeiterzahl: Sie stieg von 24 auf 34 Beschäftigte. Unter dem Strich ergab sich ein Jahresüberschuss von 11 519 Euro. Mit dem Verlustvortrag aus dem Vorjahr von 86 821 Euro, der in die Bilanz 2003/2004 mit einfloss, ergab sich ein Bilanzverlust von 75 401 Euro.
BBAG-Direktor Wolfgang Bosch präsentierte den Aktionären der Jennerbahn in seinem Vortrag anschließend sehr positive Zahlen für den ersten Teil des Jahres 2005. Die Schneemassen »pünktlich« zum Faschingsgeschäft ließen die Kassen an der Talstation klingeln. Nahezu 2 000 Skifahrer täglich wedelten die
Pisten hinunter ins Tal. »An einem Tag haben wir sogar mal 2 800 Karten verkauft«, sagte Wolfgang Bosch nicht ohne Stolz. Auf Nachfrage erklärten die Verantwortlichen, dass die in der Vergangenheit von einigen ins Spiel gebrachte Einstellung des Winterbetriebes keine Verbesserung des Ergebnisses bringen würde. Ganz im Gegenteil betonte Wolfgang Bosch: »Schnee ist gleichbedeutend mit Wintertourismus und damit nicht zuletzt ein unentbehrlicher Wirtschaftsfaktor in unserer Region«. Hax
Berchtesgadener Anzeiger