1 Tag OBERGURGL
04. bis 11. Januar 2009
Das neue Jahr fing vielversprechend an
mit einem genialen Skitrip ins Ötztal!
Für Euch gibt es jetzt einen ausführlichen Bericht zunächst über Sölden, wo ich sechs Skitage verbracht habe.
Die Reisegruppe
Wir sind als bunt gemischte 4er-Gruppe in den Skiurlaub gefahren: 2 gute Skifahrer, 1 durchschnittliche Snowboarderin und 1 Snowboard-Anfänger. Den zweiten guten Skifahrer habe ich hier im Alpinforum aufgegabelt
Ich kannte Sölden noch nicht, war neugierig und wollte auch Obergurgl mal gesehen haben.
Das Gebiet passt prima auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in unserer Gruppe:
Zwei Skiverrückte, die viel Auslauf brauchen und morgens nicht früh genug auf der Piste stehen können. Dazu zwei Genuss-Boarder, die Après-Ski bis zum Umfallen feiern.
Das Kalkül ging auf und an sechs von sieben Skitagen hatten wir bestes Skiwetter.
Unsere Ferienwohnung
Ein ganzes Stockwerk nur für uns... Ruhige Lage in Längenfeld, und vor allem sehr bezahlbar!
Wetter und Schneelage, 04. bis 11. Januar 2009
SO: leicht bewölkt, den ganzen Tag sonnig, morgens -12°C
MO: Nebel, oben schlechte Sicht, Wind und leichter Schneefall, -14°C
DI: Bis zum Mittag Abzug aller Wolken und sonnig, -16°C, oben milder
MI bis SA: Feinstes sonniges Skiwetter mit Fernsicht, bis -20°C in den Tälern, am Berg um -5°C, angenehm zum draußen sitzen
Es lagen 20 cm Schnee im Tal, >100 cm am Giggijoch und >200 cm am Gletscher. Alles hart gefrorener kompakter Altschnee, stellenweise vereist. In den unteren Lagen verbreitet mit Kunstschneeauflage, es wurde ständig an wechselnden Standorten beschneit, ab Mittwoch auch tagsüber am Giggijoch.
Anreise:
Die Anreise erfolgte stau- und mautfrei über Nacht auf der A7/Fernpassroute. Wir waren viel zu früh angekommen, sollten erst mittags einchecken, wollten aber schon morgens auf die Piste. Herausgekommen ist ein Kompromiss: Erst mal nach Sölden, Skipässe kaufen, um 10 Uhr check-in, um 11 Uhr auf die Piste.
Skipässe
Wir haben uns einen 7-Tages-Skipass zugelegt, mit einem frei wählbaren Skitag in Obergurgl-Hochgurgl. Es kostet dann 10 Euro Aufpreis und nennt sich „gemeinsamer Skipass“, eine irreführende Bezeichnung, denn es handelt sich keineswegs um einen vollwertigen Verbundskipass.
Preislich bewegt sich der Söldener Skipass auf dem Niveau von Ischgl oder Arlberg, bei deutlich weniger Pistenkilometern, also ein schlechteres Preis-Leistungsverhältnis. Vielleicht lässt man sich die Superlative bezahlen, wie die Big3 (drei Dreitausender), zwei Gletscherskigebiete, Schneesicherheit und Postkartenpanoramen.
Als arlberg-verwöhnter Skifahrer waren meine Erwartungen entsprechend hoch.
Mobilität
Eine wichtige Sache, wenn man nicht direkt im Skiort wohnt: wie kommt man hin?
Direkt vor unserer Haustür in Längenfeld verkehrte ein kostenloser Skibus, der 20-25 Minuten zur Talstation der Giggijochbahn benötigt.
Am Sonntag, unserem ersten Skitag, mussten wir einen Höllentrip in einer vollgestopften Sardinenbüchse mitmachen. Es erinnerte mich sehr an den überlasteten Verbindungsverkehr zwischen Alpe Rauz und Zürs. Entgegen unserer Befürchtungen war an den übrigen Tagen so wenig los, dass alle Leute einen Sitzplatz bekamen, nur die zuletzt einsteigenden Fahrgäste aus Huben hatten immer das Nachsehen. Trotzt Skibus sind wir auch sehr viel Auto gefahren, vor allem abends zum Einkaufen und Après-Ski. Mit dem Auto betrug die Fahrtdauer nach Sölden 16-18 Minuten.
