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Ussita-Frontignano (06-Mar-2010)

Reise in die Vergangenheit …

Nachdem ich mehrere Tage im Magirus-Deutz Archiv „wuehlen“ durfte, verlasse ich Ulm an meinem Geburtstag dem 05.03.2010 um kurz vor fuenf Uhr morgens. Ziel ist Ussita-Frontignano in den Sibillinischen Bergen. Fast durchgehend auf der ganzen Reise begleitet mich Schneetreiben. Nur kurzfristig beim Durchfahren der Po-Ebene wird der Schnee zu Regen. Meine Route fuehrt mich ueber Fernpass, Brenner, Verona, Modena, Bologna, Rimini, Pesaro, Ancona bis Civitanova an der Adria. Von dort aus bewege ich mich westwaerts in das Landesinnere in Richtung Berge.

Am Autobahnende bei „Rocca di Varapo“ kann ich diesen rechtsgelenkten Unimog mit langem Radstand der italienischen Strassenverwaltung A.N.A.S. fotographieren.



Gegen 16:30 Uhr erreiche ich nach fast 1.000 km Fahrtstrecke die Gemeinde Ussita. Im typisch italienischen Blau der Ueberlandbusse kommt mir ein aelterer Kaessbohrer Setra als Linienbus auf dem Kurs „Ussita – Visso“ entgegen.



Am Marktplatz in Ussita halte ich kurz an um einen Cappuccino zu trinken. Schon im September 2007 bei meinem ersten Besuch mit dem Motorrad war mir die attraktive Besitzerin (?) der Bar aufgefallen.



Weiter geht es in Richtung Frontignano; eben ausserhalb der Bebauung wird der Schneeregen zu Schnee und bleibt auch liegen.



Nach wenigen Kilometern bergauf erreiche ich endlich das frisch eingeschneite Frontignano.



Natuerlich gilt mein erster Gedanke der Leitner ESB „Vallone di Selvapiana“ von 1974. Nahezu unveraendert zu 2007 finde ich die Talstation vor.



Auf halben Weg zurueck zum Parkplatz passiere ich das alte Talstationsgebaeude der Vorgaengeranlage von Marchisio aus den 50er Jahren.

edit: Hier muß ich mich korrigieren. Es handelt sich nicht um die Vorgaengeranlage der Leitner ESB "Vallone di Selvapiana", sondern um den Vorgaenger der Marchsion DSB "Malghe del Cornaccione". Laut Marchisio-Referenzliste eine ESB von 1959. Die aktuelle Anlage "Malghe del Cornaccione" beginnt auf derselben Trasse, allerdings mehrere hundert Meter weiter oben, ungefaehr in Hoehe der Mittelstation von "Vallone di Selvapiana".



Auch bei der Zemella ESB „Le Saliere“ von 1981 hat sich gluecklicherweise nicht viel veraendert.





Inzwischen ist es kurz vor 18 Uhr und ich muss mich etwas beeilen meine Unterkunft in Castelsantangelo aufzusuchen. Ich fahre nicht zurueck ueber Ussita, sondern nehme die kleine SP130 ueber San Placido.



Fuer heute noch ein letzter Blick zurueck in Richtung Frontignano. Im Schneegestoeber ist eben noch die Zemella DSB „Del Ginepro“ von 1982 zu erkennen.



Der Ortsteil San Placido wirkt verlassen bzw. ruhig wie in einem tiefen Winterschlaf.



Je tiefer ich komme, desto besser werden die Strassenverhaeltnisse.



Endlich erreiche ich das Hotel „Dal Navigante“ in Castelsantangelo. Es ist schon bemerkenswert, ein Seemann aus Norddeutschland in einem Hotel eines Seemannes mitten in den italienischen Bergen …
Aber um darueber jetzt gross nachzudenken habe ich keine Zeit. Zum Abendessen habe ich naemlich eine Verabredung mit dem Sachverstaendigen, dessen Ingenieurbuero im Auftrag der amtlichen Aufsichtsbehoerde saemtliche Seilfoerderanlagen in Mittel- und Sueditalien ueberwacht. Trotz diverser Sprachbarrieren wird es ein sehr langer, aber aeusserst interessanter Abend. Kurz nach Mitternacht falle ich hundemuede in’s Bett.



