Teil II: Peking
Teil III: Huashan
Teil IV: Zhangjiajie
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Per Hochgeschwindigkeitszug ging es Huashan nach Xi'An, einem der beiden Umstiege auf dem Weg nach Zhangjiajie. Xi'An ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi und eine der 15 provinzunmittelbaren Städte Chinas. Die heutige Stadt Xi’an gehört zu den historisch bedeutendsten Orten Chinas. Bereits in der Zeit der Qin-Dynastie war sie die erste Hauptstadt des chinesischen Kaiserreichs. Über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren diente die Stadt immer wieder verschiedenen Herrscherdynastien als Regierungssitz. In vielen dieser Epochen trug sie den Namen Chang’an (长安), was so viel wie „Langer Frieden“ bedeutet.
Das Chang’an der Han-Dynastie befand sich etwa fünf Kilometer nordwestlich des heutigen Stadtzentrums von Xi’an. Um die Zeitenwende lebten dort ungefähr 240.000 Menschen – für damalige Verhältnisse eine sehr große Bevölkerung. Im Jahr 18 n. Chr. wurde die Stadt während des Aufstand der Roten Augenbrauen stark zerstört. Infolge dieser Unruhen verlegte die Regierung die Hauptstadt anschließend nach Luoyang.
Mehrere Jahrhunderte später, im Jahr 582, ließ ein Kaiser der Sui-Dynastie südöstlich der früheren Han-Stadt eine neue Hauptstadt errichten. Diese trug den Namen Daxing und lag im Gebiet des heutigen Xi’an. Während der darauffolgenden Tang-Dynastie (618–907) entwickelte sich die Stadt zu einer der größten Metropolen ihrer Zeit. Mit einer Fläche von etwa 88 Quadratkilometern und rund einer Million Einwohnern galt sie damals sogar als die größte Stadt der Welt. In dieser Epoche erhielt sie erneut den historischen Namen Chang’an.
Den heutigen Namen Xi’an bekam die Stadt erst im Jahr 1369. Er wurde von Hongwu-Kaiser, dem Gründer der Ming-Dynastie, vergeben. Obwohl er ursprünglich plante, seine Hauptstadt hier einzurichten, entschied er sich später für Nanjing als Regierungssitz.
International bekannt wurde Xi’an besonders durch eine spektakuläre archäologische Entdeckung im Jahr 1974. Bei Ausgrabungen wurden mehr als 8.000 lebensgroße Figuren aus Ton gefunden, die als **Terrakotta-Armee** bekannt sind. Diese Soldaten stehen in militärischer Formation und gehören zur Grabstätte von Qin Shihuangdi, dem ersten Kaiser, der China politisch vereinte und die Qin-Dynastie begründete. Sein Mausoleum zählt heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und meistbesuchten historischen Stätten des Landes.
Da unser Nachtzug von Xi'An in Richtung Changsha erst am Abend abfuhr hatten wir noch den Tag, um die Stadt etwas zu erkunden. Insbesondere die noch vollständig erhaltene Stadtmauer um den alten Kern der Stadt ist einen Besuch wert. Die Stadtmauer von Xi’an gehört zu den größten und am besten erhaltenen historischen Stadtbefestigungen in der Volksrepublik China, vielleicht sogar weltweit. Die Stadtmauer umschließt die historische Altstadt auf einer Fläche von etwa 12 Quadratkilometern. Insgesamt bildet sie einen großen rechteckigen Ring, wobei die Nord- und Südseite jeweils ungefähr 3,5 Kilometer lang sind, während die Ost- und Westseite rund 2,5 Kilometer messen.
Die Stadtmauer besitzt vier große Haupttore, jeweils eines pro Himmelsrichtung: das Anyuan-Tor im Norden, das Changle-Tor im Osten, das Yongning-Tor im Süden und das Anding-Tor im Westen. Im Laufe der Zeit kamen noch 14 weitere Durchgänge hinzu. Entlang der Mauer stehen insgesamt 98 Wachtürme. Außerdem sind drei der ursprünglich vier Ecktürme noch erhalten. Durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die vor allem seit den 1980er Jahren durchgeführt wurden, konnte die Mauer in weiten Teilen wiederhergestellt werden. Heute ist sie vollständig zugänglich und kann auf ihrer gesamten Länge begangen und befahren werden.
