Weltcup-Skispringen Klingenthal 02.02.2011
Im Rahmen der FIS Team Tour fand am gestrigen Mittwoch wieder ein Weltcup-Skispringen in der Vogtland-Arena Klingenthal (Link) auf Europas modernster Skisprungschanze (K 125 / HS 140) statt. Nachdem ich im letzten Jahr pausiert habe, hat mich diesmal wieder das Skisprung-Fieber gepackt und so habe ich mein Auto vollgeladen und ab ins Vogtland. Neben mir nahmen an dieser Veranstaltung 13751 weitere Zuschauer teil und erlebten einen turbulenten, spannenden, meist fairen und am Ende (aus deutscher Sicht) enttäuschenden Wettkampf.
Hier der Bericht, falls jemand mal was anderes als Lift- und Pistenbilder sehen will
Anfahrt:
Münchberg - Rehau - Regnitzlosau - Oelsnitz - Schöneck - Muldenberg - Vogtland-Arena in ca. 1.15 Std. Ankunft Vogtland-Arena 14.00 Uhr
Rückfahrt:
Vogtland-Arena - Muldenberg - Schöneck - Oelsnitz - A 72 - A 9 - Münchberg - Heimat in ca. 1.15 Std. Ankunft daheim 21.15 Uhr
Wetter & Temperatur:
Bedeckt, zeitweise leichter Nebel, kein Niederschlag, kaum Wind, ca. -4 bis -6° C
Schnee:
Ja. Genug da.
Geöffnet:
Schienenaufzug (Art Alpine-Coaster) und Schanzenturm-Aufzug
Gefahren:
Natürlich nix (außer "Achterbahn der Gefühle")
Gefallen:
- Durch frühzeitige Anreise Parkplatz direkt an der Arena bekommen
- Faire Gastro-Preise an der Schanze
- Hochklassiges Springen, alle Mannschaften in Top-Besetzung
- Atmosphäre in der Arena. Schwer zu beschreiben, das muss man einfach erlebt haben. Da gibt's keine Pfiffe oder ähnliches, jeder Springer ,egal aus welchem Land,wird einfach lautstark gaaaaaaanz weit nach unten gejubelt...
- Schanzenrekord Michael Uhrmann im 1. Durchgang mit 146,5 Meter
- Ziemlich angenehmes Wetter, relativ gute Sicht
- 4 Stunden warten bis zum Wettkampf
- Uhrmann hat's vergeigt
Die Vogtland Arena wurde von 2003 bis 2005 errichtet und ersetzt die früher an anderer Stelle stehende traditionsreiche Klingenthaler Aschbergschanze ("Asch" genannt), die 1990 wegen Baufälligkeit gesprengt wurde. Seit Sommer 2006 ist die Vogtland Arena jährlich Etappenort des Sommer Grand Prix der Skispringer. Im Februar 2007 übernahm der VSC Klingenthal kurzfristig die Durchführung eines zuvor in Harrachov abgesagten Springens - damit hielt der Weltcup seinen Winter-Einzug in Klingenthal. Bereits bei diesem kurzfristig angesetzten Springen strömten die Besucher massenweise nach Klingenthal, und von da an war klar: Da geht was! Beim damaligen Springen war ich ebenfalls dabei, und die Atmosphäre und Stimmung im Stadion hat mich auf Anhieb begeistert und auch mitgerissen.