Der naechste Morgen ueberrascht mich mit blauen Himmel und Sonnenschein. Nun habe ich auch etwas Zeit mir die maritime Unterkunft in den Bergen etwas naeher anzusehen. Die Wirtin erzaehlt mir, dass ihr verstorbener Mann Schiffskoch gewesen ist und nach seiner Seefahrtzeit dieses Hotel eroeffnet hat. Wir plauschen noch ein wenig, aber dann muss ich aufbrechen. Auf jeden Fall kann ich dieses Hotel waermstens mit gutem Gewissen empfehlen: Unterkunft und Essen sind ausgezeichnet.

www.dalnavigante.it









Wie soeben frisch „eingezuckert“: Castelsantangelo mit interessanter Stadtmauer.



Wie am Vorabend nehme ich die SP130 ueber San Placido.



Die Strasse ist sogar frisch geraeumt und auch weitestgehend abgestreut.



Was will man mehr ???



Alle Lifte sind bereits in Betrieb, so auch die Zemella DSB „Del Ginepro“, an der man zwangslaeufig vorbei faehrt.



An der Talstation der Zemella ESB „Le Saliere“ bin ich mit dem technischen Betriebsleiter verabredet. Dieser ueberreicht mir einen gratis (!) Skipass und wir tauschen Handynummern aus. Dank der „Vermittlung“ meines Dinner-Partners soll ich Zugang zu und Photographiererlaubnis in allen technischen Betriebsraeumen erhalten.



Ich beginne meine Besichtigungstour mit der Leitner ESB „Vallone di Selvpiana“.



An der Bergstation werde ich bereits erwartet und mir oeffnen sich Tueren und Tore.



Entsprechende Berichte und Bilder zu allen besuchten Anlagen werde ich aus Gruenden der Uebersichtlichkeit getrennt einstellen. Ausserdem ist dieser Beitrag auch so schon umfangreich genug …

Neben der Bergstation der Sesselbahn befindet sich die Talstation der stillgelegten PB „Monte Bove“. Neben der inzwischen ersetzten PB „Rosskopf“ in Sterzing soll diese die einzige komplett von Leitner selbst errichtete PB sein.



Auch hier ist natuerlich eine Besichtigung von Fahrstand und Maschinenraum angesagt. Der Zugang gestaltet sich dabei etwas umstaendlich, da die Station inzwischen als Gaststaette benutzt wird und die Raeume und Durchgaenge zum Teil mit Vorraeten und Mobiliar zugestellt sind.



Mit dem relative neuen (fuer mich uninteressanten) Leitner ESL „Jacci di Bicco“ fahre ich zum nunmehr hoechsten Punkt dieses Skigebietes.



Die Vorgaengeranlage, ebenfalls von Leitner, stammte aus dem Jahre 1970 und hatte eine Antriebsstation Typ B/B sowie die ueblichen Portalstuetzen. Am Ausstieg des Schleppliftes hat man einen guten Blick auf die erste Stuetze der PB. Zumindest von weitem macht diese noch einen recht passablen Eindruck.



Auch Talwaerts bietet sich ein interessanter Ausblick auf den Funpark im Vordergrund sowie die Marchisio DSB „Malghe del Cornaccione“ und den Leitner ESL „La Coturnice“.



Nach Osten zieht sich Bergruecken entlang des Val Stretta ueber den Piz Berro zum Monte Priora.



Nach Sueden blickt man in Richtung Monte Prata. Beachte den Soldatenfriedhof im Vordergrund.



Im Funpark war dieser Kaessbohrer Pistenbully PB 280 D im Einsatz.



Ich nehme die mittlere Piste, ueber die man entweder zur Talstation der Marchisio DSB “Malghe del Cornaccione” oder zur Mittelstation der Leitner ESB “Vallone di Selvapiana” gelangt.



Meine Aufmerksamkeit gilt jetzt der Marchisio Anlage.







An deren Bergstation angekommen, waehle ich nun eine andere Piste parallel zum Leitner ESL “La Coturnice“.







Der Pistenverlauf gewaehrt einen traumhaften Ausblick auf Ussita.



Weiter unten naehere ich mich der Bergstation der Zemella DSB “Del Ginepro”.



Diese Anlage ist mit Portalniederhaltern ausgeruestet.



Parallel dazu befindet sich die Zemella ESB “Le Saliere” und dahinter die Doppelmayr 4SB „Pian dell’Arco Belvedere“.



