Oh, Mann, hier sind ein paar ganz schön auf die linke Neid-Rethorik reingefallen.
BigE schrieb:
ebenfalls eine ungleichbehandlung von ausländern ist die pauschalbesteuerung. auch dies ist eine schweinerei. manche von ihnen verbrauchen hier extrem viel land, treiben die preise nach oben, geniessen unsere sicherheit, die landschaft, die schulen und spitäler - und wollen nichts dafür bezahlen? na bitte schön, dann zieht doch nach somalia, dort zahlt ihr bestimmt weniger steuern.
Zugegeben, die Pauschalbesteuerung muss diskutiert werden. Sie macht für einen begrenzten Zeitraum schon Sinn (z.B. für Manager, Wissenschaftler etc., die sich nur über den Zeitraum von ein paar Jahren in der Schweiz aufhalten und dann wieder gehen.). Wer "für immer" bleibt, sollte voll bezahlen. Das ist aber m.W. auch heute zum Teil schon so, auf jeden Fall sind definitiv nicht alle (wohlhabenden) Ausländer pauschal besteuert. Die Pauschalbesteuerung ist v.A. unfair gegenüber wohlhabenden Schweizern. Schulen, Spitäler etc... Das ich nicht lache... Du meinst ja nicht allen ernstes dass diese Leute ihre Kinder in staatliche Schulen schicken und öffentliche Spitäler besuchen? Im Gegenteil, sie finanzieren sie mit ihren Steuergeldern mit und benutzen sie nicht! Gerade die ganze Rohstoffhändler in Zug lieferen viel Steuern ab ohne viel Platz zu verbrauchen.
Die Richtig reichen treiben die Preise subjektiv kaum nach oben (zumindest für den Otto-normal-Bürger), da sich ein einfacher Arbeiter auch vor 30 Jahren keine Villa am Zürichsee leisten konnte. Das was dem Durchschnittsbürger zu schaffen macht ist der Zuzug von jungen, gutqualifizierten, kinderlosen Mitgliedern des oberen Mittelstandes aus dem europäischen Ausland. Diese tretten auf dem Wohnungsmarkt etc. in dirkte Konkurrenz mit breiten teilen der Bevölkerung hier.
Kris schrieb:
Es heißt ja "mindestens 22%" und nicht "genau 22%". 22% ist immer noch sehr wenig, und kann nur durch jene Länder gehalten werden, die sich auf das Geschäftsmodell "Reiche anlocken" konzentrierten. Andere Kantone mit vielleicht höheren Ausgaben wie jene in städtischen Agglomerationen können sich dieses Geschäftsmodell nicht leisten (Infrastruktur, Soziales, Bildung....). Dennoch werden durch das konkurrierende Steuerdumping vom beschaulichen Zug und Co. andere Kantone gezwungen, Spitzensteuersätze (Also keinesfalls die "normalen" Steuersätze!) ebenfalls niedrig zu halten, und im Ausgleich daher normalere Einkommensgruppen höher zu besteuern als anfürsich nötig.
Sorry Kris, zu ziehst zu 100% die falsche Schlüsse
22% sind überhaupt nicht wenig, dazu kommen dann nämlich noch 13,2% direkte Bundessteuern, 9,5% AHV/IV/EO, 1% ALV, im Schnitt 3.16% UVG/NBU, dazu weitere Abgaben für Pensionskasse, Krankenversicherung etc.
Zahle ich nur die zusammen, wo ich die konkreten Zahlen weiss, dann komme ich bei einem Einkommen von 250'000 auf Abgaben von 48.96%. Soviel zum Thema tiefe Besteuerung. Zudem sind 250'000 ein sehr, sehr tiefer Wert. Das betrifft nicht nur superreiche, sondern auch die obere Mittelschicht (Anwälte, Ärzte, Ingenieure etc. Zum Vergleich: Im Kanton Zürich verdiehnt ein Gymnasiallehrer auf der höchsten Lohnstufe fast 180'000 CHF. So weit ist das nicht entfernt.)
