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US-Wahl

Ich betrachte die Gegenwart und Zukunft - und da ist es den Republikanern wohl ziemlich egal, wie gut (?) in D eine große Koalition gearbeitet hat.

Es wird bis Jahresende auf jeden Fall spannend - irgendwie erinnert es an das "chicken game":

- Obama will keine automatische Budgetkürzung von 136 Milliarden Dollar und die automatisch auslaufenden Steuerermäßigungen aus der Bush-Ära für Reiche nicht verlängern
- die Republikaner wollen Obama schlecht aussehen lassen, aber ihre Stammwähler nicht um 500 Milliarden Dollar Steuerermäßigung bringen

wer sich zuerst bewegt, hat verloren ;-)
 
@ Blockkade: Wer eine Demokratie will und ein "Zwei-Kammern-System" als Lösung ansieht, wird immer auch Blockkade haben.

Da sind die Republikaner aktuell in de USA nur ein Beispiel, aber schauen wir doch mal nach Deutschland, da gab und gibt es sowas zu Hauf:

Schmidt und die FDP, die Kohl-Regierung hat am Ende ihrer (m.E. viel zu langen) Amtszeit doch auch im Bundesrat nicht mehr wirklich durchbekommen. Das Ganze wurde dann über die Totalblockade gegen die Schröderregierung in ihren letzten Tagen in D noch getoppt.

Und hat all dieses D massiv geschadet?

Es gibt doch auch noch ganz andere Kräfte die eine Gesellschaft regulieren. Die Politik ist nur ein Element von vielen.


Ein System das politische Blockkade ausschließt wird von uns allen doch immer (m.E. zurecht) verteufelt... sie Russland oder China oder ...
 
skilinde schrieb:
Wer eine Demokratie will und ein "Zwei-Kammern-System" als Lösung ansieht, wird immer auch Blockkade haben.
Nur dann, wenn in den Kammern unterschiedliche Mehrheitsverhältnisse sind.

Die Blockade eines Präsidialsystems (d.h. vom Volk direkt gewählter Präsident hat keine Mehrheit im Parlament) ist aber massiver, denn er kann den Staatshaushalt nur sehr begrenzt gestalten. In einem parlamentarischen System (Parlament wählt den Regierungschef) ist da wenigstens Einheitlichkeit gegeben.

Immerhin: Republikaner bieten Gespräche über Haushaltskrise an
Der republikanische Vorsitzende, John Boehner, lehnte die von den Demokraten geforderte Erhöhung der Steuersätze für Reiche am Mittwoch zwar erneut ab. Allerdings zeigte er sich offen für eine Schließung von Steuerschlupflöchern.
Boehner erklärte, die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus sei bereit, mit dem Präsidenten zusammenzuarbeiten, um "das Beste für unser Land" zu erreichen. Für die zum Jahreswechsel drohenden Einschnitte, die eine neue Rezession verursachen könnten, müsse eine schnelle Lösung gefunden werden.
 
Diese sogenannte Blockade der Republikaner wird ja gerne als Entschuldigung für Obama hergenommen.
Diese Blockaden hatten Clinton und G. W. Bush aber auch und sind damit umgegangen, weil sie auf die Gegenseite zugegangen sind.
Ist also keine Entschuldigung für Obama.
Nee , Obama hat doch insgesamt sehr enttäuscht, Blumigen Reden in Kairo, Berlin und Prag folgte politisch fast nix - aber solange sich die Massen einlullen lassen, klappt es doch wunderbar....
Außenpolitik war doch eher katastrophal, vor allem im arabischen Raum.

Auch mit der Krankenversicherung werden wir hier doch nur desinformiert. In USA gibt es auch sehr günstige private Krankenversicherungen, staatliche Krankenhäuser müssen kostenlos behandeln usw.
Richtige Amis erklären einem das auch wunderbar, nicht so wie unsere rotgrünen ideologisch einseitigen Mainstream-Medien.

