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Weißseespitze/Kaunertal, 4.-6.8. 2005

Steffen, zwei weitere Freunde und Ich waren von Donnerstag bis Samstag im Kaunertal und Langtauferer Tal unterwegs und sind gesund und munter wieder in der Zivilisation angelangt.
Als kleiner Vorgeschmack drei Bilder:
 

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Super Bericht!
nachdem ich vor zwei Jahren auch da oben gestanden bin - aber bequemer, weil nur vom Parkplatz bei Kaunertaler-Gletscher weg, weiß ich wie schön es dort ist. Leider aber mit viel weniger Schnee und Eis als damals.
 
Da der Abstieg zum Gepatschhaus noch sehr sehr lang vor uns lag, hielten wir uns nicht ewig am Gipfel auf – obschon dies eine sicherlich verlockende Perspektive wäre – schauten kurz den Westgrat von oben an (sieht machbar aus) und stiegen dann in Richtung Nordosten der Spur zur Rauen-Kopf-Hütte nach.

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Los geht es mit dem Abstieg, immer der Spur nach und relativ nahe an den Abstürzen der Nordwand (links). In Bildmitte der gar nicht hoch aussehende Zahn

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Unterhalb der „potentiellen Schlepplift-Felsen“, nochmals der Blick aufs große Gletscherbecken

Dabei boten sich interessante Einblicke auf mögliche PB- oder SL-Bergstationen oder Stützenstandorte bzw. atemberaubende Tiefblicke in die Nordwand und hinunter ins Skigebiet.

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Einblick in die Nordwand der Weißseespitze. Mir reicht der Normalweg. Rechts der Bildmitte die SLte Weißseeferner I+II sowie Falgin

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Tiefblick ins Skigebiet: Trassen der SLte Nörderjoch I und II sowie Weißseeferner

Auch dem berühmten Hohen Zahn statteten wir einen Besuch ab – er sieht recht fragil und wacklig aus.

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Der Hohe Zahn aus der Nähe

Unterhalb des Zahns hatten wir nun die Wahl über die immer flacheren Hänge des „Sumpf“ zur Rauen-Kopf-Hütte und danach noch ewig weit hinunter zur Hütte zu laufen oder einer Spur hinunter zum Nörderjoch zu folgen, die das dorthin führende Eisfeld zunächst am oberen Rand traversiert, dann aber auf dem Felsgrat des Hohen Zahns direkt zur Liftstation (Nörderjoch II) führt, da das Eisfeld fast blank und viel zu steil zum Abstieg wäre. Wie hier ein Ziehweg zur Notentleerung des Gepatsch-Skigebietes entstehen soll, ist uns schleierhaft. Auch eine Abfahrt vom Gletscherdach in Richtung Nörder III und ins bestehende Gebiet sieht nur unter schwersten Eingriffen machbar aus (Felssprengungen, ganze Eisbrüche plattmachen…).

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Kurz vor dem Verlassen des Gepatschferners der Blick nach Norden zum Stausee …

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… und ein Blick zurück auf den Riesen-Gletscher

Wir seilten uns also aus und stiegen den Steigspuren folgend den Grat ab (keine Kletterei, Gehgelände aber teilweise verschneit, brüchig und Absturzgelände zu beiden Seiten, also Vorsicht!) und legten auf gemessenen 3030 m am Nörderjoch eine längere Pause ein.

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Wieder im Fels: Abstieg zum Nörderjoch. Links die Trassen der SLte Nörderjoch II und I. Im Vordergrund links verlief mal Nörderjoch III für sehr kurze Zeit

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Seitenblick in die Nordwand der Weißseespitze, zum Weißseeferner, dem Falginjoch. Auf der weißen Firnfläche im Vordergrund verlief schräg die Trasse von SL Nörderjoch III

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Historisches Bild: SL Karlesspitze mit Rest-Eisfeldern. Vorne Weißseeferner und gleichnamige SLte

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Seitenblick zur Zunge des Gepatschferners. Die Moränen geben Aufschluss über einstige Größe

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Blick auf unsere Abstiegsroute zum Nörderjoch. Unsortierter Bruchhaufen

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Da ist die Weißseespitze schon ästhetisch ansprechender. Auf dem Eisfeld schräg links verlief der SL Nörderjoch III

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Blick zum Falginjoch mit den SLten Weißseeferner I und II unterhalb deren wir gestern Nachmittag im dichten Nebel aufgestiegen sind

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Letzte Felsstufe, dann ist das Nörderjoch erreicht. Von hier sieht der Hohe Zahn dann doch wieder imposanter aus

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Eingehauste Bergstation SL Nörderjoch II

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Trasse SL Nörderjoch II von oben

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Trasse SL Nörderjoch III in Bildmitte, leicht schräg

Danach hieß es wieder Steigeisen an und Anseilen, denn der Abstieg zum Parkplatz war der spaltigste der gesamten Tour. Alle 10 Meter hieß es großer Schritt, Sprung oder vorsichtiges Tasten über Spaltenbrücken. Dass hier Schlepplifte und Pisten verlaufen nimmt einen jetzt im August echt Wunder.

