Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

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Zottel
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Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Zottel »

Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Seit der Wintersaison 2024/25 wird am Jenner kein Skibetrieb mehr angeboten. Dabei hatte man erst 2018/19 vier hochmoderne neue Seilbahnen in Betrieb genommen und einen Betrag von 57 Millionen Euro investiert.

Das ist der Versuch einer kleinen Chronologie des Scheiterns - untermalt mit Fotos aus Juli 2024, die den millionenschweren Schlamassel zeigen. In der Hauptrolle die 6-CLD Jennerwiesenbahn: Erbaut 2018, stillgelegt 2024, demontiert und verkauft 2025.

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Vorgeschichte - bis 2017:

Der Jenner ist ein kleines Skigebiet mit betagten Anlagen. Die historische 2-EUB aus dem Hause von Roll stammt aus dem Jahr 1953, der neueste Lift von 1986. Mit einer Mega-Investition will man den Jenner im Winter wie Sommer in neue Sphären heben.

Im Januar 2017 ist man sich einig und alle kleinen und großen Polit-Lichter sichern sich ihr Stück vom Prestige-Kuchen. Im Nachhinein will von diesen Herrschaften wahrscheinlich niemand mehr etwas davon wissen (https://seilbahn.net/sn/berichte/berich ... =agh586zyf).
Staatsministerin Ilse Aigner hat geschrieben: Bayern ist das Tourismusland Nr. 1 in Deutschland und zwar im Sommer wie im Winter. Um auf dem Tourismussektor jedoch auf Dauer und mit Erfolg im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können, muss den Urlaubsgästen in Bayern ein hoher und zeitgemäßer Qualitätsstandard geboten werden. Moderne und komfortable Seilbahnen nehmen dabei eine Schlüsselfunktion ein: Sie sind für den Urlauber bei der Wahl eines Ferienortes in der Bergregion entscheidend und zwar unabhängig von der Jahreszeit. Mit dem Erlebnisberg Jenner entsteht hier in der unvergleichlichen Kulisse der Berchtesgadener Bergwelt ein einmaliger Tourismusmagnet für Jung und Alt, den Sportfreund und den Naturliebhaber, sowohl für den Winter als auch für den Sommer. Nicht nur als Bayerns Tourismusministerin, auch als Bayern Wirtschaftsministerin unterstütze ich das ambitionierte Vorhaben gerne: Wir stellen rund 10,5 Millionen Euro zur Verfügung, weil wir vom Erfolg und der wirtschaftlichen Bedeutung für die Region überzeugt sind. [...]
Hannes Rasp, Erster Bürgermeister der Gemeinde Schönau a. Königssee hat geschrieben: [...] Seit nunmehr genau 2 Jahren arbeiten wir, die Gemeinde Schönau am Königssee gemeinsam mit der Jennerbahn an einem Neuerrichtungsprojekt. Dies ist aber nur durch das Mitwirken vieler Aktionäre im Talkessel möglich. Ebenso ist es für dieses Leuchtturmprojekt im Talkessel sehr schön, wenn auch die Regierung von Oberbayern, allen voran Staatsministerin Frau Ilse Aigner, Mittel zur Realisierung des Gesamtprojektes zur Verfügung stellt. Ich darf behaupten, dass wir dieses Projekt nicht ohne die Fördermittel bewältigen können. Derzeit liegen alle maßgeblichen Bescheide vor und die Genehmigungen werden durch das Landratsamt Bad Reichenhall ausgestellt. Daher ist die Übergabe des Förderbescheides der Regierung von Oberbayern für uns ein wichtiger Meilenstein im Gesamtprojekt.
Johannes Gruber in Vertretung des Landrats Georg Grabner hat geschrieben: Es freut mich sehr die Gemeinde Schönau am Königssee und die Berchtesgadener Bergbahn AG, bei der Realisierung des Konzepts Erlebnisberg Jenner unterstützen zu können. Besonders hervorzuheben ist der übergreifende Ansatz, der das Gesamtkonzept als Ski- und Naturerlebnisberg im Blick hat. Daher wünschen wir allen am Projekt Beteiligten für die Umsetzung alles Gute.
Herausreden ist aber nicht drin. Von der offiziellen Übergabe des Bescheids gibt es ausreichend Fotomaterial:
https://www.bayernwelle.de/berchtesgade ... uebergeben


Doch starten wir zunächst im Tal - es ist Juli 2024. Hat man den Weg vom Parkplatz an den ganzen Gastro-Kiddyride-Touri-Fallen vorbei geschafft, ist die neue Talstation erreicht. Von hier unten aus sieht man rund zwei Drittel der ersten EUB-Sektion.
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Technische Details zur EUB sind bei der ISR nachzulesen:
https://isr.at/neugestaltung-eines-trad ... -gebietes/

