Anfahrt: Ettlingen - A8 - Stuttgart - Ulm - A7 - A980 - B19 - Sonthofen - Hörnerdörfer - Riedbergpass - Balderschwang in ca. 3:20 h wegen Unfallstaus im Illertal und bei Fischen. Gleicher Rückweg in 2:55 h.
Wetter: Nach Schneefall abziehende Bewölkung, dann sonnig, -4°C bis +2°C
Schnee: Geschätzt 40-50 cm harter Alt- und Maschinenschnee mit dünner Pulverauflage
Anlagen in Betrieb: Alle außer Snowtubinglift. SCHL Gelbhansekopf nachmittags defekt.
Wartezeit: Übungslifte, Anlagen Riedberger Horn und SCHL Gelbhansekopf keine bis 1 min, übrige Anlagen 3-5 min außer 4KSB Schelpenbahn 15 min
Gefallen: Neues Skigebiet kennengelernt; Schlepplifte Gelbhansekopf und Schwarzenberg; Abwechslungsreichtum der Abfahrten
Nicht gefallen: Relation Anfahrt/Skifahren; zu großer Andrang am Wochenende; schlechte Pistenpräparierung; kaum Alpenfeeling; kaum Panorama.
Bewertung: 3,5 von 6 Punkten
Ja, ich weiß, das ist schon der dritte Balderschwang-Bericht der Saison im Forum. Aber da Samstag, der 5. Februar, im Allgäu als Schönwettertag nach etwas Neuschnee prognostiziert war und der Folgetag Sauwetter bringen sollte, entschied ich mich kurzfristig für einen Tagesskiausflug dorthin, wohl wissend, dass ich nicht der Einzige mit dieser Idee sein würde. Frau und Sohn hatten bereits andere Pläne, darum fuhr ich allein. Balderschwang meldete alle Anlagen geöffnet, also nutzte ich das für den Erstbesuch dort, außerdem um meine größte Lücke bei Allgäuer Skigebieten endlich zu füllen. Zwecks Vermeidung von Parkchaos und Kassenwartezeit plante ich die Ankunft auf dem kostenlosen Großparkplatz gegen 8:30 Uhr. Doch da bereits um 7 Uhr kurz hinter Ulm und später bei Fischen gleich zwei Unfallstaus umfahren werden mussten, verlor ich eine halbe Stunde und traf - vom Navi über Ofterschwang und Bolsterlang geleitet - erst kurz vor 9 Uhr in Balderschwang ein. Ca. 300 m vor dem anvisierten Großparkplatz der Schelpenbahn stand der Verkehr, nichts ging mehr. Also wendete ich und fuhr zum Bezahlparkplatz der Sesselbahn Riedberger Horn (5€). Nach 15 Minuten Anstehen am einzigen geöffneten Kassenschalter hatte ich meinen Skipass und war erlöst.
Folglich startete ich meinen Balderschwanger Skitag am Riedberger Horn. Wegen geänderter Bindungseinstellung und um zu schauen, ob die Abfahrt der DSB überhaupt präpariert war, nahm ich zunächst den ÜbungsSCHL Raubach. Der fuhr so langsam, dass man ihn kein zweites Mal benutzen wollte, wenn man kein Anfänger ist. Die Abfahrt der DSB war präpariert, somit wusste ich, dass mich oben keine Geländeherausforderung erwartete. Auch die DSB Riedberger Horn fährt sehr langsam. Ihre Abfahrt war teils vereist, teils knollig und mit Absätzen präpariert, teils lagen Eisbrocken herum, und all das war im dominierenden Schatten schlecht zu sehen. Bäh. Neben der Piste lagen 5 cm Neuschnee auf gefrorenen Altschneerinnen, die der Starkregen ein paar Tage zuvor in die Schneefläche erodiert hatte. Also auch keine Option. Ich war sehr froh, meine Skier am Abend vorher vom Kantenservice abgeholt zu haben. Immerhin schauten nirgends Dreck oder Steine aus den Abfahrten, und der Blick von der Bergstation DSB Riedberger Horn durchs Balderschwanger Tal ist schön. Schade, dass man nicht schon in den 1960er/70er Jahren das Skigebiet bis nach oben zum Riedberger Horn erweitert hat; es ist so viel Platz dort. Dass spätere Ansätze am Naturschutzstatus des Riedberger Horns scheitern mussten, ist nachvollziehbar.
