Wer wird Bundestrainer, wenn Klinsi absagt?
Berlin - Der Vorhang ist zu, doch die wichtigste Frage ist offen: Bleibt Jürgen Klinsmann Bundestrainer oder nicht?
Der 41-Jährige ist am Montag mit seiner Familie in sein Haus am Comer See gereist, um dort "alles sacken zu lassen und in Ruhe nachzudenken", wie er selber erklärte.
Hoffen auf schnelle Entscheidung
Gleichwohl hofft man beim DFB, dass vielleicht schon in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen wird.
"Wir werden uns auf jeden Fall Ende der Woche treffen und das Ganze nochmals diskutieren, wenn Jürgen eine Entscheidung getroffen hat", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.
Ob Klinsmann weitermacht, ist offen. Viele Argumente sprechen dafür (Euphorie, Erfolg, großes Potenzial), ebenso viele dagegen.
Skepsis bei Seeler und Beckenbauer
"Jetzt folgt der Alltag. Wer Jürgen kennt, muss nachdenklich werden", zeigte sich Ehrenspielführer Uwe Seeler skeptisch.
Und auch Franz Beckenbauer sagte der "Bild", er hoffe zwar auf eine Zusage. Aber: ´"Was ist, wenn die ersten Qualifikationsspiele in die Hose gehen? Dann kochen die alten Diskussionen wieder hoch: Kalifornien, Kritik aus der Bundesliga..."
Bierhoff will bei Absage rasche Lösung
Sollte Klinsmann also absagen, will der Verband eine endlose Trainersuche wie nach Rudi Völlers Rücktritt als Teamchef 2004 unbedingt vermeiden.
"Wenn Klinsmann sich gegen uns entscheidet, strebe ich an, sofort eine Lösung zu präsentieren, die dann auch bis zur EM 2008 trägt", erklärte Bierhoff.
Sport1.de nennt die möglichen Kandidaten:
* Thomas Doll
Der Trainer des Hamburger SV wäre die einzige realistische Alternative aus der Bundesliga, da die anderen Kandidaten, Felix Magath (Bayern München) und Thomas Schaaf (Werder Bremen), nicht wollen und auch keine Freigabe ihrer Klubs bekommen würden.
Wenn Doll hingegen zum DFB wollte, könnte der HSV ihn nur schwer halten. Hat als Ex-Nationalspieler und Erfolgscoach ein gutes Standing bei den maßgeblichen Leuten. Würde zudem perfekt ins Profil eines Klinsmann-Nachfolgers passen.
Und Doll könnte sich das Amt des Bundestrainers durchaus vorstellen. "Warum denn nicht?", sagte Doll der "Hamburger Morgenpost". "Aber erst, wen ich etwas älter bin", schränkte der 40-Jährige Coach ein.
"Es käme für mich jetzt noch nicht in Frage. Ich bin erst seit eineinhalb Jahren Bundestrainer. da gibt es andere, die die Befähigung hätten, Nationaltrainer zu werden. Aber es ist schön, wenn man in einem solchen Zusammenhang genannt wird."
* Ottmar Hitzfeld
Der 57-Jährige gilt trotz seiner Absage vor zwei Jahren nach wie vor als einer der Top-Aspiranten. Allerdings hat er seitdem auch nicht mehr als Trainer gearbeitet, zudem wäre seine Berufung im Gegensatz zu Klinsmanns Offensivstil eher ein Rückschritt.
Und der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hat bereits betont, am "System Klinsmann" festzuhalten: "Eine Rückkehr zum Rumpelfußball der Vergangenheit ist den Fans nicht zuzumuten."
* Christoph Daum
Könnte nach der Vertragsauflösung bei Fenerbahce Istanbul sofort einspringen, sein Interesse am Posten des Bundestrainer hat er nie geleugnet. Hat aber nach der Kokain-Affäre weiterhin viele Gegner im deutschen Fußball, allen voran Bayern-Manager Uli Hoeneß.
Dagegen hat sich der scheidende Verbandsboss Gerhard Mayer-Vorfelder mehrfach für Daum ausgesprochen. "Er steht auf meiner Liste ziemlich weit oben", so der DFB-Präsident. "Er ist ein exzellenter Trainer, der mich in manchen Dingen an Klinsmann erinnert und fortführen kann, was Jürgen angefangen hat."
* Joachim Löw
Die logische Variante, wodurch absolute Kontinuität gesichert wäre. Löw bestimmte schon bei der WM große Teile der Trainingsarbeit und hat sich zudem während der Endrunde einen guten Ruf in der Öffentlichkeit erworben.
Dennoch entspricht er als bisheriger Assistent nicht dem Profil, das sich DFB und Bundesliga erwarten. Würde vermutlich bei den ersten Rückschlägen massiv in Frage gestellt.
* Matthias Sammer
Die naheliegendste Lösung, da er bereits als Sportdirektor beim DFB angestellt ist und von Zwanziger immer zumindest als Kandidat für den Übergang genannt wurde. Gleichwohl hatten der Präsident und Sammer selber bei seinem Amtsantritt betont, dass er kein "Schatten-Bundestrainer" sei.
Zudem ließ er in Stuttgart und Dortmund einen defensiven, abwartenden Fußball spielen, der im Widerspruch zur Klinsmanns Philosophie steht. Auch Sammer würde daher bei einem Fehlstart sehr schnell in der Kritik stehen.
* Jürgen Klopp
Der Mainzer Coach ist so etwas wie der Geheimfavorit, weil er ähnlich denkt wie Klinsmann und sich als TV-Experte sehr positiv verkauft hat. Ist aber als ehemaliger Zweitligaprofi und Trainer eines Abstiegskandidaten in Verband und Liga nicht durchsetzbar.
* Ein ausländischer Trainer
Sehr unwahrscheinlich, da der WM-Erfolg das Vertrauen in die deutschen Trainer wieder gestärkt hat und ein ausländischer Coach vermutlich vieles umkrempeln würde. Außerdem stehen alle interessanten Personen wie etwa Arsene Wenger oder Guus Hiddink unter Vertrag.