Ich habe eine riesige Diasammlung meiner Eltern und schaue mir hin und wieder an, wo ich als Kind und Jugendlicher schon so alles war (es ging immer in die Berge). An vieles kann ich mich noch erinnern, manche Erinnerung ist aber auch schon verblasst. Und nachdem ich auch nicht mehr jünger werde - ganz im Gegenteil, gefühlt vergehen die Jahre immer rasanter - sollte es in diesem Jahr noch einmal zurück in die Jugend gehen. Und damit kommt jetzt der Konjunktiv...
Eine Klettersteigtour in den Dolomiten sollte es werden, denn das gehört leider zu den schon etwas verblassten Erinnerungen. Der Rest unserer Truppe - wir sind ja nun schon einige Jahre zusammen unterwegs - hätte eine Hüttentour gemacht, das haben wir letztes Jahr schon so besprochen. Also alles so ausgemacht und (wie immer bei der Alpinschule Oberstdorf) gebucht. Aber dann... hätte hätte, Herrentoilette (Danke Arnd Peiffer für den Spruch!)
6 Wochen vor dem Start muss mein Klettersteig-Begleiter leider beruflich absagen. Fast zeitgleich fällt bei der Wandergruppe eine Kameradin aus. Und ich habe immer mehr mit Knieproblemen zu kämpfen, weil die Arthrose einfach so kommt. Eigentlich in meinem Alter noch nicht unbedingt typisch, aber es ist halt so. Und dann bin ich tatsächlich der einzige angemeldete Teilnehmer für die Klettersteige - Absage also recht wahrscheinlich. In der Summe fällt die Entscheidung dann vernünftigerweise ganz schnell: Nix mit Klettersteig. Ich übernehme den freigewordenen Platz und überquere mit den anderen (mal wieder
So steigt dann die Vorfreude wieder von Tag zu Tag, der Rucksack wird gepackt und schließlich geht es wieder einmal quer durch das gelobte Land von Franken ganz oben nach Schwaben ganz unten. Und ich kann es vorweg nehmen: Alles richtig gemacht - es war wieder eine super schöne Woche.
Tag 1: Sonntag, 23.07.2023
Aufstieg ca. 1.100 hm, Strecke ca. 8 km, reine Gehzeit ca. 3:15 Stunden
Der "Frankenexpress" startet frühzeitig, wir kommen gut durch und erreichen entspannt unseren Ausgangspunkt Oberstdorf. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Alpinschule. Wir haben noch reichlich Zeit... Also machen wir einen kleinen Frühschoppen am Bahnhof, wo dann nach und nach auch der Rest der Truppe mit großem "Hallo" eintrifft. Mit dem Linienbus fahren wir ins Rappenalptal bis Birgsau, wo es dann endlich richtig losgeht. Nach einer halben Stunde erreichen wir Einödsbach und oben zeigt sich das Allgäuer Dreigestirn: Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze. Rechts der Bockkarkopf, über den uns letztes Jahr der Heilbronner Weg geführt hat. Nachdem wir gerade erst gestartet sind, verzichten wir natürlich noch auf eine Einkehr. Eine Stunde später erreichen wir die Petersalpe. Nachdem es sehr schwülwarm ist und wir noch einiges vor uns haben, machen wir auch hier nur eine kurze Pause ohne Einkehr. Auf der anderen Talseite sehen wir die Schafalpenköpfe. Oben drüber führt der Mindelheimer Klettersteig, unten vorbei der Krumbacher Höhenweg, den wir im letzten Jahr gewandert sind. Ab der Petersalpe wird es steiler und es geht konstant nach oben. Durch das Rappenalptal hat man einen schönen Blick zurück. Nochmal Blick zum Vorjahr: Über das Fiderejoch in der Bildmitte sind wir letzten Sommer von der Fiderepasshütte zur Mindelheimer Hütte gewandert. Nach 3 Stunden erreichen wir die Enzianhütte auf 1.804 m. Und hier wird dann auch Einkehrpause gemacht. Und was erwartet uns da? Der Wirt hat doch tatsächlich in einem Nebengebäude eine Brauerei eingerichtet!!! Selbstverständlich werden beide Sorten verkostet und für sehr gut befunden
