Anfang Februar war ich zusammen mit Freerider84 für eine Woche lang als Skilehrer im Alpen-Mekka Ischgl tätig. Wir sind beide eher ein ruhiges Skigebiet gewöhnt, nicht so viel Trubel und alles überschaubar. Genau deswegen wollten wir uns mal das komplette Gegenteil ansehen, damit wir auch diese Erfahrung mitnehmen können.
Mit Vorfreude aber auch mit einem etwas mulmigen Gefühl gings am 31.1. gegen Mittag von Innsbruck ins Paznauntal. In Innsbruck war eine dicke Hochnebelschicht und so waren wir beide mehr oder weniger eher spät aus den Federn gekommen. Als wir jedoch den Tunnel bei Imst hinter uns gebracht hatten, strahlte uns blauer Himmel an. Also was soll der Geiz, schnell Skier ausgepackt und noch nen Skigebietspunkt in Kappl abgeholt. Nettes kleines Skigebiet das mit 2 guten 4KSB ziemlich viel Skiraum erschließt. Nur die Talabfahrt ist sehr gewöhnungsbedürftig.
Um spätestens 17Uhr sollten wir im Büro der Skischule sein. Schon beim Betreten des Dorfzentrums mit dem dröhnenden Kuhstall und den vielen Menschenmassen die einem entgegenlaufen weiß man, was in Ischgl an der Tagesordnung steht. Massentourismus vom Feinsten.
Im Skilehrerbüro ging recht flott alles über die Bühne...das tolle Outfit haben wir gleich ins Herz geschlossen. Ganz neue hellblaue Halti-Anzüge. Wir mussten einen Zettel unterschreiben, dass wir doch 300 Euro zahlen müssen, falls dem teurem Stück was zustößt. Zu schade aber auch.
Als wir unser Quartier aufsuchten kam der erste Wehrmutstropfen. Als Skilehrer in Ischgl wohnst du natürlich nicht dort. Nein, nein, du wohnst 8km weit entfernt in Kappl. Nun ja, das heißt, mit dem Feiern am Abend wirds etwas schwierig.
Nichtsdestotrotz stürzten wir uns am ersten Abend noch ins Nachtleben. Trofana, Skihütte, Fire&Ice, Kuhstall, Post, Pascha. Alles wurde abgeklappert. Am Ende war eines klar. Man kann ganz schnell arm werden!
1. Tag. 9:00 Idalp. Kindergarten. Einweisung vom Chefskilehrer.
Von da an war klar: Als Skilehrer mit einer deutschen Ausbildung hast du in Tirol wenig zu sagen. Sie dürfen, egal wie hoch die Ausbildung ist, rechtlich gesehen nur Leute als Skilehrer beschäftigen, die die Skilehrerprüfung in Tirol abgelegt haben. Wir arbeiten also als Kinderskilehrer. Das geht. Gesagt getan stand ich die nächsten Tage im Kinderland auf 2300m, hab schreiende 3 jährige versucht zu beruhigen, hab zig Kinder wieder auf die Beine gestellt und unter anderen das Maskotchen der Skischule "BOBO" gemiemt. Klar kann man sagen, das ist jetzt nicht der beste Job, aber denkt mal drüber nach: Wer sonst kann schon auf 2300m eine Woche lang in der Sonne stehen und dabei noch Geld verdienen. Ja, doch, das war schon recht angenehm!
Und noch ein kleines Video von einem Mädel, dass ich zu gerne hatte. Ich darf vorstellen: Katharina, 3 Jahre alt, aus Deutschland! Super Kind!
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Ein weiter Plus am Skilehrerjob ist, dass man normalerweise vor der Arbeit und auch nach der Arbeit noch ne Stunde selbst fahren kann. Klar fordert das auch Selbstdisziplin, sich jeden morgen um halb 8 aus dem Bett zu schmeißen, egal wie lang die Nacht am Tag zuvor ging, aber ich kann das besonders in Ischgl nur empfehlen. Gleich hoch auf die schweizer Seite und dort die ersten Abfahrten auf platt gewalzten Pisten in der Morgensonne genießen. Die Fotos bestätigen das:
^^ 8:30 geht bestimmt die erste Bahn zur Idalp hoch. Die Liftschneise der Silveretta- und Fimbabahn ist immer wieder beeindruckend!
^^ Nächster Lift ist die Flimjochbahn. Meistens fährt sie schon 10 vor 9, so dass man wirklich oben mit den ersten Sonnenstrahlen das Skifahren beginnen kann.
^^ Dann erwartet einem so ein Anblick. Wunderbar!
^^ Besonders die 6KSB Greitspitzbahn ist am morgen ein heißer Tipp!
^^ Der Blick Richtung Palinkopf lässt allen Skifahrern das Wasser im Munde zusammenlaufen.
^^ In der 6KSB Höllbodenbahn
^^ 2 wunderbare Beschäftigungsanlagen. 6KSB Zeblasbahn und die 4KSB Palinkopfbahn.
^^ Trotzdem heißt es spätestens um 10 Uhr ... Kinderland!
^^ Doch bereits um 15 Uhr gehts wieder los und man versucht noch 2-3 gute Runs zu machen.
^^ Auf der Idalp sammeln sich in der Zwischenzeit die Menschen...
^^ ...aber wir genießen nochmal das Bergpanorama...
^^ ...genießen die Ruhe, die hier oben einkehrt.
^^ An manchen Tagen kommen tollen Stimmungen zustande!
^^ Am Ende jeden Tages sieht doch alles wieder gleich aus...
^^ ...und eine Armee von Pistenraupen rückt aus, damit der Massentourismus am nächsten Tag genauso gut läuft, wie die Tage zuvor!
Fazit unseren Aufenthalts:
Ischgl ist kein Skiort, Ischgl ist eine durchorganisierte, rießige Freizeit-Erlebniswelt, die ganz und gar darauf aufgerichtet ist, möglichst viele Menschen zur gleichen Zeit zu beglücken. Im freien Skiraum gelingt dies am besten, wenn man sich aber den Talabfahrten zuwendet wird eines schnell klar: Man ist hier nicht alleine. Dann kommt der Abstecher in den Kuhstall oder ins Schatzis (wo Gogogirls auf dem Tresen tanzen) und spätestens hier wird klar: Geld spielt keine Rolle, auch nicht in der Wirtschaftskrise.
Bei der Skischule ist das nicht anders. Egal wie viel Mühe man sich gibt, die Leute kommen sowieso. In anderem Skiorten brüllen Skigruppen um die Wette "Zickezackezickezacke-HEUHEUHEU"...in Ischgl hört man keine einzige. Trotzdem sind die Kurse auch in der Zwischensaison gut gebucht. Der Rubel läuft, die Maschine Ischgl auch und solange dies so ist, wird Ischgl das Alpen-Mekka auch bleiben. Ich bin gespannt, wie lange das so bleibt!