Dieser Saisonbeginn hatte viele Gewinner aber auch Verlierer. Auf der anderen Seite gab es die Gebiete für die es neutral ist.
Zu den neutralen Gebieten - das sind die, welche nicht vom Tagestouristen abhängen, sondern Mehrtagesgäste im Fokus haben. Da wären Ischgl, Serfaus, Stanton, die französischen Gebiete etc. zu nennen. Die haben den Aufwand einer frühen Saisonöffnung nicht nötig und die würden auch einen negativen Cash Flow/Deckungsbeitrag generieren. Also bleibt alles zu.
Zu den Verlieren. Auf Tagesgäste angewiesene Gebiete, welche den Saisonbeginn zum 16./17.11 verschlafen haben. Der Saisonbeginn zum 24.11 hat nun wirklich keinen Hund mehr rausgelockt, die Wetterprognosen waren nicht so gut, weswegen wenig los war. Also aufgesperrt, keine Gäste gehabt, Kosten generiert und Geld damit verloren. Auch der Marketingeffekt ging gegen 0, da ja alle aufmachen hätten können. Ausser Spesen nix gewesen. Das hat nichts mit Marketing oder sonstigen Unternehmensfunktionen zu tun, sondern mit einer falschen Geschäftsentscheidung - eben der, dass die Anlagen vielleicht am 16.11 noch nicht fertig waren und fürs Wetter keine Prognosen abgeliefert werden können. Der Managementmentdruck wurde in manchen Fällen wahrscheinlich auch zu groß, dass dann doch noch am 24.11 geöffnet wurde. Aber es hies schon immer - der frühe Vogel fängt den Wurm.
Zu den Gewinnnern:
Alle Gebiete, welche auf Tagesgäste angewiesen sind und spätestens am 16./17.11 aufgesperrt haben. Dazu haben dann sicher auch noch die Kontakte zu den Medien eine große Rolle gespielt. Zu nennen wären da auch alle lokalen oberbayrischen Gebiete zu nennen, weil die auch in den ganzen Zeitungen hochgejubelt wurden. Deswegen gab es auch lange Schlangen am Spitzing, Brauneck. Planai und Grasgehren haben auch gut gezockt mit der Öffnung im Oktober.
Zu den Wirkungen des Marketing - oder die Frage ob denn wirklich das Marketing versagt haben könnte, wenn die Öffnung verschlafen wurde:
Es gibt nur indirekte Marketingwirkungen auf den Saisonstart. Marketing ist eine Unternehmensfunktion, welche sich mit der Ausrichtung des Unternehmens an die Marktsituation befasst. Es umfasst Analyse, Planung, Umsetzung und Kontrolle aller auf gegenwärtige und zukünftige Absatzmärkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten.
Bestandteile: Marketingstrategie:
Es gibt Skigebiete mit der klaren Markenstrategie "wir öffnen als erste" wie z.B. Planai und Grasgehren. Es gibt Skigebiete mit flexiblen Öffnungen - wir machen auf, wenn Schnee macht. Und es gibt eben Skigebiete mti einer klaren Saisonzeit - wie z.B. mit Winkelmoosalm. Und da sollte dann auch nicht aktionistisch noch schnell aufgemacht werden - wenn es doch gemacht wird, muss auch die Geschäftsführung die Konsequenz dafür tragen, und nicht das Marketing.
Marketingmix:
Produktpolitik - Hier hat das Marketing die Entscheidung, die Anlagen (in Zusammenarbeit mit den Technikern) bereits im Oktober bereit zu halten, oder eben nicht. In Zusammenarbeit mit Personalabteilung muss entschieden werden ob zudem Personal für ne Öffnung da ist. Also kein wirkliches Marketingversagen zu nennen, wenn man icht öffnet.
Preispolitik - günstige Eröffnungsangebote sind eine klare Marketingleistung. Damit können Kunden gewonnen werden und Kunden gehalten werden.
Distributionspolitik - nachrangig bei Skigebieten - wobei da ja so manche am Eröffnungswochenende zu kämpfen hatten.
Kommunikationspolitik:
der wichtigste Punkt, und darüber wird meistens diskutiert, wenn man über Marketing redet.
Werbung - sei es above oder below the line - keine Auswirkung, da durch Planungs-, Buchungszeiten und durch Kreation kaum Flexibilität besteht. Eher im Gegenteil, ich habe Skigebiete Mitte November Radiowerbung machen hören, welche noch überhaupt nicht offen hatten. Das ist der Supergau - da ja die Erwartung geschaffen wird, dass offen ist.
Kurzfristig geht ehh nur Printwerbung. Ich denke nicht, dass die Winkelmoosalm das nötige Budget hat, um kurzfristig Geld für ein früheres Opening in der Zeitung zu flankieren. Die Werbeausgaben sind längerfristig geplant - und in die Markenstrategie eingebunden. Und da ist dann kein Geld über.
PR - bestes kurzfristiges Mittel - Pressemitteilung an alle Medien, welche dann darüber berichten, oder eben nicht. Kann aber nur dann Wunderdinge leisten, wenn man was besonderes leistet - aber wer am 24.11 startet konnte es sich sparen - der PR-Effekt wurde wie ja schon oben geschrieben von den anderen eingesackt.
Im Marketingcontrolling wird dann nächstes Jahr überlegt, ob man wieder so früh aufsperren sollte, oder nicht. Und da wird Spitzingsee sicher sagen ja, und Winkelmoosalm wird zum Ergebnis kommen, dass sie bei den ersten dabei sein müssen, oder es besser ganz lassen.
Also ich kann nur bei wenigen Skigebieten einen vom Marketing verbockten Saisonstart feststellen. Ein nicht gut geplantes aktionistisches Vorziehen durch die Geschäftsführung führt da sicher zu ganz anderen Problemen...