Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
- chianti
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Der Straßenverkehr im eigenen Auto ist ja nicht mit Seilbahnfahren zu vergleichen - weder technisch noch haftungsrechtlich.
Wenn, dann müsste man es mit Eisenbahn oder Straßenbahn vergleichen - da gibt es gerechnet auf die Personenkilometer auch extrem wenige Unfälle, aber wenn etwas passiert ist das Geschrei auch groß. Weil man sich eben nicht selbst ans Steuer setzt und die Fehler selber macht, sondern sich in die Hände anderer begibt und denen vertrauen muss.
Und bei dem Vergleich schneiden die Bergbahnen mMn auch nicht besonders gut ab - in Kaprun sind z.B. mehr Menschen gestorben als in Eschede und die aufsehenerregenden Unfälle bei Seilbahnen waren nicht gerade selten auf Fahrlässigkeit und/oder Schlamperei zurückzuführen. Bei Eisen- und Straßenbahnunglücken sind meinem Eindruck nach menschliche Fehler (Haltesignal nicht beachtet, Weiche falsch gestellt etc.) dominierend, bei Seilbahnunglücken eher Organisationsfehler oder technisches Versagen - also prinzipiell "anonyme" bzw. nicht individuelle, aber prinzipiell vermeidbare Ursachen. Da reagiert die Öffentlichkeit eben empfindlicher als bei "menschlichem Versagen" und sie reagiert zu recht genauso empfindlich, wenn der Eindruck entsteht, dass nicht aufgeklärt, sondern vertuscht oder verharmlost werden soll.
Wenn, dann müsste man es mit Eisenbahn oder Straßenbahn vergleichen - da gibt es gerechnet auf die Personenkilometer auch extrem wenige Unfälle, aber wenn etwas passiert ist das Geschrei auch groß. Weil man sich eben nicht selbst ans Steuer setzt und die Fehler selber macht, sondern sich in die Hände anderer begibt und denen vertrauen muss.
Und bei dem Vergleich schneiden die Bergbahnen mMn auch nicht besonders gut ab - in Kaprun sind z.B. mehr Menschen gestorben als in Eschede und die aufsehenerregenden Unfälle bei Seilbahnen waren nicht gerade selten auf Fahrlässigkeit und/oder Schlamperei zurückzuführen. Bei Eisen- und Straßenbahnunglücken sind meinem Eindruck nach menschliche Fehler (Haltesignal nicht beachtet, Weiche falsch gestellt etc.) dominierend, bei Seilbahnunglücken eher Organisationsfehler oder technisches Versagen - also prinzipiell "anonyme" bzw. nicht individuelle, aber prinzipiell vermeidbare Ursachen. Da reagiert die Öffentlichkeit eben empfindlicher als bei "menschlichem Versagen" und sie reagiert zu recht genauso empfindlich, wenn der Eindruck entsteht, dass nicht aufgeklärt, sondern vertuscht oder verharmlost werden soll.
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Du kannst auch auf der Strasse in einen Unfall verwickelt werden, ohne selber einen Fehler gemacht zu haben. So geschehen vorgestern auf der A6 bei Heilbronn. Ein LKW kommt von der Fahrbahn ab, durchbricht die Mittelleitplanke und kippt auf der Gegenfahrbahnen um. Ein Autofahrer kann nicht mehr rechtzeitig bremsen. Drei Tote, darunter Kinder, sind die tragische Folge. Passiert hier was? Werden die Leitplanken verstärkt, werden automatische Systeme gefordert? Die Antwort lautet: eher nein. Das es immer wieder Unschuldige erwischt, wird von der Gesellschaft als leider nötiger Blutzoll für die Mobilität in Kauf genommen.
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- chianti
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Was ist denn passiert, nachdem Dieter Althaus Beata Christiandl totgefahren hat? Nach dem bekanntesten Skiunfall Mitteleuropas, über den wochenlang in Presse, Funk und Fernsehen berichtet wurde?
Wurden automatische Systeme gefordert, die ein Aufwärtsfahren an Pistenzusammenschlüssen verhindern oder vor dem Auffahren warnen?
