Anfahrt: Belchenseilbahn - Grindelwald ca. 3:30 h
Wetter: Ostersamstag im Tal Regen, am Berg Schnee; Ostersonntag vormittags bewölkt, nachmittags aufheiternd; Ostermontag sonnig; -6 bis +4°C
Schnee: ca. 20-200 cm Altschnee mit Neuschneeauflage
Anlagen in Betrieb: alle
Wartezeit: Keine bis 5 min (nur 6KSB Eigernordwand)
Gefallen: Hervorragende Schneelage, landschaftliche Impression, weitläufiges Skigebiet, guter Skibusservice
Nicht gefallen: Preise Bergrestaurants, unzureichende Gastronomie-Kapazität Kleine Scheidegg, Rodelbahn Männlichen, Saisonschluss Skigebiet First direkt nach Ostermontag bei guter Schneelage mitten in den Osterferien
Bewertung: 5 von 6 Punkten
Internet: http://www.grindelwald.ch/
Pistenplan: http://www.skiwelt.de/ski-panorama/grindelwald/
Erstmalig seit einigen Jahren entschloss sich Familie Harzwinter wieder zu einer Osterskifahrt. Nach längerer Schweiz-Abstinenz fiel die Wahl auf Grindelwald, wo kurzfristig noch freie Ferienwohnungen über die Ostertage zur Verfügung standen und wo auch Klein Harzwinter die Pisten bewältigen konnte. Unsere Unterkunft befand sich oberhalb des Ortes am Terrassenweg - für Genießer des Bergpanoramas eine Empfehlung.
Leider zog mit dem Anreise-Karfreitag Schlechtwetter in die Nordschweiz. Kurzerhand wurde umdisponiert und der erste Skitag auf der Anreise in die Schweiz im Südschwarzwald am Belchen verbracht, wo noch die Sonne schien.
Am Ostersamstag hatte sich das Schlechtwetter in der Nordschweiz festgesetzt. Es gab Dauerniederschlag mit einer Schneefallgrenze auf 1300 m. Angesichts der konturlosen Sichtverhältnisse ersetzten wir den Skitag durch einen Rodeltag und befuhren die Rodelbahn am Männlichen. Deren Hauptstrecke oberhalb der Mittelstation Holenstein verläuft auf einem Hangweg; ein Drittel kann über eine steilere Trasse abgekürzt werden. Um es kurz zu halten: Den Besuch der Rodelbahn am Männlichen können wir nicht empfehlen. Die Trasse des Hangwegs, auf dem die Hauptstrecke verläuft, ist viel zu flach zum Rodeln. Man muss mehr laufen, als man rodeln kann, und letzteres auch nur im Schneckentempo. Darüber hinaus quert die Hangwegtrasse gleich fünf breite Skipisten, und zum Teil wird sie von Skifahrern mitbenutzt. Wir stellen keine großen Anforderungen an eine Rodelbahn, aber so schlecht sollte sie nun wirklich nicht sein. Nur die oben erwähnte Abkürzungsstrecke der Rodelbahn ist so, wie man sich eine gute Rodelbahn vorstellt (ausreichendes Gefälle, kaum Pistenquerungen). Da man damit aber nur ein Drittel der Gesamtstrecke ersetzen kann, vermag sie die Mängel der restlichen zwei Drittel auch nicht auszugleichen. Das Rodelbahnstück unterhalb der Mittelstation Holenstein benutzten wir regenbedingt nicht und fuhren stattdessen mit der Seilbahn zu Tal. Die Rodelbahn am Schwarzwälder Belchen hatte übrigens das selbe Problem mit einer viel zu flachen Trasse, nämlich der der ehemaligen Belchenstraße. Dort hat man konsequent den Rodelbetrieb eingestellt. Mittagessen gab es für uns im Berghaus Männlichen - qualitativ durchschnittlich und erwartungsgemäß zu teuer. Es gibt kein Hauptgericht einfachster Art (z.B. Bratwurst oder Fleischkäse mit Pommes) unter 15 Franken; damit gibt man fast doppelt so viel Geld fürs Mittagessen aus wie in Österreich. Als nur dreiköpfige Familie verlässt man somit kein Bergrestaurant, ohne 55-60 Franken ärmer geworden zu sein.
Am Morgen des Ostersonntag war der Regen des Vortags im Tal in Schnee übergegangen, das blieb aber auch der einzige Unterschied. Sicht gab's keine, doch der Wetterbericht versprach Besserung. Also begannen wir den Tag langsam und entspannt und fuhren erst am späten Vormittag zur Firstbahn. Tatsächlich hörte der Schneefall gegen Mittag auf.
