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Weißseespitze/Kaunertal, 4.-6.8. 2005

Steffen, zwei weitere Freunde und Ich waren von Donnerstag bis Samstag im Kaunertal und Langtauferer Tal unterwegs und sind gesund und munter wieder in der Zivilisation angelangt.
Als kleiner Vorgeschmack drei Bilder:
 

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Danke für die weitere Tranche an wirklich tollen Fotos. Davon kann man nie nicht genug davon kriegen :wink:.

Zu den Ausbauplänen Hoher Zahn - Gepatsch:

Evtl. wollen die Kaunertaler gar keinen Alpinskilauf oben, sondern ein Ultra-Höhen-Langlauftrainingszentrum :wink:.
 
Sehr schöne Bilder und Bericht!

hehe, das mit dem Steigeisenriemen kommt mich so bekannt vor ;-)
 
Very nice!

ganz rechts müsste das Gletscherskigebiet des Stilfser Joch sein.
korrekt

marius/sfl:

müßte stimmen, aber zoom zu wenig um mich 100%ig festzulegen ...


Ganz rechts ging mal eine Abfahrt hinunter von der Bergstation Nörderjoch III. Der ganze Bereich muß damals - vor knapp 10 Jahren - noch nahezu komplett vergletschert gewesen sein.

Nö, der große linke Felsabbruch war "schon immer" hier. Hatte ja heuer schon mal ein altes Prospektfoto gepostet... Nur der rechte müßte damals der Tod des Nörderjoch3 gewesen sein..
 
Wie üblich schaue ich zu selten ins Alpinsport-Topic (weil ich immer noch der Meinung bin, das so etwas unter "Berichte" kommen müsste), deshalb hab ich diesen Bericht erst jetzt gesehen.
Tolle Bilder, hab damals die Planung mitbekommen, hätte mich auch sehr interessiert, aber leider ging´s aus Zeitgründen nicht.
 
geile bilder! aber ob am Nörderjoch im Oktober wirklich schon wieder skigefahren wird glaub ich kaum zumindest bis zur talstation außer es schneit ordentlich und die können zusammen schieben! auf dem einen bild schaut´s auch so aus als würden so manche stützen noch nicht so in der richtigen position stehen! stützen werden wohl noch versetzt oder?! schaut auch insgesamt recht verspaltet aus und vorallem sehr eisig aus!
 
Jetzt hab ich endlich Zeit gehabt, mir den Bericht auch genau durchzulesen.
Gratuliere zur Leistung und zur Dokumentation gleichermaßen, muß wirklich toll gewesen sein, dieser Aufstieg. Wunderschöne Bilder und sehr eindringliche Beschreibungen Eurer Erlebnisse.
Super!!!
 
Danke, freut mich wenn der Bericht gelesen wird. Eine genaue Regelung, was unter "Alpinsport" gepostet wird und was unter "Eure Berichte" existiert ja nur dahingehend, daß alles was hauptsächlich mit Skigebieten zu tun hat eher unter "Eure Berichte" gehört und das was abseits von Skigebieten stattfindet unter "Alpinsport". Dadurch entsteht natürlich eine gewisse Grauzone, in der wir uns hier bewegt haben.
In diesem Fall haben wir uns (durchaus bewusst) für hier entschieden, wo der Bericht eher etwas abseits steht. Wir hielten und halten die interessierte Leserschaft für intelligent genug, daß sie den Bericht auch so findet ;-)
 
Weil es in diesen Tagen genau fünf Jahre her ist, dass wir auf dem Gipfel der Weißseespitze standen, erlaube ich mir, dieses Topic mal wieder aus der Versenkung nach oben zu holen ;-)
 
^^ gute idee und vielen dank, ich kannte ihn noch nicht. tolle tour habt ihr da gemacht respekt.
 
k2k schrieb:
Weil es in diesen Tagen genau fünf Jahre her ist, dass wir auf dem Gipfel der Weißseespitze standen, erlaube ich mir, dieses Topic mal wieder aus der Versenkung nach oben zu holen ;-)

Das ist bei diesem tollen Bericht durchaus angebracht. Vielen Dank dafür ! Sonst hätte ich ihn wohl nie gelesen.

