Anfahrt: Ettlingen - A8 - Ulm - München - Inntaldreieck - A93 - A12 - Kufstein Süd - B173 - B178 - St. Johann - B164 - Fieberbrunn in 4:30 h
Wetter: 3.1. bewölkt, -3°C, 4.1. sonnig, -10°C, 5.1. bewölkt nach morgendlichem Regen, +5°C
Schnee: 10 bis 40 cm gesetzter Schnee und Maschinenschnee
Anlagen in Betrieb: Alle außer Fieberbrunn SCHL Gatterllift
Wartezeit: 0-3 min
Gefallen: Neues Skigebiet Fieberbrunn kennengelernt; Skibus Fieberbrunn; Wiedersehen mit Hinterglemm nach 25 Jahren; Wiedersehen mit der EUB der Expo Hannover 2000; Landschaft; Pulvermacherhütte
Nicht gefallen: Traversierung Fieberbrunn - Reckmoos - Hinterglemm/Reiterkogel zu zeitaufwändig; teils abgefahrene, harte Pisten; zu geringe Bergrestaurant-Indoor-Kapazität Hinterglemm/Reiterkogelgebiet.
Bewertung: 4,5 von 6 Punkten
Die traditionelle Dreikönigsskifahrt mit Freunden führte Familie Harzwinter 2025 nach Fieberbrunn in Tirol. Da Wintersportunterkünfte seit Covid und Russlandkrieg mit Folgeinflation teils fragwürdig teuer geworden sind, fanden wir diesmal nur hier die Kombination gute Skigebietsgröße plus Hotel mit akzeptablem Preis-/Leistungs-Verhältnis. Erfreulicherweise lag - im Gegensatz zu einigen Dreikönigsurlauben vorangegangener Jahre - Schnee bis in tiefste Lagen, was für den gewünschten hochwinterlichen Eindruck sorgte. Das Skigebiet war folglich nahezu im Vollbetrieb. Gute Voraussetzungen also. Die Talstationen der Fieberbrunner Bergbahnen liegen knapp außerhalb/oberhalb des Ortes. Ausdrücklich lobenswert hervorzuheben ist der hervorragende Skibusservice innerhalb Fieberbrunns zu den Bergbahnen. Der Bus kursiert ganztägig im Ort und steuert die Haltestellen alle 5-10 Minuten an - man braucht keinen Fahrplan.
Fieberbrunn ist ein sehr alter Tiroler Eisenerz-Bergbauort, der bis 1908 sogar eine eigene Eisen- und Stahlhütte besaß. Der Ortsname bezieht sich auf eine Schwefelquelle, der Heileigenschaften nachgesagt wurden. Heute ist Fieberbrunn ein aus Weilern zusammengewachsenes Straßendorf ohne ersichtlich attraktives Ortszentrum. Für einen Abendspaziergang hat uns der Ort nicht eingeladen; wir verließen das etwas abseits im Ortsteil Rosenegg gelegenene Hotel außer zum Skifahren nicht.
Neben dem in den 1960er Jahren erschlossenen Hauptskigebiet Streuböden verfügte Fieberbrunn früher über zwei weitere Skibereiche: Den zentral nahe der Kirche im Ort gelegenen, kurzen Reitllift mit Übungshangcharakter und die im Ortsteil Rosenegg gelegenen Hochkogellifte, zwei Sektionen Schlepplift auf den 1060 m hohen, gleichnamigen Buckel über dem Ort. Die beiden Hochkogellifte, die nicht im Pisten- oder Liftpassverbund mit dem Skigebiet Streuböden waren, wurden 2014 nach 4 Jahren improvisierter Betriebsfortführung (teils als Rodellift) durch eine lokale Gruppe von Hoffnungsträgern wegen finaler Unrentabilität geschlossen und abgerissen. Im Internet gibt es keine Fotos vom Winterbetrieb der Hochkogellifte, schade. Forenkollege Vovo hat den Hang im Sommer 2010 dokumentiert. Wann der Fieberbrunner Reitllift verschwand, ist mir nicht bekannt. An ihn erinnert heute noch ein Straßenname.