Das Balderschwanger Skigebiet ist nicht groß, darum ging es von der DSB Riedberger Horn über den Verbindungshang Schwabenhof zum Skilift Schwarzenberg, der mit 1600 Metern 200 m länger ist als der andere Balderschwanger Großschlepplift, der Gelbhansekopflift. Am Schwarzenberglift war ich über einige ca. 5jährige Kinder im Anstehbereich verwundert, aber die fuhren tatsächlich selbstständig mit dem Lift hoch. Der Schwarzenberglift hat eine abwechslungsreiche, rote Abfahrt mit ein paar Varianten, die sich vormittags noch vergleichsweise akzeptabel fuhr, nachmittags nicht mehr. Im oberen Teil gibt es einen der wenigen Panoramaausblicke aus dem Skigebiet auf die Allgäuer Alpen. Vom Schwarzenberglift setzte ich meine Runde durchs Skigebiet zur Hochschelpenbahn fort. Deren Hauptpiste Sonnwiesabfahrt war schon vormittags eisig und abgefahren. Immerhin gibt es hier Einblick in die gegenüberliegenden Kare von Feuerstätterkopf und Burstkopf, in die man das Skigebiet toll hätte weiterbauen können. So, wie es ist, wirkt es auf mich irgendwie unfertig.
Dann ging es endlich zum Gelbhansekopflift. Es ist schon merkwürdig ... an der 4KSB Schelpenbahn steht eine große Wartetraube, und direkt daneben kann man ohne Wartezeit in den Schlepplift steigen. Der hat eine unterhaltsame Waldtrasse mit teils steilen Abschnitten, aber die Warntafel "Nur für Geübte" an seiner Talstation kann ich nicht nachvollziehen ... da gibt's in den Alpen ganz andere Kaliber, auf die das zuträfe. Ich freute mich auf die schwarze FIS-Abfahrt am Gelbhansekopflift, doch fand ich auch sie als Enttäuschung aus Eisflächen und Schneehaufen vor, die ich mir kein zweites Mal antun mochte.
Dann lieber erneut die Schwarzenbergabfahrt, die ich für die Fahrt zum Parkplatz Riedberger Horn zwecks Mittagssnack aus dem Kofferraum nutzte. Unterwegs blieb ich auf eine Bratwurst am Kiosk Loipenstüble an der Talstation Schwabenhoflift hängen ... Tipp für alle, die so wie ich während Omikron-Höchstinzidenzen eine vollwertige Einkehr im Berggasthaus vermeiden möchten.
Gesättigt startete ich die oben beschriebene Runde durchs Balderschwanger Skigebiet ein zweites Mal, nur ersetzte ich diesmal die FIS-Abfahrt des Gelbhansekopflifts durch die leichte Außenrum-Abfahrt bis zum Gschwendlift II, im Pistenplan ganz vorn eingetragen. Die blaue Lappachabfahrt dorthin ist durchaus abwechslungsreich und überrascht mit ein paar Schwenks und Geländekanten. Vom Gschwendlift II schaukelte ich über die anderen Übungslifte Gschwendlift I und Höflealplift zurück zur Schaltzentrale, wo ich erneut den Gelbhansekopflift nehmen wollte. Doch der war zwischenzeitlich mit Defekt ausgefallen, also staute sich Alles an der 4KSB Schelpenbahn, die ich mit 15 Minuten Wartezeit zwangsläufig benutzen musste. In deren Wartetraube kam es zur Slapstickeinlage des Tages: Der gesichtsälteste Skigast im Wartebereich verlor die Balance, kippte quer auf die Skier seiner Nachbarn und kam nur mit Hilfe der anderen Wartenden wieder auf die Beine und Skier. Daran schien er Gefallen gefunden zu haben, kippte er danach doch zur anderen Seite und räumte per Dominoeffekt gleich drei wartende Skifahrer um. Immerhin war es kein medizinischer Notfall - er lachte. Merkwürdigerweise mochten die drei Umgeworfenen aber so gar nicht mitlachen ... Ich habe dann lieber deutlichen Abstand zu ihm gelassen.