Ich bin einen Teil des Weges schon einmal selber gegangen:
2002 bin ich vom Melag (letzter Weiler im Langtauferer Tal) zur Weißkugelhütte und weiter über den Richterweg zu dem kurze versichten Stück bis zu der Stelle, ab der man auf den Gletscher muss. Eine tolle Hochgebirgswanderung, die sich auch der normale Berggeher ohne Gletscher- und Klettererfahrung zutrauen kann. Die Aufstiegszeit beträgt dabei etwa 4 bis 4,5 Stunden. Man sieht dabei die Weißkugel von ihrer schönsten Seite und den Gletscherbruch in allernächster Nähe.
 
Ich zitiere mal den lieben Bergkameraden k2k und stoße etwas verspätet auf das 10-jährige Jubiläum dieser wunderbaren Bergfahrten an!

Weil es in diesen Tagen genau fünf Jahre her ist, dass wir auf dem Gipfel der Weißseespitze standen, erlaube ich mir, dieses Topic mal wieder aus der Versenkung nach oben zu holen ;-)
 
Emilius3557 schrieb:
Ich zitiere mal den lieben Bergkameraden k2k und stoße etwas verspätet auf das 10-jährige Jubiläum dieser wunderbaren Bergfahrten an!

Weil es in diesen Tagen genau fünf Jahre her ist, dass wir auf dem Gipfel der Weißseespitze standen, erlaube ich mir, dieses Topic mal wieder aus der Versenkung nach oben zu holen ;-)

Ja, ich lag eben auf der Couch, die letzten Reste der Sommergrippe auskurierend, die mich die letzten Tage ans Bett gefesselt hat, schaute in der Mediathek einige ältere Folgen von Bergauf-Bergab an und plötzlich fiel mir wieder diese Tour ein. Jetzt sind es schon 10 Jahre und ich habe aus diesem Anlass die Bilder wieder neu verlinkt. Übrigens auch im Schwesterbericht auf sommerschi.com: http://www.sommerschi.com/forum/reportagen-f8/weisseespitze-4-6-08-2005-t132.html
 
Da diese großartige Tour genau heute vor 15 (!) Jahren begonnen hat, ergänze ich k2ks Bericht mal ab heute und in den Folgetagen mit meinen Eindrücken und ein weiteren Bildern bzw. Bildern in einem etwas zeitgemäßeren Format...

1. Tag: Donnerstag, 4. August 2005 - Ein gemütlicher Anreisetag, der aus mehreren Gründen doch noch spannend wurde

Da k2k um 14.30 Uhr in Landeck mit dem Zug ankommen sollte, sind wir drei in Mün-chen erst um 10.00 Uhr ganz gemütlich losgefahren, wenig Verkehr, auch am Fernpass. In Imst haben wir dann Mittagspause gemacht, sind nach Hoch-Imst hinauf ge-fahren (die 18%-Straße möchte ich bei Glatteis nicht fahren) und haben den Alpin-Coaster schnell getestet. Hier hat sich mal wieder gerächt, dass ich fast immer aus der Skifahrerperspektive denke, denn an der 2-KSB war nichts los und deshalb dachte ich nicht an Wartezeiten an der Rodelbahn, die aber sich doch auf ca. ½ Stunde belaufen haben. Schön, dass der Coaster so ein Erfolg ist, aber auf diese Weise mussten wir uns dann doch ziemlich beeilen pünktlich in Landeck zu sein. Der Coaster hat uns sehr gut gefallen, die Strecke ist lang und abwechslungsreich, der Fahrspaß enorm, vor allem da man tatsächlich nicht bremsen muss, aus der Kurve fliegt man ja nicht.
Das Treffen in Landeck hat bestens geklappt und k2k und Ich waren sehr froh uns nach fast drei Jahren Forum und ca. 5.500 Posts des jeweils anderen endlich persönlich zu begegnen.