Hier hieß es doch immer : Obama hat die Krankenversicherung für die USA eigeführt, und Romney will sie wieder abschaffen :roll:
 
Das haben die Republikaner auch schon davor. Aber wenn ich als amtierendes Staatsoberhaupt möchte, dass die Opposition auf mich zukommt, muss ich zuerst auf sie zugehen, das ist doch vollkommen logisch. Ich bin mal gespannt, ob er der Frau Rice evtl einen Posten in seinem Kabinett anbieten wird, wäre denke ich der beste Weg um seine Ziele durchzusetzen.
Chianti, du wirst Fox vor, einseitig zu schreiben und selbst siehst du nur eine Seite. Ich kritisiere niemanden, der eher für Romney, oder eher für Obama ist. Jmd. der jedoch Medien dafür kritisiert, einseitig zu schreiben und die ganze Sache selbst so einseitig sieht, kann man, zumindest in dieser Sache, nicht ernst nehmen. Du behauptest, 50% der US-Bürger seien verblendet und haben keinerlei Ahnung? Genauso wie sämtliche Aktionäre in Asien und den USA, denn immerhin fanden an den Märkten gestern die schlimmsten Kurseinbußen innerhalb des letzten Jahres statt?! Nun dann sind wir ja mal froh, dass du einer von denen bist, die den kompletten Durchblick haben.
 
Auch mit der Krankenversicherung werden wir hier doch nur desinformiert. In USA gibt es auch sehr günstige private Krankenversicherungen, staatliche Krankenhäuser müssen kostenlos behandeln usw

Das würde ich auch mal meinen... Das amerikanische Gesundheitswesen hat ganz andere Probleme, als die die man uns hier immer eintrichtert... Das Problem ist nämlich ein anderes... Mittellose und Pensionierte haben Anspruch auf auf die staatlichen Krankenversicherungen. Desshalb lohnt es sich für den "wenig besitzenden", unteren Mittelstand nicht sich eine teure, private Versicherungen zu kaufen. Diese leisten schlussendlich keine Beiträge, werden aber bei Krankheit mittellos und landen in der staatlichen Versicherung, die dann alle Kosten tragen darf.
Dazu ist das amerikanische Gesundheitswesen extrem teuer, weil a) extreme Kosten für die Absicherung gegenüber Haftungsklagen und b) Medikamente viel teurer sind als bei uns (davon profitieren wiederum wir Europäer, die für die selben Präparate weniger zahlen als die Amis und so quasi quersubventioniert werden).

Soviel ich gelesen habe, hat das Versicherungsobligatorium keine Mehrheit in den USA, wurde also mehr oder weniger am Volkswillen vorbei durchgedrückt.


Schlussendlich hätte ich als Amerikaner beide nicht besonders gemocht. Zum einen wird wohl Obamas Politik kaum die gewünschten Resultate bringen (hat sie zumindest bis anhin nicht) und Romney repräsentiert irgendwelche religiösen Irrlichter. Aufgeklärte Konservative sind scheinen mir da drüben noch rarer als bei uns...
 
Pilatus schrieb:
Aufgeklärte Konservative sind scheinen mir da drüben noch rarer als bei uns...
Echt? Ich zitiere hier mal Immanuel Kant:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Bist Du immer noch sicher, dass wir in Mitteleuropa aufgeklärter sind? Wieviele haben denn hier den Mut sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen?
Wie viele der neuen Ideen kommen den aus Europas Mitte? Wir sind hier doch im Durchschnitt viel zu satt.

Rüganer schrieb:
Auch mit der Krankenversicherung werden wir hier doch nur desinformiert. In USA gibt es auch sehr günstige private Krankenversicherungen, staatliche Krankenhäuser müssen kostenlos behandeln usw. Richtige Amis erklären einem das auch wunderbar, nicht so wie unsere rotgrünen ideologisch einseitigen Mainstream-Medien.
Ich kenne auch viele richtige Amerikaner meines Alters (40) und die erklären das mir je nach ideologischer (Demokraten/Repubklianer) Zugehörigkeit merklich unterschiedlich. Republikaner beschreiben es ähnlich wie Du. Beide Gesinnungen stimmen darüber ein, dass der "Preis" der PKV mit jedem Altersjahr merklich steigt. Es ist also in jungen Jahren, in denen man "eher" gesund ist, alles schön, gut und billig . Mit zunehmenden Alter gehen die Preise schon merklich rauf. Im Rahmen der privaten Versicherungsorganisation ist das auch völlig rational. Die demokratisch geneigten Bekannten beklagen darüberhinaus noch massive Zugangsbeschränkungen für verschiedene Personengruppen, wie z.B. nicht-Büro-Jobber, teilw. Farbige... und sofortige Ausschlüsse bei längerer Krankheit.

