Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Lost Places im Schnee: Historische Seilbahnen, geschlossene Skigebiete (LSAP) und die Geschichte alter Liftanlagen in den Alpen.
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Kris
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Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Kris »

Das ist mal keine Industrieskipiste ... so mag ich das ... nur gibt es deratiges wenn überhaupt allenfalls im ässersten hinteren Winkel von Industrieskigebieten, in ganz kleinen Abschnitten...der Gesamteindruck des Tageserlebnisses ist ja heute ein anderer ... somit hauen auch viele ab in den Pulverschnee ... der jedoch naturgemäss nur für die Ersten fluffig ist ...

Aber schauen wir uns doch mal dieses Fotodokument (Tuftern, Zermatt) aus Intermezzos unendlichen Postkartenarchiv näher an:

Bild

Sowas von Ultragenial ... oder? ... die zahlreichen kleinen Unterschiede ... die vielen im Einzelnen an und für sich unwesentliche Dinge machen es aber in der Summer aus!

-Schnee ist natürlich. Da sich die Pistenbelegung wohl wegen der damals adäquateren Anlagenbeförderungskapazitäten in Grenzen hält, widersteht der Naturschnee den Skikanten auch längere Zeit. Vereinzelte Eisplatten wusste man zu erahnen. Vielleicht hat es damals auch noch mehr geschneit bei dann kälteren Temperaturen. Den kristallinen griffigen Staub spüren.
:: Kunstschnee hingegen verlangt haarscharfe Kanten, er ist bestenfalls akzeptabel, erfüllt seine Funktion. Mehr nicht.

-Kleinstruktur der Piste, mit langen kleinen Buckeln über die man kraftlos spielerisch Kurven einleitet, oder wenn nicht einfach mit den Knien wegfedert. Fahrweisen sind viele möglich und spassig. Langsam, schnell, Anfänger wie Fortgeschrittene probieren, und ja lernen.
:: Auf glattegwalzten banalisierten Pisten ist letztendlich eine einzige Fahrweise spassig: Das schnelle Carven. Es ist jedoch stets ein und die selbe Spielform, die entsprechend schnell "abnutzt". Seine eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln auf planen Wirtschaftspisten ist vergleichsweise begrenzt möglich.

-Grobstruktur: Die Piste zieht sich entsprechend dem gegebenen Gelände in Richtung Tal. Im Bild wird vielleicht ein Wirtschaftsweg gekreuzt, daher die Stufe. Die Alm ist im Sommer wohl nicht plan, sondern leicht gewellt wie dies in höheren Lagen desöfteren oft üblich ist. Dazu liegen einzelne Felsen oder andere Körper herum, die für Bauern ehemals offensichtlich zu schwer zum verräumen waren. Diese Hindernisse kann der geneigte Skiefreudige als Spielelement hinzunehmen. Früher hat man das wohl nicht gemacht.
:: Heute nennt sich das Park und besteht aus Plastik o.dgl. mit viel Werbung dran (letztere ist heute relevant für die zielgerechte Bespielung der Subkultur).

-Flüssiger Pistenrand, d.h. die Piste geht grenzlos in das Umfeld über. Man befindet sich wie eins in der Landschaft, und keinesfalls von dieser abgetrennt. Je nach Pistenbelegung und Schneemenge weitet sich das Pistenfeld mit der Zeit in die Breite aus. (Weitgehend) frei sucht sich die Skifahrermenge die strategisch beste Gesamtroute zusammen. Einfach die Seele baumeln lassen beim Skifahren, und die Blicke schweifen lassen... Das vermeintliche "Weniger" ist hier aus heutiger Sicht das ganz besondere Feature.
:: Hier finden sich also weder die durch Kunstschneebänder bekannten Sockelleisten am Pistenrand, auch keine Pistenmarkierungen und schon garkeine Fangzäune, auch nicht vor Hütte.
Weder grell bepolsterte Schneilanze noch Schneekanone säumen den Rand. Keine grünen Elektranten, keine Schläuche, keine tägliches versetzen, keine Blinklichter, kein Schneilärm.


-Werbe- und Botschaftsfrei, das Auge sieht was die Seele wünscht. Die Chalets, den Schnee, das Matterhorn...
insgesamt so meine ich führt dies zu genau jener Ruhe, die man an und für sich sucht im weissen Gebirge. Das heisst ja nicht zwangsweise lahmes Opifahren, denn sportlich krachen kann man es dennoch lassen. Wer es braucht auch mit iPhonemusik in den Ohren...
::Heute buhlen fast unausweichlich mannigfaltige Farbflächen um Aufmerksamkeit. Seien dies die allseits bekannten schon geradezu genormten Sitour Hinweisschilder in Autobahngrösse. 6-er Sesselliftsymbol mit schräg "übereinandersitzenden" Piktogrammmännchen, in Quadrat mit abgerundeten Ecken, daneben Namen der Bahn oder Piste. Hergestellt aus Folie mit Lasercutter. Standardfarbtöne. Zudem vermehren sich neuerdings übergrosse Banner, mit Inkjetdruckern erzeugt. Diese bespannen auch hausgrosse Flächen von Trafostationen o.dgl. Audi, A1, Jägermeister, Erlebnisbad. Meist sind es die gleichen Firmen. Insbesondere um Berghütten oder Seilbahnanlagen wirkt das Ambiente heute unnötig überfrachtet mit graphischen Logos und Getexte für Orientierung in Gelände und Konsumproduktspektrum.

