Im Rahmen unseres diesjährigen Sommerurlaubes haben wir beschlossen auch zwei Tage in Meran bzw. Sommerschifahrend am Stilfser Joch zu verbringen. Gesagt getan.
Am 25. morgens sind wir via Arlberg und Reschen nach Meran gefahren.
Jedes mal aufs neue beeindruckend ist der Kirchturm von Graun, vermutlich einer der meistfotografiertesten Kirchtürme der Welt?
Am 25. sind wir dann nach ausgiebigem Stadtbummel und fahrt mit der Leitner ESL Dorf Tirol gegen 18:00 Uhr durchs herrlich duftende Vinschgau in Richtung Stilfser Joch aufgebrochen.
Wir haben dann allerdings nicht den "Standardaufstiegsweg" gewählt, sondern haben uns den Spass gegönnt, dem Schweizer Zöllner im Val Müstair auf die Frage "wo solls denn higeha" mit "nur zur Durchreise (keine Angst, ich tu euch nix
Wir wählten also den Weg via Taufers, Sta Maria hinauf auf den Umbrailpass und von dort dann weiter den Katzensprung aufs Stilfser Joch.
Diese Straße ist für mich schon lange wie ein Magnet, ist sie doch, wie immer wieder beschrieben, teilweise einspurig und nicht asphaltiert. Auf weiter Strecke ist sie, wie sich dann schnell herausstellt, wie jede andere Passstraße auch ausgebaut und gesichert, was das wirkliche Erlebnis ein bisschen geschmälert hat:
die einzige unasphaltierte passage ist auf einige hundert meter zusammengeschmolzen:
als wir dann den "Schlussanstieg" überwunden hatten, kam doch irgendwie die Frage auf: Wo ist denn der Schweizer Zoll? Die werden doch nicht etwa eine "ungesicherte" Grenze haben?
Passend dazu dann nach einigen weiteren Kurven das folgende Schild:
Der Grenzübergang war leidlich von einem Schweizer und einem italienischen Kollegen gesichert, die sich die Zeit mit Kartenspielen im italienischen Zollamt vertrieben und uns durchs Fenster freundlich durchwinkten. So hätte man das gerne auch bei den "normalen" Schweizer Kollegen, welche einem doch mit auffallender Häufigkeit das Auto auseinanderbauen...
Obwohl den ganzen Tag über herrliches Wetter geherrscht hatte, zog es nun auf dem Stilfser Joch zu und wir befürchteten schon das schlimmste, nämlich dass es zu warm für Schneefall und zu bewölkt für Sonnenschein werden würde.
Naja bevor wir uns weiter Gedanken darüber machen konnten, wie uns der nächste Tag empfangen sollte, plagten uns noch ganz andere, existentielle Ängste: Wo übernachten? Was zu abend essen? Alles sah mehr oder weniger verlassen aus, ein trostloser Ort.
Im ersten Hotel, in dem wir es versuchten waren alle Türen verrammelt und verriegelt. Auch das suchen der Seiteneingänge brachte nix. Man konnte fast meinen die wollten uns nicht, war doch das Hotel definitiv von Gästen belegt, da auf den Balkonen einige junge Nachwuchsskifahrer ihren Service vollzogen.
Nun Gut. Nachdem uns das Pirovano 3-Sterne Sporthotel mit Wellness und weis der Geier was also abgewiesen hatte, blieben nur noch zwei weitere Hotels an der Passhöhe übrig. Ein weiteres ausgewiesenes Sporthotel (das mit den roten Klappläden auf bormioer Seite), aber auch die schienen geschlossen zu haben.
Nun denn auf zum Hotel Stelvio, immerhin auch ein 3 Sterne Tempel mit Wellness, Schwimmbad, Sauna und leckerem Essen...
Nachdem mich meine Freundin beruhigt hatte (italienische Häuser sehen von aussen fast immer abgewrackt aus und sind innen dann wahre Schmuckstücke... (kann ich de fakto so nicht einmal bestätigen...)) haben wir uns dann doch in die Eingangshalle getraut. Was anderes wäre uns auch gar nicht übrig geblieben, wollten wir doch auf keinen Fall in starli bzw. breze Manier am Parkplatz kampieren.
Nach einem freundlichen Empfang durften wir unsere Jugendherberge dann beziehen. Das Abendessen war absolut empfehlenswert, wer mal dort oben ist und einen Tipp braucht: geht dorthin! Ihr habt einen Super Blick über die Ostrampe des Stelvio und die Zimmer sind auch "trashmäßig" (70er Jahre Style, dann nur einmal was gemacht und zwar den Fernseher gegen einen Farbgerät getauscht...) eingerichtet.