Das eigene Skigebiet Fieberbrunns rund um Lärchfilzkogel und Reckmoos hat uns recht gut gefallen, ist für gute Skifahrer für mehrere Tage aber zu klein. Das soll die 2015 eingerichtete Lift- und Pistenverbindung zum Hinterglemmer Reiterkogel durch den Hörndlingergraben wett machen. Bei den Talzubringern in Fieberbrunn freute ich mich über das Wiedersehen mit der EUB Doischberg mit ihren gelben Kabinen, mit der ich bereits vor Jahren gefahren war - nicht in Fieberbrunn, sondern als Expo 2000-Bahn in Hannover. Auf die Streuböden und den Lärchfilzkogel brachte uns die für die Saison 2024/25 neu als 10EUB erbaute Bahn, die die frühere Gruppenumlaufbahn ersetzte. Dafür war ich dankbar, denn die einzige Gruppenumlaufbahn, mit der ich beim Skifahren je fahren musste, war die auf dem Pitztaler Gletscher zum Hinteren Brunnenkogel (PitzPanoramaBahn, heute EUB Wildspitzbahn), und die war schrecklich. Unsere Favoriten auf der Fieberbrunner Seite wurden die Abfahrt der 4SB Hochhörndl und die Talabfahrten von Doischberg und Streuböden. Weniger angetan waren wir von den Verbindungspisten nach Hinterglemm auf den teils recht steilen Hängen des Hörndlingergrabens. Diese "dunkelroten" Pisten sind bei Hauptsaison-typischer Frequentierung schnell abgefahren und aufgeschoben und haben dann nur noch Pflicht- statt Kürcharakter. In der Nebensaison mit weniger Skifahrern auf den Pisten mag das angenehmer aussehen.
Auf den Hinterglemmer Südhängen hatten wir Skispaß auf den sonnenexponierten Pisten von Reiterkogel- und Hasenauerbahn, KSB Sunliner (einst - für mich wohlklingender - Reiteralmlift) und der schönen, langen Bernkogelabfahrt nach Saalbach. Ich freute mich, Hinterglemm und Saalbach nach 25 (!) Jahren wiederzusehen ... zuletzt war ich im Jahr 2000 mit einer Universitäts-Skifahrt dort. Da wir unter unseren mitgereisten Freunden auch langsamere Skifahrer haben und um 14 Uhr an die Rückkehr nach Fieberbrunn denken mussten, verwarfen wir von vornherein den Besuch der Nordhänge des Schattbergs in Saalbach und des Zwölferkogels in Hinterglemm. Bedingt durch den durchgängigen Schatten der Nordabfahrten im Januar für mich kein Verlust, wenn man dort zurückliegend im März mit Sonne auf dem Hang gefahren ist. Bezüglich Anbindung der Hinterglemmer Hochalm an den Reiterkogel erinnere ich mich an lange Verbindungswege, weshalb wir auch sie bei diesem Besuch außen vor ließen. Die Saalbacher Südhänge von Kohlmais und Schönleiten/Wildenkarkogel besuchten wir diesmal separat am Abreisetag, dem Dreikönigstag, von Leogang aus (separater Bericht). Ärgerlich für uns war die in der Hauptsaison unzureichende Indoor-Kapazität der Hinterglemmer Berggastronomie im Reiteralmgebiet. Reiteralm, Sonnalm, Wieseralm, Pfefferalm und Goaßstall mögen nette Einkehren sein, haben bei kaltem, bewölktem Wetter in der Hauptsaison aber zu wenig Innenplätze. Wir blieben über die Mittagszeit dort erfolglos, mussten teuer auf der Hauptstraße in Hinterglemm einkehren, lernten draus und kehrten am Folgetag stattdessen schon früh in der Pulvermacherhütte im Verbindungsgebiet des Hörndlingergrabens ein. Empfehlung! Das Reiterkogelgebiet benötigt aus meiner Sicht ein zusätzliches, größeres SB-Restaurant am Berg analog der Hochwartalm bei den Saalbacher Schönleitenbahnen.
Fazit: An unseren drei Skitagen in Fieberbrunn verbrachten wir eine gute Zeit sowohl im ursprünglichen Fieberbrunner Skigebiet Streuböden selbst als auch auf den angebundenen Hinterglemmer Südhängen, während uns die steilen, oft eisigen Verbindungspisten der EUB Reckmoos Süd und der EUB TirolS II nicht überzeugen konnten.
Exkurs 1: Das Fieberbrunner Sportgeschäft an der Talstation der Doischbergbahn übernahm seine Aufgabe beim Service für meine Ski sehr konsequent. Wohl noch nie in den letzten 20 Jahren habe ich beim Skiservice mit viel qualitativ hervorragendem Wachs einen so schnellen Ski zurückbekommen, aber auch noch nie derart professionell rennmäßig geschärfte Kanten, so dass sich meine Ski nach dem Service auf Hartschnee völlig anders fuhren als jemals zuvor, für mich einen Tag lang nur schwierig zu beherrschen waren und ich schließlich mit ihnen auf der steilen, schwarzen Abfahrt Reckmoos Nord 121a stürzte (was mir sonst nicht passiert), sämtliches Equipment verlor, 50 Höhenmeter auf dem Bauch den Steilhang hinunterglitt und schließlich von mehreren anderen Skifahrern Stöcke und Ski gebracht bekam.