Btw:
Wo findest Du unsere Medien "rotgrün ideologisch einseitigen Mainstream"? Sowohl im öffentl.-rechtl. wie auch im privaten Bereich (bei niedrigerer Qualität im privaten) sind unsere Medien zwar m.M.n. immer ein wenig einem Parteienspektrum zuzordnen (der BR vielleicht mehr als ein wenig...), aber im europäischen Vergleich nach wie vor überdurchschnittlich gut. Und gerade im Vergleich zu den USA mit FOX auf der republikanischen Seite und MSNBC auf der demokratischen Seite ist hier alles extrem überparteilich und kritisch (wie gesagt im Verleich).
 
Wenn eine längere Krankheit einen Kündigungsgrund für die Versicherung darstellt, dann frage ich mich aber schon ernsthaft welchen Sinn das macht! Jahrelang brav die Prämie zahlen, aber wenn es für die Versicherung ins Geld gehen könnte folgt der Rauswurf. Das ist für mich Abzocke!
 
Mit "Ausschlüssen" ist wohl gemeint, dass bestimmte Vorerkrankungen von der Leistung ausgeschlossen werden können, wenn die private KV gewechselt wird/werden muss (was öfters vorkommt, denn die PKV ist nicht wie in D an den Versicherten, sondern meist an den Arbeitgeber gebunden)

Diese Möglichkeit zum Leistungsausschluss bzw. der Komplettverweigerung einer Police (die in höherem Alter ein Drittel aller Vesicherungswilligen treffen kann), ist mit den Reformen unter Obama abgeschafft worden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitssystem_der_Vereinigten_Staaten#Auswirkungen_der_Reform

Es gibt auch nach wie vor keine Versicherungspflicht in den USA!

Neu eingeführt wurde aber eine "Ausgleichszahlung" für Betriebe mit mehr als 30 Vollzeitbeschäftigten, wenn diese Arbeitgeber keine PKV für ihre Beschäftigten anbieten sowie eine "Ausgleichszahlung" der nicht versicherten Einwohner - eine Art "Strafsteuer". Dies wurde als "Sozialismus" angeprangert. Der Supreme Court hat aber festgestellt, dass diese Ausgleichszahlungen tatsächlich als Steuer aufgefasst werden können und eine solche Bundessteuer in der Gesetzgebungskompetenz des Kongresses liegt und verfassungsgemäß ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/National_Federation_of_Independent_Business_v._Sebelius
 
Und noch einer: Wenn Minderheiten die Mehrheit stellen - Die Partei, die sich eine eigene Wirklichkeit schafft
Vor allem die Senatswahl hat bewiesen, wie sehr die verknöcherten, gar menschenverachtenden Ansichten ihrer Kandidaten den Republikanern geschadet haben: Der Abtreibungsgegner Todd Akin verlor gegen eine Demokratin. Der rechte Kandidat Richard Mourdock verlor sogar spektakulär, nachdem er gesagt hatte, Schwangerschaften nach Vergewaltigungen seien Gottes Wille.
Die größere Herausforderung liegt darin, dass dieses Geschwätz nicht mehr als Entgleisung Einzelner wahrgenommen wird, sondern als Mehrheitsmeinung der ganzen republikanischen Partei. "Wir haben ein bedeutendes Problem mit Wählerinnen", sagt John Weaver, ein Stratege der Republikaner. Äußerungen wie die von Akin und Mourdock "klingen nicht parteifremd, sondern als typisch für uns".
Die Erkenntnis aus dieser Wahl lautet also, dass sich die amerikanische Gesellschaft schneller verändert, als es die Republikaner können. Ihre Kompetenz in Wirtschaftsfragen wird anerkannt, ihre Sorge um die Staatsfinanzen geteilt, aber etliche Wähler fühlen sich abgestoßen von der rechten Haltung in Gesellschaftsfragen, im Umgang mit Verhütung, Abtreibung, Homosexuellen. Die Wähler in Maryland und Maine haben für die Homo-Ehe gestimmt, in Wisconsin haben sie eine bekennende Lesbe in den Senat geschickt. "Uns geht es wie den Dinosauriern", sagt der republikanische Stratege David Johnson. "Der Meteorit hat schon eingeschlagen."
 
