Anfahrt: Ettlingen - A8 - A96 - Fernpassstraße - Ehrwald - Grainau 2:45 h; Rückweg dank Stau 45 min länger
Wetter: Sonnig mit vereinzeltem Wolkendurchzug; lokale leichte Föhnlage; Nebeldeckenbildung im Tal; +2 bis +4°C
Schnee: 1-3 m Altschnee mit durchfeuchtender Neuschneeauflage vom Vortag
Anlagen in Betrieb: Alle außer Tiroler Zugspitzbahn (in Revision)
Wartezeit: Keine (außer auf die Abfahrt der Pendelbahnen) - es war LEER
Gefallen: Ganztägiges Sonnenloch im Schlechtwettergebiet getroffen; kaum Andrang
Nicht gefallen: Schneequalität (teils bremsender Feuchtschnee)
Bewertung: 5 von 6 Punkten
Internet: http://www.zugspitze.de/
Pistenplan: http://ski3.intermaps.com/Zugspitzbahn/ ... data=lifte
Ältere Forenberichte aus der Saison 2012/2013: Bericht von Zottel vom 31.12.2012; Bericht von Martin_D vom 14.4.2013
Einmal mehr muss ich einen Bericht mit "eigentlich" beginnen lassen ... Eigentlich wollte ich mit Frau Harzwinter am 20./21. April ein Frühjahrs-Abschlusswochenende in der Schweiz verbringen. Schilthorn und Les Diablerets vielleicht. Oder Engelberg und Andermatt. Klein Harzwinter wurde mit Vorreservierung bei den Großeltern einquartiert. Doch wie es nicht anders kommen konnte, wurde das Wetter in der Schweiz schlecht. Wegen starken Schneefalls, Sturms und Lawinengefahr fand in den drei erstgenannten Gebieten am 20. April erst gar kein Skibetrieb statt (Andermatt habe ich nachzuschauen vergessen). Missmutig hackte ich daheim im Garten im Regen Löcher in den Boden, um Pflanzen umzusetzen. Auf den Webcams war am Samstagvormittag zu sehen, dass das Wetter am Oberstdorfer Nebelhorn trotz gegenteiliger Prognose schön geworden war, doch für einen späten Aufbruch ist es von uns zu weit entfernt. Grrmmpf. Wenigstens verbrachten wir den Abend in einem neuen Erlebnisbad in der Nähe. Zurückgekehrt, warf ich einen letzten Blick in die Prognosen von Wetteronline. Ooops ... auf der Zugspitze sollte es am Sonntag schön werden, in der Schweiz und im Allgäu nach wie vor nicht. Also legten wir spätabends noch das Skiequipment bereit, um im Bedarfsfall schnell aufbruchbereit zu sein.
Am Sonntagmorgen um 6 Uhr ein Blick in die Zugspitz-Webcams. Prognose und sichtbarer Wetterstatus entsprachen einander: Sonne - passt! Auf zum Platt! Leider war die Tiroler Zugspitzbahn revisionsbedingt außer Betrieb, so dass wir nach Grainau zur Eibseeseilbahn fahren mussten. Angesichts der in älteren Forenberichten reporteten Warteschlangen an der Eibseeseilbahn sah ich einen Teil des Skitages schwinden ... Die Anfahrt durch Schwaben und das Allgäu führte uns durch scheußliches Hochnebelwetter mit Sprühregen. Schönwetter auf der Zugspitze konnten wir uns unter diesen Bedingungen nicht vorstellen. Doch auf der Fernpassstraße kurz vor Lermoos riss die Bewölkung auf, und Grainau lag tatsächlich in schönster Morgensonne. Erstaunlich! Die Angst vor Warteschlangen erwies sich vor Ort als unbegründet: An der Eibseeseilbahn war es gähnend leer. Niemand stand am Ticketschalter an, und wir konnten direkt in die nächste Gondel einsteigen. Unglaublich!
Entsprechend leer war es auf der Aussichtsplattform auf dem Zugspitzgipfel. Wegen der übergreifend schlechten Wetterlage gab es keine große Fernsicht. Man konnte sehen, dass das Schlechtwetter von Süden gegen die Alpen drückte und dass die Wolken vom Inntal in Richtung Norden zögernd aufzureißen begannen. Nur der Raum zwischen Fernpass und Garmisch-Partenkirchen blieb weitgehend wolkenfrei und lag in der Sonne. Der Alpenrand weiter nördlich war bereits wieder von Nebel eingehüllt.
Pisten und Lifte auf dem Zugspitzplatt waren ebenfalls irritierend leer. Offenbar hatte die übergreifende Schlechtwetterlage die meisten Besucher bewogen, zuhause zu bleiben. Am Vortag hatte es an der Zugspitze rund 20 cm Neuschnee gegeben. Wegen der deutlichen Plusgrade auf dem Platt verwandelte er sich - wie wohl schon am Wochenende zuvor - in schweren, teils klebrigen Feuchtschnee, der kraftraubend zu fahren war und die Anpassung der Fahrtechnik einforderte. Sonneneinstrahlung und Frostfreiheit lösten an den Felsstöcken zahlreiche kleine Lawinen aus, deren Gepolter ab und zu zu hören war.