An der Talstation der Firstbahn traute ich meinen Augen nicht. Am Ostermontag sei Saisonschluss, stand dort zu lesen. Mitten in den Osterferien und bei hervorragender Schneelage. Auch wenn es uns nicht betraf: Das kann echt nicht sein ... Ja, ich weiß, das Skigebiet First hat Südausrichtung, und es gibt sicherlich Wintersaisons, in denen Mitte März im Firstgebiet wegen Schneeproblemen nicht mehr viel geht. Ende März erwartet auch niemand am Südhang eine geöffnete Talabfahrt. Aber wir reden hier über ein Skigebiet bis 2500 m mit Prachtblick auf die Berner Viertausender in einem Ausnahmewinter. In Österreich wäre die planmäßige Schließung eines Skigebietes wie Grindelwald/First mitten in den Osterferien undenkbar; es ist schließlich nicht gerade das, was der zahlende Gast für sein Geld erwartet. Und in Nordschwarzwald und Harz verlängern die Betreiber gerade freiwillig die Wintersaison ...
Das SB-Restaurant First hatte bereits Saisonschluss, also genossen wir das gute Hochpreisessen im Bedienungsrestaurant. Während des Essens schaute bereits ab und zu die Sonne durch die Wolken. Das nutzten wir nach dem Essen an der 4KSB Oberjoch - sichtmäßig zunächst mal mehr, mal weniger erfolgreich. Mal war die Talstation der KSB auf First im dichten Nebel kaum zu finden, mal war es kein Problem. Gegen 14 Uhr hellte es auch im Rest des Skigebiets auf, und wir konnten über die 4SB Schilt und die schöne Hintenrum-Abfahrt 10 (hat die einen Namen?) zu den Schleppliften Bärgelegg und Hohwald hinüberfahren, die ich noch vom Grindelwald-Besuch 2004 gut in Erinnerung hatte. Den unterhaltsamen Poma-Schlepplift Egg an der Bergstation First hat man leider ersatzlos demontiert - sehr schade.
Am Hohwaldlift dann eine Erfahrung der besonderen Art: An der Piste steht die Ruine der Gemsberg-Bar bzw. Oberlägerhütte, die erst am 4. März 2013 durch eine Nassschneelawine zerstört wurde. Die Lawine hat die Oberhälfte der Vorderfront samt Giebel sauber aus dem Haus herausgedrückt und fünf Meter vor dem Gebäuderest abgeladen. Nicht einmal die Dachgeschossfenster sind dabei kaputtgegangen, und sogar die karierten Vorhänge hängen noch drin. Gespenstisch. Da der frühere Skibarbetrieb an der Gemsberg-Bar bereits 2008 nach Abgang einer Staublawine eingestellt werden musste und die Lawine kurz nach Liftschluss abging, wurde bei der Zerstörung der Hütte niemand verletzt. Bedenklich: An der Gemsberg-Bar haben wir im Februar 2004 mit unserer gesamten Skigruppe nach rund 50 cm Neuschnee seelenruhig eine lange Mittagspause verbracht ...
Gegen 16 Uhr hatte es überm Grindelwalder Tal aufgeklart, und so ging es von den Schleppliften über die Abfahrt Grindel (22) in unerwarteter Nachmittagssonne zu Tal. Die Talabfahrten aus dem Grindelwalder Skigebiet First gehören für mich zu den schönsten der Alpen. Über herrlich welliges Gelände geht es hier zwischen Alpgebäuden und verschneiten Laubbäumen hinab, und mit Wetterglück hat man dabei die Kette der Berner Felsriesen vis-a-vis. Beeindruckend. Auf diese Abfahrt habe ich mich besonders gefreut. Die Alpweg-Bar diente den Talabfahrern als Sonnenpausen-Stützpunkt. Sie war zwar geschlossen, aber der Besitzer lässt für die Gäste einen gefüllten Kühlschrank draußen stehen, aus dem man sich selbst bedienen kann. Ehrlichkeit wird vorausgesetzt: Im Kühlschrank steht ein Becher für die Bezahlung.