Anlagen und Wartezeiten
Die Bergbahnen in Sölden erwecken nicht denselben top-modernen Eindruck wie in Ischgl oder St. Anton. Der allgemeine Zustand der Anlagen ist jedoch akzeptabel (ich musste feststellen, dass ich sehr von ebenerdigen Einstiegen, Rolltreppen, Sitzheizungen und dergleichen verwöhnt bin und dieser Luxus eben noch nicht in Sölden Einzug gehalten hat
Störend machen sich veraltete Anlagen bemerkbar, vor allem langsam fahrende fix geklemmte Sessellifte (2SB Gratl, 3SB Wasserkar, 2SB Gaislachkogel, 4 SB Seekogl, 2SB Rotkogl). Bei einigen kuppelbaren fehlen die Bubbles, so dass man im Hochwinter etwas frieren kann (z. B. 4 KSB Rettenbachjoch, 4 KSB Gampe, 4 KSB Roßkirpl). Bemerkenswert sind die musealen Einer-Sessellifte, die Sölden mit Innerwald und Hochsölden verbinden und die kaum genutzt werden.
Bei manchen Anlagen ist die Kapazität zu knapp bemessen. Dies trifft in erster Linie auf das Giggijoch zu.
Die Giggijochbahn, einer der beiden Zubringer vom Ort ins Skigebiet, ist eine gewöhnliche 8er-Gondelbahn. In die engen Kabinen passen aufgrund der Körperfülle einiger Passagiere meist nur 6 Leute rein. Wer nicht ganz früh morgens hoch fährt, muss sich ab 10 Uhr mit längeren Wartezeiten herumquälen (am ersten Skitag mussten wir 30 Minuten Schlange stehen!).
Das gleiche Problem gab es an den beiden Sesselbahnen Hainbachkar und vor allem Silberbrünnl. Der starke Andrang führte zu Wartezeiten von 5 bis 10 Minuten.
Ansonsten sind Wartezeiten in Sölden kein Thema. Lediglich die 6KSB Langegg hat ihre Stoßzeiten, vor allem am frühen Nachmittag, wenn Skifahrer vom zunehmend schattigen Gaislachkogel zum sonnigen Giggijoch wechseln.
Tipps:
Das Skigebiet
Die Pistenvielfalt in Sölden kann sich sehen lassen. Die Anfänger tummeln sich am Giggijoch und bleiben auch dort, weil den meisten der Weg auf den Gletscher zu weit ist. Das größte Angebot gibt es für fortgeschrittene und gute Skifahrer. Off piste gibt es nicht annähernd so viele Möglichkeiten wie am Arlberg. Manche Leute versuchen sich an den Flanken des Rettenbachtals, wenige Unerschrockene wagen sich auch an das obere Wasserkar (ist aber eine sehr felsige Gegend).
Grob lässt sich das Skigebiet in vier Areale einteilen:
1. Giggijoch
Die zentrale Drehscheibe im Skigebiet. Blaue übersichtliche Abfahrten, genau richtig für Anfänger, aber überfüllt, nachmittags daher etwas zerfahren. Die schwarze Piste am Hainbachkar ist nur im oberen Teil anspruchsvoll. Links von der Roßkirplbahn schöne Buckelchen, die sind aber nicht so mein Ding. Eine meiner Lieblingsabfahrten: die rote 11 vom Rotkogljoch zur Langeggbahn. Den ganzen Tag in der Sonne, traumhaft vor allem morgens wenn sie noch leer ist und sie führt an der Gampe Thaya vorbei, eine richtig urige Hütte. Auch die Talabfahrt nach Sölden ist sehr schön, leider habe ich sie nur nachmittags genutzt, wenn sie überfüllt ist. Der Schwarzkogl ist anspruchsvoll und sehr leer und daher auch einer meiner Favoriten.
Morgens am Giggijoch. Die blaue Piste ist perfekt präpariert und noch ist nichts los.
Kaiserwetter nachmittags am Giggijoch. Im Vordergrund das umgestaltete Restaurant, in der Mitte die neue 8 KSB Giggijoch, auffälliges Erkennungsmerkmal: knallorange Bubbles und Sessel.
Aus einer anderen Perspektive: Giggijoch vom Gipfel des Gaislachkogels.
Überblick übers Giggijoch aus der 4KSB Roßkirpl.
Eine perfekte Abfahrt am Schwarzkogl in der Morgensonne.
Nochmal Schwarzkogl mit Blick auf den Gaislachkogel im Hintergrund.
Blick aus der Langegg-Bahn durch das Rettenbachtal zum Rettenbachgletscher.
Abfahrt vom Rotkogljoch, im Hintergrund das Giggijoch.
Die Rotkoglhütte, unsere Einkehrstation mit Panoramablick.
Idyllisch und sonnig: Die Gampe Thaya. Im Bild schwebt gerade ein Paraglider über uns hinweg.
