Die Presse berichtet:
Wintersaison:
Ski-Offensive in Wien
VON CHRISTIAN MAYR UND ANGELIKA VARGA (Die Presse) 19.11.2005
Pistenausbauten. Stuhleck, Hochkar, Schneeberg haben ihre Anlagen für die beginnende Wintersaison bereits modernisiert und rechnen mit einer weiteren Expansion; auch für den Hirschenkogel liegen große Pläne vor.
WIEN. Die Skigebiete vor den Toren Wiens wollen jenen in Westösterreich immer mehr Konkurrenz machen: Praktisch alle Betreiber haben für diese Saison massiv in neue Pisten, Beschneiungs- und Liftanlagen investiert bzw. entsprechende Vorhaben angekündigt. Dank der derzeit niedrigen Temperaturen laufen die Schneekanonen bereits überall auf Hochtouren - noch Ende November sollen in den Ski-Resorts Ostösterreichs die Pisten freigegeben werden. Hier die wichtigsten Ausbau-Projekte:
Die größten Neuerungen gibt es am Semmering: Auf der steirischen Seite - am Stuhleck - geht mit der neuen Saison auch eine neue 6er-Sesselbahn auf der Steinbachalm in Betrieb. "Ein völlig neues Erlebnis", verspricht sich Stuhleck-Geschäftsführer Fabrice Girardoni von den zwei neuen, insgesamt vier Kilometer langen Pisten. "Die Bergstation liegt auf 1774 Meter Höhe und nur neun Meter unter dem Gipfelkreuz. Das ist also richtiges Alpin-Flair", sagt Girardoni.
Die Investitions-Summe von neun Millionen Euro soll sich durch einen Gäste-Zuwachs rechnen. Wobei Girardoni auf zwei Gruppen besonders abzielt: Einerseits auf die Wiener, die immer häufiger Tagesausflüge gegenüber einer teuren Skiwoche bevorzugten. Andererseits auf die Gäste aus dem Osten, da schon ein Drittel aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien kommt. "Hier gibt es die größten Steigerungs-Potenziale."
Von diesem Boom möchte man auch auf der niederösterreichischen Seite des Semmerings - am Hirschenkogel - profitieren und wälzt engagierte Pläne: "Wir wollen die Zahl der Besucher um 30 bis 40 Prozent steigern", sagt Neo-Geschäftsführer Günther Gruber zur "Presse". Derzeit gibt es 200.000 Besucher pro Saison.
Gruber hat kürzlich mit zwei Freunden 75 Prozent des Skigebiets übernommen. Die Kaufsumme ist geheim, nicht geheim ist die Summe, die die neuen Investoren in die Erweiterung des "Zauberbergs" stecken wollen: 6,2 Mill. Euro. In den kommenden Jahren sollen gleich nach dem Semmeringtunnel (in Richtung Steiermark), "ein Vierer-Sessellift, ein bis zwei Pisten und ein Parkplatz für 2000 Pkw" gebaut werden, sagt Gruber. Ein weiterer Ausbau sei derzeit nicht geplant, "für die Zukunft kann man das aber nicht ausschließen".
Eine Neuerung gibt es schon für die heurige Saison: Auch der Westhang des Hirschenkogels wurde mit einer Flutlichtanlage ausgestattet, sodass mittlerweile schon auf sechs Nachtpisten mit einer Länge von sieben Kilometern abgefahren werden kann - freitags und samstags sogar bis 22 Uhr. Bereits 40 Prozent des Saisonumsatzes (vier Millionen Euro) erwirtschaftet der "Zauberberg" durch das Nacht-Skifahren.
Auch das Hochkar, rund 1,5 Autostunden von Wien entfernt, kann in dieser Saison mit neuen Attraktionen aufwarten: Die beiden A-Schlepplifte sowie der Häsing-Doppelsessellift wurden im Sommer abgetragen und durch zwei moderne Vierer-Sessellifte ersetzt. "Auch die Beschneiungsanlage wurde erweitert, jetzt sind schon fast 100 Prozent der Pisten künstlich beschneit", sagt Bernhard Putz, Chef der Hochkar-Bahnen.
Das Investment betrug 5,6 Mill. Euro und soll die Gästezahl von 215.000 im Vorjahr auf 260.000 hochtreiben. Und für die Zukunft ist eine Ausweitung des Skigebiets geplant: "Wir wollen Richtung Tal gehen und auf 1200 Meter eine neue Liftstation errichten", so Putz.
Neuigkeiten gibt es auch am Schneeberg, einem bislang kleinen, feinen Skigebiet. In der heurigen Saison sollen die Besucher-Zahlen sogar verdreifacht werden. "Derzeit sind es 150.000, wir wollen mindestens eine halbe Million. Sommer und Winter zusammengerechnet", sagt Schneebergbahn-Geschäftsführer Gerhard Stindl. Möglich machen soll dies der verlängerte 4er-Sessellift, der den alten 2er ersetzte. Außerdem wurde eine zusätzliche Kunstschneepiste errichtet, die das Schongebiet für das Wiener Hochquellwasser tangiert (siehe nebenstehenden Artikel).
Damit gibt es am Nordhang des höchsten Bergs Niederösterreichs Abfahrten mit einer Gesamtlänge von 6 km. Der Ausbau kostete 4,6 Mill. Euro - weitere Expansionen nicht ausgeschlossen.