




Nach 10 Jahren Abstinenz wieder mal im Sommer zum Skifahren ... noch ist es trotz schmelzender Gletscher möglich und noch ist es auch zumindest juristisch gesehen erlaubt
Als ich am Vorabend die Ski aus dem Keller holte, stellte ich mir vor, dies vielleicht eines Tages klammheimlich machen zu müssen, wenn Skifahren – zumal in den Sommermonaten – wirklich einmal verboten werden sollte. Dann muss man wahrscheinlich die geliebten Bretter heimlich in eine Decke wickeln und über die Grenze schmuggeln. Aber 2023 hatte ich mich vor neugierigen Nachbarskindern im Kellergang noch nicht zu verstecken. Verwundert sahen sie mich an, wie ich mit meinem Paar Race-Tiger in der Hand in Richtung Tiefgarage schritt.


Um den in der kühlen Nacht einigermaßen gefestigten Schnee auskosten zu können, ehe die Julisonne für Wassersuppenverhältnisse sorgen würde, brach ich sehr früh auf. So fuhr ich in München durch leere Straßen und kam angenehm schnell Hintertux entgegen.

Ein Zwischenhalt südlich von Bad Tölz, ehe es über den Achenpass weitergehen sollte – diesen Halt legte ich nur deswegen ein, weil ich bei meinem Sommerschibesuch 2013 auch schon hier einen Fotostopp eingelegt hatte.


Bis zum Ziel zog es sich wie jedes Mal gefühlt ewig hin. Aber die Straße war dermaßen frei, dass das Autofahren mal wieder Vergnügen bereitete.
Am Parkplatz im satten Grün außen herum die Skischuhe anzuziehen, war wie immer recht ungewöhnlich. Neu für mich beim Kartenkauf der explicite Hinweis, dass ab 13.30 Uhr (ich hoffe, ich habe es mir richtig gemerkt) der Skibetrieb eingestellt würde.


Zooms nach oben vom Sommer in den Winter.

Die Hässlichkeit der Hotels in Hintertux ist wirklich enorm – jedes Mal ein grausamer Anblick. St. Augenkrebs...
Ich fragte die freundliche Verkäuferin, ob nach 13:30 Uhr die Piste gesperrt sein würde oder ob man einfach an der dritten Sektion weiterfahren dürfe. So hatte ich es 2013 auch gemacht, als sogar ganz oben die alte DSB noch länger wie die Schlepper am Gletscher lief. Die Frau meinte, dass ich die Situation mit 2013 nicht vergleichen könne. Nach 13.30 Uhr würde mir das Skifahren sicherlich keinen Spaß mehr machen, so sehr würde die Schnee dann weich werden. Sie sollte recht behalten!

Zoom zum Hang unterhalb der Bichlalm, wo von 1954 bis 1984 ein Portalmastenschlepper stand. Ich wusste nie, WO GENAU der Lift verlief und wollte an jenem Tag nach dem Skifahren noch auf LSAP-Suche gehen. Nun – es sollte sich herausstellen, dass bei der Hütte in der Mitte (die überm Seil) die Bergstation gewesen ist. Der Lift war also nicht besonders lang und ging nicht wie vorher vermutet ganz bis zur namensgebenden Alm hinauf. Das wäre geländetechnisch ein bisserl zu steil gewesen.
Aber man soll sich das nie täuschen – die haben vorm Vietnamkrieg steile Schlepper gebaut, was man heute nicht mehr fassen kann
(z.B. der Schlepper in Ruhpolding, der 1971 von der jetzigen DSB ersetzt wurde. Oder in Kitzbühel der Jufenlift. Oder eben Gamsleiten II...)


Unterwegs in den Winter... es war nichts los und ich konnte alleine hinauf schweben.

Man hat sich schon wieder gut daran gewöhnt, dass der Scheiß vorüber ist...aber die Masken in den Öffis nehmen nun wieder zu.

Leider war die alte EUB nicht in Betrieb – 10 Jahre zuvor konnte ich mit ihr hinauf, dafür staute es sich aber an der 2. Sektion am Morgen recht arg. Wie immer Ärger darüber, hier den Wopfner-ESL verpasst zu haben. Der an der 2. Sektion müsste ja noch bis 1995 gestanden haben? Der an der ersten ja nur bis 1981.


Im „Winter“ angekommen...