Aufstieg ca. 900 hm, Abstieg ca. 650 hm, Strecke ca. 14 km, reine Gehzeit ca. 5 Stunden
Wir starten früh am Morgen, unser erstes Tagesziel heißt Lechleiten. Letzter Rückblick zur Rappenseehütte - schön war es wieder hier. Das Wetter schaut noch gut aus, aber es weht ein scharfer, kalter Wind. Über dem Rappensee wachen der Rappenseekopf und der Hochrappenkopf. Und etwas weiter links die Rotgundspitze und die Hochgundspitze, dazwischen die große Steinscharte, durch die es hoch zum Heilbronner Weg geht. Aber für uns geht es ja in die andere Richtung. Auf dem schmalen Weg in den Mutzentobel muss man etwas aufpassen. Als wir unten sind, beginnt es zu regnen. Über die Hochfläche geht es in Richtung Österreich - hinten zeigt sich das Karhorn, rechts lugt der Widderstein hervor. Dieses Wegstück kennen wir schon vom Vorjahr, allerdings in der Gegenrichtung. Letzter Blick zurück auf die Allgäuer Alpen... ... und die Schafalpenköpfe (rechts) und das Geisshorn (links). Dann zweigen wir ab und es geht über Almwiesen Richtung Lechleiten. Erster Talblick nach Warth mit seinem Skigebiet. Leider zieht es immer mehr zu und regnet auch meistens. Hinten rechts liegt Lech. Der Abstieg über den Wiesenweg nach Lechleiten ist etwas rutschig, aber wir kommen gut runter. Hier holt uns dann ein Taxi ab, das uns ein Stück durch das Lechtal hinab nach Steeg und dann hoch ins Seitental bis Kaisers bringt. Hier geht es dann los zur zweiten Etappe des heutigen Tages. Es geht hinein ins Kaiserbachtal. Gemächlich ansteigend geht es auf einem Fahrweg hinein in das Tal, immer mit Blick auf den Wiesskopf. Auch der Blick zurück ist recht schön. Der Regen hat auch aufgehört. Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Kaiseralpe, wo wir unsere Mittagspause einlegen. Nach der Alm wird es dann zunehmend steiler und wir gewinnen stetig an Höhe. Blick zurück ins Kaiserbachtal und auf die Lechtaler Alpen. Leider zieht es wieder etwas zu und auch der Regen kommt zurück. Den Abschluss des Kaiserbachtales bilden die Feuerspitze (links) und die Vorderseespitze (rechts). Weiter oben wird das Gelände wieder flacher und wir sehen hinten schon unser Tagesziel... ... das kleine, gemütliche Kaiserjochhaus. Im Lauf des Abends und der Nacht regnet es sich dann ziemlich ein, so dass wir uns in der Hütte einigeln... Tag 3: Dienstag, 25.07.2023
Aufstieg ca. 650 hm, Abstieg ca. 1.050 hm, Strecke ca. 8,5 km, reine Gehzeit ca. 4 Stunden
Morgendlicher Blick vor der Hütte. Immerhin hat der Regen aufgehört. Unten im Tal hängen die Wolken. Heute geht es zunächst hinab nach Pettneu. Über dem Stanzertal wacht der markante Hohe Riffler (3.168 m). Blick zurück zum Kaiserjochhaus. Schon nach kurzer Zeit kommen wir in die Wolken und es beginnt zu regnen. Nach gut 2 Stunden erreichen wir dann Pettneu am Arlberg, wo wir uns in einem Café etwas aufwärmen. Danach holt uns wieder ein Taxi ab und bringt uns ins Malfontal zur Malfonalm. Hier machen wir erst einmal Mittagspause. Dann geht es weiter ins Malfontal hinein. Wir können heute unsere Rucksäcke mit der Materialseilbahn hochschicken und machen uns mit leichtem