Im Talschluss beginnt's
Für viele hört das Zillertal in Mayrhofen auf - Dahinter versteckt sich ein Tourismus-Winzling
Schöne Ansichten bietet die Region um GinzlingVon Hannes Schlosser
Info
Im Ort Ginzling sucht man vergeblich nach großen Hotels, im Berggasthof Breitlahner etwa kann man ab 18 € übernachten - mit dem unbestreitbaren Vorteil, am nächsten Morgen vor die Türe zu treten und die Wanderung begonnen zu haben.
Weitere Pensionen und Privatzimmer unter:
Ginzling
Naturpark Zillertal
Bergführer Zillertal
Via Alpina
Politisch gesehen ist Ginzling ein Kuriosum: Der Ortsteil rechts vom Zemmbach gehört zu Mayrhofen, jener links zu Finkenberg. Zugleich ist die Fraktion Ginzling mit einem eigenen Ortsstatut, einem gewählten Ortsvorsteher und einer eigenständigen Verwaltung ausgestattet. Das alles bei gezählten 389 ständigen Einwohnern. Ginzling liegt im Zemmgrund im hintersten Zillertal. Gewissermaßen jenseits des Wettbewerbs um die meisten Aufstiegshilfen und Pistenkilometer und abseits von Großhotels in Form von Jodeldosen und anderen Hässlichkeiten. In Ginzling gibt es genau null Lifte und ebenso wenige Bettenburgen.
Unter diesem Blickwinkel hat Ginzling lange gelitten. 40 Prozent Nächtigungsrückgang in den letzten 15 Jahren waren die Konsequenz. Dabei hat der Tourismus hier früher als sonst wo im Tal begonnen. Hier wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Tourismus- und Alpingeschichte geschrieben. Etwa durch Ferdinand Löwl, Johann Stüdl oder die Brüder Emil und Otto Zsigmondy.
Ginzling grenzt unmittelbar an den "Naturpark Zillertaler Hauptkamm" uns ist ein Ausgangspunkt für den "Berliner Höhenweg", insgesamt 42 Kilometer lang, ausreichend mit Schutzhütten bestückt, in drei bis fünf Tagen zu bewältigen. Es ist eine hochalpine Wanderung, auch für (trittsichere) Kinder geeignet. Für Abwechslung sorgt nicht nur die Aussicht auf die vergletscherten 3000er, die Vielfalt an Blumen und Bächen, sondern auch der Reichtum an Mineralien.
Im Gletscherzentrum
Bei der 1879 errichteten, denkmalgeschützten Berliner Hütte (2042 m) wurde am 16. Juni mit dem Gletscherweg eine neue Attraktion eröffnet. Auf einem Rundweg von knapp drei Stunden kommt man dem Horn- und dem Waxeggkees sehr nahe. Vor 150 Jahren sind die zwei Gletscherriesen noch zusammengeflossen, jetzt kann man hier exemplarisch die Gletschermoränen der neuzeitlichen Gletschervorstöße und das Leben, das sich im Gletschervorfeld entwickelt hat, begutachten. Es ist kein Zufall, dass hier seit Jahrzehnten alpine Gletscher- und Klimageschichtsforschung ein Zentrum hatte. Unten in Ginzling auf präzise 999 Meter Höhe wurde, unter Federführung des Österreichischen Alpenvereins und gefördert vom Land Tirol, eine Initiative gestartet, das traditionsreiche Bergsteigerdorf als Tourismusstandort zu bewahren. Mit einer Förderung des öffentlichen Verkehrs, einem Besucherzentrum, Angeboten für Bergradler, Wanderer und Bergsteiger soll eine Renaissance eingeläutet werden.
Ginzling ist auch ein Etappenpunkt des internationalen Weitwanderweges "Via Alpina", der auf fünf Routen von Triest nach Monaco führt. Ginzling wird auf der "roten Route" erreicht. Die "Via Alpina" versteht sich als Modellprojekt für sanften Bergtourismus. Mit Ginzling oder einer der Schutzhütten als Ausgangspunkt ist das Angebot an Zielen für Wanderer und Bergsteiger schier unerschöpflich. Zu den bedeutendsten Gipfeln zählen Hochfeiler (3510 m), Großer Möseler (3480 m), Olperer (3476 m), Großer Löf- fler (3375 m), Schwarzen- stein (3368 m) und Hoher Riffler (3228 m).
Bei allen diesen Gipfeln handelt es sich um Gletschertouren, die unterschiedlich schwierig und gefährlich sind. Die dafür zu empfehlenden Bergführer sind über E-Mail (info@bergführer-zillertal.at), den Tourismusverband Mayrhofen (6290 Mayrhofen, Dursterstr. 225, Tel 05285/676 00, E-Mail: info@mayrhofen. at) oder über die Unterkünfte buchbar. Ginzling ist inzwischen aber auch ein Dorado für Sportkletterer. Da gibt es zum einen den Klettergarten mit dem einladenden Namen "Ewige Jagdgründe". Auf fünf bis 30 Meter hohen Granitblöcken gibt es eine Vielzahl an perfekt abgesicherten Klettermöglichkeiten vom IV. bis zum X. Schwierigkeitsgrad. Aber auch im freien Gelände gibt es Kletterrouten vom VI. bis zum X. Schwierigkeitsgrad mit Längen von 100 bis jenseits von 300 Metern, darunter den Jaunkopf, die Wieglerwand und "Die freien Sprünge".
Freilichtmuseum live
Kontrastprogramm dazu ist der Kulturwanderweg vom Gasthaus Karlsteg nach Breitlahner. An den Haltepunkten wird außer über Naturkundliches auch vom harten Leben der Bergbauern und von den Auseinandersetzungen zwischen Jägern und Wilderern erzählt. Als Schlechtwetterprogramm empfiehlt sich die Naturparkausstellung, die sich u.a. Heilkräutern, Alpinismus und Wilderer widmet.
Unter dem Titel "Stein.Geschichten" stehen heuer die Zillertaler Mineralien im Mittelpunkt. Als wichtige Anlaufadresse für alle den Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen betreffenden Fragen empfiehlt sich der Verein Schutzgebietsbetreuung Zillertaler Hauptkamm (6290 Mayrhofen, Sportplatzstr. 307, 05285/ 636 01, E-Mail:
office@alpenverein.at (Der Standard, Printausgabe 23./24.7.2005)