Was man auch bis vor wenigen Wochen sehen konnte, war die Talstation der Jennerwiesenbahn.
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Im Juli 2024 wirbt man im Tal noch mit leeren Versprechungen: "Alles geht am Jenner".
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Blick auf die FBMs, die hier zuletzt bis 2017 im Einsatz waren.
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Nach Lösen der (Stand 2025) 45 Euro für die Fahrt mit allen Sektionen geht es zum Einstieg.
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Oben rechts lugt Sektion 2 aus dem Nebel
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Die Jennerwiesenbahn kommt in Sicht
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Blick auf die Trasse Marke Sauerland. Die blaue Piste dazu versteckt sich irgendwo links im Wald.
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Viel Kuppeltechnik an der Mittelstation: Jennerwiesenbahn (links), Jennerbahn 1 (Mitte), Krautkaserbahn (Mitte oben), Jennerbahn 2 (rechts)
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An den Fotos ist gut zu sehen, welche Dimensionen das Projekt am Jenner hat. Mit Ausnahme der Krautkaserbahn hat man sämtliche Bahnen im Gebiet ersetzt. 2015 rechnete man noch mit einem Investitionsvolumen von 32 Millionen Euro (https://www.berchtesgadener-anzeiger.de ... 14786.html). Dann plante man mit 48 Millionen, aus denen 53 (https://www.br.de/nachrichten/bayern/je ... er,Qzfv4nS) und schließlich 57 Millionen Euro (https://salzmann-ing.at/seilbahnplanung ... jennerbahn) wurden.

Laut Berichterstattung der ISR wurde dieser Betrag wie folgt aufgebracht: 10,5 Millionen Euro kamen vom Freistaat Bayern als Förderung, der Rest von der Gemeinde Schönau am Königssee, drei privaten Hauptaktionären und durch Bankkredite (https://de.isr.at/singleview/article/ne ... n-gebietes). Ebenjene Fördergelder sorgen für erstaunlich leise Kritik, obwohl nun ja der Skibetrieb eingestellt und eine der mitfinanzierten Anlagen wieder verkauft ist. Immerhin: Eine halbe Million will der Freistaat (Stand Juli 2025) wohl zurückhaben (https://www.sueddeutsche.de/bayern/baye ... li.3285147).


Beachtenswert finde ich diese Passage von 2015:
Berchtesgadener Anzeiger hat geschrieben: Die Regierung von Oberbayern würde das 32-Millionen-Mammutprojekt [hatte sich am Ende ja fast verdoppelt, Anm. d. Autors] fördern, allerdings nicht allein den Neubau der Bergbahn: „Die erwarten von uns ein Gesamtkonzept für den ganzen Berg“, so Rasp [damaliger Vorstandsvorsitzender BBAG sowie auch Bürgermeister Schönau a.K.]. Dieses soll die unterschiedlichsten Komponenten beinhalten. Beispielsweise die Verlegung der Bergstation oder einen barrierefreien, auch im Winter begehbaren Weg Richtung Jenner mit Aussichtsplattform. Die parallel zur Bergbahn verlaufende Jennerwiesenbahn [gemeint ist die alte DSB, Anm. d. Autors] würde durch das Vorhaben entbehrlich und könnte abgebaut werden. Ein Übungsgelände soll bei der Mittelstation entstehen, obendrein Gastronomie am Speicherteich sowie ein Kinderland – sowohl für den Sommer als auch den Winter.
Ja, eine einzelne Aussage ist zu dünn, um hieraus eine Verantwortlichkeit für das Scheitern auszusprechen. Da müsste man weiter recherchieren, um festzustellen, ob der Invest in den Wintersport wirklich ein Voraussetzungskriterium der Landesregierung für die Förderung war.

Zunächst fuhr ich weiter mit der zweiten Sektion. In der Mittelstation macht die Bahn einen gehörigen Knick.
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Rein in die Nebelsuppe
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Kurze Station am Berg. Da ist nicht viel Platz, und den hat man komplett vollgepflastert.
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Links die Bergstation der EUB, rechts die Bergstation der zweiten neuen KSB hier am Berg: Mitterkaserbahn.
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Auch nicht wirklich schön und gebraucht wird die nagelneue Anlage zum Skifahren nun nicht mehr. Abgebaut wird sie aber (vorläufig?) nicht. Stattdessen wird sie als Rodel-KSB weiterbetrieben. Man gönnt sich ja sonst nix.
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Von hier aus ging es nun zu Fuß zur Mittelstation. Leider ließ der Nebel keinen Blick auf die Trasse der Mitterkaserbahn zu. Diese überwindet auf 714 Metern Strecke 262 Höhenmeter: https://www.leitner.com/unternehmen/ref ... tterkaser/
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Unterwegs kommt man an Resten der ehemaligen Jennerwiesen-DSB vorbei. Auf dem Fundament stand früher der Betriebsraum der Bergstation.
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Angekommen an der Talstation der in Deutschland (oder weltweit?) einzigen Winter-Rodel-KSB. So hässlich, wie sie sinnlos ist.
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Mittig Talstation Mitterkaser-KSB, links Talstation lsap-Mitterkaser-SL, rechts die wirklich urige Mitterkaseralm.
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Den alten Mitterkaser-SL hatte man 2017 zunächst vorläufig stillgelegt.
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Offiziell wollte man ihn laut Mitteilung von 2019 wieder in Betrieb nehmen:
Jennerbahn hat geschrieben:Der Mitterkaser-Schlepplift bleibt in der kommenden Wintersaison leider geschlossen. Nach derzeitigem Stand wird der besonders bei den Freeridern beliebte Schlepplift in der Wintersaison 2020/2021 das Wintersporterlebnis am Jenner wieder vervollständigen.
Inzwischen hat man ihn verschrottet: viewtopic.php?p=5449751#p5449751