Wegen Ausfalls des Gelbhansekopflifts und übermäßiger Wartezeit an der Schelpenbahn fuhr ich am Restnachmittag nur noch die schattige Abfahrt des Schwarzenberglifts und die sonnige der DSB Riedberger Horn ... beides war zustandsseitig alles andere als ein Genuss. Immerhin schaffte ich es vor der Mehrzahl der Tagesgäste ins Auto und kam problemlos und staufrei heim. -
Fazit: Natürlich war es interessant, mal wieder ein bislang noch nicht besuchtes Skigebiet kennengelernt zu haben, und die abwechslungsreichen Abfahrten und die beiden langen Schlepplifte in Balderschwang können bei mir durchaus punkten. Für einen baldigen Wiederholungsbesuch waren aber der schlechte Pistenzustand und die wenig interessante Landschaft die Anfahrt und die teilweisen Beeinträchtigungen durch den Andrang nicht wert. Für mich bieten andere Allgäuer Skigebiete - kleine wie mittelgroße - mehr.
67 Fotos aus Balderschwang:
Pistenplan Balderschwang.
In Balderschwang war ich nicht der einzige Tagesbesucher.
Morgenimpression an der Talstation DSB Riedberger Horn.
Zum Einfahren nehme ich den arg langsamen Übungslift Raubach.
Nachdem ich zufrieden festgestellt habe, dass die Abfahrt der DSB präpariert ist, geht's gleich wieder runter.
DSB Riedberger Horn schön leer.
Blick zum Gipfel des Riedberger Horns, dessen Erschließungspläne sich naturschutzbedingt zerschlagen haben. Ist vielleicht besser so; die Balderschwanger DSB und das Skigebiet Grasgehren auf der anderen Seite liegen doch recht weit auseinander. Die Tourengeher turnen da oben übrigens bei Lawinenwarnstufe 3 herum ...
Abfahrt Riedberger Horn mit Blick ins Balderschwanger Tal.
Wie immer sieht so eine Abfahrt auf dem Foto besser aus, als sie war - nämlich schlecht präpariert.
Über die Verbindungsabfahrt Schwabenhof geht es hinüber zum ...
... Schwarzenberglift, 1600 m lang, von 1980.
Trasse Schwarzenberglift unten, ...
... oben ...
... und Ausstieg mit buntem Gewusel.
Die Schwarzenbergabfahrt bietet einen der raren Panoramablicke des Balderschwanger Skigebiets, hier Zoom zu Hochvogel und Schneck.
Schwarzenbergabfahrt, vormittags noch recht schön zu fahren.
Schwarzenbergabfahrt gegen Riedberger Horn.
Abfahrt "Autobahn" von der Bergstation Hochschelpen gegen Allgäuer Alpen.
Abfahrt in Richtung Sesselbahn Hochschelpen mit der schön gelegenen Käsehütte.
Käsehütte gegen Ifenkamm und Vorarlberger Berge.
Zoom zum Ifen überm Kleinwalsertal ...
... und zur Hochkünzelspitze ganz links und dem Schöneberg ganz rechts. Links hinten die Rote Wand.
Abfahrt zur Hochschelpenbahn. Durch die furchterregende Wartetraube unten ist man dank 6KSB in 5 Minuten durch.
In der Hochschelpenbahn, die 2016 den Vorgängerschlepplift ersetzte.
Familienabfahrt 5 in Richtung Schelpenbahn / Gelbhansekopflift.
Weiter auf der Familienabfahrt ...