Werden die Pistenzäune an Zusammenschlüssen so verlängert, dass ein Aufwärtsfahren nicht möglich ist?
Nichts davon - dass es Unschuldige erwischt, wird als notwendiger Blutzoll für die Freiheit auf der Piste in Kauf genommen. Jeder darf auf die Piste ohne die Regeln zu kennen und es gibt nicht einmal Vorschriften, dass die FIS-Regeln an den Liften oder Pisten aushängen müssen.
(Und im Gegensatz zu einem Mofa oder Motorrad, das schneller als 20 km/h ist, muss auch bei 70 km/h Geschwindigkeit kein Helm getragen werden - obwohl die Aufprallenergie über zehn Mal so hoch ist. Das ist kein Plädoyer für Helmpflicht, sondern soll nur demonstrieren, dass beim Skifahren mehr Eigengefährdung erlaubt ist als im Straßenverkehr)
Wurden automatische Systeme gefordert, die ein Aufwärtsfahren an Pistenzusammenschlüssen verhindern oder vor dem Auffahren warnen?
Werden die Pistenzäune an Zusammenschlüssen so verlängert, dass ein Aufwärtsfahren nicht möglich ist?
Nichts davon - dass es Unschuldige erwischt, wird als notwendiger Blutzoll für die Freiheit auf der Piste in Kauf genommen. Jeder darf auf die Piste ohne die Regeln zu kennen und es gibt nicht einmal Vorschriften, dass die FIS-Regeln an den Liften oder Pisten aushängen müssen.
(Und im Gegensatz zu einem Mofa oder Motorrad, das schneller als 20 km/h ist, muss auch bei 70 km/h Geschwindigkeit kein Helm getragen werden - obwohl die Aufprallenergie über zehn Mal so hoch ist. Das ist kein Plädoyer für Helmpflicht, sondern soll nur demonstrieren, dass beim Skifahren mehr Eigengefährdung erlaubt ist als im Straßenverkehr)
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Grundsätzlich halb richtig - aber auch halb falsch.chianti hat geschrieben:... Das ist kein Plädoyer für Helmpflicht, sondern soll nur demonstrieren, dass beim Skifahren mehr Eigengefährdung erlaubt ist als im Straßenverkehr)
Im Straßenverkehr wird Regulierung hauptsächlich im Zusammenhang mit Motorisierung und/oder Frequentierung erlassen.
Auf einer gering frequentierten Passstraße kann ich ohne Helm mit dem Rennrad mit zB 80km/h zwischen Felswand und ungesichertem Abhang entlangrasen, ohne einen Regelverstoß zu begehen.
Motorisiert und auf frequentierten Verkehrswegen sieht es aber natürlich ganz anders aus.
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Sollte sich nur etwas ändern weil ein Prominenter in einen Unfall verstrickt war oder sollte sich ggf. etwas ändern weil gewisse Risiken vorhanden sind und vielleicht Unfallschwerpunkte besser gesichert werden sollten?chianti hat geschrieben:Was ist denn passiert, nachdem Dieter Althaus Beata Christiandl totgefahren hat? Nach dem bekanntesten Skiunfall Mitteleuropas, über den wochenlang in Presse, Funk und Fernsehen berichtet wurde?
Wurden automatische Systeme gefordert, die ein Aufwärtsfahren an Pistenzusammenschlüssen verhindern oder vor dem Auffahren warnen?
Werden die Pistenzäune an Zusammenschlüssen so verlängert, dass ein Aufwärtsfahren nicht möglich ist?
Nichts davon - dass es Unschuldige erwischt, wird als notwendiger Blutzoll für die Freiheit auf der Piste in Kauf genommen. Jeder darf auf die Piste ohne die Regeln zu kennen und es gibt nicht einmal Vorschriften, dass die FIS-Regeln an den Liften oder Pisten aushängen müssen.
Wie willst du deine Forderungen denn überprüfen? Soll jeder einen "Skiführerschein" machen, bringt das etwas? Gibt es auf der motorisierten Straße deswegen keine Unfälle nur weil geprüfte, sprich Leute mit Führerschein dort ein Fahrzeug bewegen dürfen? Nur mit Regeln wirst du hier m.E. nicht sehr viel ändern können. Wo potenzielle Gefahrenstellen sind müssen diese durch den Betreiber entschärft werden und letztlich herrscht auf den Pisten noch immer eine gewisse Verantwortung, für mich selbst und für alle um mich herum.