Dass nun auch der letzte Schlepplift im Gebiet abgebaut ist, passt sinnbildlich zum Aus des Skibetriebs am Jenner. Neben der Industrie-Talstation der Rodel-KSB Mitterkaserbahn wirkte das Urgestein von 1967 ohnehin fehlplatziert.
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Die selektive Trasse des PHB-Lifts lässt sich hier im Nebel leider nur erahnen. War ein tolles Teil. Bei Interesse kann ich bislang unveröffentlichtes Fotomaterial aus Betriebszeiten nachliefern - auch zu den sonstigen ehemaligen Anlagen im Gebiet.
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Einziger Lichtblick hier im Talkassel ist jetzt die Mitterkaseralm. War bei dem Sauwetter verständlicherweise geschlossen.
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Über diese Engstelle kommt man raus aus dem Kessel und rüber zur Jennerwiese.
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Dort kommt wieder die zweite Sektion der EUB in Sicht.
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Wieso gibt es denn nun all diese modernen Anlagen, aber keinen Skibetrieb mehr? Dazu ein Auszug der Berichterstattung über die Hauptversammlung 2023:
Berchtesgadener Anzeiger hat geschrieben: Die gesamten Rahmenbedingungen mit Corona-Beschränkungen, steigenden Zinsen, steigenden Energiekosten und schlechter Winterbilanz machten der BBAG zuletzt immer mehr zu schaffen. „Uns war schließlich klar, dass wir am Konzept etwas ändern mussten, wenn wir die Zahlen verbessern wollen“, betonte [damaliger Vorstand] Thomas Hettegger. Man wolle den Jenner zwar als Ski-Aktiv-Winterberg für die Region erhalten, „aber den Aufwand können wir einfach nicht mehr leisten“. Bislang sei der Winter immer vom Sommer mitfinanziert worden. Doch nun seien die Besucherzahlen um rund 25 Prozent – etwa 1 Million Euro – gegenüber der Vor-Corona-Zeit zurückgegangen.
Die schlechte Finanzlage der Bergbahnen im Jahr 2023 lässt sich im verlinkten Artikel des Berchtesgadener-Anzeigers ebenfalls im Detail nachlesen.

Krass ist auch diese Zahl, die der BR recherchiert und im Dezember 2024 veröffentlicht hat:
BR hat geschrieben: Man habe versucht, den alpinen Skibetrieb noch einmal zu reaktivieren, mit neuen Bahnen. Das sei nicht ganz gelungen. [...] 2.000 alpine Skifahrerinnen und Skifahrer waren es laut [Vorstand] Mühlthaler im vergangenen Winter [2022/23]. Dagegen kamen etwa 50.000 andere Gäste im gleichen Zeitraum.

Bei dem Großprojekt wurden jedoch nicht nur die Seilbahnen erneuert. Das 57 Millionen Euro umfassende Investitionspaket beinhaltet auch die Beschneiungsanlage (https://salzmann-ing.at/seilbahnplanung ... jennerbahn). Zu welchem Anteil, ist leider nicht herauszubekommen. Beschneiung ist heutzutage eine Grundlage für den Skibetrieb. Aber das allein reicht ja nicht, wie wir alle wissen. Die Jenner AG weiß das aus eigener Erfahrung auch. Exemplarisch hier Ausschnitte der Berichterstattung im Berchtesgadener Anzeige zur Jahreshauptversammlung von Juli 2017. Darin heißt es mit Blick auf die Skisaison 2015/16:
Berchtesgadener Anzeiger hat geschrieben:Der reguläre Betriebsbeginn nach der Sommersaison startete am 19. Dezember 2015 und endete am 3. April 2016. Wegen zu hoher Temperaturen im November und Dezember sei eine Beschneiung bis in die Höhenlage nicht möglich gewesen, sagte Emberger [Vorstandsvorsitzender]. Der Skibetrieb wurde deshalb erst am 26. Januar aufgenommen.
Und auch die Saison 2016/17 startete aufgrund der Temperaturen schlecht:
Berchtesgadener Anzeiger hat geschrieben:So erfolgte die Einstellung des Sommerbetriebs am 8. November [2016]. Und trotz der Einsatzbereitschaft der Beschneiungsanlage ab Oktober konnte diese nicht in Betrieb gehen, „da es bis Januar dieses Jahres [2017] leider keine längere Kälteperiode gab, die eine Beschneiung möglich gemacht hätte“, fasste er [Emberger] zusammen. Erst ab 6. Januar, also noch der für gewöhnlich umsatzstarken Weihnachtszeit, konnte die Maschinenschneeerzeugung in Betrieb genommen werden.
Und was macht man 2018? Man erweitert die Beschneiungsanlage und wundert sich dann kurz danach, dass das nicht ausreicht und Beschneien zudem teuer ist.
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2019 rechnete man mit einem "großen Erfolg" im Winter - zugegeben, damals wusste auch noch niemand von der anstehenden Pandemie.
Jennerbahn hat geschrieben:Durch die getätigten Investitionen für den Skibetrieb rechnet die Berchtesgadener Bergbahn AG im Winterhalbjahr 2019/2020 mit einem signifikanten Anstieg der Besucherzahlen im Vergleich zu den Vorjahren.
Aber: Auch nach der Pandemie blieben die Skigäste aus.
Schneehoehen.de hat geschrieben:„Die Wintersaison 2023/24 hat bisher bestätigt: Wir konnten sehr viele Fußgänger, Tourengeher und Rodler an der Bahn und am Berg begrüßen, die Nachfrage nach alpinem Skifahren war dagegen weiter rückläufig. Bis zum 24. Januar 2024 haben wir knapp 700 Wintersport-Tagestickets verkauft, dafür kann man keinen alpinen Skibetrieb mit kostenintensiver Beschneiung und Pistenpräparierung aufrechterhalten,“ bedauert Jennerbahn-Vorstand Thomas Mühlthaler. „Dazu kamen sturmbedingte Schließungen und ein Wärmeinbruch in den einnahmestarken Weihnachtsferien, die präparierte Talabfahrt mussten wir bereits am 25. Dezember bis in den Januar hinein schließen.“ Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat wurde für die Wintersaison 2024/25 eine konsequente Fortführung der Neuausrichtung am Jenner beschlossen. Beim Skifahren liegt der Fokus auf den Tourengehern, denn diese sind in großer Zahl seit Jahren am Jenner unterwegs. Die Skiroute wird markiert, der Jennerwiesenhang wird bei Bedarf beschneit, um eine Abfahrt im freien Gelände bis zur Mittelstation zu gewährleisten. Der DSV Stützpunkt am Krautkaser bleibt erhalten, hier gibt es laufende Verträge.
Interessant ist, dass die Verantwortlichen nicht nur zu warme Winter für das Scheitern des Skibetriebs aufführen.