Der Ostermontag entschädigte mit Prachtwetter für den üblen Ostersamstag. Wir fuhren zur Freude von Klein Harzwinter mit der Zahnradbahn auf die Kleine Scheidegg und tobten uns vor der Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau zusammen mit vielen Tagesgästen aus. Der Besuch der Wengener Seite war wegen der skifahrerisch geringeren Attraktivität für den Nachwuchs nicht vorgesehen. Ich persönlich finde die Fahrt mit der Wengernalp-Zahnradbahn scheußlich: 25 Minuten Stehen und Schwitzen bei 18°C im überfüllten Waggon mit beschlagenen Scheiben sind nicht mein Ding ... Wartezeiten gab es an der Kleinen Scheidegg bis auf die 6KSB Eigernordwand (5 min) kaum. Die Pisten waren hervorragend zu fahren, und die größtenteils modernisierten Anlagen tun dem Gebiet an einem Tag mit großem Andrang gut. Nur warum man den neuen 6KSBn Wixi und Eigernordwand unbedingt diese ekligen gelben und orangefarbenen Hauben spendieren musste, die schon halb Tirol verunstalten, verstehe ich nicht.
Wegen des großen Andrangs machten wir uns schon um 11:30 Uhr auf die Suche nach einem Restaurantplatz, kamen an der Kleinen Scheidegg aber schon zu spät. Alles voll. Also fuhren wir mit der 6KSB Eigernordwand zum Restaurant Eigergletscher hinauf, wo wir weniger Fußgänger erwarteten, und bekamen dort per Einweiser mit Glück noch drei Plätze (natürlich nicht draußen). Das Tagesmenü war um 12 Uhr (!) ausverkauft, das beschreibt den Andrang wohl ausreichend.
Vom Eigergletscher ging es über die Sesselbahnen Arven und Honegg und den herrlich im Wald gelegenen Schlepplift Tschuggen hinüber in den Einzugsbereich der Männlichenbahn. Hier konnten wir nun endlich sehen, wo wir zwei Tage zuvor gerodelt waren ...
Fazit: Grindelwald ist ein landschaftlich eindrucksvolles und vom Pistenangebot her abwechslungsreiches Skigebiet. Infrastrukturelle Teilschwächen (Gastronomiekapazität rund um die Kleine Scheidegg) und Mängel im Dienstleistungsdenken (Saisonschluss Skigebiet First mitten in den Osterferien) sind aber nicht zu übersehen, auch wenn für andere Bereiche wie Pistenpflege und Skibusservice Pluspunkte zu vergeben sind. Das Preis-/Leistungsverhältnis der Ferienwohnungen fällt im Alpenvergleich erwartungsgemäß unvorteilhaft aus, das der Bergrestaurants ist für uns inakzeptabel. So gut es uns in Grindelwald auch gefallen hat - aus Preisgründen werden wir als Euro-Verdiener den nächsten Familienskiurlaub an Fasching 2014 trotz längerer Anfahrt wieder in Österreich verbringen (müssen).
Fotos:
Ostersamstag: Rodeln am Männlichen
Talstation Männlichenbahn im Regen.
Männlichenbahn 1. Sektion. Die bunten Gondeln machen sich auch bei Schlechtwetter gut.
Bergstation Männlichenbahn.
Rodelbahn Männlichen, Standardstrecke. Sehr flach.
Berghaus Männlichen.
Rodelbahn Männlichen, Standardstrecke.
Ostersonntag: Skitag am First
Talstation Firstbahn. Für mich nicht zu fassen: Das Skigebiet First geht mitten in den Osterferien definiert in den Saisonschluss.
Trasse EUB First. Über dem Grindelwalder Tal kleben die Wolken auf den Bergen.
Dicker Nebel an der Bergstation First - also gingen wir zunächst ins Restaurant.
Nach dem Mittagessen gab es endlich Wolkenlücken, hier an der 4KSB Oberjoch.
4KSB Oberjoch mit den ersten Sonnenstrahlen.
Wechsel mit der 4SB Schilt in Richtung Schleppliftsektor. Die Sonne hat Schwierigkeiten, sich durchzusetzen.
Schöne Hintenrum-Abfahrt 10 von der 4SB Schilt zur Sesselbahn Grindel und dem Schlepplift Bärgelegg.
Sesselbahn Grindel und Skilift Bärgelegg.
Skilift Hohwald, mein Lieblingslift am First nach ersatzloser Demontage des Egglifts.
Oberlägerhütte (ehemalige Gemsberg-Bar) bei der Bergstation des Hohwaldlifts, zerstört am 4. März 2013 durch eine Nassschneelawine.