Die Vorfälle sollten ohne Frage Ernst genommen werden! Allerdings auch mit den richtigen und geeigneten Maßnahmen.
- chianti
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Lies nochmals das Posting vom GMDeMGee hat geschrieben:Sollte sich nur etwas ändern weil ein Prominenter in einen Unfall verstrickt war oder sollte sich ggf. etwas ändern weil gewisse Risiken vorhanden sind und vielleicht Unfallschwerpunkte besser gesichert werden sollten?
und meine AntwortGMD hat geschrieben:Passiert hier was? Werden die Leitplanken verstärkt, werden automatische Systeme gefordert? Die Antwort lautet: eher nein. Das es immer wieder Unschuldige erwischt, wird von der Gesellschaft als leider nötiger Blutzoll für die Mobilität in Kauf genommen.
im Zusammenhang:chianti hat geschrieben:Wurden automatische Systeme gefordert, die ein Aufwärtsfahren an Pistenzusammenschlüssen verhindern oder vor dem Auffahren warnen?
Werden die Pistenzäune an Zusammenschlüssen so verlängert, dass ein Aufwärtsfahren nicht möglich ist?
Es ging alleine darum, dass es nicht nur im Straßenverkehr so ist, dass spektakuläre Unfälle keine Forderungen nach mehr externen Schutzmaßnahmen nach sich ziehen, sondern auch im Skisport. Es wird bei beiden Betätigungen davon ausgegangen, dass sie gefährlich sind und Verletzte und Tote quasi "dazu gehören".
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
Was sind deiner Meinung nach spektakuläre Unfälle? War der Unfall mit Althaus spektakulär wegen ihm oder wegen dem Unfallhergang?chianti hat geschrieben:Es ging alleine darum, dass es nicht nur im Straßenverkehr so ist, dass spektakuläre Unfälle keine Forderungen nach mehr externen Schutzmaßnahmen nach sich ziehen, sondern auch im Skisport
Ziehen solche Unfälle keine Forderungen nach sich? Wenn ich mich im Straßenverkehr z.B. an Busunfälle oder Tunnelunglücke erinnere, stimmt dies so nicht ganz.
Aber grundsätzlich muss sich auch am Bewußtsein mancher Skifahrer etwas ändern. Da bringen alle Regeln, Fangzäune und Helme nichts wenn mich einer mit vollem Schwung erwischt.
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Re: Niederländer beim Schleppliftfahren tödlich verunglückt
So habe ich das nicht ganz gemeint. Sondern ich wollte darauf hinweisen, dass das gefühlte Gefahr und das tatsächliche Risiko oftmals weit auseinanderliegen und somit auch die Forderungen nach Gegenmassnahmen ganz unterschiedlich stark ausfallen.chianti hat geschrieben:Es ging alleine darum, dass es nicht nur im Straßenverkehr so ist, dass spektakuläre Unfälle keine Forderungen nach mehr externen Schutzmaßnahmen nach sich ziehen, sondern auch im Skisport. Es wird bei beiden Betätigungen davon ausgegangen, dass sie gefährlich sind und Verletzte und Tote quasi "dazu gehören".
Das von mir gewählte Beispiel mit dem Strassenverkehr sollte dies verdeutlichen. Würde man im Strassenverkehr ähnlich strenge Massstäbe anlegen wie bei Seilbahnen, dann dürfte auch das modernste Auto nicht mehr fahren! Technisch gesehen wäre eine teilweise Automatisierung des Strassenverkehrs durchaus möglich und es wird ja auch intensiv daran geforscht. Aber im richtigen Leben haben es solche Systeme sehr schwer. Als Bevormundung des (autofahrenden) Bürgers werden sie gebrandmarkt und so werden sie dann allerhöchstens auf freiwilliger Basis eingeführt. Dabei ist doch gerade der Mensch die grösste Schwachstelle im System.
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