Im Eröffnungsjahr 2018 veröffentlicht die Jennerbahn eine Pressemitteilung. Darin heißt es:
Jennerbahn hat geschrieben:„Unser Fokus liegt auf dem Sommer und dem Winter“, erklärt Michael Emberger. „Es gibt keinen schöneren Ort, keinen schöneren Blick hinein in den einzigen Alpennationalpark Deutschlands.“ Der Winter soll kein Geheimtipp bleiben, nachdem die Beförderungskapazität auf 1500 Personen pro Stunde angehoben wurde [...].
In einer späteren Pressemitteilung (November 2019) schreibt man:
Jennerbahn hat geschrieben:Aufgrund des vielfältigen Angebots bietet das Skigebiet am Fuße des Königssees ideale Bedingungen für alle Leistungsstufen der Skifahrer und Nicht-Skifahrer, um zum „Jenner-Kenner“ zu werden.
Im Februar 2024 klingt das komischerweise komplett anders. Die dazugehörige Pressemitteilung auf Jennerbahn.de ist praktischerweise nicht mehr verfügbar. Der Merkur zitiert eine Sprecherin der Jennerbahn wie folgt:
Merkur hat geschrieben:[...] So wurde der obere Bereich des Berges zwischen Mittelstation und Bergstation nicht mehr beschneit und präpariert. [...] „In diesem Bereich ist das Gelände schwierig und wir brauchen eine sehr hohe Schneeauflage, um ansprechende Pisten zu präparieren. Für die Gäste in Berchtesgaden sind diese Hänge zu steil und zu schwierig, für das Skifahren heute sind eher breite und flachen Pisten gefragt“, so die Erklärung.
Ja was denn nun? "Für alle" geeignet, oder "zu steil und zu schwierig"?


Inzwischen ist die leichte Wanderung von der Berg- zur Mittelstation geschafft.
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Sektion 2 der neuen EUB. Dahinter verläuft die Krautkaserbahn, die nun nichtöffentlich betrieben wird.
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Ganz schön hässlich, diese Mittelstation.
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Klingt bei Salzmann Ingenieure irgendwie ganz anders - aber das ist ja auch die den Touri-Massen abgewandte Seite.
Salzmann Ingenieure hat geschrieben:Die neuen, deutlich größeren Stationsgebäude wurden teils direkt in den Hang gebaut und so optimal in die eindrückliche Landschaft integriert.
[...]
Für die Garagierung der Fahrzeuge fand Salzmann Ingenieure gemeinsam mit Leitner Ropeways eine Lösung, die im Betrieb große Flexibilität erlaubt: Sie erfolgt platzsparend und landschaftsschonend in einer Kombination aus Kellerbahnhof und Stationsgaragierung in der Mittelstation.

