Prolog: Skifahrt Oberbayern - Schweiz 7.-10. März 2013
Wie jedes Jahr freue ich mich im März auf eine viertägige Individualisten-Skifahrt. Und wie fast jedes Jahr gibt es im Vorfeld wetterbedingt arge Probleme mit der Zielplanung. Eine erste Frühjahrswärmewelle hat Anfang März den Schnee der niedrig gelegenen Skigebiete dahin schmelzen lassen, und genau für den Fahrtzeitraum umrunden gleich mehrere Tiefdruckgebiete die Alpen. Im gesamten Alpenraum zeichnet sich keine einzige Region mit halbwegs stabiler Schönwetterlage ab. Von Frankreich im Westen bis Slowenien im Osten sind für den Fahrtzeitraum sowohl auf der Alpennord- als auch Alpensüdseite vorwiegend dicke Wolken und Niederschlag angekündigt. Dann am Vorabend der Fahrt doch noch der Lichtblick: In Oberbayern und dem benachbarten Salzburger Land soll es für zwei Tage freundlich werden. Ein Blick auf den Schneebericht - die meisten oberbayerischen Skigebiete sind noch geöffnet. Man vergegenwärtige sich: Die meisten bayerischen Skigebiete enden in einer Höhenlage, in der manch anderes Alpenskigebiet erst beginnt ... Also zunächst auf nach Oberbayern, so lange dort das Wetter hielt. Für den Rest der Skifahrt, die stets nach dem "Follow-the-Sun"-Prinzip stattfindet, scheint die Schweiz die wettermäßig besseren Karten zu haben. Das klingt schon im Vorfeld nach Kilometerfressen ... und so wird sich die Fahrt auch gestalten. Die Stationen, die ich im Gegensatz zu den Tourberichten der letzten Jahre der regionalen Zerrissenheit wegen in Einzelberichte aufgeteilt habe:
Aschau / Kampenwand 7. März 2013
Osterhofen / Wendelstein 7. März 2013
Oberaudorf / Hocheck 7. März 2013
Spitzingsee / Stümpfling & Taubenstein 8. März 2013
Lenggries / Brauneck 8. März 2013
Mollis / Schilt 9. März 2013
Amden / Mattstock & Arvenbüel 9. März 2013
Blatten / Belalp 10. März 2013
Rothwald / Wasenalp 10. März 2013
Aschau / Kampenwand 7. März 2013
Anfahrt: Ettlingen - A8 - Ulm - München - Frasdorf - Aschau 3:30 h
Wetter: Heiter bis wolkig mit dünner Wolkendecke, +8 bis +10°C
Schnee: 5-80 cm Nassschnee, teils ausgeapert
Anlagen in Betrieb: Alle
Wartezeit: keine
Gefallen: Einmaliges Retro-Ambiente, Piste ESL Rossleiten, landschaftlicher Wert, freundliche Mitarbeiter
Nicht gefallen: Rote Piste SCHL Steinling existiert nicht. Wenig Pistenvielfalt.
Bewertung: 5 von 6 Punkten
Internet: http://www.kampenwand.de/
Pistenplan: http://www.kampenwand.de/index.php?rex_ ... g-2010.jpg
Wie lange möchte ich schon Oberbayerische Skigebiete besuchen? Keine Ahnung ... vom Raum Karlsruhe aus geht das kaum per Tagesausflug; der 3-Stunden-Anfahrt-Radius endet in Garmisch. In den 1980er Jahren war ich rund um den Spitzingsee mit meinem Vater zum Wandern, an der Kampenwand per Übergang vom Geigelstein in den 1990ern allein, und spätestens seit Familie Harzwinter im Sommer 2011 Freunde im Chiemgau besucht hat und dabei unter anderem auf der Kampenwand und dem Wendelstein war, sind diese beiden Kleinskigebiete auch wieder ins Bewusstsein gerückt. Also werden dies die bevorzugten Ziele. Darüber hinaus locken das Brauneck oder Mittenwald mit dem Dammkar. An Hochfelln, ebenfalls im Sommer mit der Familie besucht, und Blomberg ist bereits Frühjahrsrevision. Zum Sudelfeld oder zu Oberammergau habe ich bislang keinen Bezug. Berchtesgaden ist mir vom Raum Karlsruhe für die Erstplanung zu weit.
Zu Betriebsbeginn treffe ich am Donnerstagmorgen an der Talstation der Kampenwandbahn ein. Das Frühlingswetter hat im Tal von Aschau bereits ganze Arbeit geleistet und schon wieder viel Grün hervorgebracht, wo noch vier Tage zuvor schönster Pulverschnee bis ins Tiefland gefallen ist. Wie die Kampenwandbahn selbst ist das ganze Skigebiet ein Freilichtmuseum, ähnlich dem von Frabosa Soprana in den italienischen Alpi Mondovi. Neben der Hasenclever-EUB aus dem Jahr 1957 klappern am Berg ein PHB-Schlepplift, ein Pohlig-Einsessellift und eine Doppelmayr-DSB aus den 1960er und 1970er Jahren vor sich hin. Bei meinem Besuch beginnt der Tag sonnig, doch schnell zieht über der Kampenwand ein dünnes Wolkenfeld auf, während es über den Nachbargebieten sonnig bleibt. Egal, Kontursicht und Schattenwurf bleiben ausreichend, und fürs Auge ist genug blauer Himmel vorhanden.