Und so sah die damalige Gemsberg-Bar Ende Februar 2004 aus, als wir dort mit unserer Skigruppe seelenruhig Pause gemacht haben. In der roten Gefahrenzone lag sie wahrscheinlich damals auch schon ...
Talabfahrt Grindel, vielleicht meine Lieblingstalabfahrt der gesamten Alpen nach rund 40 Jahren Skifahren ...
Talabfahrt Grindel im Sonnenschein. Gegenüber taucht das Schreckhorn aus den Wolken auf.
Alpwäghütte an der Talabfahrt Grindel. Eigentlich geschlossen, aber für Eingeweihte gibt's SB-Service aus dem Kühlschrank vor der Hütte.
Talabfahrt Grindel unterer Teil.
Talabfahrt Grindel mit dem Spiel der Wolken.
Ostermontag: Skitag an der Kleinen Scheidegg und Männlichen
Beginn eines Prachttags in Grindelwald: Blick vom Balkon der Ferienwohnung am Terrassenweg.
Wer mehr möchte, klickt aufs folgende Bild, um den kompletten 180°-Panoramablick vom Balkon auf Wetterhorn, Schreckhorn, Fiescherwand und Eiger zu sehen.
Zug der Wengernalpbahn am Grindelwalder Talbahnhof.
Auf zur Kleinen Scheidegg!
Nach 25 Minuten Stehen in Skikleidung bei 18°C im Zug der Wengernalpbahn war ich "not amused", zumal es wegen beschlagener Scheiben nichts zu sehen gab.
Bahnhof Kleine Scheidegg.
4KSB Lauberhorn. Immer, wenn ein Zug am Bahnhof Kleine Scheidegg ankommt, wird es hier kurzfristig voller.
Piste 4KSB Lauberhorn mit Jungfrau.
Bergstation neue 6KSB Wixi.
Blick von der Piste 4KSB Lauberhorn aufs Wetterhorn und die Infrastruktur der Kleinen Scheidegg.
Bahnhof Kleine Scheidegg und Hotel Bellevue. Hier wurden einige Szenen des Spielfilms "Nordwand" gedreht. Guckst Du hier - Bild 7 in der Fotogalerie.
Schwarze Piste 4KSB Lauberhorn mit Eiger und Mönch.
6KSB Wixi mit Jungfrau.
Blaue Abfahrt 22 zur Arven Gade Bar. Hinten links Große Scheidegg und Wetterhorn.
Die 6KSB Eigernordwand, die den Salzegglift auf verlängerter Trasse ersetzte, erfreut sich arger Beliebtheit. Wartezeit 5 min.
6KSB Eigernordwand. Eindrucksvolle Trasse mit Jungfrau.
6KSB Eigernordwand. Lange Sesselbahn.
Gebäude am Eigergletscher. Links dahinter befindet sich die Bergstation der 6KSB Eigernordwand.
Blick von der Station Eigergletscher hinüber nach Mürren und zum Schilthorn.
Schöne Abfahrt der 6KSB Eigernordwand.
4KSB Arven mit dem Hotel Bellevue auf der Kleinen Scheidegg.
6KSB Honegg mit schöner Piste.
6KSB Honegg mit Eigernordwand. Eindrucksvolle Perspektive.
Schöne Waldabfahrt zum Schlepplift Tschuggen.
Schlepplift Tschuggen. Letzter Schlepplift im Gebiet Kleine Scheidegg/Männlichen.
Schlepplift Tschuggen mit Eigernordwand. Erinnert an alte Ansichtskartenmotive.
Piste 4KSB Läger mit Grindelwald und Wetterhorn.
Lägerbar, unsere Pausenstation für den ermatteten Klein Harzwinter.
Infrastruktur Bergstation Männlichen mit Jungfrau.
Piste KSB Männlichen mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Von hier bekommt man alle drei Giganten aufs Bild.
4EUB Männlichen mit Grindelwald und Wetterhorn. Eine sehr fotogene Seilbahn.
Abfahrt zur Mittelstation Holenstein. In diesem Bereich sind wir zwei Tage zuvor bei Schneefall gerodelt ... kaum wiederzuerkennen!
Mittelstation Holenstein mit Eiger und Mönch.
Lange Talabfahrt von Holenstein nach Grindelwald mit Wetterhorn und Schreckhorn.
Talabfahrt Holenstein-Grindelwald mit aufgefahrenen Nassschneehaufen. Trotzdem schön.
Die Talabfahrt führt am Hotelkomplex Aspen entlang.
Ein letztes Ziehwegstück, dann ist die lange Talabfahrt geschafft!