Integriert in die Mittelstation der EUB ist - bzw. Stand Mitte 2025 war - die Bergstation der Jennerwiesenbahn. Diese versteckt sich von hier gesehen hinter der Stationsausfahrt EUB Sektion 2.
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Im Juli 2024 war der Leitner vor Ort. Gab es damals schon Vorbereitungen für den Verkauf?
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Laut dem Berchtesgadener Anzeiger stand wohl 2023 noch nicht fest, welche der beiden neuen KSBen wieder abgebaut werden sollte:
Berchtesgadener Anzeiger hat geschrieben: Auch in Sachen Mitterkaserbahn, die ja nach dem millionenschweren Neubau nun nicht mehr benötigt wird, blieb Hettegger vage. Die Bahn soll erst einmal bestehen bleiben, alles Weitere „ergibt sich nach dem Winter“.
Letztlich kam es anders. Die Mitterkaserbahn steht noch am Jenner, die Jennerwiesenbahn inzwischen in Dachstein West. Wie wenige Betriebsstunden die moderne Anlage wohl nur hatte?
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Dass die nun demontierte KSB am Jenner überhaupt mal im Winter in Betrieb war, beweisen diese Fotos von Leitner:
https://www.leitner.com/unternehmen/ref ... nerwiesen/

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Anderer Blickwinkel, links daneben die Bergstation der ersten EUB-Sektion.
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Blick auf die 600 Meter kurze Strecke.
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7 Stützen und einen 160 Meter Höhenunterschied hatte die CLD.
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Weitere technische Details zur Anlage: https://www.leitner.com/unternehmen/ref ... nerwiesen/

Die Kosten für die beiden nun obsoleten 6-KSBs sind leider nirgendwo aufgeführt. In einer Pressemitteilung der Jennerbahnen findet sich immerhin dieser Hinweis:
Jennerbahn hat geschrieben:Die Berchtesgadener Bergbahn AG hat in den vergangenen zwei Jahren rund 57 Millionen Euro in das Gesamtprojekt „Neubau Jennerbahn“ investiert. Davon ist auch ein namhafter Betrag in die Erneuerung und Sanierung des Skigebiets am Jenner geflossen. „Mit den neuen Seilbahnanlagen, dem einzigartigen Skidepot in der Talstation, den gemütlichen Restaurants und dem gesamten Serviceangebot für verschiedenste Wintersportarten rund um die Jennerbahn können wir unseren Gästen und Einheimischen ein top modernes und attraktives Skigebiet mit Bergerlebnis bieten“, so Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG Franz Moderegger.
In der Berichterstattung des BR findet sich dieser interessante Passus, gemeint ist die in diesem Jahr demontierte Jennerwiesenbahn:
BR hat geschrieben:Man habe versucht, den alpinen Skibetrieb noch einmal zu reaktivieren, mit neuen Bahnen. Das sei nicht ganz gelungen. Einer der neuen Sechsersessellifte steht still, im Sommer wie aktuell im Winter. Mit fast einer Million Euro hat der Staat allein diesen Lift gefördert. Jetzt steht er zum Verkauf.
Nun wird die Anlage in Dachstein West wieder aufgestellt. Zu welchen Konditionen, ist nicht bekannt:
ORF hat geschrieben:Über den Kaufpreis wurde keine Auskunft gegeben, darauf hätten sich die Vertragspartner geeinigt, hieß es von den Berchtesgadener Bergbahnen.
Zeit für die finale Talfahrt. Auf eine Einkehr in die moderne Lokalität "Halbzeit" verzichtete ich.
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Letzter Blick auf die Jennerwiesenbahn. Für die Talstation gab es hoffentlich keinen Architekturpreis. Dürfte jetzt nach der Demontage eine öde Freifläche sein.
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Ob die Lanzen auf der Talabfahrt noch stehen, als Denkmal an die skialpine Vergangenheit des Jenners?
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Edit: fehlerhaften Link korrigiert.
Zuletzt geändert von Zottel am 29.07.2025 - 10:18, insgesamt 1-mal geändert.
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judyclt
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von judyclt »

Danke für die Chronologie des Scheiterns. Besonders beeindruckend finde ich in dem Zusammenhang das öffentliche Gelaber von gewissen Personenkreisen. Erst Großes verkünden und dann geht alles kleinlaut mit zig Widersprüchen in sich vor die Hunde. Interessant, dass man Fördergelder für etwas abgreifen kann, das kurze Zeit später wieder vertickt wird und über den Verkaufspreis Stillschweigen herrscht, obwohl ja öffentlich finanziert.
Zuletzt geändert von judyclt am 29.07.2025 - 09:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Drahtseil »

Vielen Dank für den eindrücklichen Bericht, insbesondere auch für die damals getätigten Aussagen aus allen Richtungen. Rückt die Geschichte nochmal in den richtigen Kontext. Der Jenner ist für mich ein Paradebeispiel, wie eine Modernisierung im komplettem Gigantismus ausartet. Nicht zuletzt auch dank Förderung. Dass am Ende dann quasi nichts mehr davon übrig bleibt (außer die Hauptbahn im Sommer) und keiner Schuld sein will ist wirklich unglaublich und planerisch nur schwer nachvollziehbar. Wenn man überlegt was man mit den Summen und etwas nachhaltigem Denken hätte machen können...
Zottel hat geschrieben: 28.07.2025 - 22:25 Die selektive Trasse des PHB-Lifts lässt sich hier im Nebel leider nur erahnen. War ein tolles Teil. Bei Interesse kann ich bislang unveröffentlichtes Fotomaterial aus Betriebszeiten nachliefern - auch zu den sonstigen ehemaligen Anlagen im Gebiet.
Sehr gerne, sowas ist hier immer willkommen. Kenne den Jenner persönlich nur aus dem Sommer, zum Skifahren hat es dort nie gereicht.
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von seiiim »

Danke für den Bericht.