Im Lift, während im Flachland draußen ein heißer Sommertag anbrach... der Schnee war noch voll in Ordnung. Allerdings verlor ich gleich bei der ersten Auffahrt beim Knipsen einen Handschuh und natürlich lag er dann nicht einfach neben der Liftspur. Ich befürchtete, er sei bei einer der Gletscherstützen in irgendeinen Spalt gefallen. Wenigstens durfte ich die Trasse neben dem Lift trotz der Absperrung für übende Rennteams hinunter. Im Winter wäre so ein Handschuhverlust natürlich extrem blöd gewesen - wenigstens habe ich zumindest im Auto Ersatz dabei. Aber nach der zweiten Liftfahrt steckte der Handschuh plötzlich an einem Pfosten am Ausstieg. Dank an den Finder bzw. die Finderin!!!

Das Gletschergebiet am Morgen... noch war keine Suppenzeit.


Der Liftler hätte eher zu einem Tallift mit Kurzbügeln und/ oder Dieselantrieb gepasst



Blick zurück - nun war die Sonne draußen und bald sollte der Schnee natürlich sehr weich werden.


Ich war wie immer zu warm angezogen. Aber es stellte sich dennoch das totale Entspannungsgefühl ein. Man war aus dem Alltag katapultiert, zumal in eine andere Jahreszeit zumindest in den ersten anderthalb Stunden, ehe es dann auch hier oben sommerlich zugehen sollte.
Dank des wenigen Betriebs machte mir aber das Sulzskifahren nichts aus. Einfach hoch, Ausblick genießen, irgendwie durch das Mus hinab und am Ende zur TS laufen, da es unten extrem flach zuging nun. Dennoch ein Hochvergnügen! Wer weiß, ob es 2033 noch möglich sein wird...





Zoomspiel mit dem Mond - mir gefällt es immer, wenn man ihn sieht. Am besten ist natürlich ein Winterabend, wenn nach Liftschluss der Vollmond aufgeht. Hier nahm er schon ab und verabschiedete sich, als der Schnee immer suppiger wurde.

Zoomspielchen...



Nun mal zur Talstation der 10EUB - die dritte Sektion mied ich, da dort recht viele Fußgänger unterwegs waren, während man bei der EUB alleine in der Kabine sitzen konnte.

Könnte auch vom Winter sein, oder?

Wenigstens steht diese alte Klapper-DSB noch. Bei schönem Wetter ein Genuss, hier gemütlich in der Sonne nach oben zu fahren. Beim Sommerschi kann man dazu noch ganz gut ausruhen, weil das Fahren im Weichschnee doch recht anstrengt, zumindest mit über 40...

Dass sich noch keiner über das Z beschwert hat...



Seitenblick auf das Gletscherskigebiet von der DSB aus...








Sommerschieindruck... nun sengte die Sonne arg. 2013 hatte hier noch der Wind geblasen und ich war froh um meine nun lästige Skijacke.




Verpackte Talstation... als ob man die Leichentücher für den SL schon mal angelegt hätte...

Zoom zur Hütte, wo ich dann später Fundamente des Bichlalmlifts finden sollte. Mann kann sie sogar ein bisserl erkennen. Ich hab das vor Ort nicht bemerkt und erst beim nachmittäglichen Wandern dort unten entdeckt. Der Lift hörte ja unmittelbar oberhalb dieser Hütte auf.

Zoom ins gegenüberliegende Skigebiet, wo auch noch eine alte EUB steht. Unterhalb rechts davon gab es bis 1976 das Magnesitwerk Tux, das durch eine PB erschlossen war, dessen Talstation noch steht. Oben gab es sogar für die Bergarbeiter einen ESL, der im Winter auch zum Skifahren genutzt worden sein soll.

An der Hauptabfahrt fließt ein Bach - ist mir bislang nie aufgefallen
Jedenfalls galt es am späten Vormittag hier immer irgendwie drüber zu schanzen.


Zoom zu den Kletterern. Ich traue mich so etwas nicht.

Sah nach Lawinengefahr aus...

Immer mehr Nicht-Skifahrer waren nun am Berg unterwegs.


DSB mit Wanderern darüber


Hier wurde es langsam unerträglich

Eindrücke von der Talfahrt aus...

10 Jahre zuvor im Juni 2013...


2013....

Dann der Wechsel - raus aus der Skihose, Wanderhose an und natürlich auch ein entsprechender Schuhwechsel. Ich wollte nach Überresten des alten Bichlalmlifts suchen, der in den alten Skipanoramen immer noch rechts der Zufahrtsstrecke eingezeichnet ist.