Für 55 € bekommt man Halbpension mit 6 Gängen und Cola aus der Dose
Alles in allem genau das was ich dachte was uns erwarten würde
Mitten in der Nacht wurde ich dann von einem beunruhigenden Geräus geweckt:
Ich dachte erst mal: nein, das darf doch nicht wahr sein, regnet es tatsächlich? - Fenster aufgemacht und schwupps war es passiert. Das ganze Zimmer war voll von - NEBEL. Da gewinnt das Sprichwort "die Hand vor Augen" eine ganz neue Bedeutung.
Nach dieser traurigen Entdeckung, es regnete auch tatsächlich, machte ich mich wieder auf den Weg ins mollig warme Bettchen, bereits mit dem Hintergedanken morgen ein klein wenig länger auszuschlafen als sonst.
Gegen halb fünf wurde ich dann wieder wach, und sprang, nachdem ich meine Augen aufgeschmissen hatte, aus dem Bett:
Blauer Himmel, KEINE Wolke am Himmel, und die Sonne sollte bald aufgehen.
So konnte der neue Tag dann doch gerne losgehen. Die nächste Stunde verbrachte ich dann knipsend am Fenster:
Die nassen Stellen zeugen noch vom nächtlichen Unwetter
Die Betonstützen der ersten Sektion in den ersten Sonnenstrahlen des Tages
eine unglaubliche Stimmung
Gegen halb sieben, der Aufgang war bereits vorüber, kam dann Leben ins Hotel. Die Gäste, mehrheitlich Skiclubs vieler Nationen, schienen ausgeschlafen zu haben, und wollten unbedingt hoch ins Skigebiet. Also war es auch für uns Zeit aufzustehen. Ein gutes Frühstück später und 110 € für das Zimmer ärmer (das schmerzt einen Schwaben halt doch...) machten wir uns auf den Weg gen Gondel, nicht jedoch ohne vorher noch einmal einige Blick gen Trafoi zu werfen:
...
Am Parkplatz angekommen fiel mir erst einmal auf, wie "aufgeräumt" hier alles war. Das hatte ich so nicht erwartet. Der Parkplatz war frisch gegradet und auch sonst lag nirgens Müll oder "Trash"
Die alte PB zieht ihre Bahnen
Auch der in Beze's Bericht erwähnte Ansturm traf heute nicht ein. Wir waren mit einigen Säcken Schmalz und Mehl die einzigen Gäste in der Kabine.
Die Talstation mit hohem Trash-Style Anteil
Bevor ich hier die Bergfahrt aufzeige, möchte ich an Hand eines Bildes von Beze noch das eigentliche Skigebiet darstellen. Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich mir von dem Skigebiet bis zum eigentlichen Besuch keinerlei Bild machen konnte, wie welche Anlagen denn nun stehen (die Zubringer mal ausgenommen) habe ich mir zur Aufgabe gemacht ein bisschen Struktur in das ganze zu bringen.
Hier also das Skigebiet (c) Bild Beze 2008
grün die schlepplifte. türkis der SL Nagler, der zur Zeit wieder aufgebaut wird (ist länger, sieht nur durch die Perspektive so kurz aus). Rot die beiden Zubringerbahnen. Die Skilifte oben sind wie im "Plan" dargestellt angeordnet. die Zubringer SL treffen sich oben mit dem SL Payer, welcher aus der kleinen Senke rechts unterhalb herauf zieht. Bei dessen Talstation startet auch der neue TSL Cristallo, der den bisherigen SL auf etwas versetzter Trasse ersetzt hat. Die Abfahrt war bis zur Bergstation Funifor geöffnet, unterhalb geht auch gar nix mehr
Bei der Bergfahrt ergaben sich dann immer wieder atemberaubende Blicke hinab in Richtung Trafoi auf der Stilfser Joch Straße, die noch darauf wartete am Mittag von uns befahren zu werden
Unsere "Jugendherberge"
Talstation und Hotelburgen. Aufgeräumter, frisch gegradeter Parkplatz
Dann: der erste "richtige" Blick auf den Gletscher & die novita mondiale... Öhm... jo. Meine Freundin hatte nicht zu unrecht gefragt: Warum haben die denn da neue Kabinen reingehängt. Dass man eine Anlage innerhalb weniger Jahre optisch (!) so runterreiten kann, ist bemerkenswert. Wenn ich mir dagegen deutlich ältere Anlagen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz anschaue, läufts mir kalt den Rücken runter.
Jaja, das Funifor
Verlassen stehen bei der Überfahrt des Gletscherfeldes die Überreste des alten Skischulliftes herum. Wird hier in den nächsten Jahren auch was gemacht? Eine Talstation auf Fels sollte ja inzwischen möglich sein.