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Talstation SL Nörderjoch II

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Trasse SL Nörderjoch II von unten

Wir querten von der Talstation Nörder 2 dann hinüber zur Weißseeabfahrt und auf die Piste, drehten zum Spaß noch eine Eisschraube in die Piste und stiegen nun endlich entspannt zum Auto, nach 10 ½ Stunden Tour waren wir doch gut geschafft.

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Gletscherrestaurant und Start der SLte Weißseeferner mit vermatteten Schneedepots

Im Gepatschhaus ergatterten wir noch ein 4er-Zimmer, genehmigten uns die leckere Halbpension (31 €) und besprachen bei ein-zwei Bier noch vielerlei Dinge.
 
Wahnsinn, danke für den Bericht! Ich traue mich überhaupt nicht, nach aktuellen Gletscher-Vergleichsbildern zu suchen...
 
drehten zum Spaß noch eine Eisschraube in die Piste
.. damit ein Skifahrer oder die Pistenraupe hängen bleibt??

Geht der Gepatsch aufgrund seiner flachen Lage oben eigentlich als "Schildgletscher" durch? Oder ist das gar keine so gängige Einteilung unter euch Geologen?
 
starli schrieb:
drehten zum Spaß noch eine Eisschraube in die Piste
.. damit ein Skifahrer oder die Pistenraupe hängen bleibt??

Geht der Gepatsch aufgrund seiner flachen Lage oben eigentlich als "Schildgletscher" durch? Oder ist das gar keine so gängige Einteilung unter euch Geologen?

Zu ersterem: Nein, natürlich nicht! Wir haben die sofort wieder herausgedreht, denn eine Eisschraube kostet mehrere Dutzend Euro.

Zu zweiterem: Meinst Du Plateaugletscher? Gute Frage, ich bin kein Glaziologe (und Geologe auch nicht :D). Plateaugletscher sind in den Alpen ziemlich selten. Der Glacier de Mont de Lans auf dem das Gletscherskigebiet von Les Deux Alpes liegt, wird bisweilen als solcher bezeichnet.

Aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gletscher
Plateaugletscher oder Eiskappe ...and, oder der Jostedalsbreen in Skandinavien)

Hier https://www.asi-reisen.de/blog/erlebnis-gletscher-das-wanderbare-eis-der-erde/ wird der Gepatsch tatsächlich als Plateaugletscher bezeichnet:

Der Gepatschferner im Kaunertal ist einer der wenigen Plateaugletscher der Alpen. Aus dem großen Firngebiet fließt sein Eis immer noch mit 50 m/Jahr durch die enge Zunge. Vorne rechts sind Teile des Skigebiets Weißseeferner zu erkennen. Plateaugletschern haben große Flächen mit kleinen Höhenunterschieden. Das heißt, dass eine kleine Höhenänderung der Nullgradgrenze oder der Schneegrenze große Flächen in kurzer Zeit ausapern lässt oder mit Schnee bedeckt. Das war wohl am Hochkönig der Fall, denn dessen Gletscher „Übergossene Alm“ ist heute fast verschwunden.
 
3. Tag: Samstag, 6. August 2005: Ausklang am Glockturm

Schon in der Nacht hatte es zugezogen, am Morgen dann Regen! Etwas indigniert frühstückten wir gemütlich, packten zusammen, bis dahin war aber die Sonne wieder heraußen trotz vieler Wolkenschwaden. Mein Bergsteiger-Ego setzte sich durch und um den Tag mit Anstand herumzubringen, wie wir dachten, fuhren wir wieder hinauf in Richtung Gletscher, diesmal aber nur bis zum Parkplatz Riffltal auf 2350 m.

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Unteres Riffltal mit nebulöser Stimmung. Sehr schön grün hier

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Hier waren wir gestern oben, man kann es gar nicht glauben. Weißseespitze durch Nebelschwaden

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Weißseespitze im Zoom aus dem Riffltal

Dort schmissen wir alles Überflüssige aus den Rucksäcken – und das war ganz schön viel! – und stiegen mit leichten Gepäck bei erst leichtem Regen, dann immer schöneren und stabileren Wetter in Richtung Riffljoch hinauf, ein völlig einsames, unten schön grünes, oben hübsch ödes, von zwei blauen Seen und einem Gletscher geschmücktes Urgesteinstal.