Wir sind dann weiter in Richtung Oberinntal gefahren, schließlich nach links ins Kaunertal abgebogen, das doch einen deutlichen Kontrast zum viel intensiver be-siedelten Ötztal und zum steileren und engeren Pitztal darstellt. Der Hauptort Feichten ist so unscheinbar, dass man an der Mautstelle (19 €) gar nicht realisiert schon vorbeigefahren zu sein. Die Straße zum Weißseeferner ist tatsächlich landschaftlich sehr schön und auch schön zu fahren (außer vielleicht die größtenteils einspurige Traverse des Gepatsch-Stausees). Aber es zieht sich, bis man auf 2.750 m am Parkplatz steht.

Eigentlich wollten wir ja am Gepatschhaus auf 1930 m parken und dann zur Rauhen-Kopf-Hütte auf 2730 m aufsteigen. Die nur 30 Schlafplätze bietende Hütte war allerdings schon überbelegt und deshalb haben wir die Planung zwangsweise etwas um-stellen müssen. Statt von Nordosten wollten wir nun von Südosten von der Weißkugelhütte und den Richterweg aufsteigen. Zu diesem Zweck mussten wir folglich ins Südtiroler Langtauferer Tal wechseln und zwar über das uns allen wohl bekannte Fal-ginjoch, wo die beiden SLte Weißseeferner I und II enden.

Das Wetter war den Tag über eigentlich gut, mehr Sonne als Wolken, ab und an ein paar Regentropfen. Bis wir uns aber umgezogen haben zieht es zu und beginnt zu schneien, für einige Teilnehmer ein für August ungewohntes Phänomen.

Eigentlich war der Aufstieg entlang der Schlepplifte und der Skipiste alpinistisch mehr als banal, mit dem Schneefall und dem dichten Wolkenvorhang reichte die Sicht kaum mehr als 50 Meter. Deswegen waren wir recht froh um die Orientierung bietenden Masten. Aus Übungsgründen, aber auch zum leichteren Vorankommen sind wir mit Steigeisen gegangen, was einige Technik-bedingte Verzögerungen induzierte und uns zur Schlussfolgerung veranlasste, dass Riemen-Bindungen für Steigeisen einfach Mist sind. Die Steigeisen erwiesen sich im steilen Schlusshang unterhalb des Falginjochs noch als bitter notwendig. Wegen der diffusen Sicht und da wir die Spaltengefahr auf dem Trainingshang nicht einschätzen konnten folgten wir weiterhin sehr direkt den Liften, was wegen der ordentlichen Steilheit bei schönen Eisbedingungen in Richtung leichte Eiskletterei ausartete. Besonders spannend gestaltete sich dann die schön ausgeprägte Randspalte, die wir auf einer soli-de aussehenden Brücke überschritten. Eigentlich hätten wir hier mit Seil sichern müssen, was aber wieder viel Zeit gekostet hätte und in der steilen, fast blanken Flanke ohne Standplatzbau wiederum unsinnig gewesen wäre. So verließen wir uns auf unsere Standfestigkeit auf Frontalzacken und Eispickel und passierten diese unangenehme Stelle sicher. Ein Dutzend Meter stand ich als Vorausgehender dann plötzlich auf einer Vlies-Matte – die Abdeckung des Bergstationsbereichs. Also querten wir kurz nach links auf die Piste und standen auf 3100 m (der Gletscher hat hier auf einige Meter verloren, zum Joch sind es noch 10 Hm Fels) am Falginjoch bei recht ungemütlichen Bedingungen: eiskalter Wind, Schneefall, überzuckerte Felsen und ein Steilabstieg über eine 200 Hm hohe Felsflanke.

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Man sieht zwei Teilnehmer auf dem "Weg" vom Falginjoch ins Langtauferer Tal.

Glücklicherweise fanden wir gleich den Einstieg in den markierten Abstiegsweg ins Langtauferer Tal. „Weg“ ist hier schon arg euphemistisch – es gibt maximal leichte Spuren und alle 10 Meter eine von oben schwer einzusehende Markierung. Das Gelände ist eine der übelsten „Klamotten“- und Bruchhaufen, die mir je begegnet sind. Alles bewegte sich. Beim Felshalten an einem Block hatte man diesen fast sofort in der Hand, bei einem Schritt abwärts löste sich sofort eine kleine Geröllrutschung und dazu war alles von frischem Neuschnee überzuckert, was den Grip auf dem Fels nicht wirklich verbesserte. Wir ließen die Steigeisen schlauerweise an und kamen gut unten im Karboden an und schafften es tatsächlich durch weite Abstände uns gegenseitig keine Steine auf den Schädel zu donnern, wobei es einmal allerdings knapp war. Aber es kostete ordentlich Zeit bis wir in der trostlosen Blockwüste des obersten Falgintales standen und in einer paradiesischen Vision in den Wolkenfetzen die grünen Matten und Wälder des Langtauferer Tals hinauf grüßen sahen.

