Espace.ch meldet:
Lastwagen rammte einen Sessel
Viel Glück hatten offenbar zwei Passagiere und die Verantwortlichen der Seilbahn Weissenstein am Montag: Ein Lastwagen rammte den ausfahrenden Sessel in Oberdorf. Das Personal hörte die Schreie nicht, der Lift fuhr weiter.
«Sichtlich geschockt» seien die vier Gäste auf der Terrasse des Hotels auf dem Weissenstein gesessen, bestätigt Kurhaus-Wirt Heinz Blattmann einen Augenzeugenbericht. «Sie kamen gerade vom Sessellift und meinten, jetzt könne ihnen ein kräftiger Schluck Rotwein zur Beruhigung nur gut tun.» Dann hätten sie ihm ihr Erlebnis geschildert.
Während der Sessel mit dem ersten Paar offenbar gerade noch davonkam, wurde der zweite Sessel von einem Lastwagen frontal gerammt, als er auf dem Parkplatz beim Bahnhof Oberdorf rückwärts manövrierte. «Der Lastwagen war eindeutig höher als die maximal zulässigen 2,75Meter. Das Paar auf dem Sessel wurde ganz gehörig ‹umebängglet›», so Blattmann. Zu Tode erschrocken hätten sie geschrien, aber offensichtlich bemerkte niemand von den Seilbahnverantwortlichen das Malheur. Der Sessel habe so stark hin und her geschwankt, dass er sogar den ersten Mast beim Bahnhof touchiert habe. «Die Leute müssen Todesangst gehabt haben», sagt Blattmann.
Beim Bundesamt gemeldet
Konrad Stuber, Geschäftsführer der Seilbahn, bestätigt den Vorfall. Er habe ihn gestern auf dem dafür vorgesehenen Formular beim Bundesamt für Verkehr gemeldet. «Ich hatte selber am Montag frei und liess mir den Sachverhalt von Betriebsleiter Hans Rothenbühler schildern.» Der sass am Montag im Nesselboden und wurde dort von den geschockten Passagieren aus der Region Gäu informiert. Sein Arbeitskollege an der Talstation hatte offenbar nichts gehört und gesehen.
Prellungen
«Die beiden erwachsenen Passagiere haben sich Prellungen zugezogen und wohl einen tüchtigen Schreck erlitten», sagt Stuber. Zeugen hätten die Kontrollschilder des wegfahrenden Lastwagens notiert. Die Seilbahn habe mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen. Der Lastwagenfahrer hätte etwas zum Forsthaus bringen sollen und habe sich offenbar auf den Parkplatz verirrt. Er sei vom Diensthabenden unbemerkt hinter der Talstation durchgefahren und offenbar beim Rückwärtsmanöverieren gegen den Sessel geprallt.
Normalerweise warnt ein über den Parkplatz gespanntes Seil mit kleinen schwarzgelben Flaggen vor der Gefahr. Am Montag war es nicht dort. Blattmann vermutet, es habe die Schneeräumung behindert und werde deshalb im Winter weggenommen.
Gebremst hätte es einen rückwärtsfahrenden Lastwagen allerdings kaum. Ob es vom Chauffeur wahrgenommen worden wäre, ist zumindest fraglich.
Ohne Polizei
«Die Polizei wurde nicht zugezogen, da niemand ernsthaft verletzt worden ist», sagt Konrad Stuber. Ob die Passagiere noch Forderungen stellen würden, wisse er nicht. Er arbeite seit 2006 bei der Bahn. Seit zehn Jahren sei kein Unfall passiert. Dass die Bahn im vorliegenden Fall automatisch hätte gestoppt werden sollen, verneint er: «Das Seil spannte sich und schnellte dann los, solche Bewegungen werden über Spanngewichte ausgeglichen.» Dass es dabei aus einer Rolle hätte springen können, kann sich Stuber nicht vorstellen. Als Sofortmassnahme habe er ein Absperrseil montiert, den betreffenden Sessel aus dem Verkehr gezogen und das Seil visuell kontrolliert. Zudem sei das Personal auf die Gefahr von hohen Fahrzeugen hin sensibilisiert worden. «Immerhin», sagt Stuber, «zählen Seilbahnen statistisch gesehen zu den sichersten Verkehrsmitteln.»