Ohne hier jemandem zu nahe treten zu wollen oder die Sache herunterzuspielen muss ich sagen, dass nach einiger Zeit des Beobachtens eine gewissen Gleichgültigkeit einsetzt. Nicht weil es mir egal ist, sondern weil es einerseits wichtigere Dinge in der Welt gibt und andererseits weil ja der Kern des Projekts (Attraktivierung des Jenner zu einer Ganzjahresdestination, Motor für die Region und zukunftsfit machen) sehr wohl erreicht wurde. Schon klar, dass man das mit einem anderen Aufwand und weniger Odyssee auch machen hätte können und nochmal mir geht es nicht darum hier jemanden aus der Pflicht zu nehmen, aber man denke mal in die andere Richtung und stelle sich vor, man hätte gar nichts getan. Wir sehen ja insbesondere hier im AF die Diskussion zu beispielsweise BKK, Uttendorf/Weißsee und Dachstein West wie die mit Investitionen nicht mehr nachkommen und alles nicht mehr auf Stand ist. Von ein paar Seilbahnfans abgesehen, wer würde sich denn freiwillig die Fahrt mit der alten Bahn antun? Ja, man hat mit dem Volumen des Projekts über das Ziel hinausgeschossen aber mit der EUB in 2 Sektionen musste man was tun und wenn man ordentlichen Skibetrieb anbieten will brauchte es auch noch einen "Übungslift" bzw. was für Wiederholungsfahrten- lassen wir 5 gerade sein und sagen 1 KSB- , okay dann ist eine KSB zu viel.
Außerdem finde ich von 32 auf 57 Mio sind es 78% über Budget, gerade in GER und AUT sollten wir da ganz schnell ganz leise sein, was wir uns da an Großprojekten leisten die über Budget gehen, da ist das ja noch Kindergeburtstag.
Und was die Ästhetik der (EUB-) Stationen betrifft, kann ich den Berichtersteller schon verstehen, da ich aber mehrmals im Jahr wandernder- oder laufenderweise dort oben bin (von der "richtigen" Seite kommend versteht sich :wink: ) muss ich sagen man gewöhnt sich dran. Hintertux, Großarl und ein paar andere beweisen, dass es noch weit hässlicher geht.
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Jay »

Mega Bericht und Aufschlüsselung, vielen Dank.

Die Zahl von 2.000 Skifahrern in einem Winter ist für mich schwer zu glauben. Kann das wirklich sein?
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Kris
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Kris »

Danke für die gute zeithistorische Recherche, Zottel! Wie schnell auch Industrieski zur Geschichte werden kann, ist wohl bemerkenswert.
Als Vintage-Seitwärtssessel in Sommer und Winter wäre die Jennerban langfristig wohl viel spannender und gesamtwirtschaftlich sinnvoller gefahren: Im großen Kontext vom dortigen Königssee einerseits, und den Massenskigebieten gleich hinter der AT Grenze anderseits...

Aber ja, vorbei ists...
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von vovo »

Danke für den Bericht! Wir müssen mal noch die Bilder von unserem gemeinsamen Skitag dort im Januar 2017 posten - aber vielleicht schaffen wir das bis Januar 2027 :wink:

So ein Schmarrn, was da gelaufen ist. Typisch deutsch, dass man die dooooofe "Lösung" gewählt hat. M.E. hätte es gelangt, die Jennerbahn zu ersetzen. Zum Kostensparen dann wohl noch den steilen SL oben und die DSB von der Mittelstation weg stilllegen und gut wäre es gewesen (wenn auch schade um die alten Lifte). Die obere DSB hätte ich erst mal gelassen.

Ich war im September 2024 dort - "irgendwann" mal gibt es da nen Bericht. Aber zu Zeit ist gerade noch ein anderer in Bearbeitung :schreiben:
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von MarcB96 »

Man hätte die alte Bahn einfach lassen sollen.
Zum Einen ist die Jennerbahn kein öffentliches Verkehrsmittel (wo Barrierefreiheit zwingend notwendig wäre). Und zum Anderen...mal ganz ehrlich..wozu muss man Leute, die nicht gut zu Fuß sind, im Rollstuhl sitzen oder Kinderwagen dabeihaben auf einen Berg raufkarren, wo diese sich mit Glück gerade ein paar Meter von der Station entfernen können. Weil die Wege recht direkt nach den Stationen ordentlich steil werden...und halt zusätzlich oft Stufen haben. Im Winter bei entsprechender Schneelage kommt so jemand noch nicht mal aus der Station raus.
Ermäßigungen gibt es auch Keine (bei der überwiegenden Anzahl der anderen Betriebe gibt es Ermäßigungen für Menschen mit Behinderungen...am Zwölferhorn beispielsweise sogar 50%), dafür mehr als doppelt so hohe Fahrpreise verglichen mit der alten Bahn.
Wozu also der Mist. :sauer:

Aber mit "Barrierefreiheit" lassen sich halt so wunderbar Fördermittel abgreifen...

