Schlussendlich kann das ZDF mit Wetten Dass...? machen, was sie will, es ist nicht recht. Die Flabsigkeit und auch etwas Altbackenheit von Gottschalk wurde kritisiert, wenn nun Lanz versucht etwas frischen Wind ins Konzept zu bringen ist's auch nicht recht.
Eine frühere Beschreibung von Wetten Dass...? in einer Programmzeitschrift war mal "Spiel und Spass mit Gästen". Daran hat auch die neuste Ausgabe nichts geändert.
Ich hatte gestern Abend Spass beim Zuschauen. Aber eben nicht nur wegen der tollen Wetten, sondern auch beim zusehen, wie die Gäste einen übleren Kallauer nach dem anderen abwickeln mussten. Sowas gabs auch schon früher. Doch früher hatte man mit Gottschalk auch einen Mann mit Format, der mit Hollywood-Stars und Konsorten umgehen konnte. Das kann Lanz (noch) nicht. Mit Karteikärtchen-Ablesen kann man erstens keine vernünftige Gespräche führen, noch kommt es wirklich gekonnt rüber... Lanz fehlt noch das Feeling für kurze, aber gute Talks, es fehlt Charme, Charisma. Da ist ein Gottschalk Meilen voraus.
Das Problem der letzten Sendung waren nach meinem Eindruck aber weder die Kalauer noch das Überziehen, sondern die Tatsache, dass offensichtlich zwischen den beiden Hollywoodgrössen Hanks und Berry und den ZDF-Machern nicht kommuniziert wurde. Wenn man ausländische (amerikanische) Gäste einlädt, dann ist es zwingend, dass diese gebrieft werden (Show geht so und sie geht so lange, wir machen das und das, Du machst das und das, wenn Du Wette verlierst dieses, etc, etc...) Dann können sich die Stars auch darauf einstellen und machen auch mit. Das geschah nicht oder zuwenig, wenn man sah, wie die beiden in der Show wie ratlose Pudel herumsasen und nicht wussten, wie ihnen geschieht. Ganz schlecht war auch der Umgang mit Beth Ditto, mit der Lanz keine drei Worte gesprochen hat.
Von Tom Hanks Interview halte ich auch nicht viel. In der Sendung spielt er noch den "Obercoolen" und macht alles mit und dann danach so eine Linke Nummer. Da wird wohl der persönliche Frust eine Rolle gespielt haben, dass die Präsentation seines neuen Films zu kurz kam...
Es haben sich beide nicht mit Ruhm bekleckert. Während und nach der Show kein Pieps von sich geben, dass es ihnen nicht gefällt/die Übersetzung nicht funktioniert, aber dann am nächsten Tag bei der Boulevardpresse lästern gehen. Klar war Hanks verärgert. Er sollte mit Berry Promo machen, dachte sich wohl, das Ganze sei in einer Stunde erledigt. Stattessen drei Stunden, sich den Finger lackieren lassen, eine alberne Mütze überziehen müssen und über den Film selber wurde nur kurz berichtet. Da dachte sich der Ami: "Ihr habt mich drei Stunden in diesem Unsinn schmorren lassen, das zahle ich euch heim!"
Schade, dass ein so alter Hase im Geschäft so eine Tour nötig hat und das Ganze nicht unter der Hand lösen kann...
Fazit:
Das gefaceliftete Wetten Dass gefällt mir ganz gut und hat auch einige gute Ansätze, weshalb ich zuversichtlich bin, dass das neue Konzept funktionieren könnte. Was aber gar nicht geht sind "Stümperfehler" wie fehlendes Briefing der Stars, möchtegern-reissbrett-interviews, peinliche Gags (Sackhüpfen oder die pinke Cindy) und vor allem die elende Überzieherei. Drei Stunden sind definitiv zu viel.
Hier ist weniger mehr, eine Wette streichen und Wetten dass max. zwei bis zweieinhalb Stunden lang werden lassen. Es gibt noch viel zu verbessern und ich hoffe auch, dass die Sendung die Zeit bekommt. Die Kombination aus Stars, Wetten und Musik zieht immer noch, da bin ich überzeugt.