Exkurs 2: Irritiert musste ich feststellen, dass das alte, fragwürdig interpretierbare Logo von Saalbach-Hinterglemm-Leogang (ein wegen brennender Hose in die Luft gehender Avatar) zwischenzeitlich modifiziert wurde. Familie und Freunde fragten mich, was das wohl darstellen solle. Ich erkenne nun einen Vogelschiss auf schwarzem Grund.
[Bericht über den Folge-Skitag zwischen Leogang und Saalbach am 6. Januar hier.]
65 Fotos vom Skifahren zwischen Fieberbrunn und Hinterglemm:
Start in Fieberbrunn am 3. Januar mit der neuen EUB Streuböden. Gute Bahn; da ich den GUB-Vörgänger nicht kenne, trauere ich ihm nicht nach. Gegenüber die Buchensteinwand mit dem Skigebiet auf der Rückseite. Da die Sicht zwischenzeitlich schlecht war, ist der Transit nach Hinterglemm nur teildokumentiert.
EUB Streuböden mit SCHL Zillstatt.
Abfahrt durch bereiften Lärchenwald auf den Streuböden.
Piste SCHL Zillstatt. Der Hügel unter der ganz linken Kabine ist übrigens der Hochkogel, der früher per Schlepplift erschlossen war.
Trasse SCHL Zillstatt.
Abfahrt Streuböden gegen Buchensteinwand (Skigebiet auf der Rückseite besucht 2018).
Winter.
Bergfahrt in der EUB Doischberg, die schon als Expo 2000-Bahn in Hannover ihre Dienste verrichtete. Das Holzhäuschen am Waldrand könnte die Talstation des früheren Kurvenschlepplifts Doischberg gewesen sein.
Im Fieberbrunner Reckmoos-Gebiet auf der Abfahrt 122 an der Hochhörndl-Hütte.
Abfahrt 123 an der EUB Reckmoos-Süd. Ziemlich aufgeschoben und eisig, was das Foto nicht zeigt. Diese Abfahrt wurde mein Anreiz für Skiwartung.
Hier sind wir schon auf der Hinterglemmer Seite auf der blauen Abfahrt 80 der KSB Sunliner 4er, früher Reiteralmlift.
Blaue Talabfahrt 70a nach Hinterglemm zur Talstation der EUB Reiterkogel.
Bergfahrt in der Hinterglemmer EUB Reiterkogel.
Bergstation EUB Reiterkogel.
Noch eine Talabfahrt nach Hinterglemm auf der blauen 70a zwecks (erfolgloser) Einkehrsuche, hier am Goaßstall.
In der KSB Sunliner 4er, früher Reiteralmlift. Schönes Skigelände ... ich mag Liftnamen ohne (oder mit falschem) Lokalbezug nicht. Ein Sunliner 4er könnte auch in jedem anderen deutschsprachigen Skigebiet stehen.
Zurück nach Fieberbrunn durchs Reckmoos-Gebiet, hier mit der Mittelstation der EUB Reckmoos Nord. Die Abfahrt 121 Reckmoos Nord war ähnlich aufgeschoben und vereist wie ihr Pendant 123 auf der Südseite.
Fieberbrunner Abfahrt 109 an der Lärchfilzhochalm ...
... und weiter an der KSB Lärchfilzen entlang.
Da wir vormittags den schrecklichen Talabfahrtsziehweg 108 nach Fieberbrunn kennengelernt hatten, vermieden wir diesen in der Folge und wählten nun stattdessen die Talabfahrt mit Zwischenaufstieg per SCHL Maiskopf auf den Doischberg.
Talabfahrt Doischberg nach Fieberbrunn. Schön.
Dito.
Am 4. Januar wiederholten wir die Traversierung von Fieberbrunn nach Hinterglemm bei Schönwetter
... und weiter oben. Eine (schöne!) Landschaft wie in den Voralpen, obwohl wir mitten im Tiroler Gebirge (an der Grenze zu Salzburg) sind.
Winteridylle an der Bergstation EUB Doischberg gegen Hochbrett und Birnhorn in den Leoganger Steinbergen.
Hinübergleiten vom Doischberg zur KSB Lärchfilzen. So schön und so leer ...
