Endlich hält der Wettergott während der ersten Woche des neuen Jahres wieder einmal zu uns und beschert uns einen Sonnenscheintag nach dem anderen. Das lässt wenigstens etwas über die äußerst dürftige Schneelage hinweg sehen. Trotzdem sind bei der Suche nach dem geeigneten Skigebiet die höheren Lagen bevorzugt, dazu sollte es auch in der Neujahrswoche von der Frequentierung noch akzeptabel sein.
Das Areal um die Rauriser Hochalm hat mich schon länger interessiert, ist es doch ein kleines, eher unbekanntes Gebiet, bei dem mir die vorhandenen Möglichkeiten nicht so richtig bekannt waren. So fiel die Entscheidung auf das eher einsame Nebental des Pinzgaus, in das sich die Anfahrt etwas zieht. Braucht man auf der zwar gut ausgebauten, aber dennoch holprigen B 311 schon eine Zeitlang bis Taxenbach, muss man anschließend noch eine kleine Passhöhe überwinden, bevor sich das einsame Seitental öffnet. Der Hauptort und zugleich die einzige größere Siedlung ist Rauris, wenige Kilometer hinter dem Ortsende teilt sich das Tal auf, unter anderem in einen Zweig nach Kolm Saigurn, das bei den großen Erschließungsplänen von Sportgastein der 70er Jahre eine nicht unerhebliche Rolle eingenommen hat und wo die abenteuerliche Materialseilbahn mit dem bekannten „Kisterl“ zum Sonnblick beginnt.
Aufgrund der äußerst spärlichen Berichte hier im Forum – eine gute Einschätzung habe ich nirgends finden können – im Folgenden eine etwas ausführlichere Charakterisierung des Gebietes:
Wetter/Schnee: Sonnenschein, kalt. Hart, aber griffig, gut zu fahren.
Geöffnete Anlagen: alle
Wartezeiten: nichts, höchstens mal 5 Kabinen
Gut: wenig Betrieb, nette Pisten zum Cruisen, gute Verhältnisse
Schlecht: zum Pistenskifahren etwas wenig Abwechslung, Pistenzustand am Waldalmlift
Statistik: 18 Liftfahrten, 8.143 Höhenmeter
Bewertung: 5,5 / 6,0
In das Skigebiet der Hochalmbahnen gibt es zwei Einstiege, einerseits die weiter talauswärts gelegene Doppelsesselbahn Kreuzwiesen, die jedoch nur von wenigen als Zubringer genutzt wird. Ein, zwei Kilometer weiter befindet sich der Talstationskomplex der Hochalmbahn mit den Parkplätzen, Kassen- und Verpflegungseinrichtungen, dazu einem Übungsareal mit zwei Seilliften.
Das Skigebiet selbst gliedert sich im Wesentlichen in zwei Teile, einerseits das Hauptgebiet der Hochalm mit insgesamt drei Kabinenbahnsektionen und drei Schleppern und andererseits das Waldalmgebiet mit einer Doppelsesselbahn und zwei Schleppern.
Auf die Hochalm führt eine 6er EUB von Felix Wopfner mit Swoboda-Kabinen in zwei Sektionen, wobei die zweite Sektion durch einen Doppelschlepper (Jackalmlifte) gedoppelt wird. Unterhalb der Mittelstation beginnt die schwarz markierte Talabfahrt, die zunächst einige nette, durchaus anspruchsvolle Hänge bietet, bevor die letzten 300 Höhenmeter nur noch ein serpentinenreicher Ziehweg sind. Insgesamt ist sie aufgrund des doch relativ langen Ziehers nur bedingt interessant – trotz der oberen Hänge.
Die obere Sektion mit dem Doppelschlepper bildet den zentralen Hang des Gebietes, eine durchweg breite und blaue, aber doch angenehm kupierte, Abfahrt, die insbesondere bei Anfängern beliebt ist.