Das Geschäftmodell "Reiche Anlocken" ist durchaus legitim. Es ist nämlich nicht so dass die Stadtregionen am verarmen wären... Bis der Steuerwettbewerb richtig gegriffen hat, waren die ländlichen Gebiete "Armen-Zonen" mit einer riesigen Abwanderung. Wieso soll ich meine Dienstleistungsfirma in Obwalden ansiedeln wenn ich in Zürich die Hochschulen, die Infrastruktur und viele potenzielle Angestellte habe? Erst als die Steuern in diesen Kantonen massiv runter giengen, konnte die Abwanderung in eine Zuwanderung umgewandelt und attraktive Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Die Städte haben nicht nur Zentrumslasten, sie haben auch "Benefits". Zürich hat ein Milliarden schwere Banken- und Maschinenindustrie, Basel gleiches im Bereich Chemie, Pharma und Life Science.
Dass die Zentrumskantone durch den Steuerwettbewerb leiden würden ist ein Märchen. Zürich und Basel Stadt (der Hochsteuerkanton schlechthin) gelten zu den Hauptfinanzierern des Finanzausgleichs (eine Umverteilung zwischen den Kantonen, die den Steuerwettbewerb etwas dämpfen und vorallem finanzschwachen Kantonen ebenfalls Steuersenkungen erlauben soll) - obwohl sich diese einen total überladenen Staatsapparat leisten (die Stadt-Kantone Genf und Basel Stadt haben im überigen die höchsten Steuereinnamen pro Kopf).
Der Steuerwettbewerb führt also nicht zu einer Diskriminierung der Stadtregionen, sondern nur zum Ausgleich der "Attraktivität".
Dass tiefe Einkommen wegen den tiefen Steuern für Reiche zu hoch besteuert werden, ist noch ein weiterer Trugschluss. Das verfassungsbasierte Verbot von degressiven und linearen Steuersätzen macht das absolut unmöglich. Reiche zahlen immer mehr (ausser bei der Pauschalbesteuerung, um die es hier aber NICHT geht... die bleibt, nur sind die "richtigen" reichen Steuerzahler noch mehr
verarscht). Und der Steuerwettbewerb funktionniert auch für den "kleinen" Mann: In Basel Stadt z.B. wurden in den letzten 10 Jahren die Steuern für kleine Einkommen um 80 gesenkt, für hohe um "lächerliche" 13%.
Dass die Iniative die bilateralen Verträge mit der EU verletzt ist meine Ansicht nach ein erwünschter Nebeneffekt, hat sich die SVP doch schon immer gegen diese ausgesprochen! Nur zugeben würden sie das natürlich nie. Ist irgendwie schon noch perfid, wie versucht wird quasi durch die Hintertür für diese Partei als verloren zu betrachtende Abstimmungen wieder rückgängig zu machen. Es zeigt auch sehr schön, was für ein Demokratie(un)verständnis diese Partei hat.
Sie hat sich immer dafür ausgesprochen, würde das aber nie zugeben???? Wo bleibt die Logik?
Naja, sind wir ehrlich, würde heute über die Personenfreizügigkeit abgestimmt, würde sie knall hart abgeschmettert. Glaube mir, wäre die SVP Spitze nicht mit reichen Unternehmern besetzt, die die billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht missen möchten, dann wäre die Initiative zur Abschaffung der Personenfreizügigkeit schon lange lanciert.
Globalisierungsverlierern indem sie ihnen scheinbar einfache Antworten (die Ausländer sind an allem schuld) auf in Wirklichkeit sehr komplexe Fragen verspricht. In der Praxis funktionieren diese Rezepte meistens nicht, aber das ist für solche Opportunismusparteien kein Problem. Man schiebt einfach dem politischen Gegner, dank dessen "Störmanöver" die rechtskonservative Politik nicht konsequent durchgezogen werden konnte, die Schuld zu und mobilisiert so die eigenen Wähler erst recht. Es ist halt einfach und bequem "Ausländer raus" zu fordern als das eigene Verhalten zu überprüfen und es vielleicht sogar in Frage zu stellen! Dazu müsste man sich ja informieren und, oh Schreck, denken!