So ists schade um ein Stück Wintersportgeschichte (weils immerhin eine der letzten Bahnen war, die der Vorreiter in der EUB-Technik waren).
Und man hat jetzt statt der früheren Idylle völlig überdimensionierte, kein Bisschen in die Region passende Industriebauten in die Landschaft geko*t (die zur Hälfte aus bekannten Gründen eh nicht wirklich in Betrieb waren oder je sein werden)...und die Schlangen verlagern sich jetzt einfach nur von der Talstation hoch zum letzten Aufstieg vorm Gipfel (da wurde nämlich zum Glück! nicht der einst angedachte, barrierefreie Asphaltweg hochgebaut).

Einfach eine Schande... aber leider keine Überraschung für Bayern :rolleyes: Da zählen Tradition und Geschichte halt nur, wenn sie in die politische Agenda passen und man gegen Andere hetzen kann... Wenns der Gewinnmaximierung im Weg steht, dürfen Tradition und Geschichte bitte verschwinden. :rolleyes: :naja:
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Spezialwidde »

In wieweit es den Tatsachen entspricht kann ich selber nicht beurteilen aber der Ersatz der alten Jennerbahn sei weniger der Förderkapazitätssteigerung geschuldet gewesen, vielmehr sei die Ersatzteilversorgung sehr aufwändig, viele Teile mussten sogar selber hergestellt werden von Werkstattpersonal das so langsam aber sicher in den Ruhestand ging, außerdem hätten für eine Konzessionsverlängerung umfangreiche Umbaumaßnahmen vorgenommen werden müssen um die erforderlichen Sicherheitsauflagen einhalten zu können, damit wäre der Urzustand der Bahn sowieso zerstört gewesen. Gebe ich jetzt so mal sinngemäß aus dem Kopf wider, den Originalartikel kann ich leider nicht mehr finden.
Wenn ich die Bilder hier jedenfalls so sehe, ich war Anfang der 90er Jahre das letzte Mal da, ich glaube dabei belasse ich es auch...
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von tobi27 »

Konzession gibt es in Bayern keine und hat es nie gegeben, nur die reguläre TÜV Prüfung alle zwei Jahre. Was natürlich nichts an der prekären Ersatzteilsituation und dem schwindendem "Know-How" bezüglich der alten Von Roll Anlage geändert hätte. Den Bau der EUB konnte ich gut nachvollziehen, die beiden zusätzlichen KSBen waren schon damals für mich purer Größenwahn und sind wie nun mit dem Aus des Skibetriebs bestätigt keine Allheillösung.

Oder wie User ATV passenderweise mal vor ein paar Jahren schrieb:
Moderne Anlagen in einem Scheiss Skigebiet machen aus einem Scheiss Skigebiet kein gutes Skigebiet sondern nur ein modernes Scheiss Skigebiet. :lach:
Viele Grüße
Saison 2025/26 - Skitage (gesamt 36) bzw. Skigebietsbesuche (gesamt 39): 1*Schwärzenlifte, 1*Sinswang, 3*Söllereck, 1*Oberwilhams, 2*Hochhäderich, 4*Grasgehren, 2*Bödele, 2*Warth-Schröcken, 2*Oberjoch, 1*Mellau-Damüls, 1*Fellhorn-Kanzelwand, 1*Bolsterlang, 1*Ofterschwang-Gunzesried, 5*Neunerköpfle, 2*Füssener Jöchle, 1*Schattwald-Zöblen, 2*Thaler Höhe, 1*Buronlifte, 2*Spieserlifte, 1*Hündle, 1*Adelharz-Breitenstein, 1*Iberg, 1*Hagenberglift
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Schmiddi
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Schmiddi »

Da schließe ich mich Tobi an.

Die alte Kabinenbahn weiterlaufen lassen wäre in diesem wirklich ein Unsinn gewesen. Klar war es eine technisch sehr spannende Anlage, ich mag immer noch sehr sehr gerne alte Seilbahnen aber seit dem ich an einer sehr alten Kabinenbahn arbeite weiß ich auch viel mehr was dahinter steckt eine solche Anlage zu Warten etc.
Und bei der Jennerbahn wäre das einfach nur ein Schwachsinn gewesen unabhängig von den TÜV-Prüfungen
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von tobi27 »

Springender Punkt ist denke ich die aufwendig zu erhaltene Kuppeltechnik. Einen alten DM Schlepper aus den 60ern halte ich recht leicht am Laufen und habe nach wie vor eine gut gesicherte Ersatzteilversorgung, ESL/DSB dürfte auch noch gehen nachdem BMF und Steurer Ersatzteile fertigen (siehe komplett neue Robas am ESL Kranzberg oder Retrofit am Polster ESL). Die Kombination kuppelbar + nicht mehr existenter Hersteller ist hingegen ein anderes Brett. Wobei auch das nicht unmöglich ist (siehe Hochgrat, Taubenstein, Bocksberg oder Wank, allesamt 40-50+ Jahre alt und ausgezeichnet gepflegt!)

