An deinem Beitrag ist fachlich (fast) nichts auszusetzen und zeigt trotzdem wie man durch "richtige" Annahme von Ausgangsbedingungen so ziemlich jede gute Lösung als schlecht darstellen kann.NeusserGletscher hat geschrieben: 15.12.2022 - 14:18
Aktuell beträgt die Vorlauftemperatur bei meiner Heizung 60° C bei einer Außentemperatur von 0°C. Für die Temperaturdifferenz von 60K wird bei Luft-Wärmepumpen eine Leistungszahl von 3 angegeben. Um 3 Kilowattstunden Heizenergie zu erzeugen wird also 1 Kilowattstunde Strom benötigt. Der aktuelle CO2-Footprint für eine Kilowattstunde Strom beträgt für Deutschland 600 Gramm pro kWh. Bei einer Leistungszahl von 3 macht das 200 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde Heizenergie. Da sind die Transportverluste nicht einmal enthalten. Für Gasheizungen findest Du Angaben von 200 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Das ist natürlich nur eine Überschlagsrechnung, aber erst einmal sehe ich da nicht, wieso eine Luft-Wärmepumpe unter den derzeitigen Bedingungen ökologischer sein soll. Und bei dem momentanen Fachkräftemangel in der Politik sehe ich auch nicht, wie sich die Voraussetzungen in den nächsten Jahren da grundsätzlich ändern sollen.
- Du wählst deine anekdotische Vorlauftemperatur die *insbesondere in der Zukunft* immer weniger repräsentativ sein wird.
- Du gibst darauf basierend eine Leistungszahl von *3* an
- Du nimmst einen Footprint von 600 g/kWh an
mit mehr Kontext sieht es aber eher so aus:
- Vorlauftemperaturen können in vielen Fällen niedriger sein, bei Neubau sind sie es fast immer
- Leistungszahlen für die meisten Wärmepumpen liegen im Bereich von 3,5-5,5
- der Footprint Deutschlands im Jahr 2021 lag bei 460 g/kWh
Mit diesen Zahlen ist eine Wärmepumpe bezogen auf den CO2 Footprint bereits um Faktor 2 besser
in naher Zukunft sieht es dann vielleicht so aus:
- modernes Heizungssystem
- Leistungszahl 5
- CO2 Footprint <250 g/kWh
Mit diesen Zahlen ist eine Wärmepumpe bezogen auf den CO2 Footprint bereits um Faktor 4 besser
Dazu kommt der enorme Vorteil, dass Wärmepumpen mit Strom betrieben werden, den müssen wir nicht von Diktatoren einkaufen.
An der *passenden Stelle* erwähnst Du auch irgendwelche Übertragungsverluste beim Strom, entnimmst Du dein Gas aus der Umgebungsluft?
Man sollte auch dringend erwähnen, dass die Gasheizung die effizienteste fossile Heizung ist - wenn diese bereits gegen Wärmepumpen "verliert", wie steht es dann um Öl oder Holz?
Anekdotische Evidenz ist niemals eine Grundlage für allgemeingültig Aussagen. Du selbst kannst mit deinen persönlichen Annahmen natürlich darstellen, dass unter bestimmten Bedingungen eine Gasheizung nicht schlechter ist als eine Wärmepumpe, trotzdem bleibt es ein Extremfall und stellt nicht die Regel dar.