Das erste Mal lief ich vom Parkplatz aus durch diese Horrorshowsiedlung... erinnerte mich an 10 Jahre zuvor, als ich mit dem Flughafenshuttlebus durch ein paar Touriorte an der Algarve fuhr. Dort standen nur Hochhäuser am Meer und ich konnte nicht verstehen, dort zu urlauben. Dann hier noch dieser Kitschstil oder "Jodlerstil". Da erbricht man sich auch ohne Aprés Ski bis um 4 Uhr...




Wenigstens fanden sich dann hier endlich Fundamente des Bichllifts. Die Talstation stand irgendwo an der Straße unten und die Umlenkung bei der Kuhtränke. Auf den Trassenverlauf hatte mich ein großen Foto an der Bergstation der 2. Sektion gebracht, wo man die alte EUB vom Tal herauf noch sieht. Im Hintergrund kann man die schon zweifach angezoomte Hütte neben den Fundamenten sehen. Direkt hinter oder neben der Hütte kann man auf dem alten Bild schließlich einen Portalmasten ausmachen. Dazu hatte ich auch noch im Internet ein altes Bild gefunden, das von unten aus geknipst worden war. Da sieht man, dass der Lift direkt rechts der Hütte vorbei geht. Man konnte nur nicht sehen, wie weit hinauf er reichte. Leider habe ich den Link nicht mehr.

Gegenüber noch ein interessanter Ausblick...

Blick nach oben zur Bergstation. Anfangs hatte ich noch weiter oben nach ihr gesucht. Aber dort ist das Gelände wirklich sehr steil. Man konnte mit dem Lift also nie bis zur Bichlalm kommen...




Blick nach unten - von dort kam er rauf. Von der TS ist nix mehr da...

Blick zurück zum Gletscher...

„Fake-LSAP“ am Rückweg gleich am Ortsrand. Zottel ist nicht darauf reingefallen

Wieder im schönen Ort...


Noch ein Halt, um einen Trassenblick von unten festzuhalten. Hintertux sah auch hier nicht schön aus. Im Winter, rein zu Skifahren, das kann man noch verstehen. Aber im Sommer? Da gibt es doch so viele schöne Ortschaften woanders... Ginzling zum Beispiel, wie sich gleich herausstellen sollte.

Hier ging der Lift zur Hütte hoch...


Ich fuhr auf dem Heimweg eben noch nach Ginzling (liegt das nicht bei Wien?
viewtopic.php?p=196645&sid=5464f4ed6899 ... f2#p196645


Trotz der Idylle war die Anfahrt doch noch getrübt worden durch einen äußerst aggressiven SUV-Fahrer (wie immer
Weiter vorne am Ortsrand gab es mal einen sehr steilen Kurzbügler:
https://cdn.alpinforum.com/imageproxy/? ... 8cc7ad4f7b
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Bei Panoramio sieht man noch, dass die Häuser sich nicht verändert haben:
https://lh5.googleusercontent.com/p/AF1 ... Qoyb=h1440
Hier sieht man links die alte Lifttrasse:
https://lh5.googleusercontent.com/p/AF1 ... mqYp=h1440
Vor Ort war ich leider so blöd und habe mich vertan. Ich war eh schon recht k.o. und lief die Straße weiter vom Dorf weg, anstatt wieder zum Ort zurück (ich hatte einfach schnell mal links auf einer Kiesfläche das Auto abgestellt...)


Ich war vor Ort fest davon überzeugt, hier die richtige Liftschneise gefunden zu haben. Ich vermutete, dass das kleine Gebäude noch ein altes Liftlerhäusl war. Erst daheim bemerkte ich den Fehler. Ich hätte einfach nur mal aufs Handy schauen sollen, aber mei... So stand ich da und die Bewohner wunderten sich, warum ich den steilen Grashang hinter ihrem Haus ablichtete. Ich dachte indessen was von "Wahnsinn! Wie steil war der denn!".
Aber irgendwann muss ich mal wieder nach Ginzling - hoffentlich dann ohne SUV-Rowdy hinter mir - und besichtige die richtige Trasse jenes steilen LSAP-Kurzbüglers.
Dennoch war es ein interessanter Tag und das Sommerschifahren eine super Abwechslung. Lange wird es so etwas wahrscheinlich ja eh nicht mehr geben. Leider..