3. Tag: Samstag, 6. August 2005: Ausklang am Glockturm
Schon in der Nacht hatte es zugezogen, am Morgen dann Regen! Etwas indigniert frühstückten wir gemütlich, packten zusammen, bis dahin war aber die Sonne wieder heraußen trotz vieler Wolkenschwaden. Mein Bergsteiger-Ego setzte sich durch und um den Tag mit Anstand herumzubringen, wie wir dachten, fuhren wir wieder hinauf in Richtung Gletscher, diesmal aber nur bis zum Parkplatz Riffltal auf 2350 m.
Unteres Riffltal mit nebulöser Stimmung. Sehr schön grün hier
Hier waren wir gestern oben, man kann es gar nicht glauben. Weißseespitze durch Nebelschwaden
Weißseespitze im Zoom aus dem Riffltal
Dort schmissen wir alles Überflüssige aus den Rucksäcken – und das war ganz schön viel! – und stiegen mit leichten Gepäck bei erst leichtem Regen, dann immer schöneren und stabileren Wetter in Richtung Riffljoch hinauf, ein völlig einsames, unten schön grünes, oben hübsch ödes, von zwei blauen Seen und einem Gletscher geschmücktes Urgesteinstal.
Unterer See im Riffltal
Sehr grobes Blockgelände im oberen Riffltal
Blick zum Glockturm und den Resten des Rifflferners. Das Riffljoch ist rechts außerhalb des Bildrandes. Den Gipfel bestiegen wir über den Grat/Kamm von rechts kommend (Nordosten)
Waren zunächst einige Teilnehmer gar nicht in Form so steigerten sie sich im Laufe der zwei Steilstufen mächtig und forcierten im steilen Schlussanstieg durch die Geröllwüste hinauf zum 3149 m hohen Joch gewaltig, so dass wir nach 2 ¾ Stunden dort oben standen, dem Übergang zum Hohenzollernhaus und nach Pfunds im Oberinntal und am Ansatzpunkt des Nordostgrates des 3355 m hohen Glockturm, den wir gestern von der Weißseespitze aus bewundern durften. Heute war die Sicht durch Wolken getrübt aber nicht weniger eindrucksvoll, die gewaltigen Ausmaße des Gepatschferners lassen sich aus der Entfernung viel besser begreifen und erfahren.
Oberer See. Hinten die Weißseespitze
Zunge des Gepatschferners
Blick vom Joch zum Glockturm-Gipfel. Sieht schwieriger aus, als es zu begehen ist, zumindest aus damaliger Perspektive
Da wir uns fit fühlten, noch Zeit hatten und das Wetter brauchbar aussah, gingen wir noch die letzten 200 Hm zum Glockturm über den Nordostgrat an, im Führer steht „I – leichte Blockkletterei“, richtig Klettern musste man aber sehr wenig, das meiste war Gehgelände …
im Aufstieg zum Glockturm-Gipfel. Hier schöner, fester Fels
… und im Gipfelaufbau sogar mit deutlicher Wegspur …
… ziemlich exakt in den angegebenen 45 min hatten wir unseren nächsten 3000er gepackt und erspähten von dieser westlichsten Warte der Ötztaler Alpen die Skigebiete von Fiss und Samnaun, sowie das faszinierend farbenprächtige Krummgampental.
Blick vom Glockturm, 3355 m in Richtung Oberinntal und SFL
Blick vom Glockturm, 3355 m in Richtung Gepatschferner und Weißseespitze
Gipfelblick auf die beiden Seen im Riffltal
Weißseespitze vom Glockturm aus im Zoom
Ausblick nach Westen, in die Samnaungruppe und Silvretta
Frosch, auf 2660 m!
Im Abstieg vom Glockturm begingen wir dann den Rest des Rifflferners und stiegen ziemlich rasch unter munterer Konversation hinunter zum Parkplatz, wo wir nach 6 ¾ Stunden und 1000 Hm im Auf- und Abstieg wieder eintrafen und noch Zeit hatten die Talstation der 4-KSB Ochsenalm I zu bewundern. Das nächste Mal im Winter. Aber auf den Gepatsch bitte weiterhin nur zu Fuß oder mit Fellen – unser Fazit
Insgesamt haben wir tatsächlich unser komplettes Programm durchgezogen, hatten am Freitag einen einmalig schönen Gipfeltag und am Samstag eine sehr ordentliche 3000er-Besteigung in ursprünglicher und einsamer Umgebung. Wir vier haben uns, denke ich, sehr gut verstanden und gut koordiniert und ich hoffe nicht das letzte Mal mit den Freunden eine derartig spannende Tour unternommen zu haben.