Bergfahrt KSB Lärchfilzen.
Kurzes Hinübergleiten von der Bergstation KSB Lärchfilzen zur EUB Reckmoos Nord, um in Richtung Hinterglemm weiterzukommen. Die Reckmoos-Abfahrten waren schon vor der Anbindung an Hinterglemm Teil des Fieberbrunner Skigebiets.
EUB Reckmoos Nord. Der Hang ist - wie es sich für einen Nordhang gehört - im Januar im Schatten.
An der Bergstation EUB Reckmoos Nord mit Blick zu den Hohen Tauern.
Hohe Tauern mit u.a. Wiesbachhorn, Kitzsteinhorn, Großglockner.
Zoom zum Kitzsteinhorn.
Zoom zum Großglockner.
Zoom zum Großvenedigermassiv (Hoher Zaun, Schwarze Wand, Rainerhorn). Der Hauptgipfel war vom Reckmoos nicht einsehbar. Mich fasziinieren die gleichmäßigen geometrischen Formen solcher Tauernberge.
Zoom von der Bergstation Reckmoos zur Saalbacher Schattberg-Westabfahrt.
Bergstationen Reckmoos Nord und Süd.
Tauernblick von der Bergstation Reckmoos samt Hang der KSB Hochhörndl.
Die Reckmoos-Hänge sind durchaus steil. Gegenüber die KSB TirolS II auf den Hinterglemmer Reiterkogel. Links daneben die Bergstation auf dem Saalbacher Bernkogel.
Zoom-Blick von der Bergstation Reckmoos über den Bernkogel. Der auffällige Berg in Bildmitte oben links heißt ebenfalls Bernkogel.
Abfahrt 122 zur SB Hochhörndl.
Die SB Hochhörndl ...
... hat uns irgendwie an die SB Vallon in Corvara erinnert:
... tolles Panorama von der Bergstation ...
... und sportliche rote Abfahrt.
Nach dem Abstecher über die Hochhörndl-Piste geht es über die diesmal in besserem Zustand befindliche Abfahrt 123 auf Reckmoos Süd weiter in Richtung Hinterglemm.
Unterwegs im Hörndlingergraben zur EUB TirolS in Richtung Hinterglemm.
Bergfahrt EUB TirolS. Hinten sieht man übrigens einen Teil des Magnesit-Tagebau-Bergwerks Hochfilzen. Dieses Bergwerk transportiert den gewonnenen Magnesit über eine 7 km lange Materialseilbahn zur Verarbeitung im Ort Hochfilzen.
Von der Bergstation EUB TirolS auf dem Hinterglemmer Reiterkogel sind wir über die Abfahrt 87 und die KSB Wetterkreuz auf den Saalbacher Bernkogel gewechselt. Dies ist die (zu) flache, blaue Abfahrt 146 der KSB Bernkogel.
Aber dies ist die blau-rote Fortsetzung der 146 / Bernkogelabfahrt hinunter nach Saalbach. 25 Jahre lang nicht mehr gefahren ... und toll!
Bernkogelabfahrt 146 weiter unten.
Ende der Bernkogelabfahrt in Saalbach mit der markanten Kirche. Zu den Kohlmaisbahnen hinüberzuschieben oder zu tragen hatten wir keine Lust.
Zurück auf den Bernkogel mit der EUB.
Blick aus der EUB Bernkogel zum Hinterglemmer Zwölferkogel.
Weiterfahrt auf den Bernkogel-Gipfel mit der gleichnamigen KSB.
In der KSB Reiterkogel Ost.
Querung vom Hinterglemmer Reiterkogel über die Abfahrt 84 zur Hasenauerbahn.
Abfahrt 70 Hasenauer von oben ...
... und von unten.
Rückfahrt nach Fieberbrunn. Abfahrt 125 der EUB TirolS. Auf dem Gegenhang die EUBn TirolS II und Reckmoos Süd.
Talstation der EUB TirolS im Hörndlingergraben. Rechts wäre die Pulvermacherhütte.
Start zur Abfahrt 121 / Reckmoos Nord.
Schwarzes Stück 121a dieser Abfahrt gegen die Leoganger Steinberge.
Weitere Abfahrt 107 Richtung Fieberbrunn an der KSB Lärchfilzen.
Weiter in Richtung Doischberg mit dem SCHL Maiskopf.
Rote Talabfahrt 105 vom Doischberg nach Fieberbrunn gegen den Wilden Kaiser. Schön!
[Edit: Links zu historischen Liftanlagen und zum Magnesit-Tagebau Hochfilzen eingefügt, Typos korrigiert.]