Wir entschieden uns, Fahrräder auszuleihen und die Mauer vom nördlichen zum südlichen Tor gegen den Uhrzeigersinn abzufahren.
Anschließend blieb noch Zeit für den markt in Xi'An, ehe es wieder in Richtung Bahnhof zurück ging.
Die Fahrt von Xi'An nach Changsha verlief größtenteils problemlos, jedoch hatte unser Zug bei der Ankunft in Changsha etwa 15 Minuten Verspätung (die einzige Nennenswerte bei 16 Zugfahrten insgesamt). Dadurch wurde es beim Umstieg in den Schnellzug nach Zhangjiajie etwas hektisch (die Bahnhöfe in China sind weit, die Strecken lang und die Wegfindungen nicht immer Nachvollziehbar), klappte am Ende dann aber auch.
Hauptattraktion in Shangjiajie ist natürlich das Himmelstor. Da wir vor fünf Jahren leider recht ungünstiges Wetter hatten wollten wir es nochmals mitnehmen. Das Wetter war deutlich besser, wenn auch nicht ideal (etwas diesig). Nach der Ankunft in der Wohnung, welche in Fußreichweite zum Hochgeschwindigkeitsbahnhof im Norden der Stadt liegt und einem kurzen Aufenthalt ging es per Didi zur Seilbahnstation im Zentrum der Stadt. Der Plan war, die selbe Route wie vor fünft Jahren zu nehmen. Mit der 8-MGD von Poma in zwei Sektionen vom Zentrum zum Himmelstor und dann mit der Doppelmayr 3S und dem Bus wieder zurück ins Zentrum.
Leider blieb es bei diesem Wunsch. An der Station angekommen wimmelte es nur so von Menschen. Waren wir vor fünf Jahren noch relativ alleine, war der Platz vor der Station komplett überfüllt. Unzählige Reisegruppen bevölkerten die Station, die Schlangen vor den zahlreichen Kassenhäuschen waren dutzende Meter lang. Und so kam es, dass wir nur noch Tickets für die Berg- und Talfahrt mit der 3S ergattern konnten. Sicher besser wie nichts, jedoch war die Enttäuschung schon recht groß. Schließlich ist die 8-MGD von Poma aufgrund ihrer Länge und Trassierung doch ein echtes Highlight gewesen (wer sich die Bahn anschauen möchte, dem sei der Bericht aus 2019/2020 empfohlen: viewtopic.php?f=63&t=63157).
So ging es dann mit dem Bus zur Talstation der von Doppelmayr im Jahr 2019 errichteten 3S.
Während die Talstation vor fünf Jahren noch recht unfertig aussah war die gesamte Anlage jetzt fertiggestellt und begrünt. Neben dem eigentlichen Talstaionsgebäude gibt es noch einige Restaurants und Shops, ein Hotel sowie ein Freilichttheater.
Vom Parkplatz, an dem die Busse halten sind es dann noch einige Meter zu Fuß in Richtung der Talstation. Entgegen der Situation an der Talstation der 8-MGD im Zentrum war hier erstaunlich wenig los, sodass wie für die Bergfahrt sogar eine Kabine komplett für uns hatten.
↑ Kabinenumlauf...
↑ ... und Stichgleisgarage.
↑ Blick zurück.
↑ Kurz vor der Einfahrt in die Bergstation war Betonierarbeiten zu erkennen. Diese sahen mit verdächtig nach Seilbahnfundamenten aus, von der Optik her würde ich sogar auf Doppelmayr tippen. Im Netz konnte ich jedoch keinerlei Hinweise auf einen möglichen Neubau finden. Hat jemand von euch dazu Infos?
↑ Alt vs. Neu.
↑ Nochmals das Fundament von der Seite. Das war nicht die einzige merkwürdige Arbeit entlang der Strecke, weitere Bilder folgen später im Bericht.