Da die Schneedecke immer duenner wird, fahre ich nur bis zur Mittelstation der Zemella DSB “Del Ginepro”. Beachte: Die Podeste von Mittel- und Bergstation wurden zum Teil auf Stuetzen der alten Marchisio Anlage errichtet.



Selbstverstaendlich fahre ich auch noch mit der Zemella ESB “Le Saliere”.



Hier bietet sich ein schoener Ausblick auf die Marchisio DSB „Malghe del Cornaccione“ (vorne) und die Leitner ESB „Vallone di Selvapiana“ (hinten).



Nachdem ich alle alten Anlagen besichtigt und dokumentiert habe, verabschiede ich mich dankend von dem freundlichen Betriebsleiter und seinen Leuten. Meine Fahrt wird nun in Richtung Sueden weitergehen. Ein letzter Blick zurück …



Die Sonne hat inzwischen den meisten Neuschnee vom Vortag schon wieder weggetaut.



Mitten durch Castelsantangelo fliesst der Bach „Nera“.



Die Nachmittagssonne taucht die umliegenden Berge in warmes Licht.



Am Monte Prata, dem Hausberg von Castelsantangelo, stehen ein aelterer Leitner ESL und eine neuere DSB.





Die Sonne umspielt die winterlich kahlen Baeume.



Mein Weg fuehrt mich weiter in Richtung Sueden. Bei Castelluccio durchquere ich die dortige sensationelle und einmalige Hochebene.







Der Blick zurueck … einfach beeindruckend!



Bei der Forca Canapina kann ich dieses schoene Abendpanorama in Richtung Gran Sasso aufnehmen.



Ein schoener und interessanter Tag geht zu Ende …

Viele Gruesse von der Kueste

Peter
 
genial :P danke kapitaen :D
 
Wieder mal ein toller Bericht von dir!
Schade dass die PB nicht mehr in Betrieb ist, die würde das Skigebiet noch erheblich aufwerten. An der Bergstation der PB gab es noch einen weiteren SL.
Weißt du seit wann die PB nicht mehr in Betrieb ist?

Übrigens: Hast du auch ein Bild von der attraktiven Dame in der Bar gemacht? Alte Lifte hin oder her, das Mädel würde mich jetzt schon interessieren :wink:
 
Total interessant und immer wieder verblüffend wie viele skigebiete abseits des üblichen es noch gibt.

Danke dafür.


Gruß!
 
Ich lese hier ja nicht mehr allzu viele Berichte, aber dieser hier sticht ganz klar aus der Masse heraus. Vielen Dank dafür.
 
Weißt du seit wann die PB nicht mehr in Betrieb ist?
Gemaess meinen Quellen war die Anlage bis 1994 in Betrieb.
Ein paar mehr Infos und Links zu http://www.funivie.org sind hier zu finden:

http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=51&t=24235

In Kuerze werde ich einen Bericht ueber die Technik der Anlage posten ...

Hast du auch ein Bild von der attraktiven Dame in der Bar gemacht?
Da musst Du schon selber hinfahren ... aber es lohnt sich! 8)

Vielen Dank fuer die freundlichen Kommentare;
es freut mich, wenn Euch meine Berichte gefallen!

Viele Gruesse von der Kueste

Peter
 
ESB "Vallone di Selvapiana" >> Baujahr 1974 >> "Fine vita tecnica" 2014
ESB "Le Saliere" >> Baujahr 1981 >> "Fine vita tecnica" 2021

Wobei die "40 Jahre" wohl auch Schlupfloecher bieten ...

Interessant, wie die Firma LEITNER in Ussita-Frontignano zum Zuge kam:
Schon lange vor den Seilfoerderanlagen hatte die Gemeinde ein eigenes
Wasserkraftwerk mit LEITNER-Turbine. Weil man mit deren Qualitaet so
zufrieden war, kam fuer den ESL "Jacci di Bicco", die ESB "Vallone die Selvapiana",
die PB "Monte Bove" und den ESL "La Coturnice" die Sterzinger Maschinenfabrik
zum Zuge.

Wenn ich aus Italien "gruenes Licht" bekomme, poste ich hier mal ein Bild von
der Maschinenalage des Wasserkraftwerks.

Viele Gruesse von der Kueste

Peter
 
Das erwähnte Restaurant/Hotel hab ich auch besucht diesen Sommer ... nur zu empfehlen!!! ;D
 
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