-Berghütte, die ihren Namen verdient. Lädt geradezu ein, dort unausweichlich einzukehren, oder? Einfache Speisen wird es dort damals gegeben haben. Billig war die Fränklispeis wohl nie. Aber urig aber wohl ehrlich.
:: Heute ... na Ihr wisst schon....


nunja...jetzt aber schluss, jetzt ist (trotz Nebensaison) Krampusumzug im Dorf ..
Zuletzt geändert von Kris am 05.12.2011 - 02:42, insgesamt 2-mal geändert.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<

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Fab
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Fab »

So schaut es heutzutage aus. Nach ordentlichem Neuschnee ähnelt es sogar noch der alten Ansicht.

Bild
-Grobstruktur: Die Piste zieht sich entsprechend dem gegebenen Gelände in Richtung Tal. Im Bild wird vielleicht ein Wirtschaftsweg gekreuzt, daher die Stufe. Die Alm ist im Sommer wohl nicht plan, sondern leicht gewellt wie dies in Höheren Lagen oft üblich ist. Dazu liegen einzelne Felsen oder andere Körper herum, die für die Bauern offensichtlich zu schwer zum verräumen waren. Diese Hindernisse kann der geneigte Skiefreudige als Spielelement hinzunehmen. Früher hat man das wohl nicht gemacht.
:: Heute nennt sich das Park und besteht aus Plastik o.dgl. mit viel Werbung dran (letztere ist heute ganz Wichtig für die richtige Subkultur).
Die Piste führt noch immer dem Gelände entsprechend nach unten (dankenswerterweise wird u. wurde in Z nicht unnötigerweise viel planiert) und wird tatsächlich von einem Wirtschaftsweg gekreuzt. Die Alm ist immer noch wellig und von Felsen durchsetzt.

Die Hütte ist immer noch urig. Es gibt Suppe mit o. ohne Würstchen, Wurst u.-o. Käseteller oder Kuchen.

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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Rüganer »

Jaa, früher war alles besser, sogar die Zukunft :wink:
Kris - für deine Vorstellungen vom Skifahren gibts doch noch genug Plätze, nennt sich Skirouten... ;)
Danke Schweiz und Bulgarien !
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k2k
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von k2k »

Rüganer hat geschrieben:Kris - für deine Vorstellungen vom Skifahren gibts doch noch genug Plätze, nennt sich Skirouten... ;)
Wo denn überall? Zähl doch mal auf ;-)
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Emilius3557 »

@Kris: Genial analysiert und punktgenau beschrieben - danke für diesen Moment! Lass uns einen neuen Arbeitskreis mit Dir als Vorsitzendem ins Leben rufen: "Kritische Kulturgeographie des Skisports".
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Rüganer »

k2k hat geschrieben:
Rüganer hat geschrieben:Kris - für deine Vorstellungen vom Skifahren gibts doch noch genug Plätze, nennt sich Skirouten... ;)
Wo denn überall? Zähl doch mal auf ;-)
Bin ja so mangels Erfahrung kein Routenfahrer, sondern eher Industrie-Skifahrer.
Auf die Schnelle fallen mir ein :
-Zermatt - Gebiet Stockhorn - Hohtäli
- Mittagstal in der Sella
Arlberg mit Pfaffenmähder und und und
Engadin mit Morteratsch
Chamonix mit Valle Blanche
Passo Tonale Gletscher hintenrum mit Tunnel
fast alle auch mit spektakülären Bahnen erschlossen....

aber das wisst ihr sicher :D
Danke Schweiz und Bulgarien !
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Pistencruiser
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Pistencruiser »

Besser als Kris in seinen Ausführungen kann man den Unterschied zwischen industriellem und nicht-industriellem Skifahren nicht beschreiben.

