NeusserGletscher schrieb:
Bei der Warmwasserbereitung haben wir aber prinzipiell das Problem, dass wir den Boiler auf 50° C heizen müssen, um eine Verkeimung des Systems zu unterbinden, richtig? Und je besser ein Haus gedämmt ist desto größer ist der Anteil der eingesetzten Energie für die Bereitung von Warmwasser in Relation zur Heizung, richtig? Mit welcher Leistungszahl kann man hier in der Praxis und nicht nur in der Theorie rechnen?
Bei der Heizung sieht es meines Wissens nach so aus, dass wir eine Energiespitze in der Frühe haben, weil dann die Heizung von Nacht- aus Tagbetrieb umschaltet. Morgens ist es aber oft kälter als um die Mittagszeit, wenn der amtliche Wert für die Tagestemperatur ermittelt wird. Gleichzeitig wird die Regelung der Heizung bei kalten Temperaturen eine höhere Temperatur anstreben. Wie hoch ist unter realen Praxisbedinungen dann noch der "Gewinn" durch die Leistungszahl?
Wärmepumpenhersteller stellen normalerweise die Leistungszahlen für verschiedene Temperaturszenarien zur Verfügung. Dies ist für die Planung ja auch wichtig, da die Anlage auf die vorherrschenden Klimadaten ausgelegt werden muss.
Hier mal einige angaben eines Herstellers aus dem Ländle.
Luft/Wasser WP:
Aussentemperatur: -10°, Vorlauftemperatur: 35°, COP-Wert: 2.5
Aussentemperatur: -10°, Vorlauftemperatur: 55°, COP-Wert: 2.0
Aussentemperatur: +2°, Vorlauftemperatur: 35°, COP-Wert: 3.0
Aussentemperatur: +2°, Vorlauftemperatur: 55°, COP-Wert: 2.0
Aussentemperatur: +10°, Vorlauftemperatur: 35°, COP-Wert: 4.3
Aussentemperatur: +10°, Vorlauftemperatur: 55°, COP-Wert: 2.8
Diese Angaben variieren natürlich je na Hersteller, Modell, eingesetztem Kältemittel etc.
Wie baeckerbursch richtig erwähnt hat, werden häufig Elektroheizeinsätze in Boilern eingesetzt um die Legionellenschaltung zur gewährleisten. Es gibt auch Wärmepumpen welche sich direkt mit einer elektrischen Zusatzheizung bestücken lassen.
Zur Verhinderung einer Legionellenbildung sollte das Brauchwarmwasser regelmässig auf +60° C erwärmt werden. Diese Temperatur muss jedoch an den Entnahmestellen erreicht werden, da sich die Bakterien häufig auch im Rohrleitungsnetz ausbilden. Hier spielen aber noch viele andere Faktoren eine Rolle (Leitungsmaterial, Wasserdurchfluss etc.). Darum sollte auch auf die von baeckerbursch erwähnten Frischwasserstation verzichtet werden.
Wenn es also möglich ist, sollte in kälteren Klimaregionen immer eine Sole/Wasser-WP in Betracht gezogen werden. Die Vorteile überwiegen IMO die höheren Investitionskosten (keine Lärmemissionen, höhere und gleichbleibende Leistungszahl, Freecooling Möglichkeit etc.).