Ich denke, wenn man das Thema
"Wasserverbrauch von Schneekanonen" diskutiert, dann sollte man sich überlegen, was man überhaupt unter "Wasserverbrauch" versteht.
Chemisch/physikalisch betrachtet wird Wasser
verbraucht, wenn das H2O in seine Bestandteile aufgespalten wird, z.B. durch
Elektrolyse. Hier verschwinden die Wassermoleküle.
Bei der
Verdunstung von Wasser wird dieses nicht verbraucht, sondern geht nur in einen anderen Aggregatzustand über (Wolken = Wasserdampf).
Eine
Beschneiungsanlage transportiert Wasser von einem Ausgangspunkt zu den Schneekanonen, mit deren Hilfe sein Aggregatzustand zu "Eis" verändert wird. Dieses schmilzt irgendwann (wird also wieder zu Wasser) und fließt ab bzw. versickert auf der Piste. Im Ergebnis wird also durch eine solche Anlage Wasser an bestimmten Orten entnommen und zeitlich versetzt an anderen Orten wieder freigesetzt. Ein geringer Teil des Wassers verdunstet dabei und wird in die Athmosphäre abgegeben. Chemisch/physikalisch betrachtet findet hier also kein "Wasserverbrauch" statt.
Im
allgemeinen Sprachgebrauch hingegen spricht man von "Wasserverbrauch", wenn es um die Wassermenge geht, die private oder gewerbliche "Verbraucher" von ihren (kommunalen) Versorgungsunternehmen beziehen. Natürlich verschwindet auch hier das Wasser, z.B. durch Betätigung der Klospülung, nicht. Sonst müßte man ja wohl keine am "Verbrauch" gemessenen separaten Abwassergebühren bezahlen.
Was im obigen Beispiel geschieht ist, daß zum einen das Wasser verschmutzt wird, und zum anderen, daß für die Aufbereitung und den Transport des Wassers Energie aufgewendet werden muß und eine Infrastruktur zur Verfügung stehen muß. Der
Wasserpreis bezahlt somit nicht den Verbrauch, den es ja nicht gibt, sondern die Kosten des Transportes und der Aufbereitung bzw. Reinigung des Wassers.
So betrachtet, kann man natürlich auch bei
Beschneiungsanlagen von einem Wasserverbrauch sprechen, da auch hier (nicht unerhebliche) Kosten z.B. für den Transport des Wassers zur Kanone (in die Höhe pumpen!!!) anfallen. Von den Infrastrukturkosten (Zuleitungen) und dem eigentlichen Stromverbrauch der Kanonen ganz zu schweigen.
Problematisch an der
öffentlichen Diskussion ist m.E., daß journalistische Beiträge eben nur selten wirklich "in die Tiefe" gehen. Man redet von "Wasserverbrauch" (der, bis auf die Verdunstung, gar nicht existiert), weil das negativ klingt, und Energieaufwand (der fraglos vorhanden ist), was noch schlechter tönt. Dabei werden nur absolute Zahlen verwendet (tausende Kubikmeter Wasser, Millionen kWh Strom) die dann bedrohlich klingen.
Hintergrundrecherchen mit Vergleichszahlen (Energiekosten anderer Freizeiteinrichtungen wie z.B. Schwimmbäder am Heimatort, Energiekosten der Tourismusbetriebe im Tal (Schwimmbad/Sauna/Whirlpool/was weiß ich noch alles in jedem Hotel, usw.)) werden leider nur selten durchgeführt (weil mit Arbeit verbunden) und noch seltener publiziert (langweilig, fürs Publikum zu schwierig, nicht quotenträchtig).
Eine öffentliche Diskussion auf dem angeführten seichten Niveau sollte deshalb als das verstanden werden, was sie ist:
Sensationshascherei mithilfe negativer Aussagen. Sie verdient es deshalb eigentlich nicht, daß man näher auf sie eingeht.
P.S.: Ich hoffe, der chemisch/physikalische Teil ist mir nicht allzu falsch geraten. Die beiden Fächer waren mir in der Schule "die Liebsten"
P.S. II: Wer von euch wohnt im Odenwald oder sonstwo im nördlichen Württemberg und bezieht sein Wasser von der Bodenseewasserversorgung? Als kleine Aufgabe darf der/diejenige bitte ausrechnen, wieviel Strom dafür verbraucht wird, das Wasser, das er/sie mit einer Klospülung verbraucht, vom Bodensee durch ein ganzes Bundesland zu pumpen und wieviel Schnee man anstelle dessen mithilfe einer handelsüblichen Schneekanone bei guten Bedingungen produzieren kann.
Anbei ein Link zur Karte mit dem Einzugsgebiet der BWV:
http://www.zvbwv.de/index.php?/frame_main/uebersichtskarte.html?str_detail=g4