Ich habe schon brieflich abgestummen und bei der Ausschaffungsiniative und dem Gegenvorschlag ein Nein (und bei der Stichfrage den Gegenvorschlag angekreuzt) und bei der Steuergerechtigkeitsiniative ein Ja in die Urne gelegt.
Dass die Iniative die bilateralen Verträge mit der EU verletzt ist meine Ansicht nach ein erwünschter Nebeneffekt, hat sich die SVP doch schon immer gegen diese ausgesprochen! Nur zugeben würden sie das natürlich nie. Ist irgendwie schon noch perfid, wie versucht wird quasi durch die Hintertür für diese Partei als verloren zu betrachtende Abstimmungen wieder rückgängig zu machen. Es zeigt auch sehr schön, was für ein Demokratie(un)verständnis diese Partei hat.
GMD schrieb:
Der Vergleich mit der FPÖ ist durchaus gerechtfertigt, wie diese holt sie ihr Wählerpotential in den Reihen der Unzufriedenen und Globalisierungsverlierern indem sie ihnen scheinbar einfache Antworten (die Ausländer sind an allem schuld) auf in Wirklichkeit sehr komplexe Fragen verspricht. In der Praxis funktionieren diese Rezepte meistens nicht, aber das ist für solche Opportunismusparteien kein Problem. Man schiebt einfach dem politischen Gegner, dank dessen "Störmanöver" die rechtskonservative Politik nicht konsequent durchgezogen werden konnte, die Schuld zu und mobilisiert so die eigenen Wähler erst recht. Es ist halt einfach und bequem "Ausländer raus" zu fordern als das eigene Verhalten zu überprüfen und es vielleicht sogar in Frage zu stellen! Dazu müsste man sich ja informieren und, oh Schreck, denken!
Naja, das kann man auch nicht sagen. Dass die Ausländer nunmal die Kriminalstatistik anführen ist ein Fakt. Und irgendwie ist es doch verständlich, dass man einen nicht haben will, der herkommt und Ärger macht?
Ob die SVP Initiative der richtige Weg ist, sei mal dahin gestellt, aber diese Initiative gibt es nur weil die anderen Parteien das Problem ingnoriert haben!
Bumps schrieb:
Wenn man böse sein will, reiten ausgerechnet die Linken hier genau die Anti-Ausländer-Welle, die sie sonst der SVP vorwerfen
Meine Rede... Reich und Ausländer... schlimmer geht es nicht mehr... :lol:
Fab schrieb:
Beispiel "Chiquita"
Gewinnsteuern in Antwerpen/Belgien (vormaliger europ. Firmensitz) 22%
Gewinnsteuern im Kanton Waadt (jetziger Firmensitz) 7,5%, nach zeitweiligem kantonalen Steuerverzicht aktuell 2,5%
Gewinnsteuern einheimische Firma 23%
Alles klar soweit?
In der Genferseeregion gab es m.W. sogar eine Zeit lang gar keine Unternehmenssteuern für Zuzüger, da die Arbeitslosgkeit für Schweizer Verhältnisse sehr hoch war. Hat aber nicht so viel gebracht. Ein paar internationale Konzerne zügelten rasch ihre Geschäftsleitungen, die zusätzlichen Arbeitspläze waren spärlich...
gfm49 schrieb:
um so kurioser erscheint dann unsereinem, daß eine solche Initiative nicht exakt definiert sein muß, sondern dem weniger souveränen parlamentarischen Gesetzgeber wiederum jede Menge Freiraum einräumen kann.
Jein, m.W. kann das Parlament das Gesetz nur noch härter machen, was ganz und gar nicht entgegen dem Sinn der SVP wäre...
Alles in allem rechne ich mit einer Mehrheit für beide Initiativen, leider! Doch zum Glück braucht man nicht nur das Volksmehr sondern auch das Ständemehr (die Mehrzahl der Kantone muss für die Vorlage sein). Dies dürfte die Steuerinitiative den bachabgehen lassen - hoffentlich!
Alles in allem aber doch bedenklich, dass zum gleichen Zeitpunkt eine nationalistische und eine sozialistische eine Mehrheit finden dürften...