Ich glaube auch, dass viele aus der Generation 30+, die Skifahren in ihren Kindertagen noch so kennengelernt haben, sich auch insgeheim diese Zeiten
zurückwünschen , sei es auch in erster Linie aus nostagisch-sentimentalen Gründen. Man hätte gerne den alten Flair jedoch verbunden mit dem Wunsch der garantierten Schneesicherheit von Anfang Dezember bis in den April hinein und natürlich einem Parkplatz möglichst direkt vor den Kassen der Seilbahnstation und kapazitätsstarke Bahnen ohne Wartezeiten. Und genau das ist die Krux an der Sache: Es lässt sich kaum vereinbaren mit dem was ein Skigebiet heute leisten muss um gegen die immer stärker werdende Konkurrenz bestehen zu können.
Auch ich schwelge hin und wieder in den Erinnerungen der alten Zeiten bin aber andereseits doch froh - ja ich gebs zu - das
ich meine mittlerweise doch über vierzig Jahre alten Problemfüße in einer komfortablen KSB entlasten kann und nicht nach kilometerlanger Schleppliftfahrt
erstmal meine Wadenkrämpfe beseitigen muss. Ich fahre gerne Schlepplift, bin jedoch froh, diese nicht als Hauptbeschäftigungsanlagen nutzen zu müssen,
wobei eine gemütliche Auffahrt in einer altersschwachen DSB bei wärmender Spätwintersonne für mich auch wieder einen Genussfaktor darstellt.

Im letzten Winter habe ich nach über dreißig jahren mal wieder das Skigebiet meiner Kindheit besucht. Die Scklick 2000 im Stubai. Hier haben wir in den 70ern und frühen 80ern unsere Familienskiurlaube verbracht. Damals war es übrigens für eine vierköpfige Familie auch noch möglich 2-3 Wochen in den Winterurlaub zu fahren, während sich das heute kaum jemand länger als eine Woche leisten kann. (Bericht HIER!) Erstaunt habe ich festgestellt, dass sich bis auf den Ersatz der Zubringerbahnen (damals ESL/DSB-Kette, heute 6 EUB) und die Errichtung einer Bescheiungsanlage und einer zusätzlichen - jedoch moderat ausfallenden - Gastronomie, so gut wie nichts verändert hat. Verglichen mit dem heutigen
Gigantomaniestreben anderer Gebiete ist das Pistenangebot dort natürlich ein Witz aber dennoch war es einer der Skitage in der letzten Saison welchen ich am meisten genossen habe.

Vielleicht sollten einige Gebiete ihre Rückständigkeit in Sachen Beförderungstechnik und Pistenbeschaffenheit einfach zum Alleinstellungsmerkmal erheben um sich
vom ganzen Einheitsbrei abzuheben. Motto: Back to the roots oder wie alles begann. Geradezu prädestiniert hierfür wäre ein sogar ein Skigebiet hier ganz in der Nähe.
Man kennt es unter dem Namen Brauneck! :wink:
Die einen kennen mich — die anderen können mich...!
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Harzwinter »

Erfreulicherweise sind wir noch lange nicht so weit, dass man schon Rest-Inselchen suchen muss, die aus dem Industrieski-Brei herausgucken. Wer darüber sinniert, heutzutage wohl oder übel planierte Skipisten im Schneilanzenwald fahren zu müssen, sollte die Ursache in erster Linie in der eigenen Bequemlichkeit suchen. Ja, es ist in der Tat schön unaufwändig, ein leicht anfahrbares Skigebiet im Muttersprachraum auszuwählen oder gar jedes Jahr ins selbe Gebiet zu fahren ... :D Doch wer bei der Wahl des Skiziels genauer hinschaut, findet in den Alpen nach wie vor hunderte von Skigebieten, die sich - freiwillig oder unfreiwillig - wohltuend vom Industrieskisektor abheben. Freilich sind das eher die kleineren und mittelgroßen Skigebiete und die ohne den Namensbestandteil "Arena". Für einen Kurzurlaub, ein Skiwochenende oder einen Tagesausflug (und damit für die Mehrzahl der Skitage zumindest meiner Saison) reichen sie voll aus. Die meisten Skigebiete am nördlichen oder südlichen Alpenrand fallen in diese Kategorie, nach wie vor viele in der Schweiz, und manche liegen direkt an den großen Verkehrswegen und werden dort achtlos liegen gelassen. Die Wintersportforen sind inzwischen mit Berichten über solche Skigebiete gut bestückt.
Vielleicht sollten einige Gebiete ihre Rückständigkeit in Sachen Beförderungstechnik und Pistenbeschaffenheit einfach zum Alleinstellungsmerkmal erheben um sich
vom ganzen Einheitsbrei abzuheben. Motto: Back to the roots oder wie alles begann.
Das ist das "Slow-Mountain"-Konzept der Davoser Schatzalp. Einerseits werden viele Kleinskigebiete künftig genau auf dieses Konzept setzen müssen, weil ihnen finanziell gar nichts anderes übrig bleibt. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass auch große Skigebiete - wo noch möglich - einen Restsektor im alten Stil stehen lassen werden, um den Gästen eine Abwechslung zum planierten Einheitsbrei anbieten zu können.
Zuletzt geändert von Harzwinter am 05.12.2011 - 10:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von intermezzo »

