Aus der OTZ:
In Lichtenhain könnte an der Bergbahn eine Rekord-Allwetterrodelbahn entstehen
Von OTZ-Redakteur Michael Graf Lichtenhain/Bgb. Die steilste Bahn der Welt zur Beförderung normalspuriger Wagen hat Lichtenhain bereits. Nun könnte in absehbarer Zeit ein zweiter Superlativ hinzukommen: die längste Allwetterrodelbahn der Welt.
Mit der Idee, unmittelbar an der Bergbahn eine Rodelbahn zu schaffen, geht Steffen Malessa schon länger schwanger. Der Oberweißbacher Unternehmer hat mit Petra Fiebes am Wochenende am Bahnhof Lichtenhain eine Imbiss-Gaststätte in einem restaurierten Eisenbahnwagen eröffnet. Das dürfe jedoch noch nicht alles gewesen sein, was man tun kann, um den Ort und die Region touristisch attraktiver zu machen. Mit dieser Meinung stehen die "Bistropa"-Inhaber nicht allein, sondern teilen sie zum Beispiel mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Gerhard Botz (SPD) aus Lichtenhain, dem Königseer Landtagsabgeordneten Gerhard Günther (CDU), dem Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft "Bergbahnregion/Schwarzatal", Bernhard Schmidt (SPD), sowie dem Oberweißbacher Bürgermeister Jens Ungelenk (parteilos) und dessen Beigeordnetem Hans-Joachim Fünfstück (Freie Wähler).
Mit ihnen saß Malessa jetzt an einem Tisch, um sich darüber auszutauschen, wie ein solches Unterfangen in Angriff genommen werden könnte. Er berichtete über die Zufallsbekanntschaft mit Josef Wiegand, Chef einer Firma aus dem hessischen Rasdorf, die nach eigenen Angaben mit bereits über 350 installierten Anlagen Weltmarktführer auf dem Sommerrodelbahnsektor ist. Wiegand würde die Bahn bauen und 50 Prozent der geschätzten Investitionskosten übernehmen, preschte der Oberweißbacher vor. Zweites freilich wollte der Rasdorfer gestern auf OTZ-Anfrage so absolut nicht bestätigen, doch habe er es nicht abgelehnt, sich auch zu finanziell zu beteiligen. Ein entscheidender Punkt sei für ihn, wie die Fördermodalitäten für das Projekt aussehen, das sich dann auch tragen müsse, machte er deutlich. "Wir dürfen keine ähnliche Situation bekommen wie bei den Spaßbädern."
Die Rodelbahn könnte 4,2 Kilometer lang werden, sieben bis acht Prozent Gefälle aufweisen und dabei rund 320 Höhenmeter überwinden. Zum Einsatz käme ein so genannter Alpine-Coaster mit Zweisitzer-Schlitten, die auf Edelstahlrohren fahren. Fundamente wären dafür nicht nötig; die Eingriffe in die Natur blieben relativ gering. Die Fahrgäste könnten die Bergbahn als "Lift" nutzen. Für die Schlitten würde ein extra Aufzug geschaffen.
"Lichtenhain kann zu einem touristischen Zentrum Thüringens werden", zeigte sich Günther in der Gesprächsrunde sicher. Spätestens bis Jahresende müsse ein klares Konzept her, meinte er und signalisierte die Bereitschaft, bei dessen Erstellung federführend zu wirken. Daraus müsse dann ein tragfähiges Projekt werden.
Ob im Kontakt zu Thüringer Ministerien oder auch im Bemühen um europäische Förderung - "starke Knüppel sollten jetzt rasch eingeschlagen werden", hieß es einmütig aus der Runde. "Großräumiges Denken" mahnte dabei Botz an, die "Notwendigkeit zu zeigen, dass es hier nicht nur um Oberweißbach, Lichtenhain und Mellenbach geht".
Die Rede war davon, dass die Region "für die Sache brennt" und es "viele potenzielle Unterstützer" gibt. So sagte auch Peter Möller, Chef der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn, am Telefon kurz und bündig: "Ich bin begeistert."Lichtenhain kann zu einem touristischen Zentrum Thüringens werden.