Der erste Satz:

"Die US-Wahl hat es überdeutlich gezeigt: Die Republikaner können in ihrem jetzigen Zustand keine Wahlen mehr gewinnen."

Überdeutlich? Ein Stimmenanteil von 50,3% zu 48,1% hat dies überdeutlich gezeigt? Manchmal frage ich mich, was sich Menschen denken, die sowas schreiben bzw. durchlesen und blindäugig glauben. Ich kann mich moralisch gesehen auch nicht mit den Republikanern identifizieren, aber muss die Presse deshalb den letzten Schmarrn schreiben und das deutsche Volk genau das machen, was es den US-Amerikanern vorwirft, nämlich mit dem Kopf nicken bei dem was die Medien schreiben anstatt den Kopf zum Denken zu benutzen?
 
Hallo,
in den USA kam es noch nie auf die Gesamtstimmenzahl an - siehe 2000, wo Bush junior trotz eines Rückstands von ca. 500.000 Stimmen Präsident wurde. Der reine Stimmenanteil sagt nichts darüber aus, ob man die Wahlen gewinnen kann.

Gewinnen muß man nicht die Stimmenmehrheit, sondern die Staaten bzw. die Wahlmänner in den Staaten - und das tat Obama überdeutlich mit 332 (nachdem Florida so gut wie feststeht) zu 206.

Außerdem muß man den ersten Satz im Zusammenhang mit der Analyse im Text sehen - der jetzige Zustand der Reps zielt auf die alten weißen Männer ab und die werden weniger; also kann man so keine Wahlen gewinnen.
 
Ach wirklich, is nich wahr?! :lol: Na wenn das mit dem Wahlsystem so is, na dann :lol:
Aber wenn du das ja auch bemerkt hast, kannst ja mal in die Swingstates reingehen, in denen es ja teilweise auch sehr knapp war, dann siehst du, wie wenige Stimmen gefehlt haben. Somit ist die Aussage einfach sinnlos, denn es waren Nuancen die entschieden haben. Die absoluten Zahlen zeigen doch trotzdem die allgemeine Stimmung, auch wenn das Wahlsystem nicht auf diesen Zahlen basiert.
Und dass sie sich ändern müssen ist vollkommen klar, aber das betrifft wohl auch so gut wie alle Parteien, egal ob in den USA, Europa oder sonst wo. Sollte ja kein Geheimnis sein, dass Parteien sich wandeln. Ob sie dies nun tun werden und dann auch in die richtige Richtung, ist natürlich eine andere Frage.
 
Interessante Analyse:

Parallelwelt konservatives Amerika (SZ)
Ist Fox News schuld an der Niederlage von Mitt Romney? Kritische Konservative werfen den Republikanern vor, die Realität auszublenden und sich in einer "Medienblase" einzunisten. Der Basis werde vorgegaukelt, dass die Konservativen die Mehrheit im Land seien. Die Elite sei zu feige, die Partei zu modernisieren.
...
Eine Partei, die Tatsachen bewusst ignoriere (mehr zum Kampf der Factchecker hier), sich fast ausschließlich an Weiße richtet und die Realitäten leugne ("das Land leidet noch immer an den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren"), könne nicht erwarten, Erfolg zu haben. Wer aus Überzeugung oder aus journalistischer Neugier vor der Wahl Fox News guckte, hörte dauernd von Romneys bevorstehendem "Erdrutschsieg" (gut bilanziert in diesem Video) - und davon, dass der New York Times-Statistiker Nate Silver keine Ahnung habe.
 
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