Etwas unterhalb der Bergstation der unteren EUB beginnt eine weitere 8er EUB von Doppelmayr, die mit Baujahr 2002 modernste Anlage im Gebiet. Sie erschließt mit 2400 m Länge und 525 m Höhenunterschied die Gipfelbereiche der Schwarzwand, endet jedoch leider knapp 20 Höhenmeter unterhalb des eigentlichen Gipfels. Der kurze Aufstieg zum Gipfelkreuz lohnt sich allerdings auf alle Fälle, hat man von dort doch einen grandiosen Rundblick auf den höchsten Berg der Alpenrepublik: man steht direkt vis-à-vis der Glocknergruppe mit ihren vielen Dreitausendern. Die Abfahrten an der Gipfelbahn sind ebenfalls als leicht einzustufen, die mehreren Varianten laden jedoch zum wunderbaren Cruisen ein, viel Betrieb herrscht hier wohl nur äußerst selten.
An der Mittelstation der Hochalmbahn beginnt die Verbindung zum anderen Skigebietsteil um Kreuzboden und Waldalm – wie sollte es auch anders sein – mit einem Ziehweg, der gerade so ohne größere Schiebestücke zu meistern ist. Die untere Sektion des dortigen Areals bildet eine Felix-Wopfner DSB aus den 90er Jahren mit dazugehöriger roter Abfahrt, die einige nette Hänge bietet, aber ebenfalls mit einem langen Flachstück und Querfahrt endet. Im oberen Teil steht ein langer Doppelmayr-Schlepper, der eine sicherlich sehr reizvolle und wunderbar kupierte Waldschneisenabfahrt erschließt, die leider aufgrund der Schneeverhältnisse nicht brauchbar war – dazu später mehr. Die Rückkehr ins Hauptgebiet erfolgt wieder über einen Ziehweg, diesmal aber völlig problemlos gänzlich ohne Anschieben.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es sich bei den Rauriser Hochalmbahnen um ein älteres, ursprüngliches Skigebiet mit weitgehen unmodellierten Pisten handelt, was einen sehr schönen Kontrast zu den meisten restlichen Salzburger Gebieten darstellt. Allerdings ist das Gebiet für das reine Pistenfahren doch etwas eintönig, in ein paar Stunden hat man alles abgefahren, die größeren Herausforderungen fehlen, dazu kommen doch einige Ziehwege, die die Attraktivität für Snowboarder etwas einschränken. Diese Eindrücke spiegeln sich auch im Publikum des Gebietes wieder, es sind hauptsächlich Familien mit ihren Kindern und Anfänger unterwegs, hierfür ist es ausreichend und geradezu ideal: meist einfache Abfahrten, dazu ein übersichtliches Gebiet und wenig Betrieb. Gerade in der Neujahrswoche auch mal für mich angenehm, in Ruhe und relaxed fahren zu können, ein Gefühl, das sich in der Sportwelt nicht so recht einstellen will zu dieser Jahreszeit.
Daneben dürfte das Gebiet noch einige Möglichkeiten für Freerider bieten, die zurzeit jedoch aufgrund des Schneemangels nicht wirklich zu gebrauchen sind. Einerseits sind alle Hänge total verspurt, andererseits fehlt es einfach generell an Schnee. Es gibt aber vor allem im Bereich der Schwarzwand einige Hänge in unmittelbarer Pistennähe, die zum Variantenfahren einladen, aber auch schnell verspurt sein dürften, andererseits existieren auch ein paar Hintenrum-Varianten, die ebenfalls ganz nett aussehen.
Die Verhältnisse am Dreikönigstag waren insgesamt ganz gut, zumal man die momentane geringe Schneedecke berücksichtigen muss, deshalb gibt es auch 5,5 Punkte. Im Detail:
- Hochalm/Talabfahrt: hart, aber durchaus noch ganz in Ordnung zu fahren, hauptsächlich Kunstschnee, gegen nachmittag abgefahren, teils eisig. Der Ziehweg hart, aber in Ordnung
- Hochalm/2.Sektion: griffige, eher harte Verhältnisse, sehr gut zu fahren, keinerlei Haufenbildung oder Eisplatten aufgrund geringem Gefälle und wenig Leuten.