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Unterer See im Riffltal

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Sehr grobes Blockgelände im oberen Riffltal

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Blick zum Glockturm und den Resten des Rifflferners. Das Riffljoch ist rechts außerhalb des Bildrandes. Den Gipfel bestiegen wir über den Grat/Kamm von rechts kommend (Nordosten)

Waren zunächst einige Teilnehmer gar nicht in Form so steigerten sie sich im Laufe der zwei Steilstufen mächtig und forcierten im steilen Schlussanstieg durch die Geröllwüste hinauf zum 3149 m hohen Joch gewaltig, so dass wir nach 2 ¾ Stunden dort oben standen, dem Übergang zum Hohenzollernhaus und nach Pfunds im Oberinntal und am Ansatzpunkt des Nordostgrates des 3355 m hohen Glockturm, den wir gestern von der Weißseespitze aus bewundern durften. Heute war die Sicht durch Wolken getrübt aber nicht weniger eindrucksvoll, die gewaltigen Ausmaße des Gepatschferners lassen sich aus der Entfernung viel besser begreifen und erfahren.

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Oberer See. Hinten die Weißseespitze

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Zunge des Gepatschferners

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Blick vom Joch zum Glockturm-Gipfel. Sieht schwieriger aus, als es zu begehen ist, zumindest aus damaliger Perspektive


Da wir uns fit fühlten, noch Zeit hatten und das Wetter brauchbar aussah, gingen wir noch die letzten 200 Hm zum Glockturm über den Nordostgrat an, im Führer steht „I – leichte Blockkletterei“, richtig Klettern musste man aber sehr wenig, das meiste war Gehgelände …

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im Aufstieg zum Glockturm-Gipfel. Hier schöner, fester Fels

… und im Gipfelaufbau sogar mit deutlicher Wegspur …

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… ziemlich exakt in den angegebenen 45 min hatten wir unseren nächsten 3000er gepackt und erspähten von dieser westlichsten Warte der Ötztaler Alpen die Skigebiete von Fiss und Samnaun, sowie das faszinierend farbenprächtige Krummgampental.

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Blick vom Glockturm, 3355 m in Richtung Oberinntal und SFL

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Blick vom Glockturm, 3355 m in Richtung Gepatschferner und Weißseespitze

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Gipfelblick auf die beiden Seen im Riffltal

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Weißseespitze vom Glockturm aus im Zoom

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Ausblick nach Westen, in die Samnaungruppe und Silvretta

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Frosch, auf 2660 m!

Im Abstieg vom Glockturm begingen wir dann den Rest des Rifflferners und stiegen ziemlich rasch unter munterer Konversation hinunter zum Parkplatz, wo wir nach 6 ¾ Stunden und 1000 Hm im Auf- und Abstieg wieder eintrafen und noch Zeit hatten die Talstation der 4-KSB Ochsenalm I zu bewundern. Das nächste Mal im Winter. Aber auf den Gepatsch bitte weiterhin nur zu Fuß oder mit Fellen – unser Fazit

Insgesamt haben wir tatsächlich unser komplettes Programm durchgezogen, hatten am Freitag einen einmalig schönen Gipfeltag und am Samstag eine sehr ordentliche 3000er-Besteigung in ursprünglicher und einsamer Umgebung. Wir vier haben uns, denke ich, sehr gut verstanden und gut koordiniert und ich hoffe nicht das letzte Mal mit den Freunden eine derartig spannende Tour unternommen zu haben.
 
TONI_B schrieb:
Super Bericht!
nachdem ich vor zwei Jahren auch da oben gestanden bin - aber bequemer, weil nur vom Parkplatz bei Kaunertaler-Gletscher weg, weiß ich wie schön es dort ist. Leider aber mit viel weniger Schnee und Eis als damals.

Dankeschön! Naja, so viel bequemer ist eure Route nicht, aus meiner Sicht, denn abgestiegen seid ihr ja genau gleich. Der Westgrat ist technisch deutlich anspruchsvoller und exponierter als unser langer, flacher Weg von der Weißkugelhütte.
 
Und jetzt auch noch Riffltal und Glockturm! 8)

Vorige Woche am Montag war ich im Riffltal und habe meine Frau bis zu den Seen "geschleppt"...

...und am Tag danach bin ich auf den Glockturm: übers Krummgampental rauf und übers Riffltal runter. Vielleicht sollte ich die Bilder auch noch reinstellen?

Bei jedem Bild Richtung Gepatschferner sieht man aber, was sich da in 15 Jahren getan hat - es ist erschreckend!
 
TONI_B schrieb:
...und am Tag danach bin ich auf den Glockturm: übers Krummgampental rauf und übers Riffltal runter. Vielleicht sollte ich die Bilder auch noch reinstellen?

Ja, bitte, sehr gerne!
 
Hier habe ich meine Bilder von der heurigen Tour eingestellt.
 
Emilius3557 schrieb:
Zu zweiterem: Meinst Du Plateaugletscher?
Hab das Wort "Schildgletscher" irgendwann auf Wikipedia oder in Norwegen aufgegabelt, scheint aber tatsächlich kein übliches Wort zu sein. Evtl. aus irgendeiner Sprache übersetzt, aber wohl die selbe Bedeutung..
 
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