Nicht ganz aktueller Pistenplan
Nach den Tagen im Val d’Anniviers war es nicht so einfach, ein adäquates „nächstes“ Skigebiet zu finden. Da ich Lust auf etwas Neues hatte und eine bequeme Anreise per Zug zum Arbeiten benötigte, fiel die Wahl spontan auf das Toggenburg. Während der Woche davor gab es nochmals etwas Niederschlag, so dass alle Lifte und fast alle Pisten geöffnet waren. Relativ tief liegende Nordhänge werden von den drei Ortschaften Alt St. Johann (nur 890 m.ü.M.), Unterwasser und Wildhaus aus erschlossen bis hinauf zum Chäserrugg. Geprägt wird das Toggenburg von den ungewöhnlichen Karformationen der Churfirsten. Mit Alt St.Johann stieg ich gleich bei der ersten Möglichkeit ins Skigebiet ein. An der Talstation gab es Kundenumfragen. Nein danke, deswegen bin ich sicher nicht hier.
Sellamatt, hier hinauf führt die Kombibahn von Alt St. Johann aus.
Als Erstes gleich die Talabfahrt, dank Kunstschnee wäre sie gut zu fahren gewesen, wären nicht grosse Teile wegen eines Rennens abgesperrt gewesen.
Talstation Alt St. Johann. Gegenüber die Sonnenhänge bereits ausgeapert.
Bergfahrt mit der Kombibahn, im dichten Wald spürt man die geringe Höhe.
Dieser flache Verbindungslift führt hinüber zum Ruestel.
Blick hinüber zu den Churfirsten.
KSB Ruestel, die einzige echte Beschäftigungsanlage in diesem Sektor.
Piste Ruestel. Leider ziemlich kurz und recht flach. Darum wechselte ich nach einer Abfahrt gleich hinüber in den mittleren Sektor...
Hier die Luftseilbahn Iltios-Chäserugg, zweifellos die wichtigste Anlage im ganzen Skigebiet. Da sie an Wochenenden wegen ihrer Länge (fast 4 Kilometer) chronisch überlastet ist, galt es, den Tag gut zu planen, um möglichst wenig anzustehen und trotzdem die meisten Pisten fahren zu können. Naja, es war 10 Uhr 15, man musste mehr als 30 Minuten anstehen.
Oben auf nicht ganz 2300 NN herrschten nicht ganz unerwartet Minusgrade und ein durchaus eindrückliches Panorama. Hier gegenüber der Flumserberg.
Panorama in Richtung Bündner Alpen.
Visavis im Norden der Säntis.
Die oberen, sehr windausgesetzten 350 Höhenmeter am Chäserrugg werden von diesem Skilift miterschlossen. Man fühlt sich hier wie auf einer Hochebene und bemerkt fast nicht, dass sich rundherum gefährliche felsige Abhänge befinden.
Im Osten grüsst der Schwesterlift auf den Gamserrugg, dahinter bereits die österreichischen Gipfel.
Gegenüber die Bergstation Gamserrugg, in ungewöhnlicher Umgebung.
Danach wählte ich die Ostabfahrt, eine kilometerlange Piste fernab von Liften.
Landschaftlich mag sie interessant sein, zum Fahren allerdings war sie nicht das Wahre, da sehr flach und viele Schiebestücke. Es trat der mir bereits bekannte Effekt ein, dass man nach Skitagen im Wallis etwas zu hohe Erwartungen hat. Leider kam ich unten auf der Piste in Kontakt mit einer grösseren Gruppe von Rasern, die die ganze Piste ohne Rücksicht auf Verluste in Beschlag nahmen...
Rückbringer von der Ostabfahrt ist der Skilift Espel. Hier gäbe es auch zwei schöne Pisten, doch die Wartezeit am Lift war mir zu gross für eine Wiederholungsfahrt.
Luftseilbahn Chäserrugg, die Nr.1 im Gebiet.
Urige Talstation Skilift Stöfeli.
Piste am ebenfalls gut ausgelasteten Skilift Stöfeli. Ich sag das selten, aber hier würde ich mir (auch als Entlastung für die PB) eine KSB wünschen. Manchmal sprechen eben die Besitzverhältnisse dagegen...
400 Höhenmeter weiter oben - an der Bergstation Stöfeli - grüsst die Luftseilbahn, die auf der ersten Trassehälfte über das Skigebiet schwebt.
Skilift Iltios, wie viele hier ein Kurzbügler.
Dann gings hinunter auf der Talabfahrt nach Unterwasser. Oben noch ok, unten ein unfahrbares, einige Meter breites Eisbahn, gespickt mit vielen Steinen. Hinauf führt die Standseilbahn aufs Iltios, von der ich hier leider kein Bild habe.
Szenenwechsel: wieder, nach gut 30 Minuten Wartezeit, auf dem Chäserrugg.
Einfahrt in die Ostabfahrt, gleich zu Beginn der einzige Steilhang.
Dieser landschaftlich interessante Ziehweg führt mitten im Felsen hinüber zum östlichen Drittel des Skigebiets.
Fast wie in den Rockies.