Überfahrt über den sterbenden Gletscher
Wagen 1. Morgens fuhr nur er, um die Mittagszeit waren beide in Betrieb
dann die Ankunft am Gletscher. Wow - hier sind wir wieder beim Thema Trash. Überall liegen irgendwelche Stahl-Kunstwerke herum und keiner stört sich dran. Einige verrammelte Buden stehen auch in der Landschaft rum....
Das Standardfoto auf den Zubringer SL und oben den Sporteinstieg
Raupenparade. Ist das Förderband im Vordergrund neu? Sah noch so gut aus
Der erste Eindruck: Hier hats ja noch richtig Schnee! Also Bretter angeschnallt und los gings...
Wir sind dann bis mittags gefahren, dann wurde zum einen der Schnee relativ langsam und zum anderen hat der Cristallo schon um 12:40 zugemacht. Irgendwie ging uns dann die Kraft und die Lust aus und wir haben's gelassen
Die Heimfahrt über Trafoi war dann wieder ein nettes Erlebnis, wobei ich mir die Rampen etc. imposanter vorgestellt hatte...
Hier nun noch einige Bilder aus dem Sommerschigebiet:
Gletscherschwund auch hier. Die Stützen standen vermutlich mal "eben" zum Gletscher
hat man eigentlich das Gebäude des Funifor neu gebaut bei dessen Errichtung?
Das Förderband wirkt irgendwie deplatziert. Kein richtiger Anfang ohne aufsteigen (klar, Gletscherschwund) aber auch kein richtiges Ende...
die ersten Meter im SL Geister 1 sind fast eben "Zubringerlift"
Blick in die andere Richtung. Viele Trainierer wieder unterwegs heute...
dann die erste Abfahrt: Super Verhältnisse für ENDE August.
Dann wurden die Seiten gewechselt: Wir machten uns auf zu den SL Payer und Cristallo
ausgesetzte Bergstation
Zum einen kleinen Überblick zu verschaffen empfiehlt es sich die folgenden drei Bilder (Standort Bergstation Geister/Payer) nacheinander anzuschauen. Entstanden im Rechtsschwenk. Im ersten Bild hinten ist der SL Cristallo zu erkennen
Beim letzten Bild erkennt man die Seile der SL'e Geister 1 und 2
Blick zurück zum vorherigen Fotostandort. Hinter dem Hügel auf der linken Seite verstecken sich die SL'e Geister 1 und 2
um 180° gedreht erkennt man, dass man fast schon unten ist. Talstation Payer und Cristallo
Blick aus dem SL Cristallo auf den SL Payer im Gesamten
aus dem SL Cristallo heraus fotografiert
die alte Cristallo Station. Ich bin ja dafür dass man alle Gipfelkreuze der Alpen durch solche Stationen erstezt
Einige Bilder von den Cristallo Abfahrten:
Letzte Fahrt 12:40
Überblick über den Bereich Payer/Cristallo
Die nagelneue Bergstation Cristallo
Was ist das für ein Stausee?
Blick auf die Stationen der Zubringer und das Joch
Sommerski am Stilfser Joch...
... zwei Bilder die die Stimmung dort ganz gut treffen
Bei der Talfahrt erblickten wir dann tatsächlich eine einzelne Schneekanone...
Die Passstraße
Ein Blick zurück, es zieht schon wieder zu...
Das war also unser diesjähriges Sommerskierlebnis. Ich muss sagen ich bin sehr angetan vom Stilfser Joch, hier ist man noch Skifahrer und kein (wie starli so schön geschrieben hat) "Anschauungsobjekt" für wild knipsende Touris...
Ich denke, wenn man am Stilfser Joch die Zeichen der Zeit richtig deutet, kann das Skigebiet in den nächsten Jahren richtig aufblühen. Es hat Schnee bis in den August, man hat als einziges Skigebiet in den Ostalpen "richtigen" Skibetrieb und nicht nur ein bisschen rumgerutsche auf Mattenabgedeckten Hängen. Wenn sich also in den restlichen Gletschergebieten nichts tut (Kaunertaler, Erschließung Weißseespitze), und man es schafft, die Infrastruktur in den nächsten Jahren ein wenig zu überarbeiten, hat das Skigebiet für die Zukunft sehr sehr sehr seeeeeeeeeeeeehr gute Chancen.
Ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Trotz der eher mäßigen Hotels oben. Trotz der 34 € Tageskartenpreis, trotz dem ganzen Krempel der auf den Gletschern rumliegt. Oder sollte ich in 2 der 3 gerade angeführten Fälle nicht eher sagen: gerade weil....
Naja. Ich hoffe der Bericht hat euch gefallen und animiert den ein oder anderen zu einer Tour dort hin. Es ist übrigens nicht so weit wie es immer aussieht
Grüße,
Flo