Viele Grüße
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Petz »

Wobei in den Fällen auch ein großer Unterschied aufgrund des Herstellers besteht. VR - Teile gibt´s wenn dann nur noch zu "Doppelmayrabwehrpreisen"; weil aber in der Schweiz in den letzten Jahren einige Original-, und Lizenzgiovanolas gemeuchelt wurden, konnten vorausschauend agierende Bahnbetreiber problemlos ihre Lager auffüllen.
Petz setzt seine Aktivitäten mit Ende Juni 2020 stark zurück. Ich bleibe aber bis auf weiteres in Ausnahmefällen und per PN für Fragen, Hilfe beim Modellbau etc. noch aktiv.
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Zottel »

Aktuell in der BR-Mediathek abrufbar:
Schmidt Max und die stillgelegten Skipisten
https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZ ... DEyNTU2QTA

Zusammen mit dem Neureuther Felix wird die aktuelle Situation am Jenner erkundet, später geht's auch noch zum Predigtstuhl und Wank.

Sind ein paar nette Aufnahmen dabei, sowohl aus der Jetztzeit als auch aus der Vergangenheit. Immerhin befassen sich die zwei Spezeln oberflächlich kritisch mit den Investitionen am Jenner. "Geburtsstunde des stillgelegten Skigebiets" heißt es im Beitrag.

Im Kurzinterview mit dem Vorstand Thomas Mühlthaler sagt dieser: "Die zwei Sechsersesselbahnen zu bauen war retrospektiv natürlich ein Fehler." Die Mitterkaserbahn oben werde aber "gebraucht".
Der Beitrag wurde jetzt am 30.11. online gestellt, scheint aber ein gutes Jahr alt zu sein. Denn Mühlthaler spricht davon, dass die Jennerwiesenbahn "irgendwann abgebaut" würde, was ja bekanntlich schon dieses Sommer passiert ist.
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von Arlbergfan »

Ich hab mir den Beitrag gerade angesehen. War recht nett gemacht, schöne alte Bilder dabei, wenngleich sie gar nicht so kritisch waren, wie ich es erhofft hatte.
EIN FRANKE IM LÄNDLE
Ihr könnt gerne auf Instagram vorbeischauen: https://www.instagram.com/powderhuntr
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von judyclt »

Arlbergfan hat geschrieben: 04.12.2025 - 14:06 ...wenngleich sie gar nicht so kritisch waren, wie ich es erhofft hatte.
Das ist das Hauptproblem.
taubenstein
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Re: Jenner | Juli 2024 | Millionengrab am Königssee

Beitrag von taubenstein »

Vielen Dank für diese ausführliche und sachliche Berichterstattung.
Der Neubau der Gondelbahn war mit Sicherheit nicht das Problem, wohl aber der Umgang mit dem Skibetrieb. Wer ein Skigebiet um 09:00Uhr öffnet und die Lifte um 15:45Uhr schließt, braucht sich nicht wundern, wenn weniger Skifahrer kommen. Der Speicherteich liegt auf Höhe der Mittelstation, was einen hohen Energiebedarf zur Beschneiung der höher gelegenen Pisten (Alles außer Talabfahrt) erfordert. Die Jennerwiesenbahn ist Sinnbild der Fehlplanung, war dieser Lift für Anfänger gedacht, jedoch der Starthang eine steile rote Piste zu beiden Seiten des Ausstiegs, ohne jeglichen Pistenbau in diesem Bereich. Sorry das kann man sich vorher denken, dass so etwas nicht funktionieren kann. Die Krautkaserbahn läuft munter weiter, ich vermute eher, dass man sich seitens des DSV die lästigen Normalo-Skifahrer fernhalten möchte, früher war auch der Krautkaser-Bereich der Öffentlichkeit zugänglich. Pistentechnisch wurde nichts groß ausgebaut und genau das wäre im oberen Bereich an der weiterhin bestehenden Mitterkaserbahn vonnöten gewesen. Dass man allerdings auch bei guter Naturschneelage auf das Präparieren der Pisten verzichtet und es nichtmal Informationen für Freerider (keine Tageskarte?), lediglich die spärliche Info auf der Website „bei Kauf einer Berg- und Talfahrt unbegrenzte Fahrten mit der 6KSB“, die sich primär an Rodler richtet, findet, spricht Bände.

Fazit: Man könnte mit Leichtigkeit einen eingeschränkten Skibetrieb an der Gondelbahn anbieten (und sei es die günstigste Variante ohne Beschneiung und ohne extra Lifte), die 95% der Pisten des Skigebietes erschließt, aber der Wille ist schlicht nicht da. Die ganze Geschichte stinkt zum Himmel. Mir scheint, in Deutschland etabliere sich auch ein regelrechter Politischer Wille, dem Bösen „nicht dem Wandel-Narrativ entsprechende Skifahren“ den Riegel vorzuschieben. Der Jenner reiht sich ein in die Liste der aufgelassenen Bayerischen Skigebiete, neben Kampenwand und vielen weiteren Beispielen die auf dem Besten Wege sind, in den nächsten Jahren sich selbst stillzulegen, sodass mangels Alternativen bald jeder Skifahrer und Snowboarder gezwungenermaßen nach Österreich zum skifahren muss, Kleinstskigebiete ausgenommen. Östlich des Inns längst Realität. Westlich des Inns graut mir der Gedanke dass bspw die Schörghuber-Skigebiete auf dem Besten Wege dazu sind.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Hier jedoch war der Wille da Förderungen zu kassieren, Gelder abzuzweigen. Es ist schlicht zu offensichtlich….Was der Öffentlichkeit präsentiert wird war längst vorhersehbar und nicht mal die Halbe Wahrheit. Follow the Money…

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