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Die Hauptschwierigkeiten waren nun überwunden, aber die meiste Wegstrecke zur Hütte lag noch vor uns, weshalb wir erst gegen 21 Uhr (Abmarsch war etwa 16.30 Uhr am Parkplatz) die Weißkugelhütte (CAI, 2544 m auf ital. Refugio Pio XI) erreichten und erst mal von der netten Wirtin einen gscheiden Schnaps eingeschenkt bekamen, danach noch drei Gänge opulentes Abendessen (Halbpension mit Übernachtung 35 €).
 
2. Tag: Freitag, 5. August 2005

Nachdem sich das Wetter schon gestern Abend beruhigt hatte und die Nacht sternenklar und eiskalt war kündigte sich schon in den frühen Morgenstunden ein herrlicher Tag an, dessen Anbruch wir mit mehr (k2k) oder weniger (ich) Erfolg auf digitales Zelluloid zu bannen versuchten.

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Weißkugelhütte bzw. Papst Pius XI.-Hütte am frühen Morgen

Gefrühstückt haben wir ab 7.00 Uhr und sind dann ab 7.45 Uhr in Richtung Weißseespitze abmarschiert, immer quer den Hang hinauf in Richtung Vernagl-Wände, hoch über dem stark zurückgegangenen aber immer noch beeindruckend großen und zerklüfteten Langtauferer Ferner über dem sich mit der gleichnamigen Spitze und der Weißkugel, 3738 m zwei der schönsten Gletschergipfel überhaupt erheben, die für die nächsten Stunden unserer Bewunderung sicher sein konnten.

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Langtauferer Ferner mit gewaltigen, vmtl. 1850er Moränen. Links oben die Vernagl-Eiswand mit dem noch vorhandenen Abfluss des Gepatschferners ins Langtauferer Tal

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Blick zurück zur Hütte. Rechts unten am Weg sieht man, dass es in der Nacht gefroren hatte

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Die Weißkugel, 3738 m, im Zoom von Norden

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Langtaufererspitze, 3528 m

Der Richterweg überwindet die steile Felspartie hinauf zum Gletscherdach des Gepatschferners mit Hilfe einiger sehr massiver und neuer Drahtseilversicherungen, wird aber nie schwierig oder gefährlich. Kein Vergleich mit dem gestrigen Bruchhaufen, hier sind die Felsverhältnisse deutlich angenehmer. Die Route führt dann bis auf Spuckweite an die imposanten Eisbrüche des Gepatschferners heran, die wie kalbende polare Gletscher in wild zerrissenen Séracs und Eistürmen hinunter über die Steilstufe auf den Langtauferer Ferner abbrechen, in den Ostalpen einmalig.

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Blick vom Richter-Weg auf die damals noch imposanten, ins Langtauferer Tal abbrechenden Séracs

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Das Ganze im Zoom

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An der Weißkugel kann man sich nicht sattsehen

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Nun fast auf Tuchfühlung mit dem Eisabbruch. Links unten gut zu sehen, die Seilsicherungen am Richter-Weg

Der Gepatschferner ist auch einer der wenigen Alpengletscher, der in zwei Richtungen abfließt (Norden und Süden). Auf knapp 3.000 m weitet sich der Blick dann erstmals in Richtung Norden auf den zweitgrößten Gletscher Österreichs mit seinem arktisch anmutenden Hochplateau, das zwischen sanften Eishängen auch einige nette Bruchzonen aufzuweisen hat. Wir waren alle höchst beeindruckt und fast euphorisch angesichts dieser Umgebung, des traumhaften Wetters (null Wolken!) und der erhabenen Schönheit dieser unberührten, wilden und einsamen Eiswelt (wir waren übrigens auf unserer Route den ganzen Tag völlig allein unterwegs).