- Gipfelbahn: sehr gute Naturschneepiste, nur ganz, ganz vereinzelt lose Steinchen, zwei sehr abgefahrene, vereiste (im Tagesverlauf) Engstellen, aber gut passierbar
- Waldalmlift: Piste wurde erst kurz vorher offiziell geöffnet, hätte man besser sein lassen. Im oberen Drittel inakzeptabel, fast nur Steine, hier macht sich die fehlende Beschneiungsanlage bemerkbar. Untere Hälfte besser, gehört insgesamt eigentlich geschlossen.
- Kreuzboden: hart, aber griffig. Fast nur Kunstschnee.
Da es mein Erstbesuch in Rauris war, gibt es noch ein paar Gedanken zur Erschließung:
- Die Tatsache, dass die Gipfelbahn nicht ganz zum Gipfel führt, sondern 20 Hm darunter endet, fällt zunächst einmal negativ auf, da man somit das grandiose Panorama von oben nicht immer genießen kann. Allerdings ist dort oben eindeutig zu wenig Platz und die Vorgängeranlage dürfte ebenfalls dort unten geendet sein, von daher ist das schon in Ordnung. In ein paar Minuten kommt man auch zu Fuß hinauf, worauf man keinesfalls verzichten sollte!
- Die 8er EUB oben im Skigebiet wäre als eine der Hauptwiederholungsanlagen als KSB nicht schlecht, aber durch die enorme Länge (2200 m), die hohe Trassierung und die starke Frequentierung durch Anfänger und Familien ist die EUB hier wohl die richtige Wahl.
- Das Gebiet bietet noch relativ viele alte Anlagen, wie Schlepper (darunter sogar ein Kurzbügler mit Liftomat) und Doppelsesselbahnen. Eine weitere Modernisierung hat mir aber keinesfalls gefehlt, da das Gebiet generell einen relaxten und zugleich älteren Charakter besitzt, zu dem die Anlagen sehr gut passen. Es existiert eine sehr gute Mischung, denn bsp. die Gipfelbahn stammt ja auch den letzten zehn Jahren. Zudem würden weitere Hochleistungsbahnen die gefühlte Größe des Gebietes stark verringern, also kann man das ruhig so lassen!
^ Blick vom Parkplatz auf die untere Sektion der 6er EUB Hochalm. Die Talabfahrt ist im zu erkennenden Abschnitt der Fahrweg.
^ im Übungsbereich an der Talstation mit den zwei Seilliften lief den ganzen Tag die Schneekanone, Schneeverhältnisse in diesem Bereich ausreichend.
^ 1993 wurde die Bahn von Felix Wopfner errichtet. Weiß jemand, was sie ersetzte? Vmtl. DSB?
^ dort, wo der Ziehweg die Bahn in der Mitte des Bildes kreuzt, enden in etwa die anspruchsvollen Hänge
^ Bergstationsbereich der zweiten Sektion, rechts ist der Gratlift zu erkennen, links die Gipfelbahn
^ Zoom zur Bergstation der EUB auf etwa 1750 m
^ die Gondeln sind von Swoboda
^ im Hintergrund müsste das Hochkönig-Massiv mit Steinernem Meer erkennen zu sein
^ Panorama Richtung Osten
^ Dito
^ Bergstation Jackalmlifte, durch den Bau der Hochalmbahn sind die Lifte redundant, deshalb auch nur einer in Betreib. Aber gute Alternative zur zweiten Sektion EUB. Darüber der Speicherteich.
^ die Talstation der Gipfelbahn liegt ca. 50 Hm unterhalb der Bergstation der Hochalmbahn. Für den direkten Wechsel etwas unpraktisch, außerdem der Knotenpunkt des Gebietes, soweit man von so etwas überhaupt sprechen kann.