Gepäck an den Aufstieg. Auch hier gewinnen wir wieder schnell an Höhe. Meistens bleibt es trocken, aber der Wind pfeift ziemlich kalt. Blick zurück - in der Senke in der Mitte steht das Kaiserjochhaus, wo wir heute morgen gestartet sind. Rückblick ins Malfontal. Schön ruhig und einsam ist es hier. Hoffentlich bleibt es auch so - eine Ski-Erschließung brauche ich hier nicht. Schließlich taucht auch unser Tagesziel auf. Die Edmund-Graf-Hütte. Dank leichtem Gepäck haben wir nur rd. 1,5 Stunden von der MSB aus gebraucht. Außer uns sind nicht viele Gäste da und wir haben wieder einen schönen Hüttenabend mit einem sehr netten jungen Hüttenwirt. Tag 4: Mittwoch, 26.07.2023
Aufstieg ca. 650 hm, Abstieg ca. 800 hm, Strecke ca. 12,5 km, reine Gehzeit ca. 4 Stunden
Am Morgen erwartet uns das, was am Vorabend schon angekündigt war: Es hat bis unter 2.000 Meter geschneit. Nachtrag von gestern: Auf dem Kaiserjochhaus gab es keine Dusche. Aber die Edmund-Graf-Hütte hat eine. Und zwar 50 Meter neben der Hütte. Gespeist von klarem Bachwasser
Aufstieg ca. 350 hm, Abstieg ca. 1.120 hm, Strecke ca. 14 km, reine Gehzeit ca. 4:30 Stunden
Heute sieht das Wetter endlich wieder gut aus
Aufstieg ca. 1.250 hm, Abstieg ca. 650 hm, Strecke ca. 21 km, reine Gehzeit ca. 05:30 Stunden
Heute steht die eigentliche "Königsetappe" an: Durch die berühmte Uina-Schlucht geht es hinauf zur Sesvennahütte und damit nach Südtirol, wo unsere Tour dann im oberen Vischgau enden wird.
Wir starten Bahnhof, wo wir einen schönen Morgenblick ins Engadin haben. Zunächst bringt und der Linienbus nach Sur En zum Eingang des Uina-Tales. Auf dem Fahrweg geht es entlang des Baches mal mehr, mal weniger steil in das Tal hinein. Etwas weiter oben weitet sich das Tal dann wieder. Nach knapp 2 Stunden erreichen wir die Dadaint Alm, die wir zur Einkehr für das "Elfa-Seidla" nutzen. Und hinter der Alm sehen wir schon den Weg, der in den Felsen durch die Schlucht führt. Da hinten geht es gleich hinein. Aber vorher müssen wir erst noch ein ganzes Stück hoch. Teilweise benötigt es etwas erhöhte Aufmerksamkeit und konzentrierte Gehweise. Und dann geht es auch schon hinein in die Uina-Schlucht. Der Weg ist komplett in den Fels gesprengt und steigt konstant an. Ein eindrucksvolles Erlebnis. Die Uina-Schlucht ist mit einer klassischen Klamm nicht ganz vergleichbar: Sie ist einiges breiter und vor allem viel steiler als die üblichen Klammen. Auch der Blick zurück lohnt sich immer wieder. Der Weg durch die Schlucht ist bestens gesichert, teilweise sind die Drahtseile nagelneu. Immer wieder treffen wir unterwegs auch auf Biker. Klar, der Weg unter- und oberhalb der Schlucht mag ja ganz nett sein. Aber warum man ein Mountainbike durch so eine Schlucht schieben und teilweise tragen muss, erschließt sich mir nicht wirklich. In der Summe legt man auf dem Weg durch die Schlucht doch einige Höhenmeter zurück. Nach einer Stunde erreichen wir den oberen Ausgang der Schlucht. Und dann ist alles wieder grün und das Tal öffnet sich weit. Da kommt fast Tibet-Hochtal-Feeling auf... Auch hier lohnt sich wieder der Blick zurück. Gemächlich ansteigend durchqueren wir das Hochtal. Hinten erwartet uns schon der Föllakopf, der Hausberg der Sesvennahütte. Im Bereich der "Passhöhe" des Hochtals haben wir bereits die Grenze zu Südtirol überquert und befinden uns schon auf den