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Erstmals bietet sich ein Blick auf den eigentlichen Gepatschferner

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Sie standen und staunten - Gepatschferner

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Langtaufererspitze, 3528 m und Spalten an der Abbruchkante ins Langtauferer Tal
 
Bevor wir aber endgültig das Gletscherplateau betreten konnten musste nochmals eine letzte Felsstufe überwunden werden.

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Hier noch gut markiert

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Gletscher, Fels und Blumen

Hier verloren wir sehr viel Zeit, da die Markierung plötzlich nicht mehr zu sehen war und wir etwas verloren in einem wiederum üblen Bruchhaufen herumstocherten bis ich als Spürhund zwei Metallstreben im Fels entdeckte und damit die markierte Route wiederfand.Die war dann tatsächlich wieder leicht und einfach nur traumhaft, da man teilweise hoch über dem Langtauferer Tal im Süden und über dem Eismeer des Gepatsch im Norden steigt. Auf 3160 m machten wir dann länger Pause (direkt am Eisrand), seilten uns an, ich erklärte die Grundlagen einer evt. notwendigen Spaltenbergung und unsere bedauernswerten Kameraden kämpften wieder lange mit den Steigeisenriemen…

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Wo geht es jetzt hier bitte zum Gipfel? – Blick nach Norden

Da im Eis keine Spur zu sehen war orientierten wir uns anhand der Karte und stiegen zunächst mittelsteil direkt auf das hohe Eisplateau. Danach ging es deutlich flacher immer in Richtung Norden hinauf, ohne jedoch den Gipfel auch nur erahnen zu können.

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Blick nach Osten in Richtung Wildspitze und Vernagtbereich

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Blick nach Südosten in Richtung Brandenburger Haus

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Blick nach Süden

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Hier sieht man mal unsere Seilschaft und die Spur. Es war gut zu gehen, keinerlei einsinken

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Weißkugel (rechts) und Langtauferer Spitze (links)

Am Neigungswechsel zwischen dem steileren Einstiegshang und dem flacheren Plateau hatten wir auch die beinahe einzigen ernstzunehmenden Spalten auf dieser Route. Sie waren zugeschneit mit festen Brücken, wir waren aber doch erleichtert, den weiteren Anstieg harmlos und dick verschneit zu finden. Am Horizont sahen wir dann eine andere Seilschaft und schlossen nach einiger Zeit auf diese gut ausgetretene Spur vom Brandenburger Haus auf und folgten dieser bis zum Gipfel der Weißseespitze, deren Kreuz nach einigen weiteren Eisbuckeln sichtbar wird, nicht ohne sich jedoch hinter zwei steileren Hängen und einer Gegensteigung zu verbergen. Waren wir im unteren Teil noch überzeugt davon, dass man im Fall des Falles hier nett Skifahren könnte, so stimmten uns der Gegenhang und die teilweise komplett flachen Passagen deutlich skeptischer. Ein weiterer negativer Punkt für uns ist auch die Gefahr, diese in den Ostalpen einzigartige Eisfläche durch Schleppliftmasten, Pistenwalzen und profanen Skibetrieb à la „Anton aus Tirol“ zu „entweihen“, ihre Ruhe und Erhabenheit zu opfern und sie nicht denen zu lassen, die dafür stundenlange Anstiege gerne in Kauf nehmen, während die Erschließungskarawane immer weiter konsumierend ihre Kreise zieht und nach bald nach neuen unverbauten Hängen suchen wird.

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Zoom zur Wildspitze, 3770 m, zweithöchster Berg Österreichs, höchster Gipfel Tirols mit ihrem Nord- und Südgipfel

Die Seehöhe von bald 3.500 Metern spüren wir beim Atmen, wobei aber die weitgehend moderate Steigung ein schönes, gleichmäßiges Steigen erlaubt, dass einen angesichts der überwältigenden Schönheit der Umgebung und der Monotonie der endlosen Eishänge in einen beschwingt-meditativen Zustand verfallen lässt.

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Immer leicht bergauf – aber kommen wir irgendwann ganz oben an?