Der Gondelrangierer in der Talstation der antiken EUB freut sich über Kundschaft an diesem schwach besuchten Donnerstagmorgen. Gondelfotos auf der Strecke sind bei meinem Besuch so gut wie unmöglich, weil kaum Gondeln unterwegs sind (die werden manuell nach Bedarf bereitgestellt). Recht laut fährt die Bahn über die Stützen und ermöglicht bereits auf der Fahrt den Blick zum Chiemsee. Oben im Skigebiet liegt genug Schnee, wenn auch sehr nasser. Nach einem Blick auf die Leiche des schon 1992 stillgelegten, bergstationsnahen Schlepplifts Weiße Wanne geht die Fahrt zu den noch betriebenen Beschäftigungsanlagen. Der Einsessellift Rossleiten und der Schlepplift Steinling bedienen Pisten am Nordhang der Kampenwand; die DSB Kaltwasser lädt zum Wiederholen des obersten Abschnitts der Talabfahrt ein. Beim SCHL Steinling sind Liftanlage und landschaftlicher Aspekt interessanter als der skifahrerische Wert. Wie schon bei den Besuchen anderer Forenkollegen sind die Kurzbügelgehänge mit Plastiktüten-Überzügen geschützt; wahrscheinlich kommt sonst Feuchtigkeit hinein. Die im Pistenplan eingetragene rote Abfahrt existiert bei meinem Besuch nicht, nur die blaue. Der ESL Rossleiten erschließt einen tollen Steilhang. Von seiner Bergstation aus steige ich ein kurzes Stück auf und fahre auf dem Panoramafußweg hinüber zur Steinlingalm - landschaftlich eine schöne Ergänzung zum Pistenskifahren. Die Talabfahrt schließlich ist im Bereich der DSB Kaltwasser gut zu befahren; weiter unten nimmt der Schnee schnell ab, bis die Abfahrt kurz vor Verlassen des Waldes nur noch aus einer schmalen Spur besteht. Den Folgetag wird sie wohl nicht mehr erleben ... Skifahren an der Kampenwand macht hauptsächlich wegen der gemütlichen Museumsathmosphäre und des landschaftlichen Aspekts Spaß; ansonsten ist das Pistenangebot etwas knapp. Ein normaler Skifahrer ist mit dem Gebiet in einem halben Tag durch.
23 Fotos:
Bei der Ankunft an der Talstation der Kampenwandbahn schaut gerade die Sonne hinterm Bergrücken durch die Seilbahnschneise.
Pistenplan Kampenwand mit den stillgelegten Skiliften Weiße Wanne (an der EUB-Bergstation) und Brandnerlifte (an der EUB-Talstation).
Relikt aus einer anderen Zeit: Stütze und Kabine der Kampenwandbahn, Baujahr 1957.
Bergfahrt mit der Kampenwandbahn.
Farbenfrohsinn der liebevoll gepflegten Kabinen.
Blick von der Bergstation der Kampenwandbahn nach Süden zum Alpenhauptkamm. Später zogen die Wolken ab - ich habe vergessen, ein Foto zu machen.
Blick zum Kampenwandgipfel und zum ESL Rossleiten im Vordergrund und dem SCHL Steinling hinten links.
ESL Rossleiten, Pohlig-Anlage von 1960. Einer der letzten Einsessellifte der Alpen mit Skibetrieb.
Auf dem Sommerwanderweg mit seiner eindrucksvollen Trassierung unter den Felsen der Kampenwand quere ich hinüber zur Steinlingalm.
SCHL Steinling, PHB-Anlage von 1968. Das Alpenvorland hat seine Farbe innerhalb von 3 Tagen von Weiß auf Grün gewechselt.
Blick von der Bergstation ESL Rossleiten hinüber zur Bergstation der EUB.
ESL Rossleiten mit Chiemsee.
DSB Kaltwasser mit Kampenwandkamm.
Skigebiet am ESL Rossleiten - geisterhaft leer.
Im SCHL Steinling. Portalstützen wie diese habe ich bei PHB-Schleppliften bislang nirgends gesehen.
Piste des SCHL Steinling. Bei meinem Besuch gab es nur diese blaue, keine rote.
Nochmal im ESL Rossleiten. Beschaulichkeit pur.
Ausstieg ESL Rossleiten mit Blick hinunter ins ergrünte Aschau.
Steile schwarze Abfahrt vom ESL Rossleiten - macht Spaß!
DSB Kaltwasser, die den oberen Teil der Talabfahrt bedient.
An einigen ausgesetzten Stellen begann sich die Talabfahrt deutlich aufzulösen und wird den Folgetag wohl nicht mehr erlebt haben.
Der größte Teil der Talabfahrt war aber unproblematisch. Links der Abfahrt standen früher die Brandner-Lifte, angeblich zwei Seillifte.
Man kam auf der Talabfahrt noch komplett ohne Abschnallen bis zur Talstation der EUB hinunter.
Nächster Bericht: Osterhofen / Wendelstein 7. März 2013