Unterbrochen von einer ausgedehnten Mittagspause im nur mäßig gefüllten SonnAlpin drehten wir unsere Runden durchs übersichtliche Skiterrain des Platts. Riesig viel gibt es im Bereich der fünf Beschäftigungsanlagen nicht zu erkunden, und die knapp 3 km lange Super G-Abfahrt mit ihren rund 600 Höhenmetern zwischen Wetterwandeck und Brunntal ist auch schon das Highlight. Das Zugspitzplatt punktet mit Hochgebirgs-Atmosphäre und Sonnenexposition und eignet sich eher für einen entspannten Skitag als für Skiline-Rekorde. Die neue 6KSB Wetterwandeck ist mit nach unten verlängerter Trasse sicherlich eine Bereicherung fürs Zugspitzplatt. Bei unserem Besuch wurde ihre Kapazität nicht ansatzweise benötigt.
Ab dem späten Vormittag zogen immer mehr dicke Wolken vom Inntal haarscharf an der Zugspitze vorbei, auf dem Platt blieb es aber weitgehend sonnig. Auch am Zugspitzgipfel bildeten sich im Leebereich der Wetterströmung vorübergehend Wolken.
Nach einer finalen Einkehr im SonnAlpin traten wir um 16 Uhr den Rückweg vom Platt an. Bei der Talfahrt mit der Eibseeseilbahn staunten wir über die dicke Nebeldecke, die sich irgendwann tagsüber in den Talkesseln von Ehrwald und Garmisch-Partenkirchen gebildet hatte. Davon hatten wir auf dem Platt nichts mitbekommen.
Zurück in Ettlingen war den Webcams der noch geöffneten Frühjahrsskigebiete in Allgäu, Berner Oberland und Zentralschweiz zu entnehmen, dass dort die Nebeldecke im Tal viel höher aufgequollen war als im Zugspitzgebiet und jeweils den größten Teil des Skigebiets verschluckt hatte. Man kann mit der Gebietsauswahl ja auch mal Glück haben ... -
Dies scheint erst der dritte Forenbericht vom Zugspitzplatt aus der Saison 2012/2013 zu sein. Zwei vorangegangene Berichte sind oben im Berichts-Intro verlinkt. Der Bericht von Martin_D ist nur eine Woche älter als dieser hier. Es gab aber bereits die selbe doofe Schneebeschaffenheit. Sein Bericht bietet schöne Panoramafotos von der Zugspitze. Ich habe mich bemüht, hier möglichst wenig Fotomotiv-Duplikate einzustellen.
22 Fotos:
Sonnenschein im Zugspitzgebiet (hier in Grainau) nach langer Fahrt durchs Schwäbische und Allgäuer Hochnebelgrau.
Eibseeseilbahn von 1962, Kapazität 300 Personen pro Stunde. Gott sei Dank war hier null Andrang. Für die Bergfahrt-Kabine fanden sich nach 10 Minuten Wartezeit rund 25 Personen.
Blick auf den herrlich blauen Eibsee und die Ammergauer Alpen bei der Bergfahrt.
Münchner Haus auf dem Zugspitzgipfel. Auch auf der Aussichtsplattform war nichts los. Große Fernsicht gab es diesmal nicht. Egal, wir freuten uns über den Sonnenschein.
Blick nach Nordosten nach Garmisch-Partenkirchen und durchs Höllental. Hinterm Wank begann schon der Nebel des Alpenrands.
Toller Tiefblick auf Riffelriss-Abfahrt und den recht klein gewordenen Eibsee.
Blick durchs Panoramafenster auf Gletscherbahn und Zugspitzplatt.
Doppelschlepplift Schneefernerkopf mit Zugspitzgipfel. Den haben wir nur als erste Fahrt mitgenommen.
Schlepplift Weißes Tal, wohl aus den 1960er Jahren. Älteste Anlage am Zugspitzplatt und mein Lieblingslift dort.
Neue 6KSB Wetterwandeck. Warum nur müssen es immer diese gelben Hauben sein? Ich mag die nicht mal bei Schlechtwetter schließen.
Neue Wetterwandeckbahn mit den Resten der Vorgängeranlage.
Super G-Abfahrt, ein Pflichtmotiv eines jeden Zugspitzberichts.
Talstation Brunntallift. Befinden sich auf dem Plateau überm Reintal links oberhalb der Bildmitte bereits Schachenhaus und Meilerhütte?
Mittagspause im SonnAlpin, auch hier nichts los.
Ab dem Mittag zogen bedrohliche Quellwolkentürme haarscharf an der Zugspitze vorbei.
Brunntallift. Die Anlage verschwindet fast in der landschaftlichen Weite des unteren Zugspitzplatts.
Bedingt durch die deutlichen Plusgrade auf dem Zugspitzplatt gingen vielerorts Lawinen an den Felsstöcken ab. Diese hier war besonders laut.
Das Sonnenkar machte seinem Namen erfreulicherweise alle Ehre.
Super G-Abfahrt, weitgehend verwaist.
Abschied vom Platt. Blick aus der Gletscherbahn auf die startende Pistenraupenkolonne unterm Wetterwandeckkopf und der aufgelassenen Bergstation der Ex-DSB "Neue Welt".
Überraschung bei der Talfahrt mit der Eibseeseilbahn: Im Tal hatte sich eine dicke Nebelschicht gebildet. Davon war am Platt nichts zu bemerken gewesen.
Letzte Impression vor dem Eintauchen ins Nebelgrau. Ein schöner Frühjahrsskitag geht zu Ende.