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Ja, möglicherweise, denn das hier könnte der Gipfel sein. Dazwischen komplett flache Passagen

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Zoom zur Bernina-Gruppe, 4049 m

Je näher der Gipfel rückt, desto größer wird auch wieder die Spaltengefahr – eigentlich klar bei den abrupt wechselnden Neigungen. Das Gipfelkreuz der Weißseespitze steht etwas nach Süden auf einem kleineren Felsriegel, der eigentliche höchste Punkt, etwa 3.510 m ist auf der weiten flachen Eiskalotte gar nicht leicht auszumachen.

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Angekommen, auf dem Dach der Alpen

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Hier geht’s noch zum höchsten Firn-/Eisbuckel des Berges

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Weißseespitze, 3510 m, Gipfelkreuz

Nach fast sechs Stunden Aufstieg (inkl. Pausen, tech. Verrichtungen und Verhauer) sind wir gegen 13.45 Uhr dann endlich am Ziel.
Das Panorama lässt keine Wünsche offen: das 18 km²-Eisfeld des Gepatschferners, die Weißkugel, 3738 m, der schönste Berg der Ötztaler Alpen und dritthöchste Gipfel in Österreich, die Wildspitze und Südwesten, den Kaunergrat, den Glockturmkamm mit seinem markanten Hauptgipfel, im Westen die Silvretta mit Piz Linard und Fluchthorn, im Tal die grünen Hänge von Langtaufers und der blaue Reschensee, im Südwesten die Bernina-Gruppe mit dem einzigen 4000er der Ostalpen, eher südlich die Ortler-Gruppe mit dem Dreigestirn Ortler, Zebru, Königsspitze, links davon der Cevedale, rechts davon die Gletscher um das Stilfser Joch. Von Wetter, Aussicht und Route her sicherlich eine der schönsten Bergtouren, die ich bisher unternehmen durfte. Den anderen erging es sicherlich nicht anders, zudem stellten alle drei neue persönliche Höhenrekorde auf, auch wenn es bei k2k sich „nur“ um ca. drei Meter gehandelt haben dürfte.

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Auf Augenhöhe mit der Weißkugel

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Leider nur Kompakt-Kamera, trotzdem, von links: Cevedale, Forno-Kessel-Umrahmung mit Punta San Matteo, Königsspitze, Zebru, Ortler, Thurwieser, Trafoier Eiswand, Geisterspitze mit den Eisfeldern des Stilfser Joch-Skigebietes

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Tiefblick in Zivilisation und Idylle: Reschensee, Langtauferer Tal, ehem. Skigebiet Melag unten links?

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Glockturm, 3355 m, am Folgetag noch bestiegen

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Hintere Schwärze und Similaun im Ötztaler Hauptkamm, davor das Eismeer des Gepatsch

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Tiefblick ins Kaunertal auf Gepatsch-Stausee, Gletscherstraße und die zentrale Schaltstelle des Skigebietes

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Zoom zu Gletscherrestaurant und Parkplatz. Man sieht die 2. Sektion der Ochsenalmbahn, die Schlepplifte, Vermattungen

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Blick nach Osten, hinten die Wildspitze. Vorne rechts Felszacken als mögliche Bergstation von Schleppliften, links außen der Hohe Zahn, früher projektierte Bergstation einer Pendelbahn vom Parkplatz hier hinauf

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Blick nach Südosten, was für eine riesige Gletscherhochfläche!
 
Das ist mal eine beeindruckende Bergbilderserie :top:
Großes Dankeschön dafür :ja:
 
Bitte sehr, freut mich! Der Rest folgt dann heute Abend bzw. Morgen.
 
Einfach nur Hammer ... sehr eindrucksvolle Bilder von einer scheinbar unendlichen, unberührten Weite. Das einmalige Erlebnis kommt durch Bilder und Beschreibung gut rüber. Wenn man schonmal auf einem 3.000er (etwas Gratkletterei ohne Sicherung) stand, weiß man was man getan hat (ohne Seilbahnunterstützung :wink: ), aber das hier natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Meinen Respekt!

Danke für Deine Mühe der Dokumentation!
 
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