@Kris:

Brillante Analyse. Deinen ganzen Ausführungen ist eigentlich nichts Weiteres hinzuzufügen, ausser der Tatsache, dass genau diese Piste dort in Zermatt bei Tuftern - wie Fab schon beschrieben hat - auch heute noch vergleichsweise (allerdings wirklich nur gerade jenes kurze Teilstück, das just auf der oben geposteten AK und Fabs aktuellerem Nachreichebild) ähnlich daherkommt.
@Pistencruiser:
Vielleicht sollten einige Gebiete ihre Rückständigkeit in Sachen Beförderungstechnik und Pistenbeschaffenheit einfach zum Alleinstellungsmerkmal erheben um sich
vom ganzen Einheitsbrei abzuheben. Motto: Back to the roots oder wie alles begann. Geradezu prädestiniert hierfür wäre ein sogar ein Skigebiet hier ganz in der Nähe. Man kennt es unter dem Namen Brauneck! :wink:
Solche Entwicklungen gibts ja bereits, z.B. in der Schweiz Strela/Schatzalp bei Davos oder die Fideriser Heuberge im Prättigau...

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Bumps
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Bumps »

Fab hat geschrieben:...

Die Hütte ist immer noch urig. Es gibt Suppe mit o. ohne Würstchen, Wurst u.-o. Käseteller oder Kuchen.

...
Bleibt anzumerken, dass Fab's Aufzählung der Speisekarte abschliessend ist :top:
Präziser gibt es Minestrone, Gems-Wurst, Alpkäse und eben Kuchen (die Sorte variiert sogar, Apfel-, Zwetschgen-, Aprikosenkuchen oder Linzer Torte)
sowie einen verwundert-beleidigten Blick vom Chef, wenn man keinen Dole sondern Wasser o.ä. ordert :mrgreen:

Die Hütte selbst hat sich seit meinem ersten Besuch ca. 1975 :!: nicht verändert, Stühle und Bänke auf der Terrasse immer noch die gleichen und falls Kris den geeigneten Weg in die Vergangenheit sucht, ich empfehle Tufternkumme, eine der letzten Pisten (nicht Routen) wie oben so treffend beschrieben, führt genau da hin...
zumindest einige Minuten Nostalgie Feeling sind also drin :wink:

Ach ja, die Gemsen (die später zur Wurst werden :?: ) kommen oft am späten Nachmittag direkt bei der Terrasse zum Futtern...

Für alle Freunde der "nostalgischen" nicht - Industrieskigebiete ein paar Vorschläge:
- Vals
- Disentis
- Val Müstair / Minschuns
- Klosters / Madrisa
- Bivio
- Ibergeregg

um nur mal einige ins Forum zu werfen....
Schöne Pisten sind GELB!
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Fab
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Fab »

Bumps hat geschrieben:Ach ja, die Gemsen (die später zur Wurst werden :?: ) kommen oft am späten Nachmittag direkt bei der Terrasse zum Futtern...
:D
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GMD
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von GMD »

Für die Jägerprüfung reicht es wohl noch nicht ganz, denn das sind Hirsche und keine Gämsen. Aber auch die schmecken als Wurst und Pfeffer sehr gut! :wink:
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Kris
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Kris »

Ja das ist doch fantastisch dass Triften (so heißt es doch?) dort noch jenes Draussensein-wohlgefühl vermitteln kann, dass ich versucht habe anhand der alten Postkarte darzustellen...in sehr weitläufigen Gebieten findet sich noch ab und an noch derartiges Ambiente.
Das kleine Gasthaus würde ich gerne sehen wie es heute aussieht innen und außen...
Es gibt sie sehr wohl noch die Unternehmer, denen Stil und wohl auch Freude bei der Arbeit mehr wert sind, als ein erreichbarer Banalwohlstand zB. durch kreditfinanzierten Ausbau zum 300 Personen SB-Erlebnisrestaurant alle Jahrzehnte neu.

Dazu bedarf es sicher viel Ausdauer, Kunst (des guten Kochens, des guten Stils...) und vielleicht auch oft Demut ...aber am Ende zahlt es sich für ein schönes Leben wohl aus, und auch die Gäste danken dafür.

Klar gibt es ebenso eine Reihe an Skigebieten, deren Durchindustriralisierung Abschnittsweise noch weniger fortgeschritten ist. Wie zB. jene Abfahrt in Zermatt, oder andere von Euch gepostete Gebiete. Es wirken aber oft nur mehr abschnitstweise kleinere "Inseln". Aber immerhin, insbes. in sehr weiten Skigebieten finden sich diese, zB. (Weissfluh) - Schifer - Küblis.

Auch gibt es zB. in der Schweiz die zahlreichen kantonalen Konkordatsbahnen, die -weil sich der lokalen Bergbevölkerung dienen und keine Werbung betreiben dürfen(!)- von der Industrialisierung des Pistenraumes nahezu vollständig verschont geblieben sind. Das sind für mich die wahren letzten Skigebiete der Alpen, ATV hat ja einige im Winter hier schön dokumentiert.

Die Wartezeiten an den kleinen Pendelbahnen können mitunter extrem sein, was aber auch zeigt, dass doch viele Begeisterte "ausreichend gerne" lange anstehen um insgesamt einen genialen urigen erfüllten Tag haben. Ganz glückliche fahren unter der Woche...
Im Gegensatz dazu beginnt in einem "Arenagebiet" das Skierlebnis oft mit Kriechverkehr im mehrstöckigen Parkhaus, zieht sich dann gleichartig zeitgeistgemäß durch den Tag bis zur Ausfahrt aus ebendiesem Parkhaus in analoger Weise wie am Morgen...

Es wird vielfach vermittelt, dass es primär der Skigast selbst sei, der Industrielles am Skifahren einfordern würde. Eine Nachfrageorientierte Angebotspolitik ist die logische Konsequenz....soll mal jeder drüber nachdanken weshalb und inwiefern das so ist, oder auch nicht...

Die Nachfrage nach dem "Bescheidenen" ist m.A. gross, man muss als Kunde tief suchen und als verwöhnter SKigast auch relative Nachteile in Kauf nehmen...
Dem entgegen steht m.A. zum einen die allgegenwärtige Manipulation, die es einem glauben lassen will man bräuche unbedingt dieses und jenes Komfort-, Sicherheits-, Mode-, (etc)merkmal um einen guten Tag haben zu können.

Oft genug bzw. nahezu immer dienen diese Zeitgeistmerkmale jedoch insbesondere dazu, die Anzahl der Kunden zu verx-fachen um derart den Umsatz wachstumsgerecht jedes Jahr um die üblichen 3..5% zu steigern...Wachstum ist Fortschritt, Fortschritt ist Wachstum. Für [stikethrough]Betreiber [/stikethrough] Aktionäre von Seilbahnen und Bierschanken. Von mir aus, aber nicht für mich als Skigast...

Was es also braucht -generell in der jetzt schön daherkommenden Krise- wäre eine Bewusstseinsveränderung, sich ehrlich zu Fragen, was denn erstrebenswert ist für sich selbst. Und was man einfach weglassen kann um -garnicht mal so paradox- einfach mehr Freude zu haben.
Die Krise ist für derartige Diskuse eine grosse Chance, viele Ideen schaffen es in die öffentliche Wahrnehmung (jetzt mal nicht auf die Skigebietssache beschränkt).

Daher finde ich die obige Postkartenansicht so schön, weil sie einem klar und deutlich bestätigt, was man "eigentlich" wünscht...nur muss man halt dahinterkommen was das ist. Ansonsten verbleibt man zur Freude der Tiroler Touristiker bei deren Angeboten in Sölden oder Ischgl...
(Pech wenn man in einem derartigen Bundesland wohnt, obwohl der Berg hinter dem eigenen Haus durchaus schön wäre weil schön gewesen ist).


Man müsste überhaupt mehr alte Postkartenmotive aufsuchen, und aus möglichst gleicher Perspektive ablichten um so Vergleiche genau dieser spezifischen Orte ziehen zu können. Postkarentmotive haben jedoch leider oft den Nachteil, daß sie ferne Motive zeigen (das Matterhorn bleibt ja mittelfristig so wie es ist... :-) ) und den Vordergrund vernachlässigen...
Dann kann man eine systematische Bildanalyse machen, das klingt zwar jetzt zunächst etwas abgehoben oder dumm. Ein derartiges Vorgehen systematisch durchgeführt lernen Studenten an an Architektur- oder Kunstfakultäten: Dadurch dass man ein Bild systematisch beschreibt (quasi mit den Augen abscannt), entdeckt man Dinge, die man in Natura aus Gewohnheit oder innerer Voreingenommenheit gar nicht mehr wahrnimmt. (Ziel der Übung ist in der Ausbildung übrigens den Sinn für „Ungesehenes“ generell zu schärfen, die eigenen Filter zu überlisten um zu umfassenderen spannenderen Erkenntnissen gelangen zu können).

Kris vom Arbeitskreis für Pistenkultur (nein, nicht Zeugen Jehovas). :-)
Zuletzt geändert von Kris am 06.12.2011 - 01:49, insgesamt 1-mal geändert.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von CV »

"es wurde alles schon gesagt, aber nicht von mir" :)

nein, im Ernst, sehr kluger Beitrag, sehr schöne Diskussion! Nur ein paar kleine Amerkungen meinerseits:

@Harzwinter: früher war sicher nicht alles besser - im Gegenteil: oft überfüllt, chaotisch organisiert, schlecht gepflegt, anstrengender etc. ABER: es war natürlicher im wahrsten Sinne des Wortes. Und ja, es gibt noch eine ganze Reihe von nicht mal so kleinen Gebieten, die diesen flair vermitteln. Die Bilanzen möchte ich aber lieber nicht sehen... insofern geht die Sorge eher in Richtung Zukunft.

@Kris: kam bei der ausgeschriebenen Bachelor-Arbeit zu Slow-Ski was raus? Nur interessehalber...

Ansonsten stimme ich Dir voll und ganz zu. Nur mit dem - leider inzwischen in Mode gekommenen - Begriff der "Demut" nicht. Der ist m.E. eindeutig spirituell belegt, und soweit sind wir beim Skifahren noch nicht (bei den Zeugen J.s wohl schon ;-) ). Sensibilität, Achtung, Dankbarkeit, Respekt etc. treffen den Sinn der m.E. heutzutage oft missglückt verwendeten Demut in den verschiedensten Lebenslagen besser.

Ach ja, bin bei gutem Wetter übermorgen in Macu. Wenn's sein muss, auch mit tourenski zum Kalorienabbau. So von wegen Anti-Industrie etc....
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Harzwinter »

@Harzwinter: früher war sicher nicht alles besser -
Ich fahre seit 1970 bzw. 1972 Ski, darum diskutiere ich im historischen Forenteil ja so gern mit. :D Den "nicht besseren" Teil von früher habe ich entsprechend über lange Jahre miterlebt. Bei mir beschränkt er sich ehrlich gesagt auf die damals manchmal üblen Wartezeiten an den Liften. Alles andere ließ sich mit Eigeninitiative, Anpassungsvermögen und Sportsgeist gut in den Griff kriegen.

@CV: Viel Spaß in Macugnaga !!! (Neid) :D
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Petz »

Harzwinter hat geschrieben:Bei mir beschränkt er sich ehrlich gesagt auf die damals manchmal üblen Wartezeiten an den Liften.
Und auf das Auftauen halb erfrorener Extremitäten bei Fahrten auf langen fixen Sesselliften...:ja:
Petz setzt seine Aktivitäten mit Ende Juni 2020 stark zurück. Ich bleibe aber bis auf weiteres in Ausnahmefällen und per PN für Fragen, Hilfe beim Modellbau etc. noch aktiv.
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Kris
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Kris »

CV hat geschrieben:"es wurde alles schon gesagt, aber nicht von mir" :)

@Harzwinter: früher war sicher nicht alles besser - im Gegenteil: oft überfüllt, chaotisch organisiert, schlecht gepflegt, anstrengender etc. ABER: es war natürlicher im wahrsten Sinne des Wortes. Und ja, es gibt noch eine ganze Reihe von nicht mal so kleinen Gebieten, die diesen flair vermitteln. Die Bilanzen möchte ich aber lieber nicht sehen... insofern geht die Sorge eher in Richtung Zukunft.
Es gab "früher" zudem keinen Vergleich vom Alten zu jemem Neuen, zu dem man sich zunächst magisch angezogen fühlen hätte können. War ja ehemals auch ein KSB fan, trietzte meine Eltern dass sie mich dorthin fahren wo diese und jene neue Bahn steht. Ja und durch irgendwelche Zufälle ergab sich, dass ich dann Bahnen projektierte, klammer zu.

* Bei Reisen durch rumänische und bulgarische Skigebiete fiel mir auf, dass sich Leute in alten Skigebietskonfigurationen (sio wie bei uns wohl anno 1950) genauso freuen, wie in jenen die bereits durchmodernisiert sind. In jenen, die tw. alt, tw. neu sind entsteht dann schon eine Abneigung gegenüber alten Anlagen, die neuen werden stark befahren. Interessanterweise auch wenn diese genauso langsam fahren wie die alten.
In jenen Gebieten in Rumänien (Muntele Mic), die aus unserer Alpensicht ultratrashig erschienen, fanden wir (Trincerone ed io) jedoch eine geradezu unglaubliche Gastfreundschaft vor. Stellt euch mal vor der Betriebsleiter vom Ötztal sagt zu zwei Rumänischen Gästen "fahrt mal so viel wie ihr meint, daach zahlt ihr euren Skipass".
Die Anlagen erfüllten ihren Zweck (Bergtransport) und es konnten alle damit hinreichend bequem fahren. Nur musst man eben ein wenig improvisieren ...andere Geschichte...
Auch dies sind kleine Artefakte, die einen über unseren gewohnten (Skigebiets-)wohlstand nachdenken lassen...

* Das alte Glungezer Skigfebiet fährt insgesamt in etwa eine schwarze Null...also adäquat ist das Angebot rein ökonomisch betrachtet wohl. Man könnte es nun durchmodernisieren um es auf den Strand der Muttereralm zu bringen, womit sich ein kapitalkostenbedingtes Defizit ergibt, dass kaum eingefahren werden kann (trotz nahezu Nullzinse dzt...lustig wird es allgemein, sollen die Zinsen mal wieder steigen...).



@Kris: kam bei der ausgeschriebenen Bachelor-Arbeit zu Slow-Ski was raus? Nur interessehalber...
Nein, leider nicht, wobei das Thema nur in der Vorschlagsliste erschien. Ich sollte es mal bei Gelegenheit explizit bekannt machen...oder halt woanders...
Ansonsten stimme ich Dir voll und ganz zu. Nur mit dem - leider inzwischen in Mode gekommenen - Begriff der "Demut" nicht. Der ist m.E. eindeutig spirituell belegt, und soweit sind wir beim Skifahren noch nicht (bei den Zeugen J.s wohl schon ;-) ). Sensibilität, Achtung, Dankbarkeit, Respekt etc. treffen den Sinn der m.E. heutzutage oft missglückt verwendeten Demut in den verschiedensten Lebenslagen besser.
Eine schöne Anmerkung, ich hätte jetzt den Begriff nicht religiös oder spirituall konnotiert, obwohl der Ursprung etymologisch wohl diesen Bereich meint.
Gemeint war von mir, dass wenn man (zB. als Unternehmer) im Kleinen reussieren will, d.h. der materielle Reichtum nicht primär im Vordergrund steht sondern vielmehr "etwas" wertvolleres im eigenen Inneren, so muss man damit leben, dass um einen herum gute Portsche Cayennes dahinfahren oder Hotels mit den schönsten Wohlfühloasen ausrüstet, während man selbst im Kleinen ganz einfache Dinge zusammenstellt.
Ist viel eklatanter materieller Reichtum um einen herum vorhanden, selbst kann man aber nicht daran partizipieren, so ist man auf die Dauer schon auch einer Demut ausgesetzt meine ich...diese kann zwar durch Weisheit/Entschlossenheit etc. überwunden werden, ist aber nicht leicht. Die Resultate sind dann aber oft sehr schön...
Ach ja, bin bei gutem Wetter übermorgen in Macu. Wenn's sein muss, auch mit tourenski zum Kalorienabbau. So von wegen Anti-Industrie etc....
Ich fühle mich gedemütigt ;-)
Viel Freude in Macu, müsste Grenzgenial sein wenn da jetzt neuer Pulver dazukommt ... werden wohl außer der einen Hauptabfahrt zur Mittelstation nix walzen vom Monte Moro - falls überhaupt..
Zuletzt geändert von Kris am 07.12.2011 - 15:26, insgesamt 1-mal geändert.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<

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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von intermezzo »

@Kris:
Viel Freude in Macugnaga, müsste Grenzgenial sein
Und das im wortwörtlichen Sinne - gerade in Bezug auf Macugnaga...ist ja eine ganz coole Wortneuschöpfung...tss..."grenzgenial"...
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Petz »

Kris hat geschrieben:Das alte Glungezer Skigebiet fährt insgesamt in etwa eine schwarze Null...also adäquat ist das Angebot rein ökonomisch betrachtet wohl. Man könnte es nun durchmodernisieren um es auf den Strand der Muttereralm zu bringen, womit sich ein kapitalkostenbedingtes Defizit ergibt, dass kaum eingefahren werden kann (trotz nahezu Nullzinse dzt...lustig wird es allgemein, sollen die Zinsen mal wieder steigen...).
Das Problem ist auch die Ersatzbedürftigkeit der alten Anlagen in Bezug auf die EU - Altersgrenzvorschrift denn ein Neubau mit teilweise kuppelbaren Anlagen wäre meiner Meinung nach nicht refinanzierbar. Eines der Hauptprobleme am Glungezer seh ich auch in der mistigen Talabfahrt die im oberen Teil zwar ansprechend und auch familientauglich ist, bedingt durch ihre Seehöhe im unteren Teil aber schnell ausapert und die lange schräge Querpassage zum Schluß für Schifahrer mit wenig Kondition meist zum Alptraum wird. Bin sonst kein Freund planierter Pisten aber in diesem Falle hätte Gevatter Eduard sicher besser mal seiner Baggerflotte den unteren Pistenabschnitt zu Gemüte geführt...:wink:
Petz setzt seine Aktivitäten mit Ende Juni 2020 stark zurück. Ich bleibe aber bis auf weiteres in Ausnahmefällen und per PN für Fragen, Hilfe beim Modellbau etc. noch aktiv.
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Tyrolens »

Ein paar Jährchen können die Lift der Glungezerbahn schon noch machen. Derzeit hätte man ja gerne eine neue Talabfahrt im Bereich der Lifttrasse. Dort ist es sehr schattig und leicht zu beschneien. Alternativ könnte man die Talstation samt Parkplatz rauf zur neuen Gufl legen.

Aber egal was man macht, die Gefahr, das Flair zu verlieren, besteht immer.
Gerade wir hier in Österreich und Deutschland sind ja extrem technophil. Je neuer desto besser und wenn es ein besseres Modell gibt, wird es gekauft, egal ob man es braucht oder nicht.
Ich denke, man sollte sich einfach wieder darauf besinnen, warum die Menschen Urlaub in den Bergen machen. Der Begriff "Ballermann" sagt vielleicht mehr aus, als man denkt. Den Ballermann gibt es in Spanien und in Ischgl. Somit besteht eine gewisse Austauschbarkeit, weil man den Wahnsinn nicht nur in den Alpen haben kann, sondern auch in Spanien oder sonst wo. Darum wäre es ja so wichtig, die Einzigartigkeit der Alpen noch stärker zu betonen. Es geht nicht mal so sehr um's Naturerlebnis, sondern um das Erleben einer Kulturlandschaft.
Seht euch mal in den Skigebieten um, schaut euch die Besucher an und überlegt euch, wer von denen wirklich wegen des Skisports kommt, also sportliche Ambitionen hat. Das sind die wenigsten. Die meisten fahren ohnehin miserabel und verbringen die meiste Zeit des Tages an irgendeiner Skihütte. Diesen ganzen Menschen müsste man eine Alternative bieten. Bei Familien ist das ja schon der Fall. Mit den Kids kann man nicht von 9:00 bis 16:00, 7 Tage am Stück Skifahren gehen. Abgesehen davon muss ich sagen, dass für mich mancher Lift schon zu schnell fährt. Wenn man wirklich ernsthaft Ski fährt, kommt man an der Talstation ziemlich kaputt an und braucht mehr als fünf Minuten, um wieder am Damm zu sein.

Natürlich kann man nicht den gesamten Skitourismus komplett umstrukturieren. Ischgl bleibt Ischgl, Sölden bleibt Sölden. Das ist nun mal so und wird auch so bleiben. Aber gerade kleinere Skigebieten haben hier ihre Chancen. Die Glungezerbahn als Tagesskigebiet für den Bezirk Innsbruck und Innsbruck Land sollte sich vielleicht mal in diese Richtung etwas einfallen lassen.
Ich beobachte auch immer, was im Achental so läuft. Die haben nun ja wirklich nicht die neuesten Liftanlagen, aber dennoch eine Irre Wertschöpfung. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber vor ein paar Jahren war das Achental österreichweit ein der rentabelsten Tourismusregionen. Die Jahresauslastung macht's möglich.
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von baeckerbursch »

Wenn man wirklich ernsthaft Ski fährt, kommt man an der Talstation ziemlich kaputt an und braucht mehr als fünf Minuten, um wieder am Damm zu sein.
Das ist doch so gewollt. Kein Gast soll sich gefälligst im Lift ausruhen, wo er schließlich "totes Kapital" darstellt. Er soll (möglichst oft) in eine der Bergbahneigenen "Verpflegungsstätten" gehen.
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Tyrolens »

*ggg* Ja, wird so sein.
Das ist aber nicht nur im Winter so, sondern auch im Sommer.
In den Bikeparks stehen die meisten Bikes auch nur rum, weil deren Eigner lieber mal ein, zwei, drei Biere trinken als zu trainieren.
Im Übrigen war die Fahrzeit der Doppelsesselbahn in Oberammergau genau richtig, um sich nicht zu langweilen aber dennoch ausgeruht wieder an der Bergstation ausgespuckt zu werden.

Im Sommer hat mir jemand erzählt, dass er gerade deshalb so gerne mit fixen Sesselbahnen fährt (Kellerhoch, usw.), weil er dort die Natur besonders gut genießen kann. Und es stimmt, dass das gemächliche Gewippe einer langsam fahrenden fixen Bahn gemütlicher ist, als das Drüberrattern einer gekuppelten Bahn.
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von starli »

Ob derjenige dann eine 6SB gemütlicher empfindet als eine DSB? Denn langsamer wäre sie ja vermutlich ...
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Tyrolens »

Wahrscheinlich nicht, weil da wohl zu viel und laut geplaudert würde.
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Re: Impression einer Nicht-Industrieskipiste ...

Beitrag von Fab »

Ein aktueller Gruß speziell an Kris. Heute aufgenommen. Noch eine Nichtindustrieskipiste - die Piste "Rotenboden". Nicht modelliert u. Naturschnee. Viel schöner zu fahren als die Kunstschneepiste daneben.

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