^ Ausfahrtsstütze Gipfelbahn, weit darüber quert die Hochalmbahn
^ Hochalmbahn, Swoboda-Gondeln
^ im Tagesverlauf etwas abgefahrener, aber insgesamt sehr gut zu fahren
^ die Gipfelbahn hat eine relativ geringe Kapazität (trotzdem absolut ausreichend), deshalb die großen Gondelabstände
^ Talstation des Gratliftes: Kurzbügler mit Liftomat 2000, meine diesbezügliche Premiere.
^ sehr ausgesetzte, spektakuläre Trasse. Pistenraupe fährt hier keine hoch, coole Anlage!
^ Bergstation, sehr exponiert.
^ Umlenkung Berg
^ Blick rüber zum obersten Teil der Gipfelbahn. Die vielfältigen Freeride-Möglichkeiten sind hier schon zu erahnen. Daneben gibt es noch eine Möglichkeiten vom Gratlift rechts und links runter und Hintenrum-Abfahrten.
^ Ganz nette Ecke dort oben, die KSB-untaugliche Trassierung ist gut zu erkennen.
^ Einfahrtsstütze Gipfelbahn
^ Dito. Hinten Hochkönig. Um die Bahn überhaupt finanzieren zu können, wurde die Hälfte der Kabinen von lokalen Beherbergungs- und Handwerksbetrieben gesponsert, die dafür auf den entsprechenden FBM’s verewigt wurden.
^ UNI-G-Standardstation
^ den Hügel muss man hinaufgehen, um das tolle Tauern-Panorama zu sehen. Es lohnt sich! Toller Blick auf der anderen Seite steil hinab in die absolut verlassene (zumindest im Winter, wenn die nicht erkennbare Glocknerstraße Wintersperre hat) und einsame Hochgebirgswelt.
^ Blick zurück während des Aufstiegs auf die Gipfelbahn
^ Dito. Hinten Dachstein (?)
^ die gegenüberliegende Talseite des Rauriser Tals. Dahinter liegt das Gasteiner Tal. Rechts im Bild die Stanzscharte, die eine wichtige Rolle bei den Gasteiner Erschließungsplänen der 70er Jahre spielte. Zentral die Bergkette vom Kramkogel (2454 m) bis zur Türchlwand (2577 m).
^ Talauswärts Richtung Hochkönig
^ das Große Wiesbachhorn (3564 m) … ein mächtiger Berg mit steilen und weit herausragenden Flanken
^ müsste der Schwarzkopf (2765 m)
^ Panorama in die Glocknergruppe
^ nocheinmal
^ wieder zurück im Skigebiet muss noch die andere Seite um Waldalm/Kreuzboden unter die Lupe genommen werden. Die Pisten im Bereich Waldalm hätte man aber besser geschlossen lassen, komplett steinig.
^ im Grunde aber nette Landschaft hier, etwas anderer Charakter als „drüben“, Waldschneisen, schön kupiert, noch relaxter und ruhiger.
Zum Abschluss noch zwei zusammengesetzte Panoramen der Hohen Tauern zum Großen Wiesbachhorn, zum Vergrößern bitte anklicken:
Was vom Tage übrig bleibt:
- eines der besten Panoramas der Gegend
- Skifahren ohne Massenauflauf macht mehr Spaß als mit
- es geht auch ohne KSB’s und maximales Plattwalzen
Fazit:
Der Weg hierher hat sich auf alle Fälle gelohnt, stand das Gebiet doch schon länger auf meiner To-Do-Liste; zum Pistenfahren gehen einem als ambitioniertem Skifahrer allerdings recht bald die Möglichkeiten aus, zumal anspruchsvolle Abfahrten weitgehend fehlen. Die Stärken liegen eindeutig bei Familien, aber auch bei Freeridern. Zudem ist hier recht wenig los, für die freuqenzstarken Wochen also durchaus eine Alternative. Ein nettes kleines Areal, das seinem Ruf als Geheimtipp durchaus gerecht wird.
Edit 04.03.2011: Serverumzug (Bilder)