Nach einem Jahr Pause (2008 fand dafür ein Weltcup der Nordischen Kombinierer statt) stand Klingenthal 2009 wieder im Weltcup-Kalender der Spezialisten: Erstmals wurde mit der "FIS Team Tour" ein neuer Mannschaftswettbewerb mit den Stationen Willingen, Klingenthal und Oberstdorf ins Leben gerufen (böse Zungen behaupteten, die Erfindung dieser "Team Tour" sei nur ein Vorwand, um mit Klingenthal einer weiteren deutschen Schanze eine Daseinsberechtigung zu verschaffen). Das war ein unvergesslicher Wettkampf: Nachmittags (wohlgemerkt: es war ebenfalls ein Mittwoch und das Stadion war gut voll) angesetzt, musste der Wettkampf wegen Schneefall und starkem Wind mehrmals verschoben werden. Irgendwann - es wurde langsam Abend - haben dann die Springer winkend eine Runde durch die Arena gedreht. Wie wir später erfuhren, war das Springen zu diesem Zeitpunkt im TV abgesagt. Und dann die Ansage im Stadion, dass der Wind um 18.00 Uhr "einschlafen" sollte. Tatsächlich, pünktlich um 18.00 Uhr konnte es losgehen und wir sahen - nach 6 Stunden Warten halb erfroren, eingeschneit, durchgeweicht - noch ein erstklassiges Springen. Auf so einen außergewöhnlichen Wettkampf waren wohl auch die Klingenthaler nicht vorbereitet, denn am späten Nachmittag gab es in der Arena keinen Glühwein mehr, die Kälte und die vielen Stunden hatten den Vorräten zu stark zugesetzt...
Nach dieser Erfahrung habe ich 2010 erst mal eine Pause eingelegt. Und nun? Unsere deutschen Springer können (zumindest teilweise) wieder vorne mitspringen, die Wetteraussichten waren gut, also spontan gestern Überstunden abfeiern und ab nach Klingenthal! Wir wurden nicht enttäuscht, zumindest nicht vom Wettkampf in seiner Gesamtheit. Pünktlich zur Stadionöffnung um 14.00 Uhr waren wir da, die lange Wartezeit bis zum Beginn wurde uns dafür mit einem Parkplatz direkt am Stadion versüßt. Die Stunden in der Arena vergingen auch recht flott, die Besucher wurden durch die Stadionmoderation bei Laune gehalten und angeheizt, dazwischen immer mal kleine Einlagen und nebenbei kann man ja auch etwas rumlaufen, was essen oder sich im Bierzelt aufwärmen. Was mir wieder aufgefallen ist, ist die total entspannte, gelassene, fast schon familiäre Atmosphäre, die in der Arena herrscht. Einfach schön
Gebrodelt hat der Kessel natürlich im 1. Durchgang, als Michi Uhrmann völlig unerwartet einen sensationellen Sprung erwischte und den Schanzenrekord auf 146,5 Meter schraubte. Sehr zum Leidwesen der nachfolgenden Springer, denn nach Uhrmann wurde der Anlauf um 2 Luken verkürzt und gleichzeitig schlief der leichte Aufwind ein, was den Top-Springern in der Summe dann doch einige Meter kostete. Aber was soll's, Hauptsache ein Deutscher liegt vorne, und das schon fast uneinholbar! Das dachten sich wohl die meisten Besucher im Stadion. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Wer sich das Springen angeschaut hat, weiß was ich meine: Uhrmann hat als letzter Springer etwas schlechtere Bedingungen und bekommt dazu noch gehöriges Nervenflattern (um nicht zu sagen "der hatte die Hosen gestrichen voll"), und aus der Traum vom deutschen Sieg
Ein Wort noch - meine persönliche Einschätzung - zur "FIS Team Tour": Zum dritten Mal ist diese Tour im Weltcup-Programm, und das wie ich finde völlig zu Recht. Man muss sich nur ansehen, was in Willingen los war, dass an einem Mittwoch nachmittag 14.000 Menschen ins Vogtland pilgern, und dass es in Oberstdorf nicht anders aussehen wird. Ob dadurch deutsche Schanzen im Weltcup-Zirkus überrepräsentiert sind, ist mir völlig schnurz: Die Stadien sind voll, die Zuschauer begeistert, die Springer auch, die Medien und Sponsoren sowieso. Also lieber auf diese Weise "alle sind glücklich" erreichen, als stattdessen zwei oder drei Springen in irgendwelchen Ländern, wo sich 500 Zuschauer für diese Sportart interessieren. Und dass die Team Tour auch für die Mannschaften attraktiv ist, dürfte klar sein: Schließlich werden insegesamt 400.000 Euro ausgeschüttet, davon allein 100.000 an die siegreiche Nation.
Ein paar Bilder habe ich natürlich auch noch, sind aber nicht zu viele und nicht alle richtig gut geworden: Fazit:
Klasse Springen, nächstes Jahr heißt es wieder "Da simmer dabei...."