

Nun habe ich es endlich einmal geschafft, nach Kelchsau zu fahren – dem hintersten Eck der Skiwelt, wo der übliche Modernisierungseifer bislang einen Bogen herum gemacht hat und sich seit den 70ern, so denke ich, kaum was getan hat. In einem Seitental recht abseits, aber noch in Sichtweite der Hohen Salve (1. Bild!) liegend, hat sich dieses Kleingebiet irgendwie erhalten, während seine zahlreichen Brüder wie Ronachkopf, Staffenberg, Fürstalm, usw. - längst „LSAP“ sind...

Noch ein Skipanorama der ganz alten Gattung...
Unten führt eine 1,2 km lange DSB von Doppelmayr ins Gebiet, die man 1972 errichtet hat. Im Tal gibt es einen nicht weiter beachtenswerten Seillift und oben stehen noch zwei Schlepper. Der kürzere „Hagermoolift“ (Länge 500m) fährt noch mit Kurzbügeln. Weiter rechts geht es auf einer 1.000m langen Trasse mit dem Hagerjochlift zum höchsten Punkt des Gebiets, von dem es dann mehrere Varianten gibt – auf den Plan ist das ganz gut zu erkennen...

Noch eine richtige Sessellifttalstation – mit richtigem Gebäude und diesem Innenleben...

Und hier geht sie hoch – die Hofstattbahn – 1.244 m lang mit 460 m Höhendifferenz. Dass ich sie überhaupt fahren konnte und der sonnige Schitag nicht bereits auf dem Parkplatz davor endete, war an jenem 05.02.11 nicht selbstverständlich. Denn in Kelchsau lebt man mitunter gefährlich, womit ich als Auswärtiger natürlich nicht gerechnet habe.
Kurzum: Auf der Hinfahrt klebte mir wieder einer dieser üblichen, dummen Raser am Nummernschild. Die enge, kurvenreiche Straße war nicht trocken, es herrschten Minusgrade und ich fuhr als Ortsfremder deshalb eben nicht mit 120 ins Tal hinter, wie es halt so „richtige Männer“ machen. Der Intelligenzabstinenzler hinter mir fuhr ununterbrochen dicht auf, denn schließlich durfte man ja nur zum Skifahren, wenn man auch wirklich Punkt 8.30 am Lift stand – so schien es mir.
Irgendwie ahnte ich schon, als ich auf dem Parkplatz hielt, dass es Ärger geben würde – ich hatte anscheinend wieder vergessen, den Deppenmagneten auszuschalten. Jedenfalls stand vor mir plötzlich jener Möchtegern-Touristenschreck (grauhaarig, um die 50) und drohte mir „mich aus meinen Schuhen aussi zum hauen“. Als ich ein verdattertes „Häh?“ wagte, flippte er völlig aus - seine Worte wiederhole ich hier nicht. Sein Wortschatz umfasste eh nur die Begriffe Piefke, Ar..., Wi..., Hosensch.. und vielleicht noch Fresse. Mehr bestimmt nicht.
Aber dieser Prolet war ein lebendes Beispiel für den Spruch „Hunde die bellen, beißen nicht“ - mindestens 5 mal drohte er, mir eine reinzuhauen und hob schon die Faust. Wenigstens hat er mich dann auf einmal in Ruhe gelassen, weil ich ganz einfach das Handy herausholte und die Polizei holen wollte. Schreiend ist er dann wieder zu seiner Frau zurück, die am Auto wartete. (Dass die sich nicht für den Kerl schämte – meine Frau hätte mir wirklich eine reingehauen, wenn ich mich in der Öffentlichkeit so daneben benommen hätte
Ich möchte aber hinzufügen, dass ich auch nach dieser Situation überhaupt nichts gegen Österreich und seine Bewohner habe – solche cholerischen Witzfiguren gibt es in Deutschland mindestens genauso häufig.
Aber genug – jetzt geht’s wieder weiter mit Bildern eines herrlichen Schitages, den ich dann trotzdem noch in vollen Zügen von Anfang bis Ende genossen habe...

in der alten DSB geht es gemütlich nach oben – nach einer kleinen Waldfahrt schwebt man über der Piste bis zur Bergstation.


Irgendwie musste ich an die DSB Spielbergalm in Gaissau denken und auch die Hochplattenbahn in Marquartstein – die baugleich zu sein scheinen.


In der Früh herrschte noch gelbliches Licht, bei dem man herrliche Fotos schießen konnte – vor allem weil der Schnee noch nicht so grell reflektierte wie später.

Hier die beste Abfahrt im Gebiet – es dürfte auch die einzige beschneite Piste sein. Sie wird als schwarze Piste geführt, aber bis auf den „Zielhang“ vor der Unterquerung der DSB ist das eigentlich eher eine rote Piste.