... vorbei an der Bodenseehütte ...
... und dem Höflealplift ...
... zum Gelbhansekopflift. Da kommen auch weniger Geübte hoch.
Gelbhansekopflift - Doppelmayr Gitterportalstützenklassik Baujahr 1962.
An seinem oberen Trassenverlauf stehen schön bereifte Laubbäume.
Die schwarze FIS-Abfahrt an Gelbhansekopflift bzw. Schelpenbahn ist leider völlig vereist und abgefahren.
Ein spaßloses Unterfangen, das auf dem Foto besser aussieht, als es war.
Gelbhansekopflift, 1400 m lang.
Rückblick Trasse Gelbhansekopflift.
Wieder auf der Schwarzenbergabfahrt mit Blick auf Riedberger Horn und Allgäuer Alpen.
Zoom von der Schwarzenbergabfahrt auf Marchspitze, Öfnerspitze, Krottenkopf und Ramstallspitze.
Weiter auf der Schwarzenbergabfahrt.
Mit dem Schwabenhoflift geht es ...
... zum zweiten Besuch der DSB Riedberger Horn. Die merkwürdigen Rillen im Schnee sind Erosionsrinnen vom Starkregen ein paar Tage zuvor.
Die Abfahrt Riedberger Horn sieht mit Sonne schöner aus als mit morgendlichem Schatten, besser zu fahren ist sie dadurch aber auch nicht.
Blick zur Schwarzenbergabfahrt. Der Kegel dahinten drin ist übrigens der Hittisberg über Hittisau im Bregenzerwald.
Balderschwang ist eine kleine Häuseransammlung mit Kirche.
Zweite Skigebietsrunde - Schwarzenberglift.
Käsehütte in Richtung Hochschelpenbahn.
Die Schneise und die Freifläche auf der anderen Talseite unterm Burstkopf sehen für mich nach ehemaliger Lifttrasse und ehemaliger Skiabfahrt aus - stimmt das?
Weiter auf der Sonnenwiesabfahrt zur ...
... 6KSB Hochschelpenbahn.
Die zweite Skigebietsrunde führt mich über die Familienabfahrt 5 ...
... auf die blaue Lappachabfahrt ...
... hinunter zum Gschwendlift II.
Gschwendlift II gegen Schelpen.
Von der Bergstation Gschwendlift II führt eine Ziehwegabfahrt zurück zum ...
... Gschwendlift I, von dessen Abfahrt man über einen Parkplatz ...
... zum Höflealplift gelangt. Den benutzt man, um zu Gelbhansekopflift und Schelpenbahn nicht schieben zu müssen.
Ärgerlicherweise ist der Gelbhansekopflift irgendwann am Nachmittag ausgefallen, und alle müssen mit der 4KSB Schelpenbahn hoch, die völlig überlastet ist.
Kinderskirennpokale neben der Talstation der Schelpenbahn ... ich tippe auf Made in China.
Die 4KSB Schelpenbahn macht eigentlich einen guten Job, aber sie ist bei meinem Besuch den ganzen Tag lang überlastet.
Trasse Schelpenbahn. Es wird langsam schattig.
Seitenblick aus der Schelpenbahn in den Bregenzerwald mit dem Hittisberg.
Blick von der Bergstation Schelpenbahn über den Ausstieg Gelbhansekopflift mit dem Sendemasten zum Riedberger Horn.
Noch ein Zoom von der Schwarzenbergabfahrt zum Hochvogel und zum Schneck.
Und das ist der Zoom auf Rothorn und Kratzer über Holzgau im Tiroler Lechtal.
Letzte Schwarzenbergabfahrt.
Noch ein letztes Mal aufs Riedberger Horn, ...
... dessen Abfahrt ihr schlechtes Präparationsniveau bis zum Ende beibehält.
Nur der Schlusshang wird in der Nachmittagssonne weich und ist besser zu fahren.
Habe fertig!
[Edit 6.2.2022: Kleinkorrekturen, Typos]