Von der Bergstation geht es dann über einen etwa 500m langen Fußweg in Richtung Tianmenshan bzw. dem weltbekannten Himmelstor. Der Tianmenshan, ist ein rund 1518 Meter hoher Berg im Tianmenshan-Nationalpark und liegt südlich von Zhangjiajie. Übersetzt heißt Tianmenshan soviel wie „Himmelstor-Berg“. Früher war dieses nur über eine knapp 12 Kilometer lange Straße erreichbar, welche insgesamt aus 99 Serpentinen bestand und sich entlange dem Berg bis nach oben schlängelt. Durch den Bau der ersten Seilbahn wurde die Straße überflüssig, wird aber auch heute noch für Rettungsfahrzeuge sowie für den Transport von Bau- und Versorgungsmaterialien genutzt. Busse befahren die Straße allerdings nicht mehr regulär.
Das „Himmelstor“ selbst in eine 130m hohe Öffnung im Berg und wirkt wie ein gigantischen Tor in den Himmel. Dieses lässt sich über eine Treppe mit 999 Stufen erklimmen. Parallel dazu wurden in den letzten Jahren eine Kaskade aus Rolltreppen in den Berg gegraben, sodass die Treppe auch bequem umgangen werden kann.
↑ Auf dem Platz vor der Treppe stehen einige Kabinen herum. So wurde z.B. eine der 3S Kabinen zu einem Verkaufsstand umgebaut.
↑ Woher diese Kabine kommt bzw. zu welcher Bahn sieh gehört weiß ich nicht. Ggf. hat die ja was mit den Fundamentarbeiten zu tun? ↑ Auch hier wurden irgendwelche Betonierarbeiten durchgeführt. Eine kleine Materialseilbahn von der Bergstation brachte Betonkübel und Stahl heran.
↑ Nach einiger Zeit auf dem Gipfel ging es dann wieder in Tal, wie Eingangs beschrieben ebenfalls mit der 3S.
↑ Und zurück im Zentrum.
Für den Abend war dann noch ein Besuch des berühmten 72 Wonders Building geplant. Dabei handelt es sich um ein knapp 110m hohe Pfahlbauwerk, welches die traditionelle Tujia-Stil-Gebäude mit moderner Technologie verbinden soll. Berühmtheit dürfte es jedoch insbesondere durch seine aufwändige Beleuchtung bei Nacht erlangt haben.
Am nächsten Tag standen dann noch Ausflüge zum Zhangjiajie Grand Canyon an und Furong an. Auch wenn es bei keinem eine Seilbahn gibt will ich euch diese mit ein paar Bildern zeigen, sind es m.M.n. doch Dinge, die man bei einem Besuch in Zhangjiajie durchaus anschauen sollte.
Bei ersterem Ausflugsziel handelt es sich im eine Schlucht, welche nördlich von Zhangjiajie liegt und mit einer rund einstündigen Busfahrt erreicht werden kann. Die Schlucht selbst wird von einer spektakulären Glashängebrücke überspannt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Wanderwege, Wasserfälle und verschiedene Aussichtspunkte. Mit einer Art Flying Fox kann man außerdem die Schlucht überqueren. Über eine Rundweg entlang des Tales gelangt man nach rund zwei Stunden wieder an den Ausgangspunkt der Tour.
↑ Modell der Anlage.
↑ Von der Brücke zu den Wanderwegen im Tal geht es per Treppen und Aufzüge. Erinnert fast etwas an Hammetschwand-Lift.
↑ Einer von unzähligen Wasserfällen.
↑ Die Route führt auch durch Höhlen.
Die zweite Attraktion ist Furong. Furong selbst ist eine kleine Stadt in der Provinz Hunan, die spektakulär direkt an einer Felsklippe über einem Wasserfall gebaut ist, wobei der Fluss mit dem Wasserfall mitten durch den Ort fließt. Besonders auffällig sind die traditionellen Holzhäuser, die dicht an dicht am Rand der Klippen stehen. Am Abend wird die Stadt (wie so oft in China) aufwändig beleuchtet und inszeniert. Erreichbar ist Furong von Zhangjiajie mit dem Hochgeschwindigkeitszug in etwa 45 Minuten.
↑ Am Tag...
↑ ... und bei Nacht.
Teil V folgt ...
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Hier noch die Berg & Talfahrt der Bahn. Aus privaten Gründen ist der Ton in beiden Videos entfernt worden:
Direktlink
↑ Bergfahrt.
Direktlink
↑ Talfahrt.