Mit mir fuhr einer hoch, der die Stöcke unten einhängte – der Mann hat Vertrauen in seine Schlaufen!

In der Früh war noch gar nichts los und auch später hatte man noch viel Platz. So bis 10 Uhr herrschten beste Bedingungen, dann wurde der Schnee weich. Aber am Nachmittag lag die rechte Hälfte der Talabfahrt wieder im Schatten und der Schnee zog an, so dass man wieder sehr gute Bedingungen genießen konnte.

Hier sieht man wieder, dass es ohne Kunstschnee nicht mehr so gut gegangen wäre.

Fast oben angelangt und nach 3wöchiger Pause (verschleppte Erkältung...) unendlich pistenhungrig...


Zwar ein begrenztes Angebot – aber für einen Tag reicht das mit den ganzen Abfahrtsvarianten locker aus. Außerdem war hier für Wochenendverhältnisse (dann noch das Wetter) relativ wenig los. Vor allem am Nachmittag saßen sehr viele Leute vor den Hütten in der Sonne, so dass man kaum oder manchmal auch gar nicht anstehen musste. Am Kurzbügler tummelten sich halt viele Familien, aber mehr als 1,2 Minuten hat es auch hier nicht gedauert.


Der Hagermooslift in der Früh – nichts ging! Stromausfall... Aber man konnte von hier wenigstens wieder zur Talabfahrt gelangen und nach 2 DSB-Fahrten bewegten sich die Kurzbügel endlich. Man braucht den Lift auch, um zum längeren Hagerjochlift zu gelangen, der bis ganz rauf geht.

Ich nutzte die Situation für ein paar Fotos in der Morgensonne.

Wie man sieht, wurde schon eifrig telefoniert, um das Problem zu beheben. Übrigens war der Liftler hier sehr freundlich – aber auch an den anderen Anlagen ging es recht gemütlich zu. Es schienen eh hauptsächlich Einheimische unterwegs zu sein – vom üblichen Skiweltrummel keine Spur. Das Ganze wirkte zum Teil wie eines der Retroskigebiete in Oberbayern drüben...


Aber nachdem der Strom noch nicht fließen wollte fuhr ich halt ein paar Mal mit der Hoftstattbahn – hier sieht man die Talabfahrt von deren Bergstationsbereich aus.

Es hatte sich trotz des Parkplatzzwischenfalls zweifellos gelohnt, hier her zu fahren! Man beachte die Sessel – die Leute kamen so nach und nach ins Gebiet, aber eine größere Schlange an der Talstation bildete sich nie. So macht Schifahren noch Spaß! Auch von „Partymusik“ und dergleichen Auswüchse war hier nichts zu sehen und zu hören.

Nun lief der 500m lange Kurzbügler endlich – hier sieht man, wie tagsüber in etwa sich der Andrang hier gestaltete – für ein sonniges Wochenende ist das echt OK.


Wie es sich für einen richtigen Liftler gehört, dudelte hier Musik aus einem Radio.
(Verweis auf: http://www.skiliftbuegelgeber.ch/

Diese Kurzbüglerfahrten haben schon einen Nostalgie-Reiz – auch wenn das Alleinefahren vor allem im Steilhang sehr anstrengen sein kann. (SL Kalte Kuchl am Glungezer z.Bsp. Oder der Steinlingalmlift an der Kampenwand....)

Am Schluss gibt es als Schmankerl noch eine Gitterportalmastenstütze!

Die Abfahrt am Hagermoos-Kurzbügel-Schlepper...


Lifttrasse vom Ausstieg aus...


Hier der andere Schlepper – der 1.000m lange Hagerjochlift.

Zoom zur Hohen Salve, die ich in der letzten Wandersaison zweimal besucht habe – unter anderem wg. der immer noch stehenden Sesselliftstütze des 1. ESL von Hopfgarten rauf, der von 1949 bis 1954 bestand.

Der Hagerjochlift.

Anscheinend wurde der nachträglich auf Langbügel umgebaut, oder? Der Niederhalter sah neue aus (nicht grün lackiert...)

Die Trasse ist relativ unspektakulär – außer man dreht sich um, denn von oben hat man einen 1A-Blick aufs Brixental.





Hier der versprochene Blick...


Bis etwa 10 Uhr war es hier an der „2er“, der Trockenbachabfahrt sehr gut – dann bis 15 Uhr etwa ziemlich nass und matschig – aber dafür gab es Dauersonnenschein und angenehme Temperaturen, was das Ganze schon sehr weit wieder aufwiegt, wie ich finde. Übrigens: Hier oben ist alles Naturschnee, wie mir ein Mitfahrer in der DSB versicherte. (Einer von vielen freundlichen Einheimischen, mit denen ich während der Auffahrten Unterhaltungen führte.)

hier kommt man wieder am Kurzbügler raus

Blick zurück

Sprung wieder nach oben: Hier von unten aus gesehen rechts des Schleppers die blaue Familienabfahrt; die schwarze Hagalmpiste direkt neben dem Lift (zweigt im Bild vorne rechts ab) war mir zu weich – dort schien die Sonne die ganze Zeit drauf und da war die schattige, flache Nr. 6 viel besser.

Hier kommt der Lift rauf und einmal konnte ich von der Piste aus meinem Parkplatzspezl zuwinken, als der mit seiner Frau gerade raufgefahren kam. Mich wunderte es, dass er nicht gleich aus dem Lift ausstieg und sich auf mich stürzte. Aber vielleicht hatte er mich nach ein paar Stunden schon wieder vergessen – bei dem geringen IQ sicherlich ganz natürlich...

Blick in die Trasse.

Die schlecht besuchte Familienabfahrt – herrlich!

Zoom nach Hopfgarten...

An der Haagalm konnte ich – mit Blick auf den Hagerjochlift – gemütlich in der Sonne sitzen. Ein bisserl ein Wind ging, aber es war warm genug. Und ich hatte ja meine Zähne behalten dürfen und konnte mir so frische Pommes schmecken lassen. Aber ansonsten hätte ich halt die Tomatensuppe genommen.

Blick runter zum Hagerjochlift, der um die Mittagszeit kaum besucht wurde.

Dann wieder mal die Talabfahrt nach Kelchsau runter – hier hängt die DSB ein wenig durch...


Das Steilstück am Ende der Talabfahrt – hier ist die Piste dann wirklich schwarz.

Es geht unter der DSB durch...

Die hier herauf kommt.







Hinter dem Sicherheitsbügel befindet sich die Hohe Salve. Dort waren bestimmt seeeehr viele Leute unterwegs. In der Früh standen sie jedenfalls an der Ausfahrt Kufstein Süd wieder ewig Schlange, um alle nach Scheffau und Co. zu fahren, denn da gibt es ja viele 8er und 6er Sessellifte...

„Ja was willst denn in Kelchsau hinten – da hat's doch nur alte Lifte!“ - also wie man sieht, kann man dort (außerhalb des Parkplatzes

Vom Lift aus eingefangen...

Irgendwie eine schmierige Bergstation...

Schattenspiel vor Hoher Salve


Hier am Kurzbügler merkte man schon, dass dieser herrliche Tag sich dem Ende zuneigte. Das Licht wurde wieder gelblicher, der Schnee wurde endlich wieder griffiger und es waren immer weniger Leute unterwegs. Da ich ansonsten eh nur zwischen Kufstein und Irschenberg im Stau gestanden hätte, fuhr ich bis so 16:20 h durch, ehe mich die Kräfte verließen (ich hatte ja schon so um 8:40 h angefangen )


Am Hagerjochlift fuhren noch ein paar Leute rauf – ich schloss mich ihnen an und unternahm nach ein paar Schnappschüssen noch eine letzte Auffahrt.

Die Trasse im Schatten des späten Nachmittags.

Die letzte Schlepperfahrt des Tages...

Hagerjochlift mit Hoher Salve

Der Schnee wurde wieder fest...

Auf meiner privaten Abfahrt an der DSB Hofstatt.

Zoom zum Gegenhang – wäre eigentlich ein ideales Gelände – und zwei Leute sind da ja schon runter gefahren, wie man sieht.

Also ich kann das Gebiet total weiter empfehlen! Grad für einen Wochenendtag, wo sich in den Mainstreamgebieten die Horden tummeln, kann man hier einen urigen Schitag verbringen. Langweile kommt auch nicht auf, da man z.Bsp vom Hagerjochlift 3 Varianten hat, vom Hagermooslift 2 und dann noch die super Talabfahrt von der DSB. Dazu noch kaum Anstehen an den 3 Anlagen – das langt für meinen Geschmack.

Nun sollte es wieder zurück nach München gehen – wenigstens kam ich in keinen Stau. Auf der A 93, am Irschenberg und vorm Kreuz Brunnthal gab es den üblichen zähfließenden Verkehr, aber mit so was rechnet man ja an so einem sonnigen Wochenendtag auch. Wenigstens verbrachte ich eine ganz normale Autofahrt – diesmal ohne Drängler, die jedem in die Fresse hauen, der nicht mit 120 durch den Ort fährt

Wieder zurück in München – die Sonne war schon untergegangen und der Mond kam überm Grünwalder Stadion zum Vorschein. Bereichert um viele gute Eindrücke, massenweise Photos (350) auf der Speicherkarte und um eine „interessante“ Bekanntschaft mehr
(wo es dann wg. meiner Verspätung wirklich eine drauf gab
Notiz vom Oktober 2022 (Neuverlinkung): Noch zwei Bonusbilder und Grüße an Zottel...