KSB Gamsalp. Die ziemlich planierten Pisten waren hier auch recht voll.
Die dritte und oberste Sektion: Skilift Gamserrugg, den ich zuvor ja schon von der Seite gesehen habe.
Gegenüber der Skilift Chäserrugg.
Überblick über die Region Oberdorf, wo sich in offenem, eher flachem Gelände diverse Anfängerlifte befinden.
Ich fuhr gleich ganz hinunter, auf der Kunstschneepiste nach Wildhaus. Nach einer Fahrt mit dem hier gezeigten Skilift Thur gings mit der kurzen KSB hinauf zum Oberdorf.
Skilift Oberdorf.
Und Skilift Gültenweid, beides Anfängerlifte.
Wieder auf der KSB Gamsalp, die doch 550 Höhenmeter macht.
Auf einer der beiden roten Pisten.
Unten verdoppelt der Skilift Freienalp die KSB. In diesen Bereichen stehen ziemlich viele Lifte, doch wie eigentlich im ganzen Sektor von Wildhaus gefallen mir die Pisten nicht wirklich, sie sind entweder ohne jeglichen Anspruch oder zu voll.
Zuoberst auf der Gamserrugg-"Gipfelebene".
Vom östlichen Drittel hatte ich schnell genug gesehen, einmal alles durchfahren reichte aus. Also zurück über dieses interessante Verbindungsstück in Richtung Iltios.
Es war bereits halb vier geworden. Die Warteschlangen hatten sich grösstenteils aufgelöst, darum war nun Zeit für eine knackige Wiederholungsfahrt am Skilift Espel. Von mir aus könnte man diesen mit einem Stangenschlepper verdoppeln.
Auch an der Pendelbahn hielt sich jetzt die Wartezeit mit einer Kabine in Grenzen.
Blick über das Nebelmeer zu den Glarner Alpen.
Auf der flachen Chässerrugg-Piste im frühen Abendlicht.
Etwas weiter unten, immer noch auf dem Felskar. Es hatte lange gedauert, aber nun hatte ich endlich eine Piste gefunden, die mir richtig gefiel (und damit hat sich die Geduld ausbezahlt): Die Standard-Gipfelabfahrt hinunter zum Iltios. Als Ganzes abwechslungsreich, lang, im Mittelteil mit Steilstücken, so wie es mir gefällt. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Gemsstock in Andermatt. Sowohl das untere wie das obere Drittel sind ja separat erschlossen, doch als Einzelteile konnten sie mich nicht wirklich überzeugen, im Gegensatz zum Ganzen. Für einmal ist die direkte Abfahrt wesentlich spannender als die "Hintenrum"-Piste. Leider sind diese Abfahrten tagsüber immer mit langen Wartezeiten an der Station verbunden.
Wieder ein Blick zu den anderen Churfirsten. Ursprünglich hatte ich im Sinn, wieder nach Alt St.Johann zu fahren. Aber nun wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen und fuhr gleich nochmals zur Station Iltios.
In der zweitletzten Kabine des Tages gings nochmals hinauf. Mitterweile waren die Pisten richtig leer geworden, und wieder mal spürte man die entspannte Stimmung um Betriebsschluss, wenn die gehetzten Gäste bereits abgezogen sind und man genügend Platz auf den Pisten hat, begleitet von der Abendsonne.
Die normale Talabfahrt wollte ich mir kein zweites Mal antun, also wählte ich die Piste Schwendi, welche quer durch Höfe und über Strassen trassiert ist.
Unten war mittlerweile leichter Nebel aufgezogen, was eine interessante Stimmung entstehen liess, die nicht nur von mir genossen wurde.
Wer hat hier Vortritt? Im unteren Teil ist die Piste unübersichtlich, führt auch mal durch eine Siedlung hindurch. Wohin ich genau fuhr, wusste ich nicht, das war aber auch egal, da die urchige Abfahrt einfach witzig war.
Unten wurde es mit dem Schnee grenzwertig, doch hinunter fahren kann man auch hier.
Es folgte noch das Überspringen eines Bretterverhaus, dann endete die Piste tatsächlich wieder in Unterwasser. 35 Minuten dauerte die ganze Abfahrt vom Chäserrugg hinunter, und das war sie auch echt wert. Mitterweile war es auch abend geworden.
Zum Schluss noch ein Bild des Flagschiffs.
Tja, gegen Ende hin gefiel mir das Skigebiet immer besser, als ich endlich die richtigen Ecken gefunden hatte. Insgesamt wird es halt von der ungewöhnlichen Landschaft des Toggenburgs strukturiert, und das nicht immer zugunsten der Pisten. Die sind oft einfach ein Mittel, um von A über B nach C zu kommen. Die Bilder sehen abwechslungsreicher aus, als das Skigebiet zum Fahren an sich ist, viele Hänge sind auch einfach zu flach. Die meiner Meinung nach schönsten Pisten kann man hier nur zu Randzeiten geniessen, dann machen sie aber auch richtig Spass und bieten Einiges. Und so hatte ich schliesslich doch noch einen positiven Eindruck vom Skigebiet gewonnen.