letzten Metern vor der Hütte. Einmal ums Eck, und schon grüßt der König Ortler zu uns herüber. Davor die Alte Pforzheimer Hütte, die wohl seit 2015 als Museum genutzt wird, aber offensichtlich wegen Bauarbeiten aktuell geschlossen ist. Und nochmal ums Eck steht schon unser Einkehrziel: Die Sesvennahütte. Ortlerblick von der Terrasse. Auf der Hüttenterrasse lassen wir es uns gut gehen und rasten ausgiebig. Aber irgendwann müssen wir dann halt doch den Abstieg antreten. Nach einer steilen Felsstufe geht es hinab in das nächste Hochtal Richtung Schlinig. Der Schwarzwand-Wasserfall. Der Name ist wohl selbsterklärend... Wir steigen durch das Hochtal ab. Die Schliniger Alm lassen wir ausfallen, dafür waren wir oben auf der Hütte lange gesessen. Und dann erreichen wir Schlinig. Im Prinzip endet hier unsere Tour - mit dem Linienbus geht es nun noch hinunter nach Mals. Vinschgaublick vom Bus aus. Wir kommen im schönen Städtchen Mals an. Unser Gasthof hat zwar schon bessere Zeiten gesehen, liegt aber dafür mitten im Ort. Und dazu ist heute auch noch Dorffest
Guten Morgen... um 07.30 holt und ein Kleinbus in Mals ab und geht über den Reschen- und Fernpass zurück nach Oberstdorf. Schön war es wieder. Und viel zu schnell vorbei. Das alljährliche Fazit
Das Wetter hat uns diesmal so ziemlich alles geboten was es kann... Auf dem Weg zur Schmalzgrubenscharte ist dann auch mal der Satz "Nächstes Jahr gehen wir im Sommer" gefallen
Landschaftlich ist die Tour sehr schön und abwechslungsreich, es geht natürlich immer wieder hoch und runter, weil ja zahlreiche Täler gequert werden müssen. Die Unterstützung durch Taxitransfers ist dabei gut und passend eingebaut.
Was mir am meisten gefallen hat: Die Ruhe und fast völlige Einsamkeit auf den begangenen Wegen. Nur selten sind uns andere Wanderer begegnet und auch auf den Hütten war überwiegend wenig Betriebsamkeit. Alles in allem einfach eine rundum gelungene Tour!
Ein herzliches Dankeschön geht an unseren Wanderführer Thomas, der uns super sicher, kompetent, hilfsbereit und kameradschaftlich über die Berge geführt und auch gerne die Hüttenabende mit uns verbracht hat. Ein ebenso großes Dankeschön natürlich wieder an meine Mitwanderer - wie immer war es eine tolle Truppe, zu der auch die beiden "Neulinge" super gepasst haben. Wir sehen uns nächstes Jahr
Apropos nächstes Jahr: Wie immer haben wir schon die nächste Tour geplant. Nächstes Jahr wird es dann für Stefan und mich eine "Wiederholung" geben: Vom Königssee zu den Drei Zinnen. Der Rest der Gruppe kennt die Tour noch nicht und wir haben noch eine Rechnung aus 2015 offen: Drei Tage sind wir um den Großglockner herumgestiefelt, ohne ihn ein einziges Mal zu sehen. Aber nächstes Jahr gehen wir ja im Sommer
Wenn euch der Bericht gefallen hat, freue ich mich natürlich über Kommentare oder ein Dankeschön
Die Touren der letzten Jahre:
"Steinbocktour": Allgäuer Hauptkamm - Heilbronner Weg 21.-26.08.2022
Meraner Höhenweg rund um die Texelgruppe 01.-07.08.2021
Dolomitenhöhenweg Nr. 1 26.07.-01.08.2020
Von der Zugspitze nach Meran 28.07.-03.08.2019
Walserweg von Oberstdorf nach Chur 22.-27.07.2018
Von den Geislerspitzen zum Rosengarten 23.-29.07.2017
Von Mittenwald nach Brixen 17.-23.07.2016
Vom Königssee zu den Drei Zinnen 26.07.-01.08.2015
Höhepunkte der Dolomiten 27.07.-01.08.2014
E5 Oberstdorf-Meran 22.-28.07.2013