2. Gaislachkogel
Anfänger werden sich hier nicht wohl fühlen. Es gibt nur rote und schwarze Pisten. Durchaus anspruchsvoll, aber nicht zu extrem schwer. Für gute Skifahrer genau richtig, für Profis fehlt wahrscheinlich der Kick, die ganz große Herausforderung.
Erfreulich kurze Wartezeiten. Morgens bis Mittags in der Sonne, danach kühl und schattig. Das größte Vereisungsproblem hat ausgerechnet die einzige blaue Piste, ein Verbindungs-Ziehweg zur Langegg-Bahn, da sie permanent verbremst wird. Die roten Pisten lassen sich mit hoher Geschwindigkeit fahren, da sie wenig frequentiert sind. Obacht bei der Linienführung der Abfahrt Nr. 5, die zum Teil irritierend ist. Die rote 2 lässt sich ganz relaxt fahren, die rote 10 ab der Mittelstation ist auch anfängertauglich und kann einmal in der Woche abends unter Flutlicht befahren werden.
Die Gaislachkogl-Plattform der Big3.
Auf der Plattform.
Restaurant Tre Milla mit Dolomitenblick.
Rote Piste Nr. 1 oberhalb vom 2er Sessellift Gratl - perfektes Gefälle, top präpariert und wenig los.
3. Rettenbachferner
Dieser Gletscher liegt im Januar ständig im Schatten. Die Weltcupabfahrt entlang der Seilbahn erfordert Standvermögen, denn trotzt Beschneiung war sie vereist. Die Chance, dass man eine Abfahrt alleine genießen kann, ist groß. Die blaue Umfahrung ist ganz nett, mündet aber unten in einen langen Ziehweg. Der Karleskogl-Schlepper war ständig außer Betrieb.
Hier geht es zum Golden Gate Richtung Gletscher.
An der Talstation Tiefenbachferner, im Hintergrund die Weltcupabfahrt.
Aussichtsplattform Schwarze Schneid
Blickrichtung Sölden
Und noch ein Bild...
Übersicht über das Rettenbach-Gebiet.
4. Tiefenbachferner
Nur durch den Skitunnel erreichbar und sehr abgelegen, daher auch sehr geruhsam. Man sollte nicht die Zeit unterschätzen, die man vom Giggijoch braucht, um hier rüberzukommen. Der Tiefenbachferner hat sehr breite Pistenautobahnen, leider etwas flach, daher eher was für Anfänger. Auch die 6KSB Seiterkar kann nicht wirklich überzeugen, es gibt schönere rote Pisten in Sölden. Ein Muss ist die Aussichtsplattform an der Bergstation der Tiefenbachbahn, die spektakulärste unter den Big 3 in Sölden.
Vom Tiefenbachferner gibt es leider keine Bilder
Events und Après-Ski
Am Dienstag Abend gab es die "Nacht des Wolfes" mit Skimodenschau, Tanzeinlagen, Ski-Show der Skischule Sölden und einem 3-minütigen Feuerwerk. Natürlich konnte ich mir das Nachtskifahren nicht entgehen lassen. Für die Gaislachkogelbahn braucht man dann ein extra Abendticket. 10 Euro, die sich gelohnt haben.
Freitags gab es dann die Sölden Party am Giggijoch... Da war ich in Obergurgl.
Und natürlich gab es täglich Après-Ski... Ich hab nur kurz gefeiert, um morgens wieder fit zu sein.
An zwei Abenden habe ich ausgiebig die Saunalandschaft der Tirol Therme in Längenfeld genutzt. Nicht gerade billig, aber dafür vom Feinsten. Ein bißchen Verwöhnprogramm eben, weil wir keine Sauna in unserer Ferienwohnung hatten.
Fazit
Gesamturteil zum Skigebiet Sölden:
Besonders gefallen:
Perfekt gepflegte Pisten
hochalpine Szenerie
Sehr schöne Talabfahrten
Hohe Schneesicherheit (Beschneiung selbst auf dem Gletscher!)
Einige Bereiche mit wenig Andrang auf der Piste
Große Höhenunterschiede = lange Abfahrten
Anspruchsvolles, aber nicht zu extremes Gelände
Panorama-Plattformen
Negativ aufgefallen:
Wartezeiten im Giggijoch-Gebiet
Teilweise veraltete Anlagen
Sonntägliche Überfüllung
Teure Gastronomie (wie fast überall in Tirol)
Meistens gefahren mit:
Gaislachkogelbahn I+II
6 KSB Langegg
4 KSB Schwarzkogl
4 KSB Roßkirpl
4 KSB Heidebahn
2 SB Gratl
So weit mein Bericht zu Sölden, ein kürzerer zu Obergurgl folgt demnächst...
Vielen Dank fürs Durchlesen, ihr könnt gerne Kommentare oder Fragen posten.
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2x edit wegen der Bilder