Eines dürfte ein ungeschriebenes Gesetz im Alpinforum sein: wenn du in Kitzbühel bist, betrachte das Horn möglichst von der Ferne – einen Bericht, der das Schigebiet so präsentiert, dass man sich was vorstellen könnte, habe ich eigentlich noch nicht wirklich gesehen – eine Unknown Skiarea sozusagen, obwohl das Kitzbüheler Horn zu einem der klassischen Schiberge in Tirol gehört. Derweilen wurde das Horn bereits 1955 mit einer Gondelbahn System Wallmannsberger erschlossen, welche durch eine PB und ein paar Liftanlagen ergänzt wurde. Ein netter kleiner Schizirkus. Und am Horn hat sich, im Vergleich zum heutigen Hauptschigebiet wenig verändert: die ZUB wurde durch eine 6er EUB ersetzt, die Pendelbahn auf den Gipfel besteht immer noch, sonst stehen noch 4 Doppelsesselbahnen in der Gegend herum, ergänzt werden sie durch einen kurzen Schlepper – das war‘s dann auch schon.
Nun gut – das Horn als unterdokumentierte Bastion sollte also fallen. Im Zuge mehrerer PN Austausche mit Schafi und schlussendlich einer Skype Seshion wurde der heutige Tag fixiert – um 8:30 sollte der Sturm auf das Horn beginnen. Wir entschlossen, diesen von der Fleckalmbahn aus zu starten – also Rauf mit der altehrwürdigen Fleckalmbahn, und dann rüber zum Horn, es gibt ja einen Schibus. So traten wir, nachdem wir uns an der Fleckalmbahn getroffen hatten, die Bergfahrt mit der EUB an. Schnell kommen wir ins Gespräch und beschließen, uns am Steinbergkogel etwas einzufahren, bevor wir über die Streif zum Horn wechseln wollen. Der Schibus sollte nach Fahrplan von der Hahnenkammbahn bzw. Ganslernbahn alle 15 Minuten gehen.
Unten im Tal gibt es noch stellenweise Nebelbänke, oben herrscht Kaiserwetter. Und ganz nebenbei schaffen wir es, die Pisten „Direttissima“ und „Griesalm“ zu entjungfern. Los ist, trotz Wiener Ferienwoche eher wenig - überraschend für mich.
Anschließend geht es mit der 6er Ehrenbachhöhe in Richtung Streif. Der kurze Seillift bringt uns zum Starthaus, ein kurzer Blick in die Tiefe, und schon legen wir los. Im Übrigen, empfehle ich jedem, der da runter will, sich vorher ordentliche Kanten zu zulegen. Weil die Piste ist eine einzige Eisplatte, gespickt mit weichen Schneebuckeln, ist dennoch uns es ziemlich Spaß macht, uns da runter zuwerfen – auch wenn‘s bei mir teilweise unelegant ausgesehen haben mag.
Unten angelangt, geht es zur 4er Ganslern, um den Schibus zu erwischen – doch, obwohl wir um die Talstation latschen, finden wir keine ausgezeichnete Haltestelle. Seltsam, so geht es mit der 4er Ganslern hoch und rüber zur Hahnenkammbahn, um dort den Schibus zu erwischen, was minutengenau auch gelingt. Und dann geht die Reise mit dem Ringbus los – quer durch Kitz, aber auch dieser Bus fährt die Ganslernbahn nicht an, obwohl dies im Fahrplan verzeichnet wäre… Nach gut 10 Minuten im Ringbus steigen wir in eine Gondel der Hornbahn (wobei ich etwas enttäuscht feststellen musste, dass die DSB Raintal als geschlossen gekennzeichnet ist).
Die Hornbahn ist jedenfalls eine Bahn, die nicht zum Horn passen will – sie ist die einzige kuppelbare moderne Anlage, alles andere wirkt leicht antiquiert im Vergleich zum Steinbergkogel und Pengelstein. In der Mittelstation zweigt dann die alte Pendelbahn zum Gipfel ab – dieser ist jedoch auch mit der DSB Brunellenfeld erschlossen.
Beim Blick von der Bergstation fällt zu aller erst der Blick in die Senke, wo die DSB Brunellenfeld, Alpenhaus und Hornköpfl starten – alles Giraks – wenngleich auch relativ modern mit Rundrohrstützen. Auch fällt eines auf – die Pisten hier sind relativ steil und Maschinenschnee gibt es hier auch keinen – ein Bioschneeschigebiet sozusagen.
Der Blick zurück auf die ersten Höhenmeter am Horn vom Alpenhaus zur DSB Brunellenfeld – sie wird uns hinauf zum Horn Gipfel bringen. Auf zweitem Bild zeigt den Brunellenfeldhang in ganzer Ausdehnung.
Dort trifft man dann auch wieder auf die Horn Gipfelbahn. Diese Bahn passt perfekt aufs Horn – wenngleich sie auch etwas modernisiert wurde.
^^ Ganz charakteristisch: der Sender am Horn, gibt dem Berg einen leichten italienischen Touch, bin ich aber daraus vom Patscherkofel schon gewöhnt und macht diese Berge sehr charakteristisch.
Die Piste Brunellenfeld hinunter – ein Traum, sofern man den kleinen Grasstellen ausweicht, was jedoch kein Problem ist – der Schnee ist griffig, die Piste relativ leer. Die DSB und die PB bringen gerade richtig viele Leute auf den Gipfel. Und dann im Bereich Abzweigung Reintal kommt die Überraschung – ein Bergbahnangestellter räumt die Absperrung von der Reintalpiste weg – sie ist offen.
Und so kommen wir in den Genuss, die Reintalpiste, eine schöne und lange Abfahrt, zu entjungfern. Die Piste ist eine von denen, die weder stark modelliert noch stark planiert – das macht Spaß!
Von der Reintalpiste kann man auf das Liftgewirr am Horngipfel werfen: vorne die DSB Reintal, dahinter die DSB Brunellenfeld und die PB. Auch wenn es jetzt einige nicht hören wollen – die Bahn passt zur Piste. Eine moderne KSB würde die Piste vermutlich überfordern, was angesichts der schönen Abfahrt sehr zu bedauern wäre. Und hat die Piste jedenfalls so gefallen, dass wir sie trotz 1900 Meter langer alter DSB mehrfach gefahren sind.
Aber auch die DSB Reintal wurde auf etwas Komfort getrimmt – es gibt sogar ein Einstiegsförderband, was nun wiederum gar nicht zu den Seitwärtsschließbügel passen will. Ich nenne sie einfach mal „Bahn der Gegensätze“.
^^ Von der DSB gibt es einen Blick auf viel freien Schiraum, welcher heute aber unsererseits wegen hoher Lawinenwarnstufe unangetastet bleibt. Nicht wenige Ergebnisse von Spontanauslösungen sind zu sehen und auch Schafi beschäftigt sich nur kurz mit der instabilen Schneedecke – eine genaue Betrachtung dieser bestätigt die Ergebnisse des Lawinenbulletins. Daher beschränken sich die wenigen Runns abseits der Piste gleich neben selbiger.
Am Hornköpfl steht die Bergstation der gleichnamigen DSB. Sie ist eine der Zubringerbahnen zum Reintal, andererseits erschließt sie auch zwei nette Pistenvarianten der Piste „Teufel Trainigsstrecke“. Durch die warmen Temperaturen wird jedoch der Schnee langsam schwer.
Hier jedenfalls der Blick auf die Trattalm. Davor das Alpenhaus mit der Bergstation der 6er EUB und der DSB Alpenhaus.
Und wieder der Blick in die Gegenrichtung zum Horn Gipfelbereich. Diese Piste macht, und das kann glaube ich nicht nur ich sagen, wirklich Spaß!
Selbstverständlich konnte ich mir Fotos der Gipfelbahn nicht ersparen.
Aber auch hier herrscht im Gelände leichter Schneemangel. Der Wind hatte auch sein Übel verrichtet – was aber nicht unfotogen erscheint.
Und bevor ich es vergesse – auch mit dem (lahmen) Eggl Schlepper sind wir gefahren – dieser erschließt ein ideales Übungsgelände, im Endeffekt die einzig blaue Piste am Horn. So gesehen ist das Horn keine Anfängerdestination.
Und auch runter zur Mittelstation ging es – es gibt zur Mittelstation einen blauen Ziehweg und einen schwarzen Steilhang. Wobei ich die Ziehwege jetzt nicht unbedingt Piste nennen würde – die interessanteren Hänge sind eindeutig zwischen Gipfel und Trattalm.
Auch ein Blick zum Hahnenkamm muss sein.
Die Trattalm mit den beiden DSBs Alpenhaus (links) und Hornköpfl (rechts).
Und nun zur Talabfahrt, die eine nette Aussicht bietet (zur Fleckalmbahn) – das war‘s dann aber auch schon. Dennoch ist sie fürs erste Mal interessant: oben ein Ziehweg, unten hinaus über Almwiesen bis in die Vorgärten der Anwohner (siehe Bild) inklusive Straßenkreuzungen. Mehr als einmal brauche ich diese Piste aber am Tag nicht.
Um halb drei ging es dann wieder zurück zum Hahnenkamm – hier besiegelten wir den Tag mit einer Besichtigung der Überreste der DSB Maierl II und mit Fahrten mit Maierl III und I sowie einer abschließenden Fleckalmfahrt. Um 16 Uhr 40 war dann Schluss.
Mein persönliches Fazit: interessantes Gebiet, nette Gesellschaft. Halbwegs passables Wetter, so soll es sein. An diesem